Über eine neue Art von Strahlen öffentlich, und einen Monat später berichtet er in einer Vorlesung erstmals über die geheimnisvollen "X-Strahlen". Er belässt es aber nicht bei Worten, sondern holt den Schweizer Anatomie-Professor Rudolf Albert von Kölliker aus dem Auditorium nach vorn. Kölliker muss seine Hand auf eine Belichtungsplatte legen, dann jagt Röntgen Strom durch eine seltsam geschwärzte Röhre. Anschließend hält er den gebannten Zuhörern die belichtete Aufnahme vor die Nase. Sie zeigt deutlich erkennbar die Handknochen des Kollegen.

Frau Röntgen ist verstimmt. Sie hat bereits dreimal nach ihrem Mann geschickt, um ihn zum Abendessen zu holen. Erst kommt er gar nicht, dann sitzt er schweigend am Tisch, isst nur ein paar Bissen – und verschwindet auch schon wieder im Labor. In jenen Novembertagen 1895 arbeitet der Würzburger Physiker Wilhelm Conrad Röntgen wie besessen an "einer interessanten Entdeckung". Am 28. Dezember macht er sie mit seiner Studie

Röntgens Entdeckung ist ebenso spektakulär wie leicht verständlich. Der Blick durch die äußere Materie ins Innenleben von Menschen und Dingen löst einen Taumel der Begeisterung aus und revolutioniert die Medizin in rasendem Tempo. Die New York Sun spricht von einem "Triumph der Wissenschaft": Röntgen habe "ein Licht entdeckt, das Holz und Fleisch durchdringt".

Mit primitiven, oft von Ärzten selbst zusammengebastelten Apparaten werden die X-Strahlen zur Diagnose eingesetzt. Die größte Sorge der keuschen Zeitgenossen gilt anfangs der bedrohten Intimität, eine findige Londoner Textilfirma entwirft röntgensichere Unterwäsche. Dann aber zeigen sich Folgen ernsterer Art. Herbert Hawks, ein technikbegeisterter Student der Columbia-Universität, durchleuchtet in New Yorker Warenhäusern vor staunendem Publikum immer wieder den eigenen Körper. Bald fallen ihm die Haare aus, die Augen sind blutunterlaufen, und seine Brust brennt wie Feuer.

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Er ist nicht das einzige Opfer der Wunderröhre. Ende 1896 dokumentieren Fachblätter 23 Fälle schwerer Strahlenschäden. Manche Patienten würden "auf dem Behandlungstisch regelrecht hingerichtet", schreibt James Ewing, ein Pionier der Radiologie, über die ersten Jahre der Anwendung. Auch die Ärzte sind ungeschützt den Strahlen ausgesetzt, viele verlieren ihr Leben.

Der Streit um die Risiken beginnt. Bleiabschirmungen werden entwickelt, aber viele Ärzte finden sie zu teuer und umständlich. Man solle die Gesundheitsschäden nicht dramatisieren, fordert der armenische Röntgenspezialist Mihran Kassabian, einer der führenden Radiologen, der 1910 selbst an den Strahlenfolgen stirbt. Kassabian fürchtet um den Fortschritt, wenn die Gefahren des Röntgens allzu plastisch beschrieben werden.

Durch radioaktiv optimiertes Futter legen die Hühner hartgekochte Eier

Im Ersten Weltkrieg setzt sich die neue Technik endgültig durch. Tausende von Kriegsopfern werden durchleuchtet, um Geschosse zu lokalisieren und gebrochene Glieder zu richten. Die Strahlen werden vorsichtiger dosiert, und in den zwanziger Jahren entwickeln die Ärzte einen ersten "Grenzwert". Der besteht in der rötlichen Färbung der Epidermis: Wenn die Haut zu glühen beginnt, ist es genug.

Angeregt von Röntgens X-Strahlen, experimentieren auch andere Wissenschaftler mit Stoffen, die Licht abgeben. Der französische Physiker Henri Becquerel entdeckt im Februar 1896, dass kleine Uranbrocken Strahlen aussenden, die Materie durchdringen. Die polnische Physikerin Marie Skłodowska Curie, die zum Studium nach Paris gegangen und dort geblieben ist, prägt für die Strahlung den Begriff "radioaktiv". Im Dezember 1898 identifiziert sie in einer Uranerzprobe aus dem Erzgebirge ein neues Element: Radium. Ohne die Gefahren zu ahnen, versuchen sie und ihr Mann, größere Mengen der stark radioaktiven Substanz zu isolieren und zu messen. 1934 stirbt die berühmte, zwei Mal mit dem Nobelpreis geehrte Forscherin 67-jährig und fast blind an Leukämie. Auch ihre Tochter wird tödlich verstrahlt.

