Bradley ManningDer Verräter wird verraten

Ein gemeinsamer Appell von 300 Juristen und Philosophen kritisiert Barack Obama und die Haftbedingungen des vermeintlichen WikiLeaks-Informanten Bradley Manning. von 

Demonstranten protestieren gegen die schlechten Haftbedingungen von Bradley Manning vor dem State Department in Washington

Demonstranten protestieren gegen die schlechten Haftbedingungen von Bradley Manning vor dem State Department in Washington   |  © Chip Somodevilla/Getty Images

Beschämend und nicht verfassungsgemäß, lautet der Vorwurf. Ein angesehener Verfassungsexperte der Universität Harvard, Laurence Tribe, greift öffentlich seinen noch viel berühmteren Schüler an, der dort auch einmal Verfassungsrecht studierte und lehrte: Barack Obama, inzwischen Präsident der Vereinigten Staaten.

Tribe gehört zu den knapp 300 namhaften Juristen und Philosophen, den Unterzeichnern eines Appells, der nun sowohl im Guardian als auch in der New York Review of Books abgedruckt ist: Er protestiert gegen die Haftbedingungen von Bradley Manning, dem Gefreiten, der geheime Dokumente der US-Diplomatie den Enthüllern von Wikileaks zugespielt haben soll.

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Der wurde deshalb im vergangenen Frühjahr verhaftet und wartet seither im Gefängnis Quantico auf seine Verhandlung, die nun auch den UN-Folterexperten Juan Mendez auf den Plan ruft, der sich bisher vergeblich um eine Gesprächserlaubnis bemüht: 23 Stunden am Tag ist der Häftling in der Zelle eingesperrt, verpflichtet, alle fünf Minuten auf die Frage zu antworten »Are you ok?«, morgens nackt vor der Zelle anzutreten und nachts nackt zu schlafen, um einer vermeintlichen Selbsttötungsgefahr vorzubeugen.

Die Unterzeichner des Appells werfen Obama vor, die Haftbedingungen als üblichen Standard zu beschönigen und Mannings Fall zur Abschreckung zu benützen. Wer unter George Bush die Stärke der Vereinigten Staaten ungeachtet des geltenden Rechts am eigenen Leibe erfahren sollte, ob in Guantánamo oder in Abu Ghraib, war als Feind identifiziert, der von außen kam.

Diesen Exzessen wollte Obama ein Ende machen. Nun aber wird die Bedrohung einem inneren Feind zugeschrieben.

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Leserkommentare
  1. ...Mächtigen in den USA interessiert?

    Ich glaub es kaum, da man dort schließlich "Menschenrechte, Freiheit und Demokratie" vertritt...und diese "Werte" auch gerne in andere Länder "hineinbombt"!

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    Nur ein hohes Maß an Öffentlichkeit kann einem Gefangenen, wie Bradley Manning, dessen Schuld insbesondere noch nicht bewiesen ist, ein wenig helfen.

  2. Zumindest bin ich der Meinung, daß Obama den Friedensnobelpreis zu Unrecht trägt.

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    • thunke
    • 17. April 2011 20:49 Uhr

    Was erwartet ihr vom Imperium? Da wo Demokraten und Republikaner zwei Flügel der selben elitären politischen Gruppe sind und alle anderen Länder der Welt sich gefälligst unterzuordnen haben, ist der Mensch nichts wert.

    14 Leserempfehlungen
  3. Nur ein hohes Maß an Öffentlichkeit kann einem Gefangenen, wie Bradley Manning, dessen Schuld insbesondere noch nicht bewiesen ist, ein wenig helfen.

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    Antwort auf "Ob der Appell die..."
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    Interessiert sich das Imperium für die Öffentlichkeit?

    Der sogenannte "Friedensnobelpreis" ist seinen Namen nicht wert!

    Dieser "Preis" ist obsolet!

    Da muss man sich doch fragen, auf welcher Seite der Weltoeffentlichkeit die ZEIT sich eigentlich sieht - die fast ausnahmslos negativen Artikel ueber Wikileaks geben ja eine Ahnung, die Zensur im Kommentar Forum tun das uebrige...

    • wolla
    • 17. April 2011 20:58 Uhr

    .. für die Menschheit.
    Ich denke, der Friedensnobelpreis wird durch dieses Verhalten gründlich entehrt.
    Mal sehn, ob Nachfolger die Courage haben, ihn mit Hinweis auf den Träger Obama abzulehnen.
    Hoffnung habe ich da keine.

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  4. Interessiert sich das Imperium für die Öffentlichkeit?

    Der sogenannte "Friedensnobelpreis" ist seinen Namen nicht wert!

    Dieser "Preis" ist obsolet!

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    Antwort auf "@ teardown # 1"
  5. Hier könnte das Nobelpreiskommittee ein Zeichen setzen: Ein Soldat, der Kriegsverbrechen nicht totschweigt, sondern öffentlich macht, tut mehr zur Durchsetzung des Rechts auch in Kriegszeiten als alle Militärtribunale zusammen.

    27 Leserempfehlungen
  6. verliert, dann ist der zusammenbruch nur eine frage der zeit. manning ist ein symbol für eine usa und ein obama auf irrwegen. natürlich werden guantanamo und manning negative auswirkungen auf das image der us regierung haben. niemand der so agiert kann noch moralisch argumentieren.....

    7 Leserempfehlungen

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  • Schlagworte Barack Obama | Recht | Abschreckung | Gefängnis | Präsident | Schüler
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