Partnerschaft Das ewige Ideal

Wie wollen wir es mit der Treue halten? Und wie gut gelingt uns das? Psychologen ergründen Wunsch und Wirklichkeit.

Mehr als 90 Prozent der Menschen wünschen sich Treue, so eine Studie aus Hamburg und Leipzig. 50 Prozent der Befragten gaben zu, schon einmal fremdgegangen zu sein. 3 Prozent aller Säugetiere gehen Paarbeziehungen ein, wirklich monogam lebt kaum eins davon.

Fast alle wollen es, doch nur die Hälfte tut es: treu sein, lebenslang. Wunsch und Wirklichkeit klaffen drastisch auseinander. Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach, schon klar. Doch trotz breitgetretener Promi-Affären, Seitensprung-Dramen im Bekanntenkreis, eigener Fehltritte – der innige Wunsch nach Exklusivität mit dem oder der einen ist offenbar nicht zu zerstören. »Es ist verblüffend, aber das Ideal der Treue übersteht mühelos alle Varianten des Zeitgeistes – bürgerliche, unbürgerliche, antibürgerliche, konservative, liberale, rechte, linke«, schreibt der Journalist Markus Spieker in seinem gerade erschienenen Buch Mono. Die Lust auf Treue. Und der Autor Matthias Kalle feiert in seinem demnächst erscheinenden Buch Erstmal für immer ausgerechnet die Heirat aus Liebe als die Revolution der 30-jährigen Scheidungskinder. Warum überlebt das Ideal der Treue die stete Widerlegung durch die Realität? Warum streben wir immer wieder aufs Neue danach?

Wo doch der Reiz des Unbekannten stärker denn je lockt. Wo wir doch längst ein unausgesprochenes Zugeständnis gemacht haben: Heute gilt nicht mehr nur als treu, wer sein ganzes Leben exklusiv mit dem oder der einen verbringt; es reicht schon, wenn man einem Partner nach dem anderen die Treue hält. Serielle Monogamie also, Treue light.

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Biologen bescheinigen uns ohnehin nur bedingte Eignung. Allenfalls »sozial monogam« sei homo sapiens – ein gemeinsames Nest ja, sexuelle Exklusivität na ja. Alles kruder, pessimistischer Biologismus? Sagen wir es so: Angesichts unserer evolutionären Vergangenheit ist es geradezu verblüffend, dass die Hälfte der Menschen es schafft, treu zu sein. Bei den allermeisten Lebewesen ist es mit der Monogamie nämlich nicht weit her. Selbst die zur Zweisamkeit neigenden Vögel, die possierlichen Blaumeisen, die romantisch verklärten Schwäne – sie wurden fast allesamt per DNA-Vaterschaftstest der Untreue überführt.

Unsere mäßige Monogamie ist da schon eine gewaltige kulturelle Leistung wider jede Natur. Aber was entscheidet letztlich, ob wir treu sind? Und: Stehen Wollen und Sein wirklich so unauflösbar im Widerspruch zueinander, wie die eingangs zitierten Zahlen es glauben machen? Eine Standpunktbestimmung in fünf Schritten.

1) Der Wunsch

Die Treue erscheint uns attraktiv. Das sagen alle Umfragen, alle Statistiken. Der Psychologe Christoph Kröger, Leiter der Psychotherapieambulanz der Technischen Universität Braunschweig, hat sie in einer Übersichtsstudie zusammengetragen. Er findet den starken Wunsch nach Treue wenig überraschend: »Wertvorstellungen sind sehr robust, sehr konservativ. Wenn man das auf dieser abstrakten Ebene abfragt, erhält man natürlich solche Antworten.«

Frühere Umfragen lieferten allerdings nur Momentaufnahmen, statistische Schnappschüsse. Endlich der Konjunktur der Treue und des Wunsches danach auf die Spur kommen wollen die Psychologin Sabine Walper von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und ihre Kollegen vom Projekt pairfam. Seit 2008 befragen sie 12402 Deutsche zu Partnerschaft und Familie, jedes Jahr aufs Neue, 14 Jahre lang. Ein enormer Aufwand. Gerade fängt Walper an, die Ergebnisse der zweiten Welle auszuwerten, voller Ungeduld. »Ich würde liebend gern ein paar Jahre vorspulen.«

