Medienunternehmen BertelsmannFamilienbande

Fünf Jahre lang war der Medienkonzern Bertelsmann durch eine Entscheidung der Gründerfamilie Mohn gelähmt. Erst jetzt kann sich das Unternehmen strategisch weiterentwickeln. von 

Das Wohl der Eigentümer und ihres Unternehmens ist nicht dasselbe. Der Medienkonzern Bertelsmann hat das in den vergangenen fünf Jahren erleben und erleiden müssen, und wie die aktuellen Zahlen belegen, ist das Unternehmen erst jetzt wieder da angekommen, wo es im Frühjahr 2006 finanziell schon einmal war.

Rückblende: Vor fünf Jahren hatten die Eigentümer, die Familie Mohn und die von der Familie Mohn dominierte Bertelsmann-Stiftung , entschieden: Der Medienkonzern muss 4,5 Milliarden Euro ausgeben, um 25,1 Prozent der eigenen Aktien zu erwerben . Sie waren damals im Besitz eines belgischen Investors, der sie loswerden wollte und dafür zwei Optionen besaß: Entweder fänden die Mohns einen Käufer – oder Bertelsmann hätte an die Börse gehen müssen.

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Weder die Familie noch die Stiftung konnten so viel Geld aufbringen, einen neuen Aktionär wollte niemand, an die Börse sollte das Unternehmen schon gar nicht: Also musste der Medienkonzern selber ran und sich bis an die Grenze des Verantwortlichen verschulden, um danach die Aktien einfach einzuziehen und quasi in den Reißwolf zu stecken.

Von einem Tag auf den anderen stiegen damit die Schulden – inklusive Pensionsverpflichtungen – auf 10,6 Milliarden Euro, ohne für das Unternehmen etwas zu gewinnen. Eine erdrückende Last angesichts von 19 Milliarden Euro Umsatz und einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 1,8 Milliarden. Zumal dieser Umsatz in den folgenden Jahren sinken sollte, genau wie das Ergebnis, und als wäre das noch nicht genug, schlug die Weltwirtschaftskrise zu. Es bedarf nicht viel, um zu erkennen, wie gelähmt der Medienkonzern war.

Mindestens so schwer wiegt: Der damalige Vorstand hatte zuvor keine Vorsorge für einen möglichen Rückkauf getroffen. Stattdessen hatte das Unternehmen noch im Jahr 2005 etwa 2,5 Milliarden Euro investiert, weil sich aufstrebende Manager einen Schönheitswettbewerb lieferten. Alle wollten sie Vorstandschef werden, und der damalige Chef ließ es zu. Damit blähte sich der Umsatz, aber das Ergebnis wuchs nicht mit, denn wie sich herausstellen sollte, floss das meiste Geld nicht in zukunftsweisende Geschäfte, sondern in alte, vom technischen Wandel bedrohte Branchen (Buchclubs, Druckereien, DVD-Versand, Motorpresse, TV-Sender Channel 5). Auch deshalb ist Bertelsmann im Internet bis heute eher eine Randerscheinung. So musste der Rückkauf am Ende über hohe Kredite finanziert werden, und um die abzutragen, verkaufte der Konzern nicht etwa die schlechten, sondern mit die besten, die wertvollsten Beteiligungen. Um nur zwei zu nennen: das Musikverlagsgeschäft der Bertelsmann Music Group und den Wissenschaftsverlag Springer Science.

Ohne den Rückkauf wäre Bertelsmann heute einer der größten Musikkonzerne der Welt, wäre im Geschäft mit Bildung und Wissenschaft eine große Nummer und hätte das Geld gehabt, im Internet eine zu werden.

