Vor einigen Jahren wurde die damals zwölfjährige Amerikanerin Tavi Gevinson mit ihrem Blog Style Rookie so berühmt, dass sie schon bald in den ersten Reihen der New York Fashion Week saß. Ein Teenager, der Mode kommentiert – das war eine Ausnahmeerscheinung. Aber warum soll das, was am Rande des Laufsteges klappt, nicht auch auf dem Laufsteg funktionieren? Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch die ersten kindlichen Modedesigner auftauchen würden. Nun sind sie da. Etwa Cecilia Cassini, die sich mit elf Jahren auf ihrer Website als die jüngste Modedesignerin der Welt feiert. Oder die 13jährige Madison Waldrop aus Tennessee, über die neulich die New York Times schrieb . Und auch Madonnas Tochter Lourdes arbeitet an einer Modekollektion mit. Ob die Resultate dem Standard der internationalen Laufstege entsprechen, darüber kann man wohl streiten.

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Cecilia – das »Wunderkind«, wie sie sich selbst nennt – entwirft Mode ganz genau so, wie man es von einer Elfjährigen erwarten würde. Pinkfarbene Kleider mit Schleifchen und aufgenähten Rosen, viel Glitzer und Teddy. Sie ist eben kein Wunderkind, sondern ein Kind. Um ein Modedesigner zu sein, muss man sich mit seiner Umwelt auseinandersetzen, muss man die Stimmung einer Zeit in Stoffe und Schnitte umsetzen können, dazu braucht es Intuition, Handwerk und Erfahrung. Lebenserfahrung ist aber gerade das, was man noch nicht aufweisen kann, wenn man elf ist. Das ist so – aber wen kümmert es? Mode funktioniert über Sensationen, und sensationell sind die Teenage-Designer allemal. Das Interesse an ihnen ist unbändig.

Man muss sich nur auf Cecilia Cassinis Website umschauen, um einen Eindruck davon zu bekommen. Cecilia mit Miley Cyrus. Cecilia mit Heidi Klum. Artikel über Cecilia in People, Vogue und Grazia. Das beweist, was für ein schönes Medium das Internet ist. Es gibt Elfjährigen die Möglichkeit, ihre Vorstellungen von der Welt und ihre Bedürfnisse darzustellen – und Kleider zu zeigen, wie sie sie sich wünschen. Rosa, glitzernd, mit Blümchen. Warum auch nicht? Bislang waren Kinder davon abhängig, zu tragen, was sich Erwachsene für sie vorstellen, und das sah kaum besser aus. Das Internet zeigt uns keine Wunder, es zeigt uns Kinder. Was gibt es denn Schöneres?