DIE ZEIT: Sorgen um einen Arbeitsplatz müssen angehende Ingenieure zurzeit nicht haben, oder?

Diana Knoch : Mit einem ingenieurwissenschaftlichen Abschluss sind Absolventen auf der sicheren Seite: Weil der Fachkräftemangel nach wie vor besteht und außerdem die Wirtschaft anzieht, haben sie sehr gute Chancen, auf dem Arbeitsmarkt unterzukommen. Seit September 2010 gehen auch verstärkt die Unternehmen – selbst namhafte wie Daimler, ThyssenKrupp oder die Schaeffler Gruppe – wieder auf den CareerService des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zu und melden freie Stellen.

ZEIT : Sind die Chancen überall gleich gut?

Knoch : Man muss nach Branchen differenzieren: So gibt es etwa bei den Architekten seit Längerem ein deutliches Überangebot an Absolventen. Hohe Nachfrage besteht insbesondere beim Fahrzeugbau, also bei den Automobilunternehmen und ihren Zulieferern, aber auch in der Chemie- und Elektroindustrie, beim Maschinen- und Anlagebau und in der Energiewirtschaft. Außerdem ist der Fachkräftemangel aus unserer Erfahrung mittlerweile nicht nur bei großen Unternehmen, sondern auch beim Mittelstand angekommen – allerdings nicht so stark, weil die Mittelständler in der Wirtschaftskrise noch eher eingestellt haben als die großen Unternehmen.

ZEIT : Inwieweit sind die Auswirkungen der Krise noch zu spüren?

Knoch : Nach einer Phase deutlicher Zurückhaltung sind wir mittlerweile bei der Nachfrage nach Fachkräften wieder auf dem Stand von vor der Krise. Es gibt wieder mehr freie Stellen, weil mit anziehender Konjunktur Nachholbedarf besteht. Aber der Fachkräftemangel hat noch weitere Gründe: Die geburtenschwachen Jahrgänge werden mit dem Studium fertig, während gleichzeitig viele Arbeitnehmer in Rente gehen.

ZEIT : Wie wird sich das in den kommenden fünf, zehn Jahren entwickeln?

Knoch : Das hängt stark von der Wirtschaftslage ab. Wenn sich diese weiterhin so positiv entwickelt, wird sich der Mangel an Nachwuchskräften noch stärker bemerkbar machen. Wir haben schon aktuell 80000 offene Stellen gegenüber 23000 arbeitslos gemeldeten Ingenieuren. Aber Angebot und Nachfrage werden sich langfristig wieder etwas annähern, weil wir bundesweit seit 2007 wieder steigende Studienanfängerzahlen in diesen Fächern verzeichnen.

ZEIT : Reicht dann bei so guten Arbeitsplatzchancen auch ein Schmalspurstudium?

Knoch : Auf keinen Fall: Wir raten allen Studenten dazu, sich über die Pflichtmodule hinaus weiterzuentwickeln. Im späteren Arbeitsleben sind nicht nur die Noten entscheidend. Soft Skills sind aus dem Berufsalltag nicht mehr wegzudenken – wer die weiterentwickelt, hat gegenüber Mitbewerbern um den Traumjob einen großen Pluspunkt. Jede Hochschule bietet mittlerweile Kurse an, etwa zu Präsentationstechniken, Projektmanagement oder Konfliktmanagement. Praktika – entweder in Unternehmen oder auch in den Instituten der Hochschulen selbst – sind ebenfalls unerlässlich. Und auch mit einem Auslandsaufenthalt kann man sich von Mitbewerbern abheben.