Was für ein Bruch das für die Unternehmensentwicklung gewesen ist, belegen Finanzvorstand Thomas Rabe und Vorstandschef Hartmut Ostrowski derzeit eindrücklich. Rabe baut mit dem Finanzinvestor KKR ein neues Musikverlagsgeschäft auf, und wenn es sich ergibt, würde er wohl auch im großen Stil bei Warner Music oder EMI investieren, den Nummern drei und vier auf dem Weltmarkt. Ostrowski wiederum hat das strategische Ziel, ins Bildungsgeschäft zurückzukehren und es zu einer tragenden Säule des Konzerns zu machen.

Immerhin ist Bertelsmann wieder dazu in der Lage, und der aktuelle Vorstand hat die Chance, das Unternehmen voranzubringen. Die Schulden sind auf unter fünf Milliarden Euro gesunken, in der Kasse ist mehr als eine Milliarde Bares, das operative Ergebnis lag 2010 wieder bei 1,85 Milliarden Euro, und die Geschäfte laufen weiter gut.

Wer aber glaubt, die Entscheidung wäre für die Familie Mohn ein Fehler gewesen, der irrt. Im Jahr 2005 besaß sie 17,6 Prozent der Bertelsmann-Aktien, und der Konzern erwirtschaftete rund 1,8 Milliarden Euro. Das tut er heute wieder, nur besitzen die Mohns jetzt 19,6 Prozent, und die Dividende erhöht sich auf 180 Millionen Euro. Rechnerisch gehen also etwa 35 Millionen Euro an die Familie. So viel wie lange nicht.

175 Jahre ist Bertelsmann alt. Was sind da fünf verlorene Jahre? Für die Familie wenig. Und die anderen im Konzern wurden dafür bezahlt, die Zeit der Starre zu erdulden.

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Leserkommentare
  1. Darf ich es sagen? Oder werde ich zensiert, gar gesteinigt?

    Eigentümer, Unternehmen, Stiftung - fein unterschieden, nur keine Rede von den Arbeitnehmern, nicht einmal den Kunden.

    Irgend ein Investor entscheidet aus der Ferne und er "darf" das, weil er Aktien hat. Er darf sogar drohen.

    Eigene Aktien werden zurück erworben. Wie soll man da "eigene" verstehen?

    Macht man eben über 10 Milliarden Schulden. Einfach so. Wenn es nicht gut ausgeht, bleiben die Schulden Schulden. Wenn es gut ausgeht, juchu.

    35 Millionen für die Familie, nur für das letzte Jahr und das war kümmerlich. Rasch noch ein paar Bildungsgutscheine für arme Kinder auf Antrag, nach Genehmigung und bei Kontrolle.

    Aufstrebende Manager lieferten sich einen Schönheitswettbewerb? Darf ich dann ein Tontaubenschießen draus machen?

    Schulden immer noch über fünf Milliarden und in der Kasse ist eine Milliarde Bares. Kleingeld braucht man ja immer mal, nicht?

    "Und die anderen im Konzern wurden dafür bezahlt, die Zeit der Starre zu erdulden." Die anderen, die meisten, nämlich die ohne Aktien, die nur arbeiten?

    Ich musste das einfach so dumm schreiben. Weil man nur noch so gegen all diese alltägliche Perversion ankommt. DAS ist und sollte nicht als Normalität gesehen werden.

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwohl. Die Redaktion/cs

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    • MeIkor
    • 02. April 2011 19:58 Uhr

    Ich verstehe Ihre Empörung nicht:
    "Irgend ein Investor entscheidet aus der Ferne und er "darf" das, weil er Aktien hat. Er darf sogar drohen."
    Ja, wer Anteile im eigenen Besitz hat, der darf die auch dann verkaufen, wenn anderen dies nicht gefällt.
    "Eigene Aktien werden zurück erworben. Wie soll man da "eigene" verstehen?" Es geht hier um Aktien der Bertelsmann AG.
    "Macht man eben über 10 Milliarden Schulden. Einfach so. Wenn es nicht gut ausgeht, bleiben die Schulden Schulden. Wenn es gut ausgeht, juchu." Im schlimmsten Fall muss man die Anteile dann doch an die Börse bringen. Den Reißwolf Absatz von Herrn Hamann verstehe ich auch nicht ganz.
    "Schulden immer noch über fünf Milliarden und in der Kasse ist eine Milliarde Bares. Kleingeld braucht man ja immer mal, nicht?" Fremdkapital wird üblicherweise nach Vertrag zurückbezahlt und nicht dann, wenn man kann oder will.

