Uni-Professor behauptet: Jeder Mensch lügt etwa 200 Mal am Tag – diese Meldung war vor einigen Jahren in den Zeitungen zu lesen. Der Professor wurde sogar namentlich benannt: Jochen Mecke von der Universität Regensburg.

Professor Mecke stöhnt, wenn er darauf angesprochen wird. Er hat zwar tatsächlich ein Graduiertenkolleg zum Thema "Kulturen der Lüge" geleitet und diese Zahl erwähnt. Jedoch ist er selbst Romanist und hat die Lüge nie quantitativ erforscht. Allerdings verweist Mecke an einen Regensburger Kollegen, den Psychologen Helmut Lukesch. Der kennt die angeblichen 200 Lügen pro Tag aus der Literatur. Die Zahl stammt von einem US-amerikanischen Psychologen namens John Frazier und ist offenbar nicht totzukriegen.

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Lukesch wollte es genau wissen und hat seine Studenten in einer Untersuchung zählen lassen, wie oft Menschen tatsächlich lügen. Eine Lüge war demnach "der Ausdruck einer subjektiven Unwahrheit mit Ziel und Intention, im Partner einen falschen Eindruck zu schaffen oder zu erhalten". Übertreibungen und Auslassungen zählten dazu, Höflichkeiten wie ein nicht aufrichtig gemeintes "Guten Tag" nicht. Die Probanden kamen auf 1,8 Lügen pro Tag, und diese Zahl stimmt erstaunlich gut überein mit anderen Studien – auch da log der Durchschnittsmensch etwa zweimal pro Tag.

Unsere Gesellschaft würde zusammenbrechen, wenn wir einander stets die nackte Wahrheit sagen würden. Aber wenige Lügen am Tag reichen aus, um den Frieden zu wahren.

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