Darum ist der verdeckte Stellenmarkt so wichtig: Die Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass 70 Prozent aller Positionen nicht öffentlich ausgeschrieben werden. Hans Rainer Vogel von der Karriereberatung Vogel & Detambel schätzt sogar, dass bei den mittleren Führungspositionen mit einem Jahreseinkommen von 60.000 bis 80.000 Euro 80 Prozent der Positionen nicht öffentlich ausgeschrieben werden. Bei den Top-Positionen mit einem Gehalt von rund 120.000 Euro seien es fast 100 Prozent. Aber auch Fachkräfte haben gute Chancen, auf der Suche abseits von Anzeigenmärkten einen Job zu finden. Der Grund, warum so viele Stellen verdeckt vergeben werden, liegt auf der Hand: Öffentliche Stellenausschreibungen sind arbeitsaufwendig und teuer, schließlich müssen unzählige Bewerbungen gelesen und bearbeitet werden. Deshalb suchen viele Unternehmen zunächst in ihrem eigenen Netzwerk oder fragen Mitarbeiter nach deren Kontakten.

Das kann man tun, um einen verdeckten Job zu bekommen: »Man sollte sich zunächst im eigenen Netzwerk umhören«, rät Vogel. »In welchen Unternehmen arbeiten Freunde, Verwandte oder ehemalige Kollegen?« Sie können meist schnell herausfinden, ob eine Spontanbewerbung bei ihrem Arbeitgeber Aussicht auf Erfolg hat, oder sogar die Bewerbungsunterlagen direkt an die richtige Abteilung weiterleiten. Das erleichtert vieles. Auch mit Initiativbewerbungen kann man Erfolg haben. Wichtig sei es dabei aber, die Unterlagen nicht wahllos zu verschicken, sagt Vogel, vor allem nicht ein und dasselbe Schreiben an unterschiedliche Firmen. »Man muss sich genau überlegen, welche Aufgaben man wahrnehmen möchte. Diese sollte man dann präzise formulieren.«

Das muss man bei der Suche nach dem Unternehmen beachten: Viele machten den Fehler, nach ihrem Traumjob zu suchen, sagt der Berater Christian Pape, der in seinem Buch Traum! Job! Now! Tipps zur Stellensuche gibt. Stattdessen sollte man sich überlegen, welches Unternehmen die Traumfirma sein könnte. »Derselbe Job kann durch die Bedingungen, die in verschiedenen Unternehmen herrschen, anders aussehen.«

So helfen Online-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn bei der Suche: Unternehmen und Headhunter suchen hier gezielt nach Mitarbeitern. Christian Pape rät aber dazu, sich nicht als Suchender zu erkennen zu geben, denn damit werte man sich ab. »Firmen suchen Leute, die in ihrem Job erfolgreich sind, und keine Arbeitslosen.« Um kontaktiert zu werden, sollte man seine Fähigkeiten und zugehörigen »Schlüsselwörter« detailliert auflisten. Wer etwa als Programmierer arbeiten möchte, gibt in seinem Profil Java, PHP oder C++ an. Man kann in Netzwerken auch selbst Mitarbeiter von Firmen anschreiben und nachfragen, ob momentan Personal gesucht wird. Nur von einem Netzwerk rät Pape ab: »Obwohl Facebook gerade eine Business Network-Offensive fährt, denke ich, dass die Benutzer Privatleben und Geschäft trennen wollen.« Ausnahmen gelten bei alternativen Berufen wie Künstlern oder Musikern. Unverbindlich Kontakt zu Firmen bekommt man auch über Karrieremessen. »Es lohnt sich, seinen Lebenslauf auf der Messe Unternehmen zu geben, mit denen man ins Gespräch kommt«, sagt Christian Pape.

Auch wer im verdeckten Markt sucht, muss sich Zeit nehmen: »Innerhalb von wenigen Wochen etwas zu finden ist fast unmöglich«, sagt Pape. Die Jobsuche sei ein echter Vollzeitjob und nicht nebenbei zu erledigen. Gerade wer sich initiativ bewirbt, muss viele Bewerbungen verschicken, denn nicht jedes Unternehmen, das man anschreibt, sucht gerade Mitarbeiter.