Wappen am Blauen Schloss im mittelfränkischen Obernzenn. 2004 musste Freiherr Meinhard von Seckendorff das Viertel des Schlosses, das er geerbt hatte, verkaufen.

Die Lage ist kritisch. Im Januar vergangenen Jahres verließ der Freiherr Meinhard von Seckendorff nach 90 Semestern die Universität Zürich und kehrte auf sein Schloss in Obernzenn zurück.

Er kehrte zurück mit leeren Taschen, dafür mit der Hoffnung, die Heimat bald wieder verlassen zu können. Doch nur die begüterte und poetisch veranlagte Cousine Celia könnte den Freiherrn aus dem Schlamassel holen.

Meinhard von Seckendorff ist ein klein gewachsener Herr mit schlohweißen Haaren und einem gutmütigen Lächeln im runden Gesicht. Bedrückt sitzt er im Schlosswohnzimmer, duckt sich vor den grimmigen Blicken der Vorfahren, deren Bilder er noch nicht verkauft hat, und sagt: »Vielleicht hätte ich doch besser einen Beruf ergriffen, als ich jung war.« Denn das Erbe, das ist jetzt weg.

Obernzenn ist ein deprimierendes 2000-Seelen-Dorf inmitten der Wald-und-Hügel-Geografie Nordbayerns. Die verwaisten Straßen sind mit Werbung für Altgold zugepflastert, und im Eingangsbereich des Supermarktes sollte man besser die Luft anhalten. Gleich nebenan wohnt der Baron in einem Schloss, dem Seckendorffschen Familienanwesen, erbaut im 18. Jahrhundert. Innen sieht es aus wie nach einem Krieg: nackt und ausgeschlachtet. Die Holzböden sind verbogen, die Tapeten verblichen, die Wände zersprungen, die Räume einzig von verrußten Öfen bewohnt.

Der Baron lebt im Obergeschoss in einer halbwegs intakten Oase inmitten der Schlosswüste. Ein mit den übrig gebliebenen Erbstücken ausstaffiertes Wohnzimmer. Ein Fernsehzimmer, das der Baron nur ungern zeigt, weil es nicht aufgeräumt ist, und ein Schlafzimmer, das er lieber nicht zeigt. »Eigentlich lege ich schon Wert auf Ordnung«, sagt Meinhard von Seckendorff.

Ordnung in den Lebenslauf des Barons zu bringen ist jedoch nicht ganz einfach. Er erzählt drauflos, von Tante Fea, die den kommunistischen Untergrund unterstützte, vom Vetter Burkhard, der einst das Erdgeschoss bewohnte und mit seinem ungarischen Schäferhund aus einem Bierglas trank, und von der Hamburger Cousine Celia, in die er verliebt ist. »Celia ist poetisch und begütert«, sagt Meinhard von Seckendorff, »das würde viele Probleme lösen.«

Herr Baron, können Sie ganz vorne beginnen?

Er beginnt mit der Mutter: »Mutter liebte den Wald mehr als mich.« Eine schwierige Beziehung. Der Vater, Panzergeneral Erich von Seckendorff, fiel neun Monate nach Meinhards Geburt an der Westfront. Die beiden waren auf sich gestellt.

Die Mutter, eine Berlinerin, harrte aus Pflichtgefühl gegenüber dem verstorbenen Gatten auf dem Provinzschloss aus und kümmerte sich um das Familiengut, die Äcker und eben den Wald. Den sensiblen Meinhard schickte sie ins Internat. Was ihm in schrecklicher Erinnerung geblieben ist. »Mutter wollte einen zähen Preußen aus mir machen«, sagt er, »aber ich klappte zusammen.«