KrimiZeit-BestenlisteDie zehn besten Krimis im April

Jeden ersten Donnerstag im Monat geben Literaturkritiker und Krimispezialisten die Romane bekannt, die ihnen am besten gefallen haben. von Tobias Gohlis

1(-) Peter Temple: Wahrheit
Aus dem Englischen von Hans M. Herzog; C. Bertelsmann; 480 S., 21,99 €

Melbourne, Victoria. Nackte Tote in gläserner Wanne. Drei Räuber gefoltert. Vaters Haus vom Waldbrand bedroht. Wahlkampf in Victoria. Tochter auf Droge. Stephen Villani, Leiter der Mordkommission, ist klug, kein mutiger Mann, aber tapfer im Sturm des Jetzt. Ausgezeichnet: bester australischer Roman 2010.

2(-) Friedrich Ani: Süden
Droemer; 368 S., 19,99 €

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München. Nach sieben Jahren Exil in Köln kehrt Tabor Süden zurück. Sein verschwundener Vater war am Telefon. Ex-Kommissar und Neu-Detektiv Süden sucht wie nie zuvor: nach dem verschollenen Vater, nach Mundl, dem vermissten Kneipier. Südens Comeback zu den Verlorenen. Einzig, großartig.

Das Beste vom Besten

An jedem ersten Donnerstag des Monats wählen 18 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die zehn Kriminalromane, die ihnen am besten gefallen haben. Sie halten nach dem literarisch interessanten, thematisch ausgefallenen, besonderen Kriminalroman Ausschau. Die KrimiZeit-Bestenliste entsteht in Kooperation von DIE ZEIT und NordwestRadio. Die Jury besteht aus 18 Spezialisten für Kriminalliteratur, die aus der laufenden Produktion jeweils 4 Titel vorschlagen, die sie mit 7,5,3 oder 1 Punkt bewerten. Der so gefundene Punktwert pro Titel wird mit der Zahl der Stimmen multipliziert, die auf ihn entfallen sind. Daraus wird die monatliche Liste berechnet. Jedes Jurymitglied darf insgesamt drei Mal für den selben Titel votieren. Voten für Titel, an deren Entstehung oder Vorbereitung man beteiligt war, sind verboten. Die Titel dürfen nicht älter als 12 Monate sein und keine Wiederauflagen, Sammelbände oder Anthologien. Unterschiede zwischen Hardcover, Paperback und Taschenbuch werden nicht gemacht. Im Schnitt kommen 5 Titel neu auf die monatliche Liste. Die Ziffer in Klammern gibt den Rang des Vormonats an.

Die Jury

Tobias Gohlis, Kolumnist DIE ZEIT, Sprecher der Jury,
Volker Albers, "Hamburger Abendblatt",
Andreas Ammer, "Druckfrisch", Dlf, BR,
Gunter Blank, "Sonntagszeitung",
Thekla Dannenberg, "Perlentaucher"
Fritz Göttler, "Süddeutsche Zeitung",
Michaela Grom, SWR,
Lore Kleinert, Radio Bremen,
Kolja Mensing, "Tagesspiegel", DRadioKultur,
Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR,
Jan Christian Schmidt, "Kaliber 38",
Margarete v. Schwarzkopf, NDR,
Ingeborg Sperl, "Der Standard",
Sylvia Staude, "Frankfurter Rundschau",
Jochen Vogt, Elder Critic, NRZ, WAZ,
Hendrik Werner, "Weser-Kurier",
Thomas Wörtche, "Penser Pulp bei Diaphanes", "culturmag", DradioKultur

Die Jury der KrimiZEIT-Bestenliste erreichen Sie über
Krimibestenliste@zeit.de.

3(3) Daniel Woodrell: Winters Knochen
Aus dem Englischen von Peter Torberg; Liebeskind; 224 S., 18,90 €

Tief in den Ozarks. Jessup, bester Meth-Koch im Tal, ist verschwunden, sein Haus für die Kaution verpfändet. Die 16-jährige Ree muss des Vaters Tod beweisen, sonst landet sie mit Mutter und kleinen Brüdern auf der Straße. Ree steht’s durch, härter als alle. Country noir, original vom Erfinder.

4(-) Linus Reichlin: Er
Galiani; 286 S., 18,95 €

Berlin/Isle of Lewis. Eifersucht ist Tod auf Raten, Affektmordmotiv. Operative Fallanalyse geschwächten Mannestums. Ex-Inspecteur Hannes Jensen traut der neuen Zufallsliebsten nicht und ermittelt wegen Betrugsverdacht. Schäfer Angus flieht die Schmach. Zwei Mal Er – dazwischen Lea, unnahbar autonom.

