Geschichte der RadioaktivitätEin GAU pro Jahr schadet nicht

Wie gefährlich ist radioaktive Strahlung wirklich? Darüber gehen die Meinungen seit Röntgens Entdeckung heftig auseinander. Von Manfred Kriener von Manfred Kriener

Der Zivilschutz in den USA hatte, wie dieses Schulungsfoto aus den Fünfzigern zeigt, eine klare Empfehlung: "Duck and cover" – wegducken und vor allem den Kopf bedecken!

Der Zivilschutz in den USA hatte, wie dieses Schulungsfoto aus den Fünfzigern zeigt, eine klare Empfehlung: "Duck and cover" – wegducken und vor allem den Kopf bedecken!  |  © Three Lions/Getty Images

Über eine neue Art von Strahlen öffentlich, und einen Monat später berichtet er in einer Vorlesung erstmals über die geheimnisvollen "X-Strahlen". Er belässt es aber nicht bei Worten, sondern holt den Schweizer Anatomie-Professor Rudolf Albert von Kölliker aus dem Auditorium nach vorn. Kölliker muss seine Hand auf eine Belichtungsplatte legen, dann jagt Röntgen Strom durch eine seltsam geschwärzte Röhre. Anschließend hält er den gebannten Zuhörern die belichtete Aufnahme vor die Nase. Sie zeigt deutlich erkennbar die Handknochen des Kollegen.

Frau Röntgen ist verstimmt. Sie hat bereits dreimal nach ihrem Mann geschickt, um ihn zum Abendessen zu holen. Erst kommt er gar nicht, dann sitzt er schweigend am Tisch, isst nur ein paar Bissen – und verschwindet auch schon wieder im Labor. In jenen Novembertagen 1895 arbeitet der Würzburger Physiker Wilhelm Conrad Röntgen wie besessen an "einer interessanten Entdeckung". Am 28. Dezember macht er sie mit seiner Studie

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Röntgens Entdeckung ist ebenso spektakulär wie leicht verständlich. Der Blick durch die äußere Materie ins Innenleben von Menschen und Dingen löst einen Taumel der Begeisterung aus und revolutioniert die Medizin in rasendem Tempo. Die New York Sun spricht von einem "Triumph der Wissenschaft": Röntgen habe "ein Licht entdeckt, das Holz und Fleisch durchdringt".

Mit primitiven, oft von Ärzten selbst zusammengebastelten Apparaten werden die X-Strahlen zur Diagnose eingesetzt. Die größte Sorge der keuschen Zeitgenossen gilt anfangs der bedrohten Intimität, eine findige Londoner Textilfirma entwirft röntgensichere Unterwäsche. Dann aber zeigen sich Folgen ernsterer Art. Herbert Hawks, ein technikbegeisterter Student der Columbia-Universität, durchleuchtet in New Yorker Warenhäusern vor staunendem Publikum immer wieder den eigenen Körper. Bald fallen ihm die Haare aus, die Augen sind blutunterlaufen, und seine Brust brennt wie Feuer.

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Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen.  |  © Julika Altmann

Er ist nicht das einzige Opfer der Wunderröhre. Ende 1896 dokumentieren Fachblätter 23 Fälle schwerer Strahlenschäden. Manche Patienten würden "auf dem Behandlungstisch regelrecht hingerichtet", schreibt James Ewing, ein Pionier der Radiologie, über die ersten Jahre der Anwendung. Auch die Ärzte sind ungeschützt den Strahlen ausgesetzt, viele verlieren ihr Leben.

Der Streit um die Risiken beginnt. Bleiabschirmungen werden entwickelt, aber viele Ärzte finden sie zu teuer und umständlich. Man solle die Gesundheitsschäden nicht dramatisieren, fordert der armenische Röntgenspezialist Mihran Kassabian, einer der führenden Radiologen, der 1910 selbst an den Strahlenfolgen stirbt. Kassabian fürchtet um den Fortschritt, wenn die Gefahren des Röntgens allzu plastisch beschrieben werden.

Durch radioaktiv optimiertes Futter legen die Hühner hartgekochte Eier

Im Ersten Weltkrieg setzt sich die neue Technik endgültig durch. Tausende von Kriegsopfern werden durchleuchtet, um Geschosse zu lokalisieren und gebrochene Glieder zu richten. Die Strahlen werden vorsichtiger dosiert, und in den zwanziger Jahren entwickeln die Ärzte einen ersten "Grenzwert". Der besteht in der rötlichen Färbung der Epidermis: Wenn die Haut zu glühen beginnt, ist es genug.