Bisher sehen die Forscher den großen Wunsch nach Treue bestätigt – und machten eine hochspannende Entdeckung: Am wichtigsten ist Exklusivität den Jugendlichen (geboren zwischen 1990 und 1994). Der Aussage »Fremdgehen wäre für mich ein ernsthaftes Beziehungsproblem« stimmen 77 Prozent von ihnen »voll und ganz« zu, bei den 20 Jahre älteren Testpersonen sind es nur 62 Prozent. Die eingangs erwähnte Hamburg-Leipziger Studie von 2002 (die aktuellste abgeschlossene zu dem Thema, die sich allerdings auf Großstädte beschränkt) hatte bereits in eine ähnliche Richtung gedeutet: Die 30-Jährigen waren wesentlich strenger als die 60-Jährigen. Das passt ins Bild einer jungen Generation, die sich wieder auf alte Werte besinnt, wie diverse Jugendstudien zeigen. Eine Generation, die Exklusivität weit höher schätzt als ihre Eltern?

Leser-Kommentare
  1. Es ist schon eine Zumutung, das komplexe Wort 'commitment' mit 'Hingabe' zu übersetzen, welches im Deutschen sofort 'Hergabe', 'Hinnahme', 'Herhabe' u.ä.m. aufzucken lässt. Oder ist "Hingabe" gar ein Feminismus, der sich an das absurde Wort 'Selbstlosigkeit' anlehnt?
    Es ist ja durchaus begrüßenswert und notwendig, über neuere empirische Forschungen zu einem Teilbereich des Themas Liebe zu informieren, aber ich verstehe einfach nicht, warum jegliche solide Erarbeitung der Geisteswissenschaften zur "Idee von der persönlichen Liebe" sowohl bei derartigen Forschungen als auch bei den entsprechenden Berichten darüber einfach ignoriert werden.
    Es ist längst bekannt, dass die "Idee von der persönlichen Liebe" ein genuin moralischer Wert ist, Freude wie Anstrengungen inbegriffen, der sowohl ein Fallieren als auch ein Gelingen ermöglicht. Damit stellt sich die Hauptaufgabe für den liebenden Menschen, wie er mit der unvermeidlichen Schuld umzugehen vermag.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Mit erstaunlich hat dies wenig zu tun, und selten ist es schon drei Mal nicht. Es gibt viele Menschen die durchaus von der sexuellen Revolution profitiert haben, aber es noch schaffen Werte, wie Ehrlichkeit und Treue, mit der Thematik Partnerschaft in Einklang zu bringen.

    Witzig, wie meist Menschen, welche es selber nicht so genau nehmen, den Rest der Bevölkerung davon überzeugen wollen, daß jeder Rasen besprüht werden muß. Man kann allerlei herbeireden, herbeischreiben und herbeisenden.

    Eine Leser-Empfehlung
    • Pyr
    • 11.04.2011 um 9:14 Uhr

    Ahh, endlich ist der Artikel online. Schon in der Printausgabe fand ich ihn wirklich widersinnig, wirklich schlecht. Fangen wir mal mit dem Auseinandernehmen an:

    "Angesichts unserer evolutionären Vergangenheit ist es geradezu verblüffend, dass die Hälfte der Menschen es schafft, treu zu sein."
    Das halte ich für eine reine Mutmaßung. Woher kommt die Zahl, lieber Autor? Die später erwähnte Studie bezieht sich gerade einmal auf Deutschland - wenn ich da an viele afrikanische und asiatische Länder denke, so kommen mir sehr begründete Zweifel für diese Aussage. Schon alleine, weil "Treue" je nach Kultur sehr unterschiedlich definiert wird.

    Dass Fremdgehen der ANDEREN Person ein "Beziehungsproblem" wäre, ist sicherlich eine interessante Frage. Dass verunsicherte Jugendliche Sex mit einer anderen Person als Bruch deuten, der eine Beziehung zerstören muss, ist indes doch kein Wunder: genau dieses Bild wird von der Gesellschaft, von Hollywood & Co, doch vermittelt. Die Jugendlichen haben gar keine Erfahrung damit, dass dieses "offizielle" Credo zu einem Teil überhaupt keinen Sinn ergibt. Eine bessere Interpretation wäre doch: Je mehr Beziehungen eine Person hatte, je mehr Lebenserfahrung, umso größer ist die Bereitschaft, sexuelle Exklusivität aufzugeben.

