DIE ZEIT: Herr Roseneck, haben Sie Up in the Air gesehen?

Norbert Roseneck: War das nicht dieser Film mit George Clooney?

ZEIT: Genau. Er spielt einen Outplacement-Berater, der von Firmen angeheuert wird, um Mitarbeiter zu entlassen. Wie viel hat das mit Ihrem Berufsalltag als Outplacement-Berater zu tun?

Roseneck: Der Film ist Unterhaltungskunst – eine Überspitzung, die nicht mit der Realität verwechselt werden darf. Die Aufgabe eines Outplacement-Beraters muss meines Erachtens heute darin bestehen, Menschen, die entlassen wurden, in eine neue Funktion zu bringen.

ZEIT: Deswegen nennt sich Ihre Firma auch Newplacement AG?

Roseneck: In der Bezeichnung Outplacement schwingt historisch bedingt eine starke Kümmererfunktion für Verunglückte mit. Outplacement-Beratung kommt aus den USA, wo es ursprünglich darum ging, Soldaten nach zehn und mehr Jahren Kriegsdienst wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Natürlich muss man den Schock der Entlassung erst einmal verarbeiten, aber uns geht es nicht vordringlich um psychotherapeutisches Aufbauen, sondern um die Zukunft unserer Klienten, und das wollen wir deutlich machen.

ZEIT: Sie werden vor allem von Firmen gebucht, um deren entlassene Führungskräfte zu beraten .

Roseneck: Entlassungen im Management sind keine Seltenheit mehr, dafür gibt es verschiedene Gründe. Ein Unternehmen verändert sich, stellt den Bereich A ein – dann braucht es auch den Vertriebsleiter A nicht mehr. Es kann passieren, dass ein Chef sich mit einer Führungskraft nicht versteht. Oder ein Manager ist den neuen Anforderungen an seine Position nicht gewachsen. In solchen Fällen ist es oft sinnvoller, man trennt sich.

ZEIT: Was bringt es einem Unternehmen, Sie für die Beratung eines Mitarbeiters zu bezahlen, der ausscheidet? Immerhin verlangen Sie 22 Prozent des Jahresgehaltes, das sind bei einer Führungskraft mindestens 17.000 Euro.

Roseneck: Die genaue Kalkulation orientiert sich immer am Einzelfall. Zunächst einmal übernimmt das Unternehmen damit soziale Verantwortung. 

ZEIT: Die vor einigen Jahrzehnten noch darin bestand, den Mitarbeiter zu behalten.

Roseneck: Richtig, und danach kam die Phase, in der sich die Unternehmen von der Verantwortung mit hohen Abfindungen freikauften. Heute hat sich die Sichtweise durchgesetzt, dass Geld allein nicht weiterhilft. Deswegen wird dem Entlassenen ein Coach an die Seite gestellt. Das hat auch ganz praktische Gründe. Eine Trennung, die durch ein Coaching begleitet wird, endet seltener vor dem Arbeitsgericht, weil durch die Beratung die Zukunft des Arbeitnehmers gesichert wird. Zudem dauert die Freistellung eines Mitarbeiters oft lange. Mit der Hilfe eines Coachs kann er oft in kürzerer Zeit eine neue Stelle antreten, der ehemalige Arbeitgeber spart sich gegebenenfalls mehrere Monatsgehälter.

ZEIT: Und die Entlassenen können sich nicht einfach selbst helfen?

Roseneck: Viele unserer Klienten waren schon lange nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt. Sie sind innerhalb ihrer Firma aufgestiegen und dachten, es gehe bis zur Rente so weiter. Stattdessen werden sie plötzlich mit Anfang 50 entlassen und fallen aus allen Wolken. Sie sind es nicht gewöhnt, sich kritisch mit ihren Stärken und Schwächen auseinanderzusetzen und daraus Tätigkeitsfelder abzuleiten, in denen sie sich bewerben können. 

ZEIT: Was ist der erste Schritt, den man tun sollte, wenn man plötzlich ohne Job dasteht?

Roseneck: Wir beginnen mit einer biografischen Analyse, um herauszufinden, was diese Menschen geprägt hat.