Hyatt Hotel, Berlin. Er sitzt da schon: Jeans, Jackett, irgendetwas blau-weiß Gestreiftes drunter. 45 Minuten Interview. Die Pressefrau hatte gemahnt, er wolle bitte ausschließlich über Mode und Kunst reden. Michael Stipe, Held aller sensiblen jungen Männer und Hausfrauen, die den Pop gerne schwermütig haben. Den Sommer letzten Jahres hat er mit seiner Band in Berlin verbracht, um dort in den Hansa-Studios das neue Album aufzunehmen – man konnte Michael Stipe drei Monate lang auf Vernissagen und in Nachtclubs herumstehen sehen. Das neue REM-Album ist übrigens voll okay (so okay wie alle REM-Alben). Er setzt zum Beginn des Gesprächs ein gekonnt angeödetes und muffiges Gesicht auf: hängende Mundwinkel, hängende Augenlider. Der hat, auf wirklich sympathische Art, keinen Bock. Er nimmt es gleichmütig hin, dass dies ein etwas anderes Interview werden soll, mit vielen Fragen, vielen Antworten (»whatever«). Er erklärt: »Ich bin schlecht mit Einsame-Insel-Fragen. Sonst: kein Problem.« Der Popstar möchte erlöst werden von seiner Langeweile. Er möchte, bitte, unterhalten werden.

1. Wahre Geschichte, dass Sie das Steakrestaurant Grill Royal in Berlin nicht besonders mögen, während die anderen Mitglieder Ihrer Band dort sehr gerne zu Abend essen?

Das ist ja eine tolle Einstiegsfrage. Nächste Frage, bitte.

2. Jemals im Technoclub Berghain um zwölf Uhr mittags zum Tanzen gewesen?

Ja.

3. Strengt Sie das miese Berliner Wetter auch so an?

Nein. Es ist hier wärmer, als ich erwartet hatte.

4. Als ästhetisch reizvollen Ort, vermissen Sie die Berliner Mauer?

Nein.

5 . Ihr Kurzkommentar zum Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen des Künstlerduos Elmgreen & Dragset im Tiergarten?

Wunderschön. Überhaupt nicht kitschig. Schade, dass dieser gelungene Ort so versteckt in den Büschen liegt.

6. Ein Jammer, dass der Potsdamer Platz ein so brutal hässlicher Platz geworden ist?

Ich war in den neunziger Jahren zum letzten Mal dort. Damals sah es toll aus. Nachts arbeiteten die Baumaschinen im Flutlicht. Ich habe noch nie so viele Kräne an einem Ort gesehen.

7. Was sagt es über die Stadt Berlin, dass es hier im Gegensatz zu London und Paris mit der Spree nur einen schmalen Fluss gibt?

In New York haben wir gleich zwei Flüsse, den East River und den Hudson River. Da haben London und Paris keine Chance.

8 . Können Sie etwas Gutes über die Berlin Fashion Week sagen?

Ich habe im Sommer letzten Jahres mehrere Monate in Berlin verbracht – wir haben hier unser neues Album aufgenommen. An der Fashion Week, die zu dieser Zeit, glaube ich, auch stattfand, habe ich nicht teilgenommen.

9 . Ihr Lieblingsgemälde in der Alten Nationalgalerie?

Ich bin nie dort gewesen.

10. Ihre Lieblingsgalerie in Berlin-Mitte?

Die Kunst-Werke in der Auguststraße sind interessant.