1903 kommt Ernest Rutherford dem Phänomen der Radioaktivität genauer auf die Spur. Der aus Neuseeland stammende, in Montreal und später im englischen Cambridge arbeitende Chemiker unterscheidet die verschiedenen Typen der Alpha-, Beta- und Gammastrahlung. Sie alle haben eines gemeinsam: Man schmeckt, riecht und sieht sie nicht. Aber wenn die strahlenden Partikel auf biologische Zellen treffen, geben sie einen Teil ihrer Energie ab. Es sind winzige Kernexplosionen, welche die Zellen attackieren. Ein einziger Strahlentreffer kann einen irreparablen Schaden im Zellgewebe anrichten.

Von dieser Gefahr wissen Ärzte und Patienten noch nichts, als die ersten Experimente mit Radium beginnen. Der britische Erfinder und Taubstummenlehrer Alexander Graham Bell erkennt 1907 das Potenzial für die Krebstherapie. Es gebe keinen Grund, warum man nicht "ein kleines Stückchen Radium [...] mitten in einen Krebsherd" platzieren sollte. Radium ist mit 120.000 Dollar je Gramm im Jahr 1920 extrem teuer und wird auch gegen Herzbeschwerden und Impotenz eingesetzt. Die verrückten Anwendungsideen reichen, wie die US-Journalistin Catherine Caufield in ihrem Buch Das strahlende Zeitalter 1989 dokumentiert, bis zu dem Vorschlag, kleine Radiummengen ins Hühnerfutter zu mischen, "damit die Hennen hartgekochte Eier legen". Weil die Bilder so schön leuchten, mischt man Radiumpartikel sogar in Ölfarben, Radiumwasser wird als "flüssiger Sonnenschein" verkauft.

Der Strahlenschutz hingegen kommt nur mühsam voran. Bis das dramatische Schicksal der Ziffernblatt-Malerinnen aus der Firma Radium Corporation im US-Staat New Jersey der Wissenschaft eine harte Lektion erteilt. In dem Betrieb werden in den zwanziger Jahren Millionen von Armbanduhren hergestellt, deren Zeiger und Indizes dank einer dünnen Radiumschicht fröhlich leuchten. Doch unter den jungen Arbeiterinnen häufen sich die Todesfälle. Untersuchungen kommen in Gang und enthüllen schaurige Arbeitsbedingungen. Haare, Gesichter und Kleider der Frauen leuchten im Dunkeln wie ein Weihnachtsbaum. Und sie haben alarmierende Blutbilder, klagen über Menstruationsbeschwerden, Müdigkeit und Depressionen. Schließlich ziehen einige der Schwerkranken vor Gericht. Manche sind zu schwach, um noch den Eid zu leisten. Am Ende erhält jede Arbeiterin 10.000 Dollar Entschädigung. Erst im Februar 1941 werden Grenzwerte für die Arbeit mit Radium festgelegt.

Die Menschheit begreift nur langsam, dass diese Bombe "anders" ist

Die "Mutter" des Radiums, das Uran-Atom, fasziniert indes nach wie vor die Forschung. Kann man die Urkraft, die seinen Kern zusammenhält, überlisten, kann man den Tiger aus dem Käfig lassen? Der amerikanische Physiker Enrico Fermi beschießt 1934 Uran-Atome mit Neutronen. Aber erst Lise Meitner und Otto Hahn vom Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin gelingt es, die Kernspaltung nachzuweisen – ein neues Zeitalter beginnt.

Bei der Spaltung setzt das Uran-Atom Energie frei, zugleich werden weitere Neutronen aus dem Atomgerüst herausgeschlagen, die wieder andere Kerne spalten. Dies kann eine Kettenreaktion auslösen, die eine gewaltige Kraft entfesselt – idealer Stoff für eine Superbombe! Im Oktober 1941, wenige Wochen vor dem Angriff der Japaner auf die USA und der Kriegserklärung von Nazi-Deutschland, gibt US-Präsident Franklin D. Roosevelt den Auftrag, die "Atombombe" zu bauen. Es beginnt, unter der Leitung des Physikers J. Robert Oppenheimer, das zweieinhalb Milliarden Dollar teure Manhattan Project, das bis dahin größte Industrie- und Wissenschaftsprojekt der Welt.