    Es wird immer gegen den Shareholder Value angeschrieben. Jetzt versucht eine AG die Mitsprache von Kapitalgebern zu beschränken, indem sie eigene Anteile aufkauft, und es wird wieder gemäckert. Vielleicht ist es ja im langfristigen Firmeninteresse, die Unternehmensanteile auf wenige Hände zu verteilen, vielleicht auch nicht. Die Empörung empfinde ich aber
    als substanzlos, obwohl ich wahrlich kein Freund Bertelsmanns bin.

    • MeIkor
    • 02. April 2011 19:58 Uhr

    Ich verstehe Ihre Empörung nicht:
    "Irgend ein Investor entscheidet aus der Ferne und er "darf" das, weil er Aktien hat. Er darf sogar drohen."
    Ja, wer Anteile im eigenen Besitz hat, der darf die auch dann verkaufen, wenn anderen dies nicht gefällt.
    "Eigene Aktien werden zurück erworben. Wie soll man da "eigene" verstehen?" Es geht hier um Aktien der Bertelsmann AG.
    "Macht man eben über 10 Milliarden Schulden. Einfach so. Wenn es nicht gut ausgeht, bleiben die Schulden Schulden. Wenn es gut ausgeht, juchu." Im schlimmsten Fall muss man die Anteile dann doch an die Börse bringen. Den Reißwolf Absatz von Herrn Hamann verstehe ich auch nicht ganz.
    "Schulden immer noch über fünf Milliarden und in der Kasse ist eine Milliarde Bares. Kleingeld braucht man ja immer mal, nicht?" Fremdkapital wird üblicherweise nach Vertrag zurückbezahlt und nicht dann, wenn man kann oder will.

    Es wird immer gegen den Shareholder Value angeschrieben. Jetzt versucht eine AG die Mitsprache von Kapitalgebern zu beschränken, indem sie eigene Anteile aufkauft, und es wird wieder gemäckert. Vielleicht ist es ja im langfristigen Firmeninteresse, die Unternehmensanteile auf wenige Hände zu verteilen, vielleicht auch nicht. Die Empörung empfinde ich aber
    als substanzlos, obwohl ich wahrlich kein Freund Bertelsmanns bin.

    Antwort auf "Pervers"
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    Echt? Ich glaube, Sie verstehen nichts. Aber immerhin shareholder value richtig schreiben und überhaupt schön in der Sprache schwatzen. Sie gehören eben dazu. Ab in die geschlossene!

    P.S. Ein bisschen wurde zensiert. Geht aber noch.

  2. Bleibt nur noch anzumerken, dass

    - sich rund 77% der Unternehmens-Aktien im Besitz der "gemeinnützigen" Bertelsmann-Stiftung befinden,

    - dem Fiskus -rsp. der Allgemeinheit- damit hunderte Millionen an Steuermitteln entzogen (bzw. aufgelastet) werden,

    - die, wie Thomas Schuler in seinem Buch "Bertelsmann-Republik Deutschland" überzeugend darlegt, in obskure Lobbyarbeit, propagandistische Meinungsumfragen und verdeckte Mitwirkung an dubiosen Reformprojekten (z.B. Abschaffung der Sozialhilfe / Hartz-IV Reform, Einführung von Studiengebühren, Schmiergeld für EU-Parlamentarier wie Hr. Elmar Brock, u.a.) "reinvestiert" werden, dass am Ende einert immer als Gewinner dasteht: Bertelsmann!