Angeregt von Röntgens X-Strahlen, experimentieren auch andere Wissenschaftler mit Stoffen, die Licht abgeben. Der französische Physiker Henri Becquerel entdeckt im Februar 1896, dass kleine Uranbrocken Strahlen aussenden, die Materie durchdringen. Die polnische Physikerin Marie Skłodowska Curie, die zum Studium nach Paris gegangen und dort geblieben ist, prägt für die Strahlung den Begriff "radioaktiv". Im Dezember 1898 identifiziert sie in einer Uranerzprobe aus dem Erzgebirge ein neues Element: Radium. Ohne die Gefahren zu ahnen, versuchen sie und ihr Mann, größere Mengen der stark radioaktiven Substanz zu isolieren und zu messen. 1934 stirbt die berühmte, zwei Mal mit dem Nobelpreis geehrte Forscherin 67-jährig und fast blind an Leukämie. Auch ihre Tochter wird tödlich verstrahlt.

1903 kommt Ernest Rutherford dem Phänomen der Radioaktivität genauer auf die Spur. Der aus Neuseeland stammende, in Montreal und später im englischen Cambridge arbeitende Chemiker unterscheidet die verschiedenen Typen der Alpha-, Beta- und Gammastrahlung. Sie alle haben eines gemeinsam: Man schmeckt, riecht und sieht sie nicht. Aber wenn die strahlenden Partikel auf biologische Zellen treffen, geben sie einen Teil ihrer Energie ab. Es sind winzige Kernexplosionen, welche die Zellen attackieren. Ein einziger Strahlentreffer kann einen irreparablen Schaden im Zellgewebe anrichten.

Von dieser Gefahr wissen Ärzte und Patienten noch nichts, als die ersten Experimente mit Radium beginnen. Der britische Erfinder und Taubstummenlehrer Alexander Graham Bell erkennt 1907 das Potenzial für die Krebstherapie. Es gebe keinen Grund, warum man nicht "ein kleines Stückchen Radium [...] mitten in einen Krebsherd" platzieren sollte. Radium ist mit 120.000 Dollar je Gramm im Jahr 1920 extrem teuer und wird auch gegen Herzbeschwerden und Impotenz eingesetzt. Die verrückten Anwendungsideen reichen, wie die US-Journalistin Catherine Caufield in ihrem Buch Das strahlende Zeitalter 1989 dokumentiert, bis zu dem Vorschlag, kleine Radiummengen ins Hühnerfutter zu mischen, "damit die Hennen hartgekochte Eier legen". Weil die Bilder so schön leuchten, mischt man Radiumpartikel sogar in Ölfarben, Radiumwasser wird als "flüssiger Sonnenschein" verkauft.

Der Strahlenschutz hingegen kommt nur mühsam voran. Bis das dramatische Schicksal der Ziffernblatt-Malerinnen aus der Firma Radium Corporation im US-Staat New Jersey der Wissenschaft eine harte Lektion erteilt. In dem Betrieb werden in den zwanziger Jahren Millionen von Armbanduhren hergestellt, deren Zeiger und Indizes dank einer dünnen Radiumschicht fröhlich leuchten. Doch unter den jungen Arbeiterinnen häufen sich die Todesfälle. Untersuchungen kommen in Gang und enthüllen schaurige Arbeitsbedingungen. Haare, Gesichter und Kleider der Frauen leuchten im Dunkeln wie ein Weihnachtsbaum. Und sie haben alarmierende Blutbilder, klagen über Menstruationsbeschwerden, Müdigkeit und Depressionen. Schließlich ziehen einige der Schwerkranken vor Gericht. Manche sind zu schwach, um noch den Eid zu leisten. Am Ende erhält jede Arbeiterin 10.000 Dollar Entschädigung. Erst im Februar 1941 werden Grenzwerte für die Arbeit mit Radium festgelegt.

Die "Mutter" des Radiums, das Uran-Atom, fasziniert indes nach wie vor die Forschung. Kann man die Urkraft, die seinen Kern zusammenhält, überlisten, kann man den Tiger aus dem Käfig lassen? Der amerikanische Physiker Enrico Fermi beschießt 1934 Uran-Atome mit Neutronen. Aber erst Lise Meitner und Otto Hahn vom Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin gelingt es, die Kernspaltung nachzuweisen – ein neues Zeitalter beginnt.

Bei der Spaltung setzt das Uran-Atom Energie frei, zugleich werden weitere Neutronen aus dem Atomgerüst herausgeschlagen, die wieder andere Kerne spalten. Dies kann eine Kettenreaktion auslösen, die eine gewaltige Kraft entfesselt – idealer Stoff für eine Superbombe! Im Oktober 1941, wenige Wochen vor dem Angriff der Japaner auf die USA und der Kriegserklärung von Nazi-Deutschland, gibt US-Präsident Franklin D. Roosevelt den Auftrag, die "Atombombe" zu bauen. Es beginnt, unter der Leitung des Physikers J. Robert Oppenheimer, das zweieinhalb Milliarden Dollar teure Manhattan Project, das bis dahin größte Industrie- und Wissenschaftsprojekt der Welt.