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    • Pyr
    • 11.04.2011 um 9:15 Uhr

    Später dann im Artikel (Teil 3) wird erwähnt, dass sexuelles Interesse an anderen Partnern vollkommen normal ist. Selbst wenn man sich in einer glücklichen, auch sexuell erfüllten Beziehung befindet. Wäre es dann nicht naheliegend, genau dies zu akzeptieren und die Prüderie der sexuellen Exklusivität endlich aufzugeben? Schließlich braucht der feste Partner dann offenbar keine Sorge haben, verlassen zu werden.

    Auch der Wunsch nach Bindung in Teil 4 spricht objektiv betrachtet überhaupt nicht gegen sexuelle Erlebnisse außerhalb der festen Partnerschaft. Es ist nur dann ein Gegenspieler, wenn in den Köpfen irgendwelche idiotischen Bilder feststecken, welche in Sex mit einer anderen Person sofort ein riesiges Problem sehen. Das ist ziemlich lächerlich und infantil, dennoch kriegen selbst ältere Menschen das nicht auf die Kette. Dass quasi jeder Mensch mit Eifersucht umzugehen lernen kann, ist hinlänglich bekannt.

    • tecnyc
    • 12.04.2011 um 0:30 Uhr

    Glück wird in unserer Gesellschaft als ein erstrebenswerter Zustand angesehen, gleichzeitig wird das nicht Einhalten der Monogamie (was sehr viele Leuten glücklicher machen würde) von allen Seiten ohne stichhaltige Argumente verteufelt.

    Der Grund: Die Fähigkeit eines Menschen mehrere Personen auf einmal zu lieben widerspricht vollkommen unseren ethischen Moralvorstellungen. Diesbezüglich befinden wir uns leider immer noch im Mittelalter.
    Außerdem besteht nach wie vor die unangefochtene Ansicht, dass die Liebe eine begrenzte Ressource sei. Wenn das der Fall wäre, wäre eine Mutter die mehrere Kinder hat in der Lage nur eines ihrer Kinder wahrhaftig zu lieben. Ich denke, man kann sehr gut erkennen wie unsinnig das ist.

    Ehe wird zu Recht als "in Ketten legen" bezeichnet. Das liegt daran, dass es der Wahrheit entspricht!
    Anstatt dem Partner Freiheiten zu gewähren, stellt man Besitzansprüche an ihm.
    Ehe bedeutet in unserer Kultur ewige Treue. Ewige Treue wiederum , dass man den Rest des Lebens ausschließlich eine einzige Person zu lieben hat. Allein dieses Diktat ist auch mir zu wider. Ich kann es nicht bestimmen wen ich liebe und wen nicht.

    • Pyr
    • 11.04.2011 um 9:15 Uhr

    Später dann im Artikel (Teil 3) wird erwähnt, dass sexuelles Interesse an anderen Partnern vollkommen normal ist. Selbst wenn man sich in einer glücklichen, auch sexuell erfüllten Beziehung befindet. Wäre es dann nicht naheliegend, genau dies zu akzeptieren und die Prüderie der sexuellen Exklusivität endlich aufzugeben? Schließlich braucht der feste Partner dann offenbar keine Sorge haben, verlassen zu werden.

    Auch der Wunsch nach Bindung in Teil 4 spricht objektiv betrachtet überhaupt nicht gegen sexuelle Erlebnisse außerhalb der festen Partnerschaft. Es ist nur dann ein Gegenspieler, wenn in den Köpfen irgendwelche idiotischen Bilder feststecken, welche in Sex mit einer anderen Person sofort ein riesiges Problem sehen. Das ist ziemlich lächerlich und infantil, dennoch kriegen selbst ältere Menschen das nicht auf die Kette. Dass quasi jeder Mensch mit Eifersucht umzugehen lernen kann, ist hinlänglich bekannt.

    • tecnyc
    • 12.04.2011 um 0:30 Uhr

    Glück wird in unserer Gesellschaft als ein erstrebenswerter Zustand angesehen, gleichzeitig wird das nicht Einhalten der Monogamie (was sehr viele Leuten glücklicher machen würde) von allen Seiten ohne stichhaltige Argumente verteufelt.

