Ai Weiwei "Äußerst nervös"
Ein Besuch in Ai Weiweis Pekinger Künstlerdorf Caochangdi
© Frederic J. Brown/AFP/Getty Images

Der Künstler Ai Weiwei im Apirl 2009 vor dem Eingang zu seinem Atelier "Fake" im Künstlerdorf Caochangdi.
Ein Atelier im Pekinger Künstlerdorf Caochangdi, gleich in der Nähe von Ai Weiweis Werkstatt. Eine junge Frau öffnet die Tür, sie ist eine gute Freundin Ai Weiweis. »Er hatte eine Vorahnung«, sagt sie. Kurz bevor er sich am Sonntagmorgen auf den Weg zum Flughafen machte, um nach Hongkong zu reisen, sagte er zu seinem Assistenten: »Wenn mir etwas zustößt, musst du die Nachricht verbreiten.« Noch am Flughafen wurde er festgenommen. Seither ist er verschollen, am Dienstag wusste keiner, wo er sich aufhielt und warum er festgenommen wurde.
Das Studio wurde am Sonntag sechs Stunden lang durchsucht, 20 bis 30 Computer wurden entwendet. Das ganze Dorf hatte ein paar Stunden lang keinen Strom, am Montag streikte das Internet.
»Es hat sich über lange Zeit, Schritt um Schritt aufgebaut«, sagt die Freundin. Beide Seiten testeten ihre Grenzen, Ai Weiwei und die Regierung.« Schon 2009 habe man Ai festnehmen wollen, die Sicherheitsbehörden durchsuchten sein Konto, prüften es auf Schwarzgelder, Korruption, irgendeinen Vorwand, um ihn anklagen zu können. »Sie haben aber nichts gefunden. Ai hat sich später in seinem Blog über sie lustig gemacht.«
Er ist nicht der Einzige, der festgenommen wurde. Mehr als hundert Dissidenten, Aktivisten und Menschenrechtsanwälte hat in jüngster Zeit das gleiche Schicksal ereilt, einer ist seit 45 Tagen verschwunden. Seit Jahren habe man so eine Härte nicht mehr gesehen, sagt die Künstlerin. »Sie verhaften die Menschen ganz willkürlich, sie tun nicht mal mehr so, als ob sie das Gesetz achten würden.« Die Erhebungen in den arabischen Staaten haben die chinesische Regierung äußert nervös gemacht. »Ai hatte aber nichts mit den Aufrufen zu einer chinesischen Form der Jasminrevolution zu tun«, sagt die Freundin. »Das war ein Thema, um das er sich nicht gekümmert hat.«
Viele hatten gehofft, dass Ai Weiweis Renommee ihn vor Verfolgungen schützen würde. Nicht nur, weil er der international bekannteste Künstler des Landes ist. Auch sein Vater, der Dichter Ai Qing, wird in China sehr geschätzt. »Man muss sich den Zeitpunkt der Verhaftung ansehen«, sagt ein Künstler. »Der Nationale Volkskongress ist gerade zu Ende gegangen, viele junge Politiker sind in neue Ämter gerückt. Ihre Vorgänger haben Ai Weiwei in Ruhe gelassen, weil sie seinen Vater schätzen. Die neue Generation will zeigen, dass es diese Protektion nicht mehr gibt.« Eine Zeit der neuen Härte sei angebrochen, die Regierung wolle offenbar unbequeme Künstler wie Ai nicht länger dulden.
Vor dem Studio Ai Weiweis ist es still, kein Mensch, kein Tier, keiner, der auffällig aus dem Fenster eines geparkten Autos schauen würde. Was nicht heißen soll, dass der Ort nicht genau beobachtet wird. Im Hinterhof eines nahe gelegenen großen Museumskomplexes wartet ein enger Vertrauter Ai Weiweis, er möchte im Gehen reden, »ist sicherer so«. Soeben wurde sein Blog geschlossen, er weiß nicht, ob er beschattet wird. Hat die Regierung Ai Weiwei festgenommen, um ein Warnsignal zu setzen? »Es muss doch keiner mehr gewarnt werden«, sagt er, »was mit Liu Xiaobo passiert ist, hat doch allen schon genug zu denken gegeben.« Alle hätten Angst und gleichzeitig auch schon keine Angst mehr, die Verhaftungen seien so willkürlich, dass man nicht wisse, wie man sich schütze solle. Viele im Netz haben sich mit Ai Weiwei solidarisiert, haben anstelle des eigenen Profils sein Foto gepostet. Die chinesischen Klone von Twitter (das in China selbst verboten ist) böten eine neue Technik, die die Demokratisierung befördere, sagt der Vertraute. »Es hat sich ein Freiraum geöffnet. Also will die Regierung anderswo die Fenster schließen.«
Am Morgen hat er sich mit Ai Weiweis Frau besprochen. Solange es keine offizielle Anklage gegen Ai gebe, wollen sie gleich mehrere Anwälte beschäftigen. »Dann kann sich die Regierung nicht auf einen Einzelnen stürzen.« Immer wieder wollen sie jetzt zur Polizei gehen, um nach dem Verbleib von Ai Weiwei zu fragen. Bisher haben sie noch keine Nachricht bekommen.
- Datum 07.04.2011 - 10:15 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 7.4.2011 Nr. 15
- Kommentare 53
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Danke für den Artikel.
Soviel zum Tema das Sport grossveranstaltungen zur Öffnung eines Landes und zur Verbesserung der Umstände der Freiheit dort führen.
China ziegt leider das solche Effecte eher zeitlich begrentzt sind und nicht von dauer. Aber anscheinend hat man die China Kommentatoren abgezogen die sonst jede china Bericht bis zur unendlichkeit Hochjubelten und jede kritik sofort im Keim zu ersticken versuchten.
