Förderschulen Kein Sonderweg!

Deutschland verpasst das Ziel bei der Abschaffung der Förderschulen.

Die deutsche Bildungspolitik hat sich einmal wieder international blamiert. Bis Ende März sollte die Regierung Rechenschaft darüber ablegen, was sie unternommen hat, um behinderte und nicht behinderte Schüler gemeinsam zu unterrichten. Dazu hatte sich die Bundesrepublik verpflichtet, als sie die UN-Behindertenkonvention unterzeichnete.

Doch zwei Jahre nachdem die Vereinbarung in Kraft getreten ist, lässt der sogenannte deutsche Staatenbericht weiter auf sich warten. Ein Staat, der bei den Vereinten Nationen ein größeres Gewicht beansprucht, dürfte sich so einen Zeitverzug nicht leisten, sollte man meinen. Aber entgegen allen Schwüren sind Bund und Länder noch immer weit davon entfernt, ihre Versprechen einzulösen – und viele Kultusminister machen nicht einmal den ernsthaften Versuch.

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Denn an der Tatsache, dass die überwiegende Mehrheit der Schüler mit einem geistigen oder körperlichen Handicap eine Förderschule besucht, hat sich seit 2009 nur wenig geändert. Während Schweden oder Großbritannien nur rund ein Prozent der Kinder und Jugendlichen in Sondereinrichtungen betreuen, liegt die Förderschulquote hierzulande bei fast fünf Prozent.

In der UN-Konvention hat Deutschland zugesichert, diesen Sonderweg zu verlassen. Die Rhetorik hat sich seitdem grundlegend gewandelt, immerhin. Politiker aller Parteien sprechen nun von »Inklusion«, also der Einbeziehung behinderter Schüler. Doch nur wenige Bundesländer – allen voran Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein – zeigen sich bereit, die Pädagogik der Isolation aufzugeben. Gerade die viel gelobten »Pisa-Siegerländer« Bayern und Sachsen möchten das Prinzip der getrennten Beschulung fortführen und die Möglichkeit des gemeinsamen Unterrichts nur von Fall zu Fall gewähren, »wenn die Voraussetzungen gegeben sind«, wie es heißt. In Baden-Württemberg propagierte die dortige CDU sogar den Slogan »Fördern statt Inklusion«.

Doch die UN-Konvention verleiht keine Gnadenrechte, sondern individuelle Ansprüche. Zwar stimmt es, dass blinde, körperbehinderte oder lernschwache Kinder auf Sonderschulen mancherorts eine gute Förderung erhalten. Das jedoch ist kein Grund, diese Einrichtungen in ihrer jetzigen Form zu erhalten. Vielmehr muss die Politik die Regelschulen mit den notwendigen Hilfsmitteln, Räumen und vor allem Lehrern ausstatten, um den gleichen Standard zu erreichen. Für den Beweis, dass dies möglich ist, muss man glücklicherweise nicht mehr ins Ausland reisen. Hunderte von Schulen in Deutschland leben die Inklusion in vorbildlicher Weise vor.

Niemand erwartet, dass der Umbau der Schulstruktur über Nacht gelingt. Noch lange werden selbst Eltern dem gemeinsamen Lernen skeptisch gegenüberstehen und für ihre Kinder einen Schonraum suchen. Auch wird es immer Schüler geben, die Betreuung in einer Spezialeinrichtung benötigen, etwa traumatisierte oder verhaltensauffällige Jugendliche. Zum Dauerzustand darf diese Sonderbehandlung jedoch niemals werden. Das langfristige Ziel muss immer lauten: Gemeinsam ist besser als getrennt.

 
Leser-Kommentare
  1. Danke, dass Sie diese simplen Tatsachen in eine breitere Öffentlichkeit bringen!
    Ich fürchte aber die beschriebene Zurückhaltung (um nicht zu sagen Blockadehaltung) mancher Länder ist nicht ganz unbegründet... Hamburg hat gezeigt welche Konsequenzen es hat die Mehrheit der Bevölkerung nicht von den Veränderungen überzeugt zu haben. Sie sind - nicht zu Unrecht - ängstlich geworden, wenn sie überhaupt jemals mutig waren in der Bildungs- & Schulpolitik. :-?

    An der Zahl am Anfang stimmt aber etwas nicht. Die "Förderschulquote" liegt in der BRD bei ca. 80% nicht bei 5%.
    AE

  2. die werden, obwohl es den Beschluss seit einigen Jahren gibt, in der Ausbildung nicht auf diese bevorstehende Situation vorbereitet und werden wahrscheinlich mit Förderschülern überfordert sein.

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    Das (Lehrerinnenausbildung und -weiterbildung)ist sicher eines der größten Probleme bei den anstehenden Veränderungen, aber es gibt auch hier schon sehr gute Modelle.

    Ebenfalls nicht nur im Ausland... :)

    Das (Lehrerinnenausbildung und -weiterbildung)ist sicher eines der größten Probleme bei den anstehenden Veränderungen, aber es gibt auch hier schon sehr gute Modelle.