    Der Grund: Die Fähigkeit eines Menschen mehrere Personen auf einmal zu lieben widerspricht vollkommen unseren ethischen Moralvorstellungen. Diesbezüglich befinden wir uns leider immer noch im Mittelalter.
    Außerdem besteht nach wie vor die unangefochtene Ansicht, dass die Liebe eine begrenzte Ressource sei. Wenn das der Fall wäre, wäre eine Mutter die mehrere Kinder hat in der Lage nur eines ihrer Kinder wahrhaftig zu lieben. Ich denke, man kann sehr gut erkennen wie unsinnig das ist.

    Ehe wird zu Recht als "in Ketten legen" bezeichnet. Das liegt daran, dass es der Wahrheit entspricht!
    Anstatt dem Partner Freiheiten zu gewähren, stellt man Besitzansprüche an ihm.
    Ehe bedeutet in unserer Kultur ewige Treue. Ewige Treue wiederum , dass man den Rest des Lebens ausschließlich eine einzige Person zu lieben hat. Allein dieses Diktat ist auch mir zu wider. Ich kann es nicht bestimmen wen ich liebe und wen nicht.

    • Pyr
    • 11.04.2011 um 9:15 Uhr

    Später dann im Artikel (Teil 3) wird erwähnt, dass sexuelles Interesse an anderen Partnern vollkommen normal ist. Selbst wenn man sich in einer glücklichen, auch sexuell erfüllten Beziehung befindet. Wäre es dann nicht naheliegend, genau dies zu akzeptieren und die Prüderie der sexuellen Exklusivität endlich aufzugeben? Schließlich braucht der feste Partner dann offenbar keine Sorge haben, verlassen zu werden.

    Auch der Wunsch nach Bindung in Teil 4 spricht objektiv betrachtet überhaupt nicht gegen sexuelle Erlebnisse außerhalb der festen Partnerschaft. Es ist nur dann ein Gegenspieler, wenn in den Köpfen irgendwelche idiotischen Bilder feststecken, welche in Sex mit einer anderen Person sofort ein riesiges Problem sehen. Das ist ziemlich lächerlich und infantil, dennoch kriegen selbst ältere Menschen das nicht auf die Kette. Dass quasi jeder Mensch mit Eifersucht umzugehen lernen kann, ist hinlänglich bekannt.

    Antwort auf "Kritik - Teil I"
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    ... der gegen Seitenspruenge spricht? Es mag sein, dass in einer idealen Welt von allen gleichermassen perfekt zwischen Sexualitaet, und Bindungswille getrennt werden kann und auch niemand Distanzprobleme hat und dass man daher sowohl Sexualitaet mit dem festen PArtner aber gerne auch mal unverbindlich mit anderen geniessen kann. In der Realitaet jedoch kommen fuer Seitenspruenge nur gute Bekannte oder voellig Fremde in Frage. Liebt man seinen festen Partner und seine sozialen Beziehungen, sucht man seine Seitenspruenge nicht im Bekanntenkreis, denn das koennte das eigene Sozialgefuege zum Implodieren bringen, wenn sich die Sache falsch entwickelt und nicht mit einem Augenzwinkern ab und an im Vorbeigehen abgetan ist. Voellig Fremde hingegen muss man erst recht vermeiden, denn es koennte sich ja hinter jeder vordergruendiug cool und souveraen agierenden Party-Bekanntschaft ein durchgeknallter Stalker verbergen, der nachher auch gerne mal nachts Sturm klingelt, weil er sich am Ende doch mehr versprochen hat. Beide Szenarien moechte ich meinem geliebten Partner und auch mir selbst gerne ersparen.
    Oder um die Kalkulation noch handfester zu erlaeutern: Keine rein sexuell motivierte Affaire kann in punkto Glueckserlebnis SO WEIT ueber gute Masturbation (die einem ja immer bleibt) hinausreichen, dass sie es rechtfertigen wuerde den geliebten Menschen so zu verletzen. Es sei denn, es geht gar nicht um Sex - doch dann ist die Frage eine ganz andere, nicht wahr?