    Was ist daran eigentlich so löblich oder bewundernswert?

  3. 4. # 2...

    Echt? Ich glaube, Sie verstehen nichts. Aber immerhin shareholder value richtig schreiben und überhaupt schön in der Sprache schwatzen. Sie gehören eben dazu. Ab in die geschlossene!

    P.S. Ein bisschen wurde zensiert. Geht aber noch.

    Antwort auf "seltsame Empörung"
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    • MeIkor
    • 03. April 2011 0:32 Uhr

    Das Ziel Ihrer Empörung kann meiner Meinung nach kaum besser gewählt sein, der Grund Ihrer Empörung ist haltlos. Halt- und substanzloser Eifer schadet aber der Glaubwürdigkeit von Gegnern der neoliberalen Umverteilungsmaschinerie und rückt uns alle in die Ecke "linker Spinner".
    Von Ihren Thesen lasse ich mich übrigens gern überzeugen. Versuchen Sie es doch bitte mit Argumenten.
    Ich unterstütze ausdrücklich Kommentar drei und stehe in meiner politischen Meinung so ziemlich allen Ideen aus dem Hause Bertelsmann kritisch gegenüber. Besitzern eines Unternehmens aber vorzuwerfen, die Entscheidungshoheit über das Unternehmen zu bewahren, ist verrückt, auch wenn es einen finanziellen Kraftakt kostet.

    • MeIkor
    • 03. April 2011 0:32 Uhr

    Das Ziel Ihrer Empörung kann meiner Meinung nach kaum besser gewählt sein, der Grund Ihrer Empörung ist haltlos. Halt- und substanzloser Eifer schadet aber der Glaubwürdigkeit von Gegnern der neoliberalen Umverteilungsmaschinerie und rückt uns alle in die Ecke "linker Spinner".
    Von Ihren Thesen lasse ich mich übrigens gern überzeugen. Versuchen Sie es doch bitte mit Argumenten.
    Ich unterstütze ausdrücklich Kommentar drei und stehe in meiner politischen Meinung so ziemlich allen Ideen aus dem Hause Bertelsmann kritisch gegenüber. Besitzern eines Unternehmens aber vorzuwerfen, die Entscheidungshoheit über das Unternehmen zu bewahren, ist verrückt, auch wenn es einen finanziellen Kraftakt kostet.

    Antwort auf "# 2..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Genau. DAS meinte ich eben damit, dass Sie nichts verstehen. Der Wust der haltlosen Empörung war gewollt. Es scheint mir manchmal, vielleicht sogar zunehmend passender, notwendiger. Wen sollte ich ansprechen? Die Manager, die selbst in diesem Artikel nicht gut wegkommen, und die meisten Mitglieder der Bertelsmann-Clique sowie die Aktienspieler werde ich nicht erreichen können. Sie sind menschlich verloren, versunken in den profitablen Aussichten, sogar zwangsweise durch die Regeln ausgerichtet.

    Bei der kompletten Gegenseite, von den Kritikern "neoliberaler Umwerteilungsmaschinen" bis zu den "linken Spinnern" würde ich nur offene Türen einrennen.

    Was bleibt, sind die Neutralen, die Unentschiedenen, die Schwankenden. Sie erleben eine Normalität solcher Artikel, solcher Vorgänge, einschließlich der Sprache. Aber es ist nicht normal, es ist nur ein Standard, der von einer Seite eingebürgert wurde. Wieso sollte man als Gegenentwurf die Werkzeuge dieser Seite verwenden? Indem ich mich in eine argumentative Debatte mit fachlichen Details stürze, würde ich nur den Standard bestätigen, die Sprache erneut festigen.

    Es ist falsch, den Fall zu personalisieren und nach spezifischen Ansatzpunkten zu suchen. Bertelsmann war nur innerhalb eines Systems möglich, das alle Alternativen und Bedenken ausschaltet. Hier muss die Kritik ansetzen und das kann nicht dadurch geschehen, dass man ähnlich wie die Wölfe heult.

