Das Psychologen-Ehepaar Barash und Lipton erforscht die Untreue. © privat

DIE ZEIT: In Ihrem Buch The Myth of Monogamy behaupten Sie, Monogamie komme in der Natur praktisch nicht vor. Gibt es wirklich kein Tier, das absolut treu ist?

David P. Barash: Doch, Diplozoon paradoxum, ein Fischparasit. Männchen und Weibchen treffen sich früh, dann wachsen ihre Körper zusammen.

ZEIT: Also keine Chance fremdzugehen...

Barash: ...kein bisschen! Sie haben keine Wahl.

ZEIT: Aber wer die Wahl hat, ist untreu?

Barash: Ja, wahrscheinlich. Einige Tiere erscheinen zwar bis jetzt monogam, aber das liegt einfach daran, dass sie noch nicht genau genug beobachtet wurden. Tiere sind genau wie Menschen gut darin, ihr Sexleben zu verbergen.

Judith Eve Lipton: Sie wollen nicht erwischt werden. (Barash grinst sie an.) Wenn ein Vogelmännchen seine Partnerin mit einem anderen sieht, verlässt es womöglich das Nest.

ZEIT: Aber gerade Vögel gelten doch als besonders monogam, Schwäne zum Beispiel.

Barash: Ja. Aber als DNA-Analysen möglich wurden, entdeckte man plötzlich, dass einige der Jungen nicht vom eigentlichen Partner stammten.

ZEIT: Wie hoch ist der Anteil solcher Kuckuckskinder?

Barash: Bei einigen Vögeln mehr als 70 Prozent!

ZEIT: Und wie treu sind Säugetiere?

Barash: Die sind am wenigsten monogam! (Lipton schaut amüsiert zu ihm herüber.) Das liegt daran, dass die Männchen nicht für die Aufzucht der Jungen gebraucht werden; die schauen sich dann nach anderen Partnerinnen um.

ZEIT: Was steckt dahinter?

Barash: Männchen produzieren sehr viele, sehr kleine Spermien; für sie ist es kein großer Aufwand, Nachwuchs zu zeugen. Für Weibchen sehr wohl: Sie produzieren wenige, große Eizellen; dazu kommt die Trächtigkeit und die Säugeperiode. Deshalb ist es für Biologen nicht überraschend, dass Männchen sich zusätzliche Partnerinnen suchen, mit denen sie zusätzliche Junge haben.

ZEIT: Und die Weibchen?

Lipton: Die betrügen auch! Das fand man aber erst in den neunziger Jahren heraus. Die vermeintlich so trauten Hausmütterchen (Barash prustet los.) schlagen sich tatsächlich in die Büsche und treiben es mit jemand anderem.

ZEIT: Was haben sie davon?

Lipton: Zum einen können sie die genetische Ausstattung ihres Nachwuchses, zum anderen ihre eigene Stellung verbessern. Beim Menschen würde man sagen: die sozio-ökonomische Position.