5(1) Elmore Leonard: Road Dogs
Aus dem Englischen von Conny Lösch und Kirsten Risselmann; Eichborn; 304 S., 19,95 €

Miami/Los Angeles. Im Knast von Miami waren Bankräuber Foley (George Clooney in Out of Sight ) und Dealer Cundo Rey Kumpel: Road Dogs. Draußen in Los Angeles wird die Freundschaft getestet. Von den Umständen. Und von Cundos Frau. Wer überlebt? Der am schnellsten redet und denkt. Super.

6(7) Heinrich Steinfest: Wo die Löwen weinen
Theiss; 280 S., 19,90 €

Stuttgart 2010. Oben – unten. Nur ein Deus ex Machina kann helfen. Steinfest lässt gleich drei auftreten: unterirdisch, überirdisch und mit Scharfschützengewehr. "Dichter denken, was wir uns selbst nicht zu denken trauen." Krimi als präziser Traum zu Stuttgart 21: poetischer Spiegel, Realitätsdurchleuchtung, doll .

7(5) Richard Stark: Sein letzter Trumpf
Aus dem Englischen von Rudolf Hermstein; Zsolnay; 288 S., 17,90 €

Albany/Hudson River. Ein Casinoschiff wird kommen. Parker und Kollegen rauben den Weekendgewinn, weggeschafft in der Kloschüssel eines Rollstuhls. Rauben ist schwer, die Beute sichern schwerer. Parker und Co. sind nicht allein, gierige Idioten mischen mit. Und Parker hat einen Fehler gemacht. Sehr kühl.

8(-) Arne Dahl: Opferzahl
Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt; Piper; 448 S., 19,95 €

Stockholm/Berlin 2005. Im Sommer der Anschläge wird auch in Schweden gebombt. Terrorismus, missglückter joke? Die Ermittlungskünstler des A-Teams dröseln an zig Fäden, tasten im Nirgendwo ihrer Vorurteile, Hypothesen. Hommage an Ed McBain: Im police procedural entblättert sich Systemzerfall. Hoch riskant.

9(-) Didier Decoin: Der Tod der Kitty Genovese
Aus dem Französischen von Bettina Bach; Arche; 160 S., 19,90 €

Queens, New York 1964. Rekonstruktion eines berühmten Verbrechens: 35 Minuten währt der mörderische Überfall auf Kitty. 38 Nachbarn waren Zeugen, ohne einzugreifen – erstmals der " Bystander - Effekt". Präzise und delikat erzählt Decoin zurück zum lebendigen Ursprung dieses Begriffs. True & crime.

10(-) Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten
List; 428 S., 19,99 €

Pullach/Berlin/Malmö/Sassnitz. Im Stasi-Waisenhaus auf Rügen werden 1985 zwei Mädchen vertauscht, Knoten deutsch-deutsch-amerikanisch-russischer Geheimoperationen. Retrospektiv aufgedeckt von einer Spezialistin für Todesfolgenbeseitigung. Jüngste deutsche Geschichte bravourös kolportiert.

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Leserkommentare
  1. Die Klappentexte werden ja jetzt auch hier veröffentlicht ...

    • gohlis
    • 07. April 2011 10:37 Uhr

    Dort werden Sie den Unterschied zu den Klappentexten schon feststellen. Tobias Gohlis

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Vor einiger Zeit fragte ich in DER größten Buchhandlung nach Dominique Manotti. Ohne zu zögern antwortete mir die Dame:
    -Ist nicht im Sortiment.
    -Ja, aber die Autorin steht in der ZEIT-Jahresbestenliste auf Platz ein.
    Und jetzt ungelogen wörtlich:
    -Genau, Krimis in diesen Bestenlisten sind ganz schlecht verkäuflich.
    Tja, so läuft das Geschäft.

  2. Ihre Antwort ist kurz, knapp und wahr!
    Habe gerade heute "Road Dogs" zu Ende gelesen und schließe mich der Empfehlung gerne an.

  3. Vor einiger Zeit fragte ich in DER größten Buchhandlung nach Dominique Manotti. Ohne zu zögern antwortete mir die Dame:
    -Ist nicht im Sortiment.
    -Ja, aber die Autorin steht in der ZEIT-Jahresbestenliste auf Platz ein.
    Und jetzt ungelogen wörtlich:
    -Genau, Krimis in diesen Bestenlisten sind ganz schlecht verkäuflich.
    Tja, so läuft das Geschäft.

    Antwort auf "Rate zur Buchhandlung"
  4. Liebe Zeit-Redakteure,

    seit gestern habt Ihr auf Eurer Literatur-Übersichtsseite die falsche Liste verlinkt. Nämlich diese hier, unter der ich auch kommentiere - http://www.zeit.de/2011/1....

    Die akutelle Liste ist aber diese hier: http://www.zeit.de/2013/1...

    Es grüßt herzlich
    der Krimiblogger

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