    ...Sie liefern selbst ein gutes Beispiel. Sie bezeichnen die Gefahr mit dem Hinweis auf die Ecke "linker Spinner". Das ist schon vorab wertend, aburteilend. Es wiederholt ein Bild, das faktisch nicht stimmt, jedoch gerne von der Gegenseite genutzt wird. Ähnlich den Anti-Faschisten, die ihre Gegner mit einem Fingerzeig auf Hitler abtun (hier zumindest meist noch mit dem Ansatz von Berechtigung, weil manches gegen Menschen gerichtet ist), gibt es die Abwertung des Linken durch die historischen Dimensionen sich sozialistisch nennender Staaten. Dieser Entwurf stammt aber zweifellos gerade von denen, die jede Idee aus diesem Bereich abweisen möchten. Er ist etabliert worden durch eine Kultur, die von den mächtigen Spielern beeinflusst wurde, damit jede Form von Kritik pauschal dieses Etikett erhalten kann. Aber das ist inhaltlich und ursächlich nicht haltbar! Man kann gegen die Auswüchse - im Bertelsmann-Fall oder bei der Bankenkrise - sein, ohne ein linker Ideologe sein zu müssen. Die Gefahr, als solcher abgestempelt zu werden, ist Teil des Spiels. Indem Sie die Gefahr zu sehen glauben, es aussprechen, anerkennen Sie die Regeln der Gegenseite. Selbst, wer links ist, ist nicht automatisch ein Spinner, sondern äußert sich nur innerhalb seiner Meinungsfreiheit, aber die Kennzeichnung als Gefahr geht darüber hinaus und bedroht alles, was links klingen könnte, mit der Verurteilung als Spinnerei. Eingefangen sind Sie bereits, Ihre Kritik ist "willkommen", denn sie bleibt im System.

  4. Genau. DAS meinte ich eben damit, dass Sie nichts verstehen. Der Wust der haltlosen Empörung war gewollt. Es scheint mir manchmal, vielleicht sogar zunehmend passender, notwendiger. Wen sollte ich ansprechen? Die Manager, die selbst in diesem Artikel nicht gut wegkommen, und die meisten Mitglieder der Bertelsmann-Clique sowie die Aktienspieler werde ich nicht erreichen können. Sie sind menschlich verloren, versunken in den profitablen Aussichten, sogar zwangsweise durch die Regeln ausgerichtet.

    Bei der kompletten Gegenseite, von den Kritikern "neoliberaler Umwerteilungsmaschinen" bis zu den "linken Spinnern" würde ich nur offene Türen einrennen.

    Was bleibt, sind die Neutralen, die Unentschiedenen, die Schwankenden. Sie erleben eine Normalität solcher Artikel, solcher Vorgänge, einschließlich der Sprache. Aber es ist nicht normal, es ist nur ein Standard, der von einer Seite eingebürgert wurde. Wieso sollte man als Gegenentwurf die Werkzeuge dieser Seite verwenden? Indem ich mich in eine argumentative Debatte mit fachlichen Details stürze, würde ich nur den Standard bestätigen, die Sprache erneut festigen.

    Es ist falsch, den Fall zu personalisieren und nach spezifischen Ansatzpunkten zu suchen. Bertelsmann war nur innerhalb eines Systems möglich, das alle Alternativen und Bedenken ausschaltet. Hier muss die Kritik ansetzen und das kann nicht dadurch geschehen, dass man ähnlich wie die Wölfe heult.