    ... der gegen Seitenspruenge spricht? Es mag sein, dass in einer idealen Welt von allen gleichermassen perfekt zwischen Sexualitaet, und Bindungswille getrennt werden kann und auch niemand Distanzprobleme hat und dass man daher sowohl Sexualitaet mit dem festen PArtner aber gerne auch mal unverbindlich mit anderen geniessen kann. In der Realitaet jedoch kommen fuer Seitenspruenge nur gute Bekannte oder voellig Fremde in Frage. Liebt man seinen festen Partner und seine sozialen Beziehungen, sucht man seine Seitenspruenge nicht im Bekanntenkreis, denn das koennte das eigene Sozialgefuege zum Implodieren bringen, wenn sich die Sache falsch entwickelt und nicht mit einem Augenzwinkern ab und an im Vorbeigehen abgetan ist. Voellig Fremde hingegen muss man erst recht vermeiden, denn es koennte sich ja hinter jeder vordergruendiug cool und souveraen agierenden Party-Bekanntschaft ein durchgeknallter Stalker verbergen, der nachher auch gerne mal nachts Sturm klingelt, weil er sich am Ende doch mehr versprochen hat. Beide Szenarien moechte ich meinem geliebten Partner und auch mir selbst gerne ersparen.
    Oder um die Kalkulation noch handfester zu erlaeutern: Keine rein sexuell motivierte Affaire kann in punkto Glueckserlebnis SO WEIT ueber gute Masturbation (die einem ja immer bleibt) hinausreichen, dass sie es rechtfertigen wuerde den geliebten Menschen so zu verletzen. Es sei denn, es geht gar nicht um Sex - doch dann ist die Frage eine ganz andere, nicht wahr?

    • Pyr
    • 11.04.2011 um 9:15 Uhr

    Schließlich noch die Sache mit dem commitment. Commitment bedeutet in meiner polyamoren Beziehung, dass ich mich offen und ehrlich mit meinen Partnern und deren Partnern auseinandersetze. Das ist sehr viel Arbeit und verdient viel eher dieses Prädikat des "commitments" als eine monogame Beziehung, in welcher beide Partner ihren biologisch natürlichen Wunsch nach sexueller Freiheit unterdrücken müssen.

    Mein Fazit zum Thema "Treue" lautet daher: Treue sollte nicht mit sexueller Exklusivität verwechselt werden. Wenn ich mit einem Partner schlafe und der andere dies weiß und nichts dagegen hat (und ohnehin genau dieselben Rechte hat - ich spreche hier nicht von Vielweiberei!), dann ist das überaus treu. Anders herum möchte ich daran zweifeln: ohne Offenheit und absolute Ehrlichkeit wird die Treue zu einem Schatten ihrer selbst, da sich die Partner vollkommen unnötig gegenseitig die Möglichkeit verbauen, ihren Wünschen und Bedürfnissen zu folgen. Wahre Treue bedeutet unweigerlich auch sexuelle Offenheit gegenüber anderen Partnern - alles andere ist ein Käfig, ein Gefängnis, ein Zwang und überhaupt nicht mehr romantisch.

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    "Wahre Treue bedeutet unweigerlich auch sexuelle Offenheit gegenüber anderen Partnern - alles andere ist ein Käfig, ein Gefängnis, ein Zwang und überhaupt nicht mehr romantisch."

    Menschen sind unterschiedlich und haben unterschiedliche Bedürfnisse und was sich für den einen wie ein Käfig anfühlt, macht den anderen glücklich, deshalb ist auch kein Beziehungskonzept „richtiger“ als das andere.

    Warum wird diese Beziehungsform immer wieder als die für alle Menschen einzig richtige bzw. logische propagiert und jeder, der monogam leben möchte, als unreflektiert, besitzergreifend und wenig selbstbewusst dargestellt? Jeder lebt und liebt anders und das sei ihr oder ihm doch auch bitte ohne Anfeindung gestattet. Ob hetero-, homo- oder bisexuell, monogam, polyamor, in offener Beziehung, Affäre oder als überzeugter Single, wichtig ist doch nur, dass alle Beteiligten damit glücklich sind. Nur weil jemand ein Beziehungsmodell lebt, das als „normal“ angesehen wird, heißt das ja noch lange nicht, dass er sich weniger damit auseinandergesetzt hat als jemand, der ein alternatives Beziehungsmodell lebt. Man kann sich auch mit diesem Thema auseinandersetzen und trotzdem zu dem Schluss kommen, dass Monogamie das für einen selbst am besten passende Beziehungskonzept ist. Dieser ewige Vorwurf der Unreflektiertheit zeugt nicht unbedingt von Toleranz gegenüber anderen Lebens- und Beziehungsentwürfen, die doch gerade von alternativ lebender und liebender Seite immer gefordert wird.