    Ebenfalls nicht nur im Ausland... :)

  3. Das (Lehrerinnenausbildung und -weiterbildung)ist sicher eines der größten Probleme bei den anstehenden Veränderungen, aber es gibt auch hier schon sehr gute Modelle.

    Ebenfalls nicht nur im Ausland... :)

  4. "Zwar stimmt es, dass blinde, körperbehinderte oder lernschwache Kinder auf Sonderschulen mancherorts eine gute Förderung erhalten. Das jedoch ist kein Grund, diese Einrichtungen in ihrer jetzigen Form zu erhalten."
    Das verstehe ich nicht. Wenn die Förderung gut ist, wieso soll man diese dann nicht erhalten?

    So Leid mir das tut, aber es gibt nunmal Kinder, die eine spezielle Förderung benötigen.
    Ich halte es für, gelinde ausgedrückt, schwierig, wenn in einer Klasse 24 gesunde Kinder sitzen und ein blindes. Das blinde Kind braucht deutlich mehr Aufmerksamkeit und Einzelförderung. Ist nur ein Lehrer in der Klasse, kommt entweder das blinde Kind zu kurz oder die 24 gesunden. Schon jetzt können die Lehrer nicht auf die Bedürfnisse der Einzelnen eingehen.
    Anderes Beispiel: Ein Kind das langsamer lernt, als seine Klassenkameraden braucht entweder die ganze Aufmerksamkeit des Lehrers, damit es dem Unterricht folgen kann und damit kommen die anderen Schüler zu kurz. Oder es bekommt nicht genug Förderung, kommt bei dem Unterrichtsstoff nicht mit und muss dann vielleicht die Klasse wiederholen. Das frustiert das Kind nur noch mehr.
    Und deswegen gibt es Förderschulen und Förderlehrer. Förderschulen haben im Allgemeinen kleinere Klassen, so können die Kinder von den Lehrern individuell betreut werden.

    Einfach alle Kinder in einen Top zu werfen (oder in eine Klasse) scheint mir fast unmöglich. Und dann geht das Geschrei nach individueller Förderung wieder los...
    Wie denn nun?

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    • Lonki
    • 05.04.2011 um 11:36 Uhr

    In gemischten Klassen sitzt nicht nur ein Lehrer. Für behinderte Kinder gibt es zusätzlich Sozialpädagogen, die diese im Unterricht und darüber hinaus begleiten. Je nach Schwere der Behinderung haben diese oft auch Zeit für andere Kinder. Die Zusatzangebote für Behinderte können ebenfalls von nicht Behinderten wahrgenommen werde, so dass alle davon profitieren.
    Mal abgesehen von der vorbildlichen Förderung ALLER Schüler steigert das auch die Sozialkompetenz.

    • Akkin
    • 16.04.2011 um 12:16 Uhr

    Ich unterrichte Physik und habe jetzt einige ehemalige Förderschüler mit im Unterricht sitzen, nicht das sie mich stören, aber so richtig viel lernen können sie nicht. Dies liegt eigentlich an verschiedenen Dingen, die Förderschüler benötigen viel mehr Aufmerksamkeit und auch schnelleren Methodenwechsel und auch eine konsequentere Kontrolle der Lernfortschritte. Ich selber fühle mich ständig überfordert, weil ich mich eigentlich vierteln lassen müßte, um allen Schülern gerecht zu werden. Schade, wenn am Ende die Regelschüler nicht mehr optimal gefördert werden. ich würde niemals ein eigenes Kind in so eine Klasse geben.

    • Lonki
    • 05.04.2011 um 11:36 Uhr

    In gemischten Klassen sitzt nicht nur ein Lehrer. Für behinderte Kinder gibt es zusätzlich Sozialpädagogen, die diese im Unterricht und darüber hinaus begleiten. Je nach Schwere der Behinderung haben diese oft auch Zeit für andere Kinder. Die Zusatzangebote für Behinderte können ebenfalls von nicht Behinderten wahrgenommen werde, so dass alle davon profitieren.
    Mal abgesehen von der vorbildlichen Förderung ALLER Schüler steigert das auch die Sozialkompetenz.

    • Akkin
    • 16.04.2011 um 12:16 Uhr

    Ich unterrichte Physik und habe jetzt einige ehemalige Förderschüler mit im Unterricht sitzen, nicht das sie mich stören, aber so richtig viel lernen können sie nicht. Dies liegt eigentlich an verschiedenen Dingen, die Förderschüler benötigen viel mehr Aufmerksamkeit und auch schnelleren Methodenwechsel und auch eine konsequentere Kontrolle der Lernfortschritte. Ich selber fühle mich ständig überfordert, weil ich mich eigentlich vierteln lassen müßte, um allen Schülern gerecht zu werden. Schade, wenn am Ende die Regelschüler nicht mehr optimal gefördert werden. ich würde niemals ein eigenes Kind in so eine Klasse geben.