    Antwort auf "die Geschlossene"
  5. ...Sie liefern selbst ein gutes Beispiel. Sie bezeichnen die Gefahr mit dem Hinweis auf die Ecke "linker Spinner". Das ist schon vorab wertend, aburteilend. Es wiederholt ein Bild, das faktisch nicht stimmt, jedoch gerne von der Gegenseite genutzt wird. Ähnlich den Anti-Faschisten, die ihre Gegner mit einem Fingerzeig auf Hitler abtun (hier zumindest meist noch mit dem Ansatz von Berechtigung, weil manches gegen Menschen gerichtet ist), gibt es die Abwertung des Linken durch die historischen Dimensionen sich sozialistisch nennender Staaten. Dieser Entwurf stammt aber zweifellos gerade von denen, die jede Idee aus diesem Bereich abweisen möchten. Er ist etabliert worden durch eine Kultur, die von den mächtigen Spielern beeinflusst wurde, damit jede Form von Kritik pauschal dieses Etikett erhalten kann. Aber das ist inhaltlich und ursächlich nicht haltbar! Man kann gegen die Auswüchse - im Bertelsmann-Fall oder bei der Bankenkrise - sein, ohne ein linker Ideologe sein zu müssen. Die Gefahr, als solcher abgestempelt zu werden, ist Teil des Spiels. Indem Sie die Gefahr zu sehen glauben, es aussprechen, anerkennen Sie die Regeln der Gegenseite. Selbst, wer links ist, ist nicht automatisch ein Spinner, sondern äußert sich nur innerhalb seiner Meinungsfreiheit, aber die Kennzeichnung als Gefahr geht darüber hinaus und bedroht alles, was links klingen könnte, mit der Verurteilung als Spinnerei. Eingefangen sind Sie bereits, Ihre Kritik ist "willkommen", denn sie bleibt im System.

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    • MeIkor
    • 03. April 2011 11:52 Uhr

    Ich habe die Anführungszeichen in "linke Spinner" nicht genutzt, weil ich mich nicht besser Ausdrücken kann, sondern um einen Vorwurf zu zitieren, den ich mir nicht zu Eigen machen möchte. Eifernde Kritik auf schiefer Grundlage füttert das zitierte Totschlagargument. Deshalb ärgert mich dieser Zeitartikel ebenso wie Ihr Kommentar.

    "Indem ich mich in eine argumentative Debatte mit fachlichen Details stürze, würde ich nur den Standard bestätigen, die Sprache erneut festigen."
    Schon wieder die Sprache. Eine Wissenschaft muss eine Fachsprache definieren, damit Aussagen feste Grenzen gesetzt werden. Ansonsten fehlt die notwendige Genauigkeit der Mitteilungskraft. Machen Sie es nicht der Welt zum Vorwurf, dass Sie Schwierigkeiten mit den Worten Fremdkapital und Shareholder Value haben. Ohne fachlich gestützte Argumente, kann man auch annehmen, dass die Welt eine Scheibe sei.

    • MeIkor
    • 03. April 2011 11:52 Uhr

    Ich habe die Anführungszeichen in "linke Spinner" nicht genutzt, weil ich mich nicht besser Ausdrücken kann, sondern um einen Vorwurf zu zitieren, den ich mir nicht zu Eigen machen möchte. Eifernde Kritik auf schiefer Grundlage füttert das zitierte Totschlagargument. Deshalb ärgert mich dieser Zeitartikel ebenso wie Ihr Kommentar.

    "Indem ich mich in eine argumentative Debatte mit fachlichen Details stürze, würde ich nur den Standard bestätigen, die Sprache erneut festigen."
    Schon wieder die Sprache. Eine Wissenschaft muss eine Fachsprache definieren, damit Aussagen feste Grenzen gesetzt werden. Ansonsten fehlt die notwendige Genauigkeit der Mitteilungskraft. Machen Sie es nicht der Welt zum Vorwurf, dass Sie Schwierigkeiten mit den Worten Fremdkapital und Shareholder Value haben. Ohne fachlich gestützte Argumente, kann man auch annehmen, dass die Welt eine Scheibe sei.

    Antwort auf "Übrigens"

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