Waffenmesse in Abu DhabiVolksniederwerfung als Geschäft

In Abu Dhabi findet, während in anderen arabischen Staaten revoltiert wird, die Militärmesse Idex statt. Dort decken sich die Herrscher ein. von 

Gestern noch ganz normal, heute ein Skandal: Wenn das eintritt, handelt es sich um eine revolutionäre Situation. Die Waffenmesse Idex findet alle zwei Jahre in Abu Dhabi statt, gerade war es wieder so weit – ein turnusgemäßer Messetermin im Kalender von Waffenfabrikanten, Regierungen, Generalstäben. Und von Schulklassen, Familien, Privatleuten, die auch einmal in eine hypermoderne Schlachtfeldmontur schlüpfen möchten oder in eine Panzerluke. Denn zur Idex zugelassen sind nicht nur Waffenhändler und Militärs, es ist eine Publikumsmesse, nicht anders als jene, auf denen die neuesten Trekkingausrüstungen oder Computer vorgestellt werden. So normal war der Waffenhandel am Persischen Golf bis jetzt.

Die Messe bietet alles, von Kampfhubschraubern und Panzern über Feuerwaffen aller Art bis hin zur Spezialausrüstung für den besonderen Einsatz, wenn es etwa darum geht, Soldaten unter toxischen Gefechtsbedingungen einzusetzen. Große Waffenschmieden der Welt haben hier ihre Stände – deutsche, amerikanische, britische, französische, türkische, chinesische. 53 Staaten waren diesmal vertreten. Geht es nach der Zahl der Aussteller, lagen die Arabischen Emirate vorn, gefolgt von den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Geht es nach der Größe ihrer Pavillons, hielten Deutschland und fast gleichauf die USA die ersten zwei Plätze, die Türkei und Italien den dritten und vierten Platz.

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Eine Attraktion der Messe sind möglichst spektakuläre Vorführungen neuer Produkte: Hubschraubereinsätze. Panzerdemonstrationen. Zur Kundschaft gehören auch die Herrscher Arabiens und ihre Generäle, denen nun auf einmal der revolutionäre Sturm ins Gesicht weht. Und dieser besondere Ort und Umstand schlägt auf den Charakter der Messe durch. Was auffällt in der klassischen Militärkulisse mit Leopard-Panzern und »Fire and forget«-Gefechtstechnik, ist das große Angebot von Waffen und Ausrüstungen, die nicht fürs Schlachtfeld taugen, wohl aber für den Straßenkampf gegen das eigene renitente Volk.

Da ist zum Beispiel die chinesische Firma Anlong, die eine robuste Aufstandsbekämpfungsmontur anbietet, da ist das südafrikanische Unternehmen Imperial Armour, das Ähnliches offeriert – und eben der türkische Hersteller Otokar, der sein leichtes Panzerfahrzeug Cobra mit aufgebautem MG genau zur rechten Zeit vorstellte: den City-Panzerwagen, der jetzt so zahlreich im Einsatz gegen die schiitischen Demonstranten in den Straßen des sunnitischen Königtums Bahrain zu sehen war.

Um die Zukunft der Messe muss sich niemand sorgen. Auch nachrevolutionäre arabische Regierungen, wer immer sie stellen mag, werden auf der Idex einkaufen gehen. Zu hoffen ist einzig, dass der Sektor Volksniederwerfung ausdünnt.

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Leserkommentare
  1. Ganz gleich was in der und auf der Welt geschieht, die vergängliche Macht ist anziehender als unvergängliche Strukturen. sofern nicht das innere Glück als erstrebenswert gilt werden eben die äußeren Strukturen bedient. Unternehmer unternehmen eben, ob es sich nun um die Entwicklung besonders widerstandsfähiger Legierungen (Deutsche Stahlindustrie, Fraunhofer usw.) handelt, oder um die Begünstigungsindustrie (Lobbyisten) geht. Es geht schließlich um Arbeitsplätze, der AKW-Rückbau schafft für Herrn Koch (ehemals CDU-Hessen ) ebenso Arbeitsplätze wie auch Entwicklungen in der gesamten Industrie - es geht um unser Wohlergehen. Die IDEX ist nur eine von vielen Messen auf dieser Welt, Spielplatz eben.

  2. kann man wohl kaum Moral erwarten

    all die Produkte, die da vorgestellt werden insbesondere Raketen taugen nicht für zivile Zwecke, weder kann man damit Stollen oder Tunnel vortreiben, noch einen Brunnen abteufen - sie haben nur ein ziel möglichst viel schaden anzurichten und viele menschen zu töten

  3. Diese Waffen die dort geordert werden werden doch in erster Linie gegen das eigene Volk eingesetzt!! Man sollte dieses ganze Waffenpakt zum Teufel jagen, aber da gibt es ja noch die Politik. So wie die Dinge jetzt stehen werden diese Herrschaftshäuser nicht mehr lange überleben. Sie werden vom eigenen Volk in die Wüste oder in die EU gejagt, denn dort werden sie schon erwartet und mit feinsten Altersitzen versorgt. Und sollten nicht genügend Immobilien vorhanden sein werden deutsche Eigner - enteignet - damit diese Brut ein neues deutsches Heim bekommt. Petrodollar, Öl und Gas lassen grüßen.

  4. Solange solche Messen stattfinden und unsere Industrie und unser Staat vom Export solcher Waffen gut leben, brauchen wir uns nicht zu beklagen.

    Vermutlich bleibt zwar vom Gewinn nicht mehr viel übrig, wenn wir anschließend mit teuren Militäteinsätzen (egal ob direkt z. B. in Libyen oder indirekt dafür mit Awacs-Flugzeugen über Afghanistan) die Folgen beseitigen. Auch da werden Gewinne der beteiligten Unternehmen privatisiert, die Folgekosten sozialisiert.

    Die Medienberichte über die Lage der Menschen in solchen Diktaturen empfinde ich mittlerweile nur noch als Heuchelei, denn ernsthaft ändern will da niemand etwas. Auch Gaddafi war als Geschäftspartner immer willkommen und selbst jetzt, wo er sein Volk abschlachtet, lässt man ihm noch den Weg in ein ungestörtes Exil offen und schont seine Gesundheit. Sinnvoller wären detailierte Berichte über die internationalen Waffen- und Geldschiebereien.

  5. gegen die Menschlichkeit

    • QUOTE
    • 31. März 2011 10:30 Uhr
  6. gegen die Menschheit.

    Jeder sollte es schreiben!

    Gemeinsam sind wir stärker!

    • hareck
    • 31. März 2011 11:18 Uhr

    Deutschland und Europa weiter Waffen produzieren, exportieren und sie dann wieder zusammenschießen (mit den zugehörigen Menschen), so lang werde ich mich hier nicht wirklich zu Hause fühlen.

    Stoppt Waffenexport und -herstellung jetzt!

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  • Schlagworte Militär | Golf | Messe | Skandal | Waffenhandel | Frankreich
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