    "Wahre Treue bedeutet unweigerlich auch sexuelle Offenheit gegenüber anderen Partnern - alles andere ist ein Käfig, ein Gefängnis, ein Zwang und überhaupt nicht mehr romantisch."

    Menschen sind unterschiedlich und haben unterschiedliche Bedürfnisse und was sich für den einen wie ein Käfig anfühlt, macht den anderen glücklich, deshalb ist auch kein Beziehungskonzept „richtiger“ als das andere.

    Warum wird diese Beziehungsform immer wieder als die für alle Menschen einzig richtige bzw. logische propagiert und jeder, der monogam leben möchte, als unreflektiert, besitzergreifend und wenig selbstbewusst dargestellt? Jeder lebt und liebt anders und das sei ihr oder ihm doch auch bitte ohne Anfeindung gestattet. Ob hetero-, homo- oder bisexuell, monogam, polyamor, in offener Beziehung, Affäre oder als überzeugter Single, wichtig ist doch nur, dass alle Beteiligten damit glücklich sind. Nur weil jemand ein Beziehungsmodell lebt, das als „normal“ angesehen wird, heißt das ja noch lange nicht, dass er sich weniger damit auseinandergesetzt hat als jemand, der ein alternatives Beziehungsmodell lebt. Man kann sich auch mit diesem Thema auseinandersetzen und trotzdem zu dem Schluss kommen, dass Monogamie das für einen selbst am besten passende Beziehungskonzept ist. Dieser ewige Vorwurf der Unreflektiertheit zeugt nicht unbedingt von Toleranz gegenüber anderen Lebens- und Beziehungsentwürfen, die doch gerade von alternativ lebender und liebender Seite immer gefordert wird.

  3. Der Umkehrschluss, wenn alle treu wären, wäre es auch keine Sensation und niemand würde davon träumen. Die Evolution zwingt uns immer nach dem besonderen, dem anderen zu suchen, einfach und ernüchternd um sicher alle Chancen zu prüfen und sie im Eventualfall zu nutzen.
    Das Ziel ist Überleben der Art und offenbar haben sich also die nicht oder niemals wirklich treuen Exemplare mehrheitlich als überlebenstüchtiger erwiesen. Der Natur wäre es auch recht, wenn wir treu wären und deshalb erfolgreich. Die andere Version schafft aber nachvollziehbar höhere Nachkommensicherheit. Der eigentliche Sinn des Lebens ist, es weiter zu geben und wird so erfüllt. mehr auf sinnhalt.com/aktuelles

  4. ... schon allein, weil er Treue bzw. Untreue nicht monokausal zu erklären versucht sondern schön verschiedene Einflüsse auf den Menschen anzeigt. Besonders gut finde ich den Abschluss, denn Treue ist tatsächlich eine Kulturleistung zu der es eines starken Willens bedarf, denn der Sexualtrieb ist einer der stärksten denen der Mensch ausgesetzt ist, weshalb ich die Jugendlichen in ihrer inneren Zerissenheit nicht nicht beneide.
    Aber Treue hat ebend seine Vorzüge. Insbesondere dann, wenn die Jahre vorrüber sind in denen es leicht war neue Partner zu finden. Und in Kriesen einen verlässlichen Partner an der Seite zu haben, ist auch nicht zu unterschätzen.
    Darüberhinaus ist sexuelle Treue der beste Schutz vor den verschiedenen Geschlechtskrankheiten.
    Ebenso möchte ich den Aspekt zu bedenken geben, dass es nur in einer monogamen Beziehung wirklich gleichberechtigt zugehen kann. Sowie einer mehr Partner hat als der andere...

    Gruß

    Eine Leser-Empfehlung
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    • Pyr
    • 11.04.2011 um 9:48 Uhr

    Gleichberechtigung in Monogamie? Schauen Sie sich mal um! Ich sehe in monogamen Beziehungen sehr oft eine Situation, wo einer der Partner zu Hause bleibt und die Kinder versorgt und der andere einem Beruf nachgeht. Der Großteil aller monogamen Beziehungen weltweit sieht so aus! Da ist es mit Gleichberechtigung nicht viel her, oder?

