Akademiker Dilemma im Doppel
Wenn sie und er an der Hochschule parallel Karriere machen wollen, häufen sich Probleme. Ein Fall aus der Praxis
Es war ein Traum. Sie beide zusammen – Herr und Frau Professor auf zwei benachbarten Lehrstühlen an derselben Universität. Sie hätten denselben, nicht allzu weiten Weg zur Arbeit, setzten vielleicht die Kinder vorher in der Uni-eigenen Kita ab und widmeten sich dann mit vereinter Leidenschaft ihrer Forschung. Zusammen brächten sie die Uni voran in ihrem Streben nach Erkenntnis, und abends ginge die Familie gemeinsam nach Hause.
Es war ein Traum, der tatsächlich hätte Wirklichkeit werden können, als an der Universität Hohenheim, wo er lehrte, ein zweiter Lehrstuhl in Betriebswirtschaftslehre ausgeschrieben wurde. Auf den sie sich dann auch bewarb, eine junge, ehrgeizige Professorin, deren Publikationen für sich sprachen und deren Vortrag die Berufungskommission sofort überzeugte. Aber dann ist irgendetwas schiefgelaufen. So fürchterlich schief, dass jetzt an der Fakultät einer über den anderen schimpft und die Uni auf das Ministerium, dass die Frau um ihre Reputation fürchten muss, während ihr Mann es wohl nur noch bereut, sie zu dieser Bewerbung ermuntert zu haben. Man muss ihre Namen nicht nennen; sie haben es derzeit schwer genug. Aber man muss ihre Geschichte erzählen, denn sie zeigt, wie kompliziert es ist, duale Karrieren zu fördern.
Über duale Karrieren wird in der Wissenschaft schon seit den Siebzigern nachgedacht – den Begriff hat ein Wissenschaftlerpärchen geprägt, die Psychologin Rona Rapoport und der Anthropologe Robert Rapoport, die bezeichnenderweise zusammen zu diesem Thema forschten. Die Grundidee: Wenn ein Paar getrennt ist, leidet auch die Arbeitsleistung des Einzelnen darunter, also muss dafür gesorgt werden, dass das Paar zusammen an einem Ort leben kann. Will nun eine Universität einen Ehepartner für sich gewinnen, tut sie gut daran, dem anderen ebenfalls eine Stelle in der Nähe zu suchen oder sogar eine im Haus anzubieten, sofern er ebenfalls Wissenschaftler ist. In den USA, wo die Universitäten privatwirtschaftlich ausgerichtet sind, gilt das Prinzip schon seit Mitte der Achtziger; in Deutschland begann man im Zuge der Exzellenzinitiative und der Debatten über die »unternehmerische Universität« darüber nachzudenken. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) befragte deutsche Wissenschaftler im Ausland, was man ihnen bieten müsse, damit sie wieder zurückkämen. 80 Prozent wünschten sich, dass ihren Ehepartnern ebenfalls Perspektiven geboten würden. Daraufhin entwickelte die DFG einen Katalog von Fördermaßnahmen, der von der Unterstützung beim Umzug über die Arbeitsvermittlung für den Partner bis hin zu dessen Unterbringung an derselben Universität reicht. In der Praxis geht es dabei allerdings oft nur um Stellen in der Administration. Dass zwei Ehepartner an derselben Fakultät forschen wollen, wie das beschriebene Pärchen, ist selten.
Hätten sie den Ärger geahnt, hätten sie womöglich nicht geheiratet
Als die Stelle ausgeschrieben wurde, waren die beiden noch nicht verheiratet – sie haben sich das Jawort irgendwann im Lauf des Prozesses gegeben, und wenn sie gewusst hätten, was es für einen Unterschied machen würde, hätten sie es wohl bleiben lassen. Dass sie sich bewerben würde, war anfangs auch nicht abzusehen gewesen; sie hatte gute Aussichten an der Universität, an der sie lehrte. Trotzdem wies er das Rektorat darauf hin, dass sie eine mögliche Kandidatin sei, bevor er sich an der Formulierung der Ausschreibung, zusammen mit anderen, beteiligte. »Warum auch nicht?«, fragt das Rektorat. Schließlich sei er der Experte auf dem gesuchten Gebiet. Er ist auch sofort aus der Berufungskommission zurückgetreten, noch bevor diese zum ersten Mal zusammentrat. Denn sie hat sich dann doch beworben. Weil sich die Lage an der anderen Universität verändert hatte; weil die beiden Nachwuchs erwarteten und an einem Ort bleiben wollten.