Am 16. Juli 1945 explodiert in der Wüste des Bundesstaats New Mexico die erste Atombombe, und kurz darauf kommen die ersten dieser Bomben zum Einsatz: Als Japan sich weigert, zu kapitulieren, werfen amerikanische Piloten am 6. und 9. August 1945 jeweils eine Bombe auf Hiroshima und Nagasaki. 200.000 Menschen sterben im atomaren Feuer, weitere 100000 in den Folgejahren. Bis zum Verbot der oberirdischen Atomtests, das erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg, am 10. Oktober 1963, in Kraft tritt, zünden die Atommächte 500 nukleare Bomben. Ihr Höllenfeuer wird zum Dauer-Atomunfall, der die Erde mit einem gewaltigen Fallout verseucht, darunter allein 27 Milliarden Curie Jod-131 und 34 Milliarden Curie Cäsium-137.

Die Menschheit begreift nur langsam, dass diese Bombe "anders" ist. Die Überlebenden in Hiroshima waren bestürzt, schreibt die kanadische Strahlenforscherin Rosalie Bertell 1985 in ihrem Buch Keine akute Gefahr? . "Menschen, die nicht sichtbar verletzt worden sind, sterben plötzlich. Zuvor gehen ihnen büschelweise die Haare aus, schwarze Flecken übersäen die Haut, Äderchen platzen, Muskeln ziehen sich zusammen und deformieren die Hände."

Doch die verheerenden Folgen werden in den USA hartnäckig bestritten. Für Präsident Harry S. Truman ist die Atombombe nur eine "andere Waffe der Artillerie", die durch Hitze und Druckwellen tötet. "Wir haben uns die Urkraft des Universums dienstbar gemacht", zitiert ihn Time am 13. August 1945. Dagegen warnt der Wissenschaftler Harold Jacobson von der Columbia-Universität, der selbst am Manhattan Project mitgearbeitet hat, schon zwei Tage nach der Bombardierung Hiroshimas vor der tödlichen Radioaktivität: Die Stadt werde "ein Vierteljahrhundert lang verwüstetes Gebiet" sein.

Schon gleich nachdem Radio Tokyo über mysteriöse Todesfälle in Hiroshima und Nagasaki berichtete, schicken die US-Militärs – Japan hat inzwischen kapituliert – am 19. September 1945 ein Untersuchungsteam los, um den Gerüchten ein Ende zu machen. "Unsere Mission bestand darin, nachzuweisen, dass es keine Radioaktivität gab", beschrieb General Thomas Farrell seinen Job. Die Berichte der Atomic Bomb Casualty Commission (ABCC) bleiben bis April 1952 unter Verschluss. Als im selben Jahr der Arzt Fumio Shingeto auf einem Kongress japanischer Hämatologen über eine auffällige Häufung von Leukämien als mögliche Folge der Atombombe spricht, wird er von der ABCC scharf kritisiert. Aber auch andere japanische Ärzte und Wissenschaftler sammeln trotz Verbots Daten und klinische Verläufe. Sie dokumentieren – bis heute – die Folgen und Spätfolgen der Bombenabwürfe: all die Zigtausenden Krebsfälle, vielgestaltigen Krankheitsbilder, mit Missbildungen und genetischen Schäden bei nachfolgenden Generationen.

In der Wüste von Nevada gehen die Tests unterdessen weiter. Hunderttausende Soldaten sollen Erfahrungen mit dem Fallout machen und ihre Kampfbereitschaft für einen Atomkrieg erproben. Oft stehen sie ungeschützt nur wenige Meilen vom Explosionsort ground zero entfernt und müssen den Hals recken, um den aufsteigenden Atompilz zu beobachten. 6000 Veteranen verklagen die USA später wegen schwerer Strahlenschäden. 5956 Fälle werden abgewiesen.

Strahlendosis

Die Strahlenwirkung auf Menschen, Tiere und Pflanzen wird häufig in Sievert pro Stunde angegeben. Mit Hilfe der Einheit lässt sich abschätzen, wie schädlich eine Strahlung für einen Organismus ist. Sie berücksichtigt dabei die Strahlungsdauer, -art und -wirkung. 1 Sievert entspricht 1.000 Millisievert oder 1.000.000 Mikrosievert. Grundsätzlich gilt eine Einzeldosis von 6.000 Millisievert als tödlich (100 Prozent Sterblichkeit innerhalb von 14 Tagen).

Ob eine Person, die einer geringen Strahlendosis ausgesetzt war, gesundheitliche Schäden zu erwarten hat, lässt sich nicht eindeutig sagen. Die Grenzwerte beziehen sich in der Regel auf ein Jahr. Manche Experten gehen davon aus, dass dieselbe Strahlendosis über einen längeren Zeitraum weniger schädlich ist. Andere sagen, die Strahlung müsse addiert werden.

