Doppelter Abiturjahrgang Doppelt gefordert

Die Konkurrenz um Studien- und Ausbildungsplätze wird für unsere Abiturienten besonders groß. So gehen sie damit um

Die Luft ist dick in den Räumen des Herzog-Ernst-Gymnasiums Uelzen: 179 Schülerinnen und Schüler sitzen dort in diesen Tagen vor ihren Abituraufgaben. Die vier schriftlichen Prüfungen haben sie bereits hinter sich, eine mündliche müssen sie noch überstehen. Alle müssen dieselben Aufgaben lösen, obwohl es in diesem Jahr eine Besonderheit gibt: 95 Schüler machen nach 13 Jahren Abitur, 84 aber sind nur zwölf Jahre lang zur Schule gegangen. Weil Niedersachsen die Gymnasialzeit von neun Jahren (G9) auf acht Jahre Unterricht (G8) verkürzt hat, hat das Herzog-Ernst-Gymnasium beide Jahrgänge in der Oberstufe zu einem Doppeljahrgang zusammengelegt.

Derzeit lägen seine G-9-Schüler erwartungsgemäß im Notendurchschnitt vorn, sagt der Oberstufenkoordinator Burkhard Steneberg, der sich um sämtliche Formalitäten kümmert. Aber: Die Jahrgangsbeste könnte sogar aus der G8 kommen. »Im Moment steuert eine G-8-Schülerin auf eine Durchschnittsnote von 1,2 oder sogar besser zu.« Die Jüngeren scheinen mit den Älteren durchaus mithalten zu können. Und das müssen sie auch: Spätestens wenn sie an die Hochschulen kommen, wird niemand mehr nach der Dauer ihrer Schulzeit fragen. Und dort wird es in diesem Herbst eine Studierendenschwemme geben , da nicht nur Niedersachsen, sondern auch Bayern einen Doppeljahrgang durchs Abitur schickt. Ausbildungsplätze werden ebenfalls noch begehrter sein als sonst.

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Der besondere Jahrgang

Durch die Verkürzung der Gymnasialzeit werden in Bayern und Niedersachsen dieses Jahr zwei Jahrgänge auf einmal entlassen. Wie erleben das die Abiturienten?  Wir begleiten die Abschlussklasse des Herzog-Ernst-Gymnasiums in Uelzen in der Serie "Der besondere Jahrgang"

Wie gehen die Schüler damit um? Zielstrebigkeit ist die Devise der G-9-Schülerinnen. Viele von ihnen wollen nach dem Abitur sofort mit einem Studium oder einer Ausbildung beginnen. Beliebt sind auch duale Studiengänge, ob bei Kosmetikherstellern oder Chemieunternehmen. Einige Jungen im gleichen Alter haben dagegen vor, erst einmal ihre Freiheit zu genießen, ob als Freiwillige in Mittelamerika oder beim »Work and Travel« in Australien.

Ihre jüngeren Mitschüler aus dem G-8-Jahrgang scheinen ein stärkeres Sicherheitsbedürfnis zu haben. Einige wollen erst einmal zu Hause wohnen bleiben und in der näheren Umgebung eine Ausbildung machen. Im G-8-Jahrgang sind die Mädchen abenteuerlustiger. Viele von ihnen planen, das Jahr, um das sich ihre Schulzeit verkürzt hat, zu nutzen, um sich auszuprobieren, ob als Animateurin auf einem Kreuzfahrtschiff oder als Entwicklungshelferin in Ghana. Nur eine Einrichtung scheint für alle Uelzener Abiturienten gleichermaßen unattraktiv zu sein: die Bundeswehr. Kaum ein Schüler will sich verpflichten. Möglicherweise wird sie im Gegensatz zu Universitäten, Ausbildungsstätten und Au-pair-Agenturen eine der wenigen Institutionen bleiben, die nicht mit den Massen von Doppeljahrgangs-Abiturienten zu kämpfen hat.

Christina Töpfer (18), G9

Christina Töpfer (18)

Christina Töpfer (18)

»Ich will am liebsten Bio studieren und in die Forschung gehen. Mit welchem Thema ich mich dann beschäftige, entscheide ich im Master. Vielleicht mit Krebserkrankungen – das interessiert mich total! Ich würde gern in Norddeutschland arbeiten und irgendwo auf dem Dorf wohnen, so wie jetzt. Ich mag mein Zuhause, und ich mag die Nordsee. Natürlich haben mir ein paar Leute gesagt, ich solle doch lieber auf Lehramt studieren oder wenigstens ein zweites Fach dazunehmen. Das sei sicherer, als einen Doktortitel anzustreben. Früher konnte ich es mir tatsächlich vorstellen, Lehrerin zu werden. Aber wenn ich jetzt sehe, wie respektlos sich jüngere Schüler mir gegenüber auf dem Schulhof verhalten, habe ich doch nicht mehr so große Lust auf den Lehrerberuf. Ich weiß, dass es schwierig werden kann, mit einer Doktorandenstelle eine Familie zu finanzieren. Aber ich glaube, dass ich insgesamt ganz gute Chancen in der Forschung habe, weil ich noch so jung bin. Da hat man noch Kraft, Stresssituationen auszuhalten, und bessere Chancen bei Arbeitgebern. Vielleicht hat man noch weniger Erfahrung – bei manchen G8ern merke ich schon, dass sie noch nicht so reif sind. Aber ich für mich habe noch nie Nachteile bemerkt, vielleicht auch deshalb, weil ich schon in der Grundschule eine Klasse übersprungen habe. Im Gymnasium war ich deshalb von Anfang an im G-9-Jahrgang und hatte nicht den Aufholstress am Ende wie die G8er.«