Das ist eine Illusion. Große Sportveranstaltungen dienen überall der Imagepflege, sind ein perfektes PR-Instrument. Denken Sie in dem Zusammenhang nur einmal an das Sportereignis des Jahres 1936. Und es hat ja auch funktioniert. Jedenfalls bei einer Handvoll Schreiberlingen. Nur wer aufmerksam die Tagespresse durchsiebt, findet noch die Klümpchen, die eher aufzeigen mit welcher Apparatur damals China die Welt in Atem hielt. Indessen darf man dem durchaus Respekt zollen, auch wenn mir geschlossene Systeme immer bitter aufstoßen.
Der Rest der Claquere Chinas lebt in einem begrenzten politischen Umfeld, gleichwohl an Gegenpolen, was ausgesprochen ironisch ist. Mir ist es mittlerweile weitestgehend gleichgültig. China wird sich ebenso den unangenehmen Realitäten zu stellen haben, wie auch die USA oder Europa. Aber bis dahin geht das Spiel noch ein paar Runden weiter.
Das ist eine Illusion. Große Sportveranstaltungen dienen überall der Imagepflege, sind ein perfektes PR-Instrument. Denken Sie in dem Zusammenhang nur einmal an das Sportereignis des Jahres 1936. Und es hat ja auch funktioniert. Jedenfalls bei einer Handvoll Schreiberlingen. Nur wer aufmerksam die Tagespresse durchsiebt, findet noch die Klümpchen, die eher aufzeigen mit welcher Apparatur damals China die Welt in Atem hielt. Indessen darf man dem durchaus Respekt zollen, auch wenn mir geschlossene Systeme immer bitter aufstoßen.
Der Rest der Claquere Chinas lebt in einem begrenzten politischen Umfeld, gleichwohl an Gegenpolen, was ausgesprochen ironisch ist. Mir ist es mittlerweile weitestgehend gleichgültig. China wird sich ebenso den unangenehmen Realitäten zu stellen haben, wie auch die USA oder Europa. Aber bis dahin geht das Spiel noch ein paar Runden weiter.
auf die Ereignisse in Nordafrika.
Es ist nur eine Frage der Zeit, wann wir auch von dort
Ähnliches zu hören und zu sehen bekommen.
Die Machthaber in China, ähnlich wie in Russland,
spielen geschickt auf der Klaviatur der internationalen
PR, sind aber an Entschlossenheit und Brutalität unverändert
geblieben.
der Chinesische Polizeistaat versteht nur den wirtschaftlichen Druck in Form eines Boykotts Chinesischer Konsumartikel, was ganz nebenbei zur Belebung der heimischen Produktion führen wird. Ai Weiwei ist nur einer von tausenden der gefoltert wird weil er sich erlaubt hat nachzudenken. Es ist eine Schande wie diese Diktatur vom Westen nur wegen wirtschaftlicher Interessen nach wie vor hofiert wird.
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Lasst Ai Weiwei
wieder frei!
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....revoltierende Maßen regelmäßig Regierungen. Das weiß die Elite und hat zurecht Angst. Es gibt enorme Fehlallokationen in Wirtschaft und Gesellschaft nach zwei Jahrzehnten ungehemmten Wachstums. Wir erleben in milder Form etwas Ähnliches momentan in Euroland. Hier ist es allerdings wesentlich gewaltsam als es dort vermutlich wäre. Solche Blasen platzen leicht. Sie sieht auch die Entwicklungen in der arabischen Welt und kennt die Gefahren der Ansteckung.
Kann jemand hier die Frage beantworten?
in China...unabhängige....?
Das ist jetzt aber nicht Ihr Ernst, oder ?
vielleicht weil er in China keine Ausstellungen eröffnen darf.
...dass 90% der Chinesen Ai Weiwei nicht mögen... ist eine Behauptung, die beinhaltet, dass 100% aller Chinesen (oder mindestens 90%) ihn kennen. Ich dagegen behaupte mal, dass nur ein Promille der Chinesen von Aiweiwei überhaupt je gehört haben dürfte. Aber was wollen Sie mit Ihrer Frage eigentlich aussagen? Dass es dann ok ist, ihn einzusperren?
Wer bei uns sich auch nur ansatzweise für die internationale Kunstszene interessiert, dem dürfte Aiweiwei ein Begriff sein. Er ist ein wie ich meine allseits respektierter Künstler. Respektieren hat nicht immer mit mögen zu tun.
in China...unabhängige....?
Das ist jetzt aber nicht Ihr Ernst, oder ?
vielleicht weil er in China keine Ausstellungen eröffnen darf.
...dass 90% der Chinesen Ai Weiwei nicht mögen... ist eine Behauptung, die beinhaltet, dass 100% aller Chinesen (oder mindestens 90%) ihn kennen. Ich dagegen behaupte mal, dass nur ein Promille der Chinesen von Aiweiwei überhaupt je gehört haben dürfte. Aber was wollen Sie mit Ihrer Frage eigentlich aussagen? Dass es dann ok ist, ihn einzusperren?
Wer bei uns sich auch nur ansatzweise für die internationale Kunstszene interessiert, dem dürfte Aiweiwei ein Begriff sein. Er ist ein wie ich meine allseits respektierter Künstler. Respektieren hat nicht immer mit mögen zu tun.
Der bekannte Sack Reis. Hauptsache China schlecht machen.
Anm: Bitte bemühen Sie sich um eine inhaltliche Diskussion. Danke. Die Redaktion/km
in China...unabhängige....?
Das ist jetzt aber nicht Ihr Ernst, oder ?
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