Das Rektorat gab dem Rücktrittsgesuch statt. Die Berufungskommission setzte sie zuoberst auf die Kandidatenliste, einmütig. Alles schien ganz einfach – bis die Liste dem Fakultätsrat zur Zustimmung vorgelegt wurde und es in der Fakultät zu brodeln begann. Die Diskussion um die Kandidatin sei unter die Gürtellinie gerutscht, heißt es; über den Flur sei gezischt worden, sie bekomme die Stelle doch nur, weil sie seine Frau sei. In einer Sitzung wurde bemerkt, es gehe doch wohl nicht an, dass Fakultätspolitik von nun an im Ehebett gemacht werde. Und was, wenn die beiden einmal Krach hätten und den an die Uni trügen? Am Ende weigerte sich der Fakultätsrat, sich mit der Liste zu beschäftigen. Der offizielle Grund: Es sei nicht ausgeschlossen, dass ihr durch die Ausschreibung ein Vorteil verschafft worden sei.
»Das typische Dilemma der dualen Karriere ist, dass man sie einerseits fördern will – andererseits stellt sie eine Organisation vor neue Probleme«, sagt der Soziologe Markus Gottwald, der am Wissenschaftszentrum Berlin zu dualen Karrieren forscht. Wenn ein Paar an einer Hochschule oder in einer Firma zusammenarbeitet, prallen zwei Bereiche aufeinander. In der Soziologie spricht man von Formalität und Informalität: Formal gesehen zählt für eine Organisation nur die Leistung der Einzelnen, das Paar wäre demnach irrelevant; informal gesehen aber bildet das Paar eine Einheit, deren Interesse mit dem des Arbeitgebers oder der Mitarbeiter in Konflikt geraten könnte. Ehepartner unterstützten einander womöglich stärker, als es etwa Kollegen tun, erklärt Gottwald; bei ihnen flössen Informationen zusammen, die sonst vielleicht nicht ausgetauscht würden. »Auch eine Organisation, der das Wohl von Ehepaaren wichtig ist, hat damit Schwierigkeiten.« Die andere Gratwanderung bei der Förderung dualer Karrieren sei, dass dem zweiten Partner der Makel anhafte, nur wegen seiner besseren Hälfte eingestellt worden zu sein, nicht wegen eigener Leistungen.
- Datum 16.04.2011 - 19:50 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 14.4.2011 Nr. 16
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erscheint mir ganz deutlich zu sein das einfach niemand dem anderen etwas gönnt. Woher es kommt und was man dagegen tun kann ist mir ein Rätsel.
anderen Uni geändert. "Weil sich die Lage an der anderen Universität verändert hatte"
Die beiden haben gezockt und verloren, nun könnte die herausragende Frau doch in der Wirtschaft zeigen, was sie so drauf hat. Oder sieht es da doch nicht so rosig mit der Quali aus. Zur Not kann sie sich mit ihrer hervorragenden Publi-liste doch im Ausland bewerben, und wenn sie und ihr Mann so die Überflieger sind, sollte es dort doch keine Probleme geben oder fehlt dort das Vitamin-B.
Ansonsten kann man nur sagen, willkommen im D-land, andere Akademiker müssen Trenungen von 1000 und mehr Kilometern in Kauf nehmen um in Arbeit zu bleiben und das kann man von dt. Wissenschaftlern nicht erwarten. Und die Sache mit der Frau ist imho gar nicht so weit hergeholt. Denn auf die Konkurrenzklagen von Frauen lässt sich kaum eine Uni oder der ÖD in D-land ein, denn da kann man nur verlieren.
Habe übrigens in meiner langen Zeit an nordamerikanischen Unis kaum Professorenehepaare gesehen, die an der selben Uni und dann noch am selben Fachbereich gearbeitet haben.
Hier wird eine Büchse aufgemacht, die dem Leistungsgedanken an dt. Uni imho vollends den Gar aus machen würde.
Die Universität Hohenheim verliert so einen motivierten Mitarbeiter und eigentlich ist niemandem mit dem Ergebnis gedient. Aber Hauptsache, die Juristen haben mal wieder ein Haar in der Suppe entdeckt.
Gegen Dual Career ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil sind entsprechende Initiativen sehr zu begrüßen. Besonders Universitäten können davon profitieren, wenn Professoren vor Ort leben und nicht pendeln müssen.
Kritik zu üben ist an dem obenstehenden Fall aber, dass offensichtlich ein Dual Career-Modell unter dem Deckmäntelchen einer öffentlichen Ausschreibung, d.h. eines "fairen" Verfahrens, verfolgt wurde. Warum hat man überhaupt andere Kandidaten eingeladen, die sich alle umfangreich vorbereiten mussten, Hoffnungen hegten, die Stelle zu bekommen und von Anfang an keine Chance hatten? Warum hat man die kostbare Zeit der Berufungskomission verschwendet? Wenn Dual Career, dann sollte das von Anfang an transparent gemacht werden und keine anderen Kandidaten mit einbezogen werden.