    Umgekehrt sehe ich nicht, inwiefern ich nicht gleichberechtigt wäre, wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt mein Partner noch "einen anderen" hat und ich nicht. Das ist meine aktuelle Situation und ich bin damit sehr zufrieden und glücklich, fühle mich überhaupt nicht ungerecht behandelt. Denn ich habe ja auch das *Recht*, weitere Partner zu haben. Dass ich dieses aktuell nicht realisiere, hat nichts damit zu tun, dass ich nicht gleich*berechtigt* bin.

    Dass sexuelle Exklusivität der beste Schutz vor Geschlechtskrankheiten ist, erzählt der Papst auch immer. Dass Safer Sex-Practices faktisch viel wirkungsvoller sind ist leider die Realität: weil die sexuelle Exklusivität eben kaum jemand durchhält, aus nahe liegenden Gründen.

    Bei einem kann ich Ihnen zustimmen: Treue und Bindung sind ganz wichtig, gerade wenn eine Krise kommt. Aber wer ist da wohl besser dran: derjenige mit nur einem Partner, oder derjenige mit gleich mehreren Partnern, ja gewissermaßen einer ganzen Familie von Vertrauenspersonen sowie deren Anhängen? Auch dort wird sexuelle Exklusivität plötzlich sehr irrelevant.

    Polyamory löst viele Probleme. Warum begreifen die Menschen das nicht?

    • Pyr
    • 11.04.2011 um 9:48 Uhr

    Gleichberechtigung in Monogamie? Schauen Sie sich mal um! Ich sehe in monogamen Beziehungen sehr oft eine Situation, wo einer der Partner zu Hause bleibt und die Kinder versorgt und der andere einem Beruf nachgeht. Der Großteil aller monogamen Beziehungen weltweit sieht so aus! Da ist es mit Gleichberechtigung nicht viel her, oder?

    Umgekehrt sehe ich nicht, inwiefern ich nicht gleichberechtigt wäre, wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt mein Partner noch "einen anderen" hat und ich nicht. Das ist meine aktuelle Situation und ich bin damit sehr zufrieden und glücklich, fühle mich überhaupt nicht ungerecht behandelt. Denn ich habe ja auch das *Recht*, weitere Partner zu haben. Dass ich dieses aktuell nicht realisiere, hat nichts damit zu tun, dass ich nicht gleich*berechtigt* bin.

    Dass sexuelle Exklusivität der beste Schutz vor Geschlechtskrankheiten ist, erzählt der Papst auch immer. Dass Safer Sex-Practices faktisch viel wirkungsvoller sind ist leider die Realität: weil die sexuelle Exklusivität eben kaum jemand durchhält, aus nahe liegenden Gründen.

    Bei einem kann ich Ihnen zustimmen: Treue und Bindung sind ganz wichtig, gerade wenn eine Krise kommt. Aber wer ist da wohl besser dran: derjenige mit nur einem Partner, oder derjenige mit gleich mehreren Partnern, ja gewissermaßen einer ganzen Familie von Vertrauenspersonen sowie deren Anhängen? Auch dort wird sexuelle Exklusivität plötzlich sehr irrelevant.

    Polyamory löst viele Probleme. Warum begreifen die Menschen das nicht?

  5. der die Statistik kennt, und weiß das die Scheidung zu 70% von Frauen eingereicht wird, kann ich den Männern nur empfehlen, nur in 30 % der Beziehungen eine ernsthafte Bindung ein zu gehen.
    Sorry, das zwischenmenschliche ist inzwischen politisch, und damit total abgefuckt.

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    Diesen Rat aus der Tatsache ableiten zu wollen, dass 70% der Scheidungen von Frauen eingereicht werden halte ich für total daneben gegriffen.

    Eine mögliche Erklärung wäre zum Beispiel, dass Frauen eher dazu neigen bei einer gescheiterten Ehe die Konsequenzen zu ziehen, als der Männer.

    Diesen Rat aus der Tatsache ableiten zu wollen, dass 70% der Scheidungen von Frauen eingereicht werden halte ich für total daneben gegriffen.

    Eine mögliche Erklärung wäre zum Beispiel, dass Frauen eher dazu neigen bei einer gescheiterten Ehe die Konsequenzen zu ziehen, als der Männer.

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