Es liege ihr wirklich fern, eine Sau durchs Dorf zu treiben, sagt Frau Hölzel. Es gehe um Klima, Welthunger, Ernährung. Glückliche Schweineleben. Die großen Themen.

Vor Kurzem war erstmals »Veggie-Tag« in der Hauptmensa der Leipziger Universität, der Mensa am Park. Angela Hölzel, 54, ist Mitgeschäftsführerin des Studentenwerks, sie hat diesen Tag organisiert. Mal ohne Fleisch: Tolle Sache, dachte Frau Hölzel, und eine Idee von Studenten. Mit viel Protest rechnete keiner.

Dann entbrannte ein Krieg, in dem es um die Wurst geht. Angela Hölzel, eine Frau wie eine liebe Mutter, mit kurzem Haar und Halstuch, sieht verzweifelt aus, wenn sie davon erzählt. In ihrem Postfach sammeln sich die Wut-Mails: Studenten fordern das Ende des Diktats der Pflanzenfresser. »Wir entscheiden selbst, was wir für richtig halten!«, entsetzen sich 70 Unterzeichner einer Petition : »Es gibt viele Gründe, gegen den Veggie-Tag zu sein.« Es ging um Schwein oder nicht Schwein.

Frau Hölzel ist seit 1996 beim Studentenwerk. Ihre Leute verkaufen in der Mensa am Park 5000 Essen, täglich. Sie braten nur noch Fisch, der auf einer Positivliste des WWF steht, sie haben eine »Mensa-Policy« für »sozial gerechten und umweltbewussten Einkauf« und brühen ausschließlich teuren »Fair-Kaffee«. Nie gab es Protest dagegen. Und jetzt?