1(-) Peter Temple: Wahrheit
Aus dem Englischen von Hans M. Herzog; C. Bertelsmann; 480 S., 21,99 €

Melbourne, Victoria. Nackte Tote in gläserner Wanne. Drei Räuber gefoltert. Vaters Haus vom Waldbrand bedroht. Wahlkampf in Victoria. Tochter auf Droge. Stephen Villani, Leiter der Mordkommission, ist klug, kein mutiger Mann, aber tapfer im Sturm des Jetzt. Ausgezeichnet: bester australischer Roman 2010.

2(-) Friedrich Ani: Süden
Droemer; 368 S., 19,99 €

München. Nach sieben Jahren Exil in Köln kehrt Tabor Süden zurück. Sein verschwundener Vater war am Telefon. Ex-Kommissar und Neu-Detektiv Süden sucht wie nie zuvor: nach dem verschollenen Vater, nach Mundl, dem vermissten Kneipier. Südens Comeback zu den Verlorenen. Einzig, großartig.

3(3) Daniel Woodrell: Winters Knochen
Aus dem Englischen von Peter Torberg; Liebeskind; 224 S., 18,90 €

Tief in den Ozarks. Jessup, bester Meth-Koch im Tal, ist verschwunden, sein Haus für die Kaution verpfändet. Die 16-jährige Ree muss des Vaters Tod beweisen, sonst landet sie mit Mutter und kleinen Brüdern auf der Straße. Ree steht’s durch, härter als alle. Country noir, original vom Erfinder.

4(-) Linus Reichlin: Er
Galiani; 286 S., 18,95 €

Berlin/Isle of Lewis. Eifersucht ist Tod auf Raten, Affektmordmotiv. Operative Fallanalyse geschwächten Mannestums. Ex-Inspecteur Hannes Jensen traut der neuen Zufallsliebsten nicht und ermittelt wegen Betrugsverdacht. Schäfer Angus flieht die Schmach. Zwei Mal Er – dazwischen Lea, unnahbar autonom.

5(1) Elmore Leonard: Road Dogs
Aus dem Englischen von Conny Lösch und Kirsten Risselmann; Eichborn; 304 S., 19,95 €

Miami/Los Angeles. Im Knast von Miami waren Bankräuber Foley (George Clooney in Out of Sight ) und Dealer Cundo Rey Kumpel: Road Dogs. Draußen in Los Angeles wird die Freundschaft getestet. Von den Umständen. Und von Cundos Frau. Wer überlebt? Der am schnellsten redet und denkt. Super.

6(7) Heinrich Steinfest: Wo die Löwen weinen
Theiss; 280 S., 19,90 €

Stuttgart 2010. Oben – unten. Nur ein Deus ex Machina kann helfen. Steinfest lässt gleich drei auftreten: unterirdisch, überirdisch und mit Scharfschützengewehr. "Dichter denken, was wir uns selbst nicht zu denken trauen." Krimi als präziser Traum zu Stuttgart 21: poetischer Spiegel, Realitätsdurchleuchtung, doll .

7(5) Richard Stark: Sein letzter Trumpf
Aus dem Englischen von Rudolf Hermstein; Zsolnay; 288 S., 17,90 €

Albany/Hudson River. Ein Casinoschiff wird kommen. Parker und Kollegen rauben den Weekendgewinn, weggeschafft in der Kloschüssel eines Rollstuhls. Rauben ist schwer, die Beute sichern schwerer. Parker und Co. sind nicht allein, gierige Idioten mischen mit. Und Parker hat einen Fehler gemacht. Sehr kühl.

8(-) Arne Dahl: Opferzahl
Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt; Piper; 448 S., 19,95 €

Stockholm/Berlin 2005. Im Sommer der Anschläge wird auch in Schweden gebombt. Terrorismus, missglückter joke? Die Ermittlungskünstler des A-Teams dröseln an zig Fäden, tasten im Nirgendwo ihrer Vorurteile, Hypothesen. Hommage an Ed McBain: Im police procedural entblättert sich Systemzerfall. Hoch riskant.

9(-) Didier Decoin: Der Tod der Kitty Genovese
Aus dem Französischen von Bettina Bach; Arche; 160 S., 19,90 €

Queens, New York 1964. Rekonstruktion eines berühmten Verbrechens: 35 Minuten währt der mörderische Überfall auf Kitty. 38 Nachbarn waren Zeugen, ohne einzugreifen – erstmals der " Bystander - Effekt". Präzise und delikat erzählt Decoin zurück zum lebendigen Ursprung dieses Begriffs. True & crime.

10(-) Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten
List; 428 S., 19,99 €

Pullach/Berlin/Malmö/Sassnitz. Im Stasi-Waisenhaus auf Rügen werden 1985 zwei Mädchen vertauscht, Knoten deutsch-deutsch-amerikanisch-russischer Geheimoperationen. Retrospektiv aufgedeckt von einer Spezialistin für Todesfolgenbeseitigung. Jüngste deutsche Geschichte bravourös kolportiert.