Drei Buchstaben stehen für ein ganz spezielles Risiko unter all den Unwägbarkeiten von Fukushima : MOX, kurz für Mischoxid. Aus einer solchen Stoffmixtur bestehen 32 Brennstäbe im dritten der vier havarierten Reaktoren – sie enthalten neben Uran auch Plutonium. Einen Bombenstoff.

Diese Form von nuklearem Brennstoff ist seit Jahrzehnten äußerst umstritten – und auch in der deutschen Ausstiegsdiskussion dürfte MOX noch für Streit sorgen: Würden die sieben durch das Moratorium der Bundesregierung abgeschalteten alten Reaktoren und das pannengeplagte Atomkraftwerk Krümmel definitiv stillgelegt, dann würden in Deutschland nur noch Meiler laufen, die mit MOX-Brennelementen befeuert werden. Schon jetzt warnen Atomkritiker davor, Reststrommengen etwa der alten Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel auf das modernere AKW Brokdorf zu übertragen. Denn dieses läuft mit MOX.

Wie viele Menschen in Deutschland leben im direkten Umkreis von Atomkraftwerken? Bitte klicken Sie auf das Bild, um zur interaktiven Grafik zu gelangen © ZEIT ONLINE

Ein brisanter Brennstoff also. Warum geht man weltweit dennoch dieses Risiko ein? Eine praktisch unerschöpfliche Energiequelle versprachen sich Ingenieure und Politiker vom Plutonium. Sie träumten von einer nuklearen Kreislauf-Wirtschaft: Schnelle Brutreaktoren produzieren aus reichlich vorhandenem Abfall (nicht spaltbarem Uran 238) ständig neues Plutonium. Das Element mit dem chemischen Kürzel Pu wird dann in Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA) extrahiert und als Brennstoff mit spaltbarem Uran 235 kombiniert, fertig sind die Mischoxid-Brennelemente (MOX-BE). Bis heute prägt die Vision des atomaren Recyclings die Energiepolitik etwa in Russland, China oder Frankreich.

Auch das rohstoffarme und energiesüchtige Japan baute zwei Schnelle Brüter, gerade entsteht die zweite WAA des Landes. Und im vergangenen Herbst schließlich begann der Test von MOX-BE im nunmehr zerstörten Reaktor 3 von Fukushima. Es sollte ein weiterer Schritt in die Plutonium-Wirtschaft sein.

Perfekt ins Bild passt auch die geradezu horrende Ansammlung von mehr als 14.000 Brennelementen in Fukushima . Überwiegend kühlen sie abgebrannt in den Abklingbecken und Zwischenlagern ab. Die insgesamt in Fukushima gehortete Radioaktivität entspricht dem Inhalt von 25 Reaktorkernen. In den Augen vieler Japaner – zumindest bis zum verheerenden Beben – war dies ein wahrer Energieschatz.

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Denn auch jedes zunächst aus reinem Uran bestehende Brennelement enthält bald Plutonium, weil dieses bei der Kettenreaktion als Nebenprodukt entsteht. Aus Uranoxid wird so Plutoniumoxid – im Betrieb mutiert jedes Brennelement zu MOX-BE! Nach etwa dreijähriger Laufzeit enthält es ein Prozent Pu. Der überwiegende Teil aber wird, kaum gebildet, gleich wieder gespalten. Schon in jedem konventionell beladenen Reaktor geht rund ein Drittel der Stromproduktion auf die Spaltung von Pu zurück. Das macht das Schwermetall für Stromerzeuger so attraktiv.