Natürliche Quellen

Die durchschnittliche Strahlendosis, die ein Deutscher durch natürliche Quellen innerhalb eines Jahres aufnimmt, liegt zwischen zwei und fünf Millisievert. Diese äußere Bestrahlung, der der Mensch je nach Ort und Zeitin unterschiedlicher Höhe ausgesetzt ist, wird Gamma-Ortsdosisleistung genannt. In dieser Deutschlandkarte des Bundesamts für Strahlenschutz ist die Strahlungsstärke je nach Region verzeichnet.

Bei medizinischen Untersuchungen werden zum Teil viel höhere Einzeldosen erreicht, die aber auf einen kurzen Zeitraum beschränkt sind. So nimmt ein Mensch während einer Computertomografie (CT)seines Kopfes ungefähr zwei Millisievert auf, bei der Mammografie 0,4 Millisievert.

Andere Einheiten

Die Energiedosis einer Strahlenquelle wird in Gray angegeben. Ein Gray bedeutet, dass ein Körper von einem Kilogramm Masse eine Energiemenge von einem Joule aufgenommen hat. Für die in Atomkraftwerken vor allem freigesetzte Beta-, Gamma- und Röntgenstrahlung ist die Einheit Grayidentisch mit der Äquivalenteinheit Sievert, ein Gray ist also gleich einem Sievert. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde die Äquivalentdosis statt in Sievert in Rem angegeben. Das meinte die Strahlendosis in Roentgen, die ein Mensch aufgenommen hat.

Ganz andere Menschenversuche unternimmt in Los Alamos der spätere Präsident der Health Physics Society, Wright H. Langham. Zwischen 1945 und 1947 injiziert er todkranken Patienten, auch Kindern, kleine Dosen eines neuen radioaktiven Spaltprodukts: Plutonium. Langham will herausfinden, wie sich das in der Natur unbekannte Radionuklid im Organismus verteilt. Plutonium entsteht bei der nuklearen Kernspaltung und ist extrem krebserregend. Bei Versuchstieren reicht die kleinste überhaupt messbare eingeatmete Menge, um Lungenkrebs auszulösen. Plutonium ist zugleich ein heiß begehrter bombentauglicher Rohstoff – und eine weitere radioaktive Substanz, deren Gefahrenpotenzial über Jahrzehnte dramatisch unterschätzt wird.

Für den Strahlenschutz ist inzwischen eine Organisation zuständig, die bis heute als die wichtigste Autorität auf diesem Feld gilt: die International Commission on Radiological Protection (ICRP) in Ottawa. Traditionell stellen Physiker, Radiologen und Atomforscher die 13 Mitglieder des Gremiums – ein "gewisses Maß an Inzest" sei unvermeidlich, erklärte das britische ICRP-Mitglied John Dunster Ende der fünfziger Jahre. Unnötig, zu erwähnen, dass in der Kommission ausschließlich Männer sitzen. Die von der ICRP verabschiedeten Grenzwerte und Toleranzdosen für Atomarbeiter und die Bevölkerung werden umstandslos von den Regierungen der Welt in nationale Gesetze gegossen.

Die ICRP gibt es seit 1928. Sie hieß zunächst Internationales Komitee zum Schutz vor Röntgenstrahlung und Radium. Schon in der Frühzeit dominierten moderate Empfehlungen, die den Radiologen die Arbeit erleichterten. 1950 nimmt die ICRP ihre Arbeit unter neuem Namen auf und gewinnt schnell an Einfluss. Der aufstrebenden Atomwirtschaft, die ihre ersten Kernkraftwerke baut, spendet sie ihren wissenschaftlichen Segen und versorgt sie mit großzügigen Grenzwerten. Sie hat weder eine demokratische Legitimation, noch ist sie Bestandteil der UN oder anderer Organisationen.

Den Leitwolf gibt über viele Jahre Lauriston Taylor aus Brooklyn, der zunächst Röntgenlabore entwickelt hat. Seine Philosophie als ICRP-Chef: Wissenschaftliche Unsicherheit dürfe aufstrebende Industrien nicht behindern. "Wir akzeptieren, dass es Opfer bedarf, um unsichere Betriebsbedingungen zu erkennen. Das scheint nicht fair, aber es gibt keine Alternative. [...] Ich denke, dass man von einem Nukleararbeiter erwarten darf, dass er seinen Anteil am Risiko akzeptiert."