Leser-Kommentare
  1. # Die Konkurrenz um Studien- und Ausbildungsplätze wird für unsere Abiturienten besonders groß. So gehen sie damit um #

    Bei der Kriminalitaet wird davon gesprochen, dass die (etwa in Berlin) zurueckginge, wegen der Demographie. Scheinbar gilt das fuer Studienplaetze nicht.

    Klar ist, dass der Strom durch die "Energiewende" auch fuer UNis und jeden STudenten teurer werden wird, folglich sollen die nicht rumjammern, wenn sie fuer den Ausstieg waren. Natuerlich wird dadurch alles drastisch teurer werden, egal ob Gruene/Greenpeace heute demagogisch versprechen, dem waere nicht so.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Pyr
    • 15.04.2011 um 14:51 Uhr

    Sie sind ein tolles Negativbeispiel für einen Leser, der an noch so weit entfernten Themen eine Diskussion um die Atomdebatte führen will. Bitte machen Sie das doch woanders, insbesondere wenn Sie ihre tollen Lügen (wie "alles wird drastisch teurer") verbreiten wollen. Grüner Strom ist schon heute nicht wesentlich teurer als Atomstrom - gucken Sie sich die Anbieter mal an.

    • Pyr
    • 15.04.2011 um 14:51 Uhr

    Sie sind ein tolles Negativbeispiel für einen Leser, der an noch so weit entfernten Themen eine Diskussion um die Atomdebatte führen will. Bitte machen Sie das doch woanders, insbesondere wenn Sie ihre tollen Lügen (wie "alles wird drastisch teurer") verbreiten wollen. Grüner Strom ist schon heute nicht wesentlich teurer als Atomstrom - gucken Sie sich die Anbieter mal an.

    • Pyr
    • 15.04.2011 um 14:51 Uhr

    Sie sind ein tolles Negativbeispiel für einen Leser, der an noch so weit entfernten Themen eine Diskussion um die Atomdebatte führen will. Bitte machen Sie das doch woanders, insbesondere wenn Sie ihre tollen Lügen (wie "alles wird drastisch teurer") verbreiten wollen. Grüner Strom ist schon heute nicht wesentlich teurer als Atomstrom - gucken Sie sich die Anbieter mal an.

    2 Leser-Empfehlungen
  2. Jo ich mach auch mal mit. Ich bin 17, werde nach dem G8 Abitur in Bayern 18 und will keine Ausbildung machen, aber studieren. Am liebsten würde ich ja Medizin studieren, aber da gibt es 4 Optionen:
    1.Ich habe super Noten in der Schule (Wobei Noten mit "Können" oder "Wissen" nicht soo viel zu tun haben, jedenfalls ist es schon banal, wenn jemand mit 15 Punkten in Sozi die Frage stellt, was eine Koalition sei.)
    2. Die Eltern sind sehr wohlhabend und ich kann auf eine von diesen Privatunis gehen, die aber recht teuer sind.(man denke da an Ungarn) Das würden mir meine Eltern sogar zahlen, aber ich bin mir da nicht so sicher, ob mein Wunsch für die Medizin so fest ist.
    3.Ich gehe zu den Ösis. Das ist wohl die beste Option, allerdings muss ich dafür noch für den TMS(?) Test lernen um aufgaynommen zu werden.
    4. Ich werde eingelost und da anscheinend www.hochschulstart.de von den hart arbeitenden(!) Beamten anscheinend doch nicht die Erwartungen erfüllt muss ich mal schauen, ob ich nicht doch irgendwo reinkomme :)

    Optional zur Medizin stände da noch BWL bzw. Wirtschaftsingenieurwesen, da ich in diesem Bereich ziemlich gut und interessiert bin.

    Die Schule ist eigentlich ganz cool, die Kollegstufengemeinschaft finde ich echt gut und insgesamt gefällt es mir ganz gut. Blöd ist halt nur, dass man an anderen Gymnasien in der Stadt bessere Noten bekommt und alle humanistischen Fächer (also alles abgaysehen von Mathe+Physik) ziemlich subjektiv bewertet werden. Noch Fragen? Ich antworte.

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