    • TDU
    • 05.04.2011 um 11:19 Uhr

    Überzeugender und schneller vorangehen würde es vermutlich, wenn diejenigen, die das in die Wege leiten müssen, Kinder hätten oder ihre Kinder auf entsprechenden Schulen.

    Aber es ist und nimmt ständig zu: Die Verwalter der problematischen Verhältnisse werden in der Regel von diesen Verhältnissen tatsächlich nicht berührt.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. Ich muss es leider sagen, aber was da bisher geschah ist nichts anderes.
    Dass Bayern bei der PISA-Studie so gut abschneidet ist ein Ergebnis, dass unerwünschte Personen aus dem gesunden Volks(schul)körper entfernt sind.
    Ist aber ein Armutszeugnis Deutschlands insgesamt und einer pervertierten Leistungsgesellschaft.
    Schön, wenn ein Umdenken stattfindet, bei Schulen und Eltern.

    MfG
    AoM

    Eine Leser-Empfehlung
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    • Oldy
    • 08.04.2011 um 11:50 Uhr

    Umgekehrt wird ein Schuh draus: Der Besuch einer der "Sonderschulen" unseres Landes ist keine Strafe, sondern eine Privileg, das sich unser Bildungssystem für unendlich viel Geld und Aufwand leistet! In diesem System wird (zugegebenermaßen nicht immer optimal) jeder und jede im Rahmen seiner, bzw. ihrer Behinderung bestens nach den vorhandenen Fähigkeiten und Begabungen gefördert. Und nach Beendigung der Schulzeit wird versucht, die jungen Menschen in die Arbeitswelt einzugliedern, um ihnen eine würdige Teilhabe zu ermöglichen. Apartheid funktioniert anders! Ganz anders!

    • Oldy
    • 08.04.2011 um 11:50 Uhr

    Umgekehrt wird ein Schuh draus: Der Besuch einer der "Sonderschulen" unseres Landes ist keine Strafe, sondern eine Privileg, das sich unser Bildungssystem für unendlich viel Geld und Aufwand leistet! In diesem System wird (zugegebenermaßen nicht immer optimal) jeder und jede im Rahmen seiner, bzw. ihrer Behinderung bestens nach den vorhandenen Fähigkeiten und Begabungen gefördert. Und nach Beendigung der Schulzeit wird versucht, die jungen Menschen in die Arbeitswelt einzugliedern, um ihnen eine würdige Teilhabe zu ermöglichen. Apartheid funktioniert anders! Ganz anders!

    • Lonki
    • 05.04.2011 um 11:36 Uhr

    In gemischten Klassen sitzt nicht nur ein Lehrer. Für behinderte Kinder gibt es zusätzlich Sozialpädagogen, die diese im Unterricht und darüber hinaus begleiten. Je nach Schwere der Behinderung haben diese oft auch Zeit für andere Kinder. Die Zusatzangebote für Behinderte können ebenfalls von nicht Behinderten wahrgenommen werde, so dass alle davon profitieren.
    Mal abgesehen von der vorbildlichen Förderung ALLER Schüler steigert das auch die Sozialkompetenz.

    Antwort auf "unverständlich"
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    mehrere Lehrer in einer Klasse sind, dann kann das Konzept funktionieren.
    Aber so siehts nunmal nicht aus. Wir haben doch Lehrermangel, oder seh ich das falsch?
    Außerdem wird es sich nicht jede Schule leisten können, mehrere Lehrer pro Klasse einzustellen.
    Das dieses personelle und geldliche Problem nicht so einfach und nicht so schnell gelöst werden kann, sollte eigentlich klar sein.

    mehrere Lehrer in einer Klasse sind, dann kann das Konzept funktionieren.
    Aber so siehts nunmal nicht aus. Wir haben doch Lehrermangel, oder seh ich das falsch?
    Außerdem wird es sich nicht jede Schule leisten können, mehrere Lehrer pro Klasse einzustellen.
    Das dieses personelle und geldliche Problem nicht so einfach und nicht so schnell gelöst werden kann, sollte eigentlich klar sein.

    • AceKi
    • 05.04.2011 um 11:49 Uhr

    Als Vater eines behinderten Kindes kann ich nur sagen, dass die sog. Inklusion bzw. Intergration einfach nur blödsinn ist! Die Kinder haben bereits genug mit sich selbst und mit der Umwelt zu kämpfen. Eine Vermischung, so gut gemeint sie sein will, bringt niemanden weiter. Die Kinder werden gezielt gefördert und das ist auch gut so. Aber es geht ja wie immer ums Geld...

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    ABER andere Mütter und Väter sehen das ganz anders!
    Und: Die Beispiele anderer Länder zeigen, dass es (unter guten Bedingungen) sehr gut läuft und zwar für ALLE Kinder.

    ABER andere Mütter und Väter sehen das ganz anders!
    Und: Die Beispiele anderer Länder zeigen, dass es (unter guten Bedingungen) sehr gut läuft und zwar für ALLE Kinder.

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