Auch auf der Berliner Pfaueninsel soll ein AKW entstehen

Natürlich dämmert auch den ICRP-Mitgliedern, dass es keinen ungefährlichen Schwellen- oder Grenzwert für Strahlung gibt, weil jeder noch so kleine Strahlenbeschuss zu Schäden führen kann. Ihr Job ist es, "Grenzwerte und Standards danach auszuwählen, was die Industrie mit vertretbarem Aufwand erreichen kann. Die wissenschaftlichen Beweise für die Gefahren waren gegen die Erfordernisse der jungen Nuklearindustrie abzuwägen", sagt der ICRP-kritische Münsteraner Strahlenbiologe und frühere Chef der Deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz, Wolfgang Köhnlein. Bei strengen Grenzwerten wären der Betrieb von AKWs oder Wiederaufarbeitungsanlagen und vor allem der Uranabbau im Bergwerk unmöglich gewesen. Also werden Atomarbeitern höhere Belastungen zugemutet als der Allgemeinbevölkerung, und für Störfälle gelten Ausnahmeregeln.

Direkte Strahlenschäden

Die Strahlenschutzexperten unterscheiden zwischen deterministischen und stochastischen Strahlenschäden. Mit dem ersten sind Symptome gemeint, die unmittelbar nach einer Strahlenexposition auftreten, wie Übelkeit und verbrennungsartige Hautrötungen. Solche Schäden treten fast immer nur dann auf, wenn ein bestimmter Schwellenwert überschritten wurde, wenn zu viele Zellen eines Gewebes beschädigt worden sind. Experten sprechen von einer Schwellendosis, die im schlimmsten Fall zum Tode führen kann.

Indirekte

Durch die Nahrung kann eine solch lebensgefährliche Schwelle kaum überschritten werden. Essen wir radioaktiv belastetes Gemüse, wird das eher später nach Jahren oder Jahrzehnten negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben – wenn überhaupt.

Diese Strahlenschäden lassen sich nur in Wahrscheinlichkeiten ausdrücken: Wie wahrscheinlich ist es nach einer Strahlenexposition X im Zeitraum Y an der Krankheit Z zu erkranken? Zu den möglichen Symptomen zählen etwa Unfruchtbarkeit, Trübungen der Augenlinsen oder Krebs, die auch erst Jahre nach einer erhöhten Belastung auftreten können. Auch Schäden an Neugeborgenen fallen darunter.

Wie schädlich eine Strahlung ist, lässt sich also nicht genau festlegen: Person A hat im März 2011 die Strahlendosis B abbekommen und wird im Jahr C an Krebs erkranken – solche Aussagen sind unmöglich! Es gibt keine Regel anhand der sich sagen lässt, ab welcher Dosis eine Person erkrankt und ob das überhaupt jemals der Fall sein wird.

Erbgut

Die Strahlen, die von radioaktiven Stoffen ausgehen, können direkt bestimmte Zellbestandteile verändern oder indirekt freie Radikale aus dem Wasser in der Zelle bilden, die dann das Gewebe beschädigen können. Am empfindlichsten ist das Erbgut (DNA). Die Strahlung kann etwa die DNA-Kette brechen oder den Code verändern. Nicht immer ist Radioaktivität Schuld an solchen Mutationen, auch Hitze, mechanische Kräfte oder chemische Stoffe können sie auslösen. Das körpereigene Reparatursystem des Menschen behebt jeden Tag zig Billionen Erbgutschädigungen.

Gelingt eine Reparatur nicht, kann der Körper immer noch die Möglichkeit ergreifen, die betroffene Zelle vom Zellverbund auszuschließen. Schließt ein Organismus die beschädigte Zelle nicht aus, kann das bei den folgenden Zellteilungen schwerwiegende Folgen haben, da sich die Mutation auf die Nachkommen dieser Zelle übertragen. Krebs ist eine mögliche Spätfolge davon.

Für die Mediziner ist es im Nachhinein aber kaum möglich, zu rekonstruieren, ob der Auslöser für eine Tumorerkrankung eine erhöhte Strahlenbelastung oder ein sonstiger Faktor ist.

Medizin

Radioaktivität wird nur selten mit Gesundheit in Verbindung gebracht. Und doch nutzt die Medizin sie vielfach. Die Strahlung von Radionukliden wird etwa eingesetzt, um das Wachstum von Tumoren zu hemmen oder um die Durchblutung von Gewebe sichtbar zu machen.

In der Geschichte finden sich auch einige Negativbeispiele zur medizinischen Anwendung von radioaktiven Stoffen, die es so heute sicher nicht mehr geben würde: So sollten etwa Hüftgürtel mit Radium gegen Rheuma helfen, eine Zahnpasta mit dem Element sollte für gesundes Zahnfleisch sorgen, radioaktive Einlegesohlen sollten die Füße pflegen und ein radiumhaltiges Haarwasser gegen Haarausfall vorbeugen. (ska)

Die Kritik an dem allzu lässigen Umgang mit den Risiken nimmt allerdings zu. John Gofman, Karl Morgan, Ernest Sternglass, Irwin Bross, Alice Stewart, allesamt angesehene Fachleute, führen die Riege der Gegner an. Morgans Wort hat besonderes Gewicht, weil er Kernkraftwerke befürwortet und 14 Jahre lang Vorsitzender im ICRP-Ausschuss für inkorporierte Strahlung gewesen ist. Und doch weist man ihre Warnungen ab. Morgan sei "durchgedreht", erklären ICRP-Mitglieder Mitte der siebziger Jahre und verweigern sich seiner Forderung, Grenzwerte und Toleranzdosen zu halbieren. Andere Kritiker werden als "wissenschaftliche Landstreicher", als "Spinner" und "Werkzeuge der Atomgegner" verhöhnt.

