Monica Lierhaus mit ihrem Partner Rolf Hellgardt während der Goldenen Kamera 2011 © Franziska Krug-Pool/Getty Images

Die erste Frage, die einem durch den Kopf schießt: Wie schafft sie das? Monica Lierhaus wohnt zusammen mit ihrem Partner Rolf Hellgardt in einem Klinkerbau in Hamburg. Das Haus steht an einem der Kanäle, die zur Alster führen. Ihre Wohnung liegt im ersten Stock, man muss eine lange Treppe erklimmen, um sie zu erreichen. Kein Fahrstuhl, kein Treppenlift, nichts, was auf behindertengerechtes Wohnen deuten würde. »Vom ersten Tag an«, sagt Hellgardt, der die Tür öffnet, »hat sich Monica da hochgekämpft.« Hellgardt war es, der bei der ZEIT angefragt hatte, ob man sich ein Gespräch mit Monica Lierhaus vorstellen könne, der Fernsehmoderatorin, die nach einer Gehirnblutung schwer gezeichnet ist. Hellgardt, 42 Jahre alt, ist Geschäftsführer einer Fernsehproduktionsfirma. Am Ende der Treppe steht Monica Lierhaus, 40 Jahre alt, bereit zur Begrüßung. Schweren Schrittes geht sie anschließend ins Esszimmer und setzt sich an den Tisch. An ihrer Seite nimmt Rolf Hellgardt Platz.

DIEZEIT : Frau Lierhaus, Herr Hellgardt, warum haben Sie sich dieses Interview gewünscht?

MonicaLierhaus : Weil wir ein paar Dinge klarstellen wollen.

ZEIT : Welche?

Lierhaus : Die tun jetzt so, als ob es nur um Geld ginge. Es geht nicht nur ums Geld.

ZEIT : Sie meinen Ihr Engagement für die ARD-Fernsehlotterie »Ein Platz an der Sonne«?

Lierhaus : Ja.

ZEIT : Und wenn Sie »die« sagen, wen meinen Sie dann?

Lierhaus : Die Medien. Unsere Kollegen.

ZEIT : Sie haben die Kritik in den vergangenen Monaten mitbekommen?

Lierhaus : Ja, das hat mich getroffen.

ZEIT : Die Kritik war nicht: Monica Lierhaus geht es nur ums Geld. Kritisiert wurde die Höhe Ihres Jahresgehalts bei der ARD-Fernsehlotterie von angeblich 450.000 Euro – eine Summe, die Sie nie dementiert haben.

Lierhaus : Dass das ein Problem ist, kann sein.

ZEIT : Können Sie die Debatte dann auch verstehen?

Lierhaus : Ein bisschen kann ich es verstehen, ein bisschen, ja.

ZEIT : Und was halten Sie dem entgegen?

Lierhaus : Dass alle dafür Geld bekommen haben und dass ich ja auch von irgendwas leben muss.

ZEIT : Ist Ihnen das Jahresgehalt vorgeschlagen worden, oder haben Sie es selber in dieser Höhe gefordert?

Lierhaus : Nein, das ist mir vorgeschlagen worden.

ZEIT : Sodass Sie davon ausgehen, dass Ihre Vorgänger eine ähnliche Summe bekommen haben?

Lierhaus : Ja.

ZEIT : Sie wissen aber auch, dass sich ehemalige Kollegen gemeldet haben, wie zum Beispiel Ulrich Wickert? Der hat gesagt, er habe für die ARD-Lotterie geworben und nicht mehr als ein Jahreslos dafür bekommen.

Rolf Hellgardt : Ja, aber viele haben nicht das Gleiche gemacht, was Monica macht. Monica hat sich ihr Leben lang engagiert, für Unicef, für »Nichtrauchen ist cool«...

Lierhaus : ...auch immer unentgeltlich.

ZEIT : Bevor wir das weiter vertiefen – es fällt auf, dass Sie, Frau Lierhaus, sich jetzt sehr viel besser und schneller artikulieren können als bei Ihrem Auftritt bei der Goldenen Kamera.

Lierhaus : Ja? Das freut mich, wenn Sie das so sehen.

ZEIT : Worauf ist das zurückzuführen? War das die Aufregung dort, oder haben Sie große Fortschritte gemacht?

Lierhaus : Ich glaube, das ist die Weiterarbeit. Ich trainiere ja auch täglich Sprache – Logopädie.

ZEIT : Warum ist Ihr Lebensgefährte bei diesem Gespräch dabei?

Lierhaus : Warum nicht?

ZEIT : Ursprünglich hieß es, Monica Lierhaus wolle mit uns sprechen.

Lierhaus : Ich fühle mich wohler, wenn er dabei ist.

ZEIT : Haben Sie das Gefühl, dass es Bereiche gibt, wo er sich besser artikulieren kann als Sie?

Lierhaus : Nein, aber es gibt mir Sicherheit.

ZEIT : Was ist für Sie, Herr Hellgardt, die Begründung?

Hellgardt : Sie hätten auch allein mit Monica sprechen können. Was aber gerade medial passiert, betrifft uns auch als Paar. Es ist ja nicht so, dass nur Monica Bestandteil der Berichterstattung war, sondern auch mir durchaus eine zwielichtige Rolle unterstellt worden ist.

ZEIT : Ist denn die Darstellung zutreffend, dass Sie schon in der Zeit, als es Frau Lierhaus noch ganz schlecht ging, also unmittelbar nach der Hirnblutung, angefangen haben, mit den Verantwortlichen der ARD-Fernsehlotterie zu verhandeln?

Hellgardt : Verhandeln ist mit Sicherheit das falsche Wort. Was ich aber getan habe – und dazu stehe ich zu hundert Prozent–, ist, dass ich ungewöhnlich früh angefangen habe, nach verschiedenen Konstellationen für Monica zu suchen für den Fall, dass sie wieder arbeiten kann, nicht nur beim Fernsehen. Dass sie vielleicht hätte Hörbücher machen können, wenn sich herausgestellt hätte, dass sie zwar sprechen, sich aber nicht mehr bewegen kann. Mir war von vornherein klar: So wie Monica tickt, braucht sie Licht am Ende des Tunnels. Und der Tunnel war stockfinster.

Lierhaus : Ja! So war das.

ZEIT : Ab wann waren Sie, Frau Lierhaus, überhaupt in der Lage, über Ihre eigenen Perspektiven zu reden?

Lierhaus : Kann ich gar nicht genau sagen – vielleicht ein halbes Jahr später?

Hellgardt : Ja, so war es.

ZEIT : Spüren Sie Auswirkungen der kritischen Berichterstattung? Werden Sie darauf angesprochen?

Lierhaus : Nein, die Menschen sind freundlich zu mir – sehr. Zum Beispiel gehe ich ab und zu zum Blumenladen und kaufe ein paar Blumen. Dort freut man sich immer wahnsinnig. Auch die Menschen auf der Straße oder in der Rehaklinik.

ZEIT : Werden Sie gar nicht auf Ihr Engagement angesprochen? Es hat offenbar viele Kündigungen bei der Fernsehlotterie gegeben.

Lierhaus : Nein, überhaupt nicht.

Hellgardt : Es gibt ja nicht nur Kritiker. Wir haben Zigtausende Mails bekommen von Menschen, die sich dafür bedanken, dass Monica mit ihrer Krankheit in die Öffentlichkeit geht und so für die vielen Menschen eintritt, die mit einem ähnlichen Schicksal kämpfen.