Übrigens hat der Autor des Beitrages sehr einseitig recherchiert: Gerade auch die wenig herausragenden Publikationen der Kandidatin haben zu den heftigen Diskussionen um den Fall geführt.
aber das mit dem Pendeln. Hier in Canada werden Profs. verpflichtet in der Nähe der Uni zu leben, hat auch was mit der Anwesenheitspflicht zu tun 5 Tage die Woche 9-5. Mir ist natürlich bewusst, dass dies Euro-Recht auf freie Wohnortwahl entgegen stehen würde, aber es wäre ein Anfang dort mal anzusetzen, denn es ist fürmich nicht nachvollziehbar, wie man in Bochum seinem Lehr- und Forschungsauftrag, sagen wir mal in Magdeburg, nachgehen kann, wenn man nicht vor Ort ist.
Auch ist es ja nicht so häufig das beide Ehepartner Profs. sind und für Andere (Sachbearbeiter oder WiMa's) sollte es möglich sein Stellen anzubieten. Einer meiner Doktorväter hat zum Beispiel seine Frau über Jahrzehnte selber über Drittmittel mitfinanziert.
aber das mit dem Pendeln. Hier in Canada werden Profs. verpflichtet in der Nähe der Uni zu leben, hat auch was mit der Anwesenheitspflicht zu tun 5 Tage die Woche 9-5. Mir ist natürlich bewusst, dass dies Euro-Recht auf freie Wohnortwahl entgegen stehen würde, aber es wäre ein Anfang dort mal anzusetzen, denn es ist fürmich nicht nachvollziehbar, wie man in Bochum seinem Lehr- und Forschungsauftrag, sagen wir mal in Magdeburg, nachgehen kann, wenn man nicht vor Ort ist.
Auch ist es ja nicht so häufig das beide Ehepartner Profs. sind und für Andere (Sachbearbeiter oder WiMa's) sollte es möglich sein Stellen anzubieten. Einer meiner Doktorväter hat zum Beispiel seine Frau über Jahrzehnte selber über Drittmittel mitfinanziert.
aber das mit dem Pendeln. Hier in Canada werden Profs. verpflichtet in der Nähe der Uni zu leben, hat auch was mit der Anwesenheitspflicht zu tun 5 Tage die Woche 9-5. Mir ist natürlich bewusst, dass dies Euro-Recht auf freie Wohnortwahl entgegen stehen würde, aber es wäre ein Anfang dort mal anzusetzen, denn es ist fürmich nicht nachvollziehbar, wie man in Bochum seinem Lehr- und Forschungsauftrag, sagen wir mal in Magdeburg, nachgehen kann, wenn man nicht vor Ort ist.
Auch ist es ja nicht so häufig das beide Ehepartner Profs. sind und für Andere (Sachbearbeiter oder WiMa's) sollte es möglich sein Stellen anzubieten. Einer meiner Doktorväter hat zum Beispiel seine Frau über Jahrzehnte selber über Drittmittel mitfinanziert.
Ich kann den Fall absolut nachvollziehen! Da sitzt der Ehemann der Kandidatin in der Berufungskommission. Wie soll der denn unbefangen entscheiden? Wenn ich als abgelehnter Kandidat das rausbekommen würde, würde ich auch sofort nachhaken. Das hat nix mit Neidhammelei zu tun.
Wenn die Frau so hochqualifiziert ist, wird sie anderweitig fündig werden.
Mir als Frau wäre das alles zu doof gewesen. ich habe mich nicht mal im selben Konzern beworben, wo mein Mann arbeitet. Nur aus Angst, es könnte geredet werden. Was an einer kleinen Uni wie Hohenheim dann abgeht, mag ich mir nicht vorstellen. Aber der Gedanke, dass der eine Partner vom anderen profitiert während des Ernennungsverfahrens, das halte ich für so abwegig nicht. Alles andere als "Spitzfindigkeit".
... ebenfalls nachvollziehbar ist der Vorwurf, der Ehemann hätte die Ausschreibung schon so formulieren können, dass sie völlig auf seine Frau zugeschnitten ist ...
Naja, dass das schiefgeht, damit muss man in so einer Situation als Ehefrau des Profs rechnen. Tja! Dumm gelaufen ... aber eigentlich weiß man doch, wies an den Unis abgeht ...
Außerdem wüsste ich gerne, wo sich - wie die Überschrift des Artikels ankündgt - solche Probleme "häufen"
Journalistensprech! "Immer mehr", "imemr häufiger", "immer öfter". Es langweilt.
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