Als immer mehr Meiler ans Netz gehen, nimmt die Sicherheitsdebatte eine Wende. Jetzt rückt die Unfallwahrscheinlichkeit in den Mittelpunkt der Diskussion. Schon in den sechziger Jahren geistert der größte anzunehmende Unfall (GAU) durch die Fachgremien. Doch noch bis 1965 glaubt man, dass zumindest eine teilweise Kernschmelze toleriert werden kann. Der GAU war damals eher eine "bürokratische Fiktion", schrieb der Bielefelder Historiker Joachim Radkau 1983, richtig ernst nahm man das nicht. Allerdings: "Großstadtnahe Kernkraftwerke", die will man nun auch wieder nicht. Als in West-Berlin, auf der Pfaueninsel in der Havel, ein Kernkraftwerk gebaut werden soll, lehnt die Bundesregierung dies Anfang 1962 ab.

Gesundheitsfolgen nach Tschernobyl

In Tschernobyl starben infolge des Reaktorunfalls unmittelbar 28 Menschen nach einer erhöhten Strahlenbelastung. 19 weitere Menschen starben zwischen 1986 und 2005 nachweislich an den gesundheitlichen Auswirkungen der Katastrophe. Das ist das Ergebnis eines Berichtes der Vereinten Nationen, der zuletzt Ende Februar aktualisiert worden ist. Insgesamt könnten langfristig bis zu 4000 Menschen an der Radioaktivität sterben, die durch die Explosion des Reaktors freigesetzt wurde, schätzt das internationale Wissenschaftskonsortium. Die meisten von ihnen gehören zu den rund 500.000 Arbeitern, die an den Rettungsmaßnahmen zwischen 1986 und 1987 auf dem Gelände beteiligt waren.

Schilddrüsenkrebs

Für den überwiegenden Teil der Menschen ist das Unglück eher glimpflich verlaufen. 6000 Menschen sind in den zwei Jahrzehnten nach Tschernobyl an Schilddrüsenkrebs erkrankt. Das ist der einzige Tumor, der sich empirisch eindeutig als Folge von Tschernobyl nachweisen lässt. Diese Art von Krebs gilt als gut behandelbar und verläuft in den allermeisten Fällen nicht tödlich. "Die Wahrscheinlichkeit mit der Diagnose die nächsten 20 Jahre zu überleben, liegt bei etwa 90 Prozent über alle Altersgruppen hinweg", sagt Christoph Reiners, der das WHO-Kollaborationszentrum für medizinische Vorsorge und Hilfe bei Strahlenunfällen leitet.

Das leichtflüchtige Jod kann über die Luft und die Nahrung aufgenommen werden. Das radioaktive Jod hat dieselben chemischen Eigenschaften wie sein stabiles und für die Gesundheit unbedenkliches Isotop. In der Schilddrüse strahlen die radioaktiven Teilchen und belasten das umliegende Gewebe. Besonders für Kinder kann das schwerwiegende Folgen haben, weshalb in diesem Fall die Einnahme von Jodtabletten empfohlen wird.

Der Blick in die Geschichte soll die Gefahr nicht kleinreden. Er soll nur deutlich machen, wie wichtig es ist, zwischen echter und unechter Bedrohung zu unterscheiden. (ska)

Die Sicherheitsphilosophie der Industrie aber blieb zumindest nach außen hin weiter der Hybris treu, dass Kernkraftwerke sicher und verantwortbar sind und die Wahrscheinlichkeit von Unfällen gering ist. In den sechziger Jahren wurde in der Bundesrepublik sogar ernsthaft erwogen, beim Bau auf die äußere Schutzhülle für den Reaktorkern zu verzichten. Der Geschäftsführer des bayerischen Kernkraftwerks Gundremmingen erklärte dies 1966 zum "erstrebenswerten Ziel", so "ketzerisch und utopisch" der Gedanke klinge.

Auch mit Berstschutz erteilte die Wirklichkeit den großen Experten vier erschütternde Lektionen: Die GAUs und Super-GAUs in Windscale/Sellafield 1957, Harrisburg 1979, Tschernobyl 1986 und Fukushima verwandelten alle Wahrscheinlichkeitsberechnungen und Risikostudien in Schutt und radioaktive Asche. Doch selbst das wird die Atomgemeinde nicht beeindrucken. Wie sagte der ehemalige Präsident der Wiener Atompropagandaorganisation IAEA, Hans Blix: "Angesichts der Wichtigkeit der Kernenergie könnte die Welt einen Unfall vom Ausmaß Tschernobyl pro Jahr ertragen."

Der Autor ist Journalist und einer der beiden Chefredakteure des Umweltmagazins "zeozwei"

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Leserkommentare
  1. Die Folgen der Radioaktivität wurden ständig verdrängt , verheimlicht.
    Es gibt auf Youtube viele Videos dazu. Empfehlung: nach "Holger Strohm" suchen. Da hört man, wie man ab den 70iger mit Kritk und Wahrheiten umging.

  2. Mit anderen Worten: Unsere Risikophilosophie (betreffend Kernspaltung) beruht hauptsächlich auf den Ergebnissen unserer "Feldforschung".

  3. Die GAUs und Super-GAUs in Windscale/Sellafield 1957, Harrisburg 1979, Tschernobyl 1986 und Fukushima verwandelten alle Wahrscheinlichkeitsberechnungen und Risikostudien in Schutt und radioaktive Asche.

    In einer 1980 von einem deutschen Institut publizierten Studie wurde das Risiko eines 'large scale meltdowns' bei 25 deutschen Reaktoren pro Jahr auf 1 zu 400 geschätzt. Setzt man diese Zahl ein und rechnet dies auf die über die nun fast 70 Jahre andauernde Entwicklung und die in dieser Zeit durchschnittlich auf der Welt existierenden Kraftwerke an, so ergibt sich für 4-5 solcher Kernschmelzen (würde man z.B. noch Luzern zu den oben genannten hinzuzählen) in diesem Zeitraum eine Wahrscheinlichkeit von etwa 55-70%. Dies mag für einige noch zu wenig erscheinen, aber dieser Richtwert gibt unter der Betrachtung, dass die Sicherheitsstandards zeitlich und geographisch veränderlich sind, zumindest eine einigermaßen realistische Zahl an.

    Natürlich dämmert auch den ICRP-Mitgliedern, dass es keinen ungefährlichen Schwellen- oder Grenzwert für Strahlung gibt, weil jeder noch so kleine Strahlenbeschuss zu Schäden führen kann.

    Hier herrscht immer noch Bedarf an Studien, die Strahlungslokalisierung, Menge und Zeitraum in einen vernünftigen Zusammenhang setzen können.

    Dem Durchschnittsbürger bleibt leider nicht viel mehr, als zwischen den beiden kontrastierenden Desinformationspolitiken weiter im Trüben zu fischen.

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    Kleiner Zahlendreher, die Wahrscheinlichkeiten bewegen sich im Bereich von 30-45%.

  4. Kleiner Zahlendreher, die Wahrscheinlichkeiten bewegen sich im Bereich von 30-45%.

  5. bei Giften hat es jahrhundertelang gedauert, bis man diese nachweisen konnte. Dazu gibt es spannende Geschichten in diversen Sachbüchern oder Romanen, auch Filme darüber ziehen die Menschen noch heute an. Ich erinnere an die "berühmten Kriminalfälle", die noch vor ein paar Jahren in der ARD gezeigt wurden, darunter auch einige Giftfälle.
    Es zeigt sich, daß erst nach einiger Zeit die Wissenschaft begreift, wie wichtig die Entdeckungen der Nebenwirkungen z.B. von verschiedenen Medikamenten oder Arzneien sind.
    Nun ist allerdings bei Radioaktivität hinreichend belegt, wie negativ sich diese auswirken kann, und das schon in geringsten Mengen. Es ist auch bekannt, wie lange die Halbwertszeiten von radioaktiven Elementen sind.
    "Doch selbst das wird die Atomgemeinde nicht beeindrucken. Wie sagte der ehemalige Präsident der Wiener Atompropagandaorganisation IAEA, Hans Blix: »Angesichts der Wichtigkeit der Kernenergie könnte die Welt einen Unfall vom Ausmaß Tschernobyl pro Jahr ertragen.«"

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    • self22
    • 17. April 2011 23:12 Uhr

    Das hat der doch nicht wirklich gesagt, oder?

  6. Diese Aussage ist einfach nur dumm und töricht. Wie Fukushima jetzt zeigt, könnte es nach Tschernobyl wieder dazu kommen, daß im Umkreis von 30 km (der sich durchaus noch erhöhen könnte) das Gebiet langfristig unbewohnbar wird. Tausende von Menschen leben jetzt in Notunterkünften, abermals Tausende werden in den nächsten Wochen und Monaten noch dazukommen. Nahrungsmittel aus diesem Gebiet werden nicht mehr verzehrt werden können. Durch die Einleitung radioaktiven Wassers in den Pazifik wird die Nahrungskette mit Radioaktivität belastet, zudem wird sich die Radioaktivität über den Wasserkreislauf weltweit verbreiten.

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    Sorry, aber Sie scheinen dem Trugschluss aufzusitzen, dass Radioaktivität in der Natur nicht frei vorkomme. Das ist Unsinn. Erkundigen Sie sich doch einmal wie hoch die Strahlenbelastung durch einen Vulkanausbruch ist. Auch scheinen Sie mir keine rechte Vorstellung von der Größe der Weltmeere zu haben.

  7. Daß die frühen Wissenschaftler darüber nichts wußten und ungeniert mit radioaktiven Stoffen hantierten, denen sie selber zum Opfer fielen, kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Menschheit es hier mit Substanzen zu tun hat, deren Freisetzung höchst gefährlich sein ist. In Fukushima ist schon Plutonium gefunden worden, glücklicherweise nur kleinste Spuren, wenn man den Messungen trauen darf. Bei einer Halbwertszeit von 24000 Jahren wäre ein damit verseuchtes Gebiet nach menschlichem Ermessen auf Ewigkeiten unbewohnbar http://de.wikipedia.org/w....
    Ein Unfall in einem Kernkraftwerk ist also nicht zu vergleichen beispielsweise mit dem Bruch eines Staudamms, der zwar auch katastrophale Auswirkungen haben könnte, aber keine auf tausende von Jahren ausgeweitete Wirkung. Auch in Japan machen ja nicht die Folgen des Erdbebens und des Tsunamis eine Rückkehr in die Gebiete rund um Fukushima unmöglich, sondern die drohende Verstrahlung. Ansonsten könnte man dort unbedenklich aufräumen und neu bauen.
    Aus diesem Grund sollte man grundsätzlich von der Atomkraft als Energieträger absehen - mag selbst die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls äußerst gering sein, so hat er doch solche Schadensfolgen, daß die Menschheit diese nicht wirklich beherrscht, vor allem langfristig.

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    ein kleiner Nachtrag: da es bis jetzt keine wirkliche Behörde gibt, die sich mit der Sicherheit der Kernkraftwerke weltweit beschäftigt (die IAEA ist ja eine Lobby zur Verbreitung von Atomkraft), wird es dringend Zeit, daß die internationale Gemeinschaft hier handelt.
    Weltweit existieren 212 Kernkraftwerke mit 442 Reaktorblöcken http://de.wikipedia.org/w....
    Wenn es im jetzigen Tempo mit den Unfällen in Atomkraftwerken weitergeht, ist absehbar, wann der größte Teil der Welt so verstrahlt ist, daß der Menschheit tatsächlich nur übrigbleibt, zuzusehen, wie die genetischen Auswirkungen der Strahlung sich bei ihren Nachkommen bemerkbar machen.

  8. Wen es interessiert: ich habe am Freitag, 15. April, 19.06 Uhr im Radiosender Ö1 im Wissenschaftsmagazin "Dimensionen" einen Beitrag zu dauernder niedriger Radioaktivität gehört, den ich hier empfehlen möchte: Nachzuhören bis kommenden Freitag unter Ö1, "7 Tage Ö1", Programm unter http://oe1.orf.at/program...

    Der Beitrag ergänzt diesen Artikel bzw. bestätigt, dass auch niedrige Radioaktivität gefährlich ist.

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    Eine interessante, wenn auch sehr einseitige Berichterstattung mit vielen Mängeln:

    - In dem gesamten Bericht wurde keinerlei Zeitangabe gemacht, sondern nur absolute Strahlendosen genannt. Diese sind in diesem Rahmen nahezu unverwertbar.
    - Bei der Errechnung der 'gesundheitlich unbedenklichen Schwelle' von radioaktiven Materialien, sprich nach 10 bzw. 13 Halbwertszeiten, wurde die Menge des vorhandenen Materials total außer Acht gelassen. Hier kommt es vielmehr darauf an, wie viel % des Materials abgebaut werden müssen bis diese zusätzliche Strahlenbelastung nicht mehr als schädlich für den Menschen gilt.
    - Die weitergegebenen erblichen Fehler können durch eine hohe Kurzzeitdosis hervorgerufen werden. Hier muss man die Testsubjekte über den gesamten Zeitraum in einer Niedrigstrahlungsumgebung ohne Initialmutationen beobachten.
    - Bei der Studie der vermehrten männlichen Geburten um KKWs fehlt der Nachweis einer erhöhten Strahlung in eben jenen Gebieten. Wenn sich die Strahlenbelastung das ganze Jahr über in einem normalen Bereich bewegt, so muss man diese Ursachenquelle ausschließen
    - Der Einfluss der Lokalisation, des Zeitraumes und der Menge der Strahlenexposition wurde richtig erkannt. Hierbei gibt es mittlerweile Studien aus Gebieten mit sehr hoher jährlicher Hintergrundstrahlung (Ramsar etc.), die keinerlei schädliche (oder sogar positive) Wirkungen aufzeigen.

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