Am 16. Juli 1945 explodiert in der Wüste des Bundesstaats New Mexico die erste Atombombe, und kurz darauf kommen die ersten dieser Bomben zum Einsatz: Als Japan sich weigert, zu kapitulieren, werfen amerikanische Piloten am 6. und 9. August 1945 jeweils eine Bombe auf Hiroshima und Nagasaki. 200.000 Menschen sterben im atomaren Feuer, weitere 100000 in den Folgejahren. Bis zum Verbot der oberirdischen Atomtests, das erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg, am 10. Oktober 1963, in Kraft tritt, zünden die Atommächte 500 nukleare Bomben. Ihr Höllenfeuer wird zum Dauer-Atomunfall, der die Erde mit einem gewaltigen Fallout verseucht, darunter allein 27 Milliarden Curie Jod-131 und 34 Milliarden Curie Cäsium-137.

Die Menschheit begreift nur langsam, dass diese Bombe "anders" ist. Die Überlebenden in Hiroshima waren bestürzt, schreibt die kanadische Strahlenforscherin Rosalie Bertell 1985 in ihrem Buch Keine akute Gefahr? . "Menschen, die nicht sichtbar verletzt worden sind, sterben plötzlich. Zuvor gehen ihnen büschelweise die Haare aus, schwarze Flecken übersäen die Haut, Äderchen platzen, Muskeln ziehen sich zusammen und deformieren die Hände."

Doch die verheerenden Folgen werden in den USA hartnäckig bestritten. Für Präsident Harry S. Truman ist die Atombombe nur eine "andere Waffe der Artillerie", die durch Hitze und Druckwellen tötet. "Wir haben uns die Urkraft des Universums dienstbar gemacht", zitiert ihn Time am 13. August 1945. Dagegen warnt der Wissenschaftler Harold Jacobson von der Columbia-Universität, der selbst am Manhattan Project mitgearbeitet hat, schon zwei Tage nach der Bombardierung Hiroshimas vor der tödlichen Radioaktivität: Die Stadt werde "ein Vierteljahrhundert lang verwüstetes Gebiet" sein.

Schon gleich nachdem Radio Tokyo über mysteriöse Todesfälle in Hiroshima und Nagasaki berichtete, schicken die US-Militärs – Japan hat inzwischen kapituliert – am 19. September 1945 ein Untersuchungsteam los, um den Gerüchten ein Ende zu machen. "Unsere Mission bestand darin, nachzuweisen, dass es keine Radioaktivität gab", beschrieb General Thomas Farrell seinen Job. Die Berichte der Atomic Bomb Casualty Commission (ABCC) bleiben bis April 1952 unter Verschluss. Als im selben Jahr der Arzt Fumio Shingeto auf einem Kongress japanischer Hämatologen über eine auffällige Häufung von Leukämien als mögliche Folge der Atombombe spricht, wird er von der ABCC scharf kritisiert. Aber auch andere japanische Ärzte und Wissenschaftler sammeln trotz Verbots Daten und klinische Verläufe. Sie dokumentieren – bis heute – die Folgen und Spätfolgen der Bombenabwürfe: all die Zigtausenden Krebsfälle, vielgestaltigen Krankheitsbilder, mit Missbildungen und genetischen Schäden bei nachfolgenden Generationen.

In der Wüste von Nevada gehen die Tests unterdessen weiter. Hunderttausende Soldaten sollen Erfahrungen mit dem Fallout machen und ihre Kampfbereitschaft für einen Atomkrieg erproben. Oft stehen sie ungeschützt nur wenige Meilen vom Explosionsort ground zero entfernt und müssen den Hals recken, um den aufsteigenden Atompilz zu beobachten. 6000 Veteranen verklagen die USA später wegen schwerer Strahlenschäden. 5956 Fälle werden abgewiesen.

Ganz andere Menschenversuche unternimmt in Los Alamos der spätere Präsident der Health Physics Society, Wright H. Langham. Zwischen 1945 und 1947 injiziert er todkranken Patienten, auch Kindern, kleine Dosen eines neuen radioaktiven Spaltprodukts: Plutonium. Langham will herausfinden, wie sich das in der Natur unbekannte Radionuklid im Organismus verteilt. Plutonium entsteht bei der nuklearen Kernspaltung und ist extrem krebserregend. Bei Versuchstieren reicht die kleinste überhaupt messbare eingeatmete Menge, um Lungenkrebs auszulösen. Plutonium ist zugleich ein heiß begehrter bombentauglicher Rohstoff – und eine weitere radioaktive Substanz, deren Gefahrenpotenzial über Jahrzehnte dramatisch unterschätzt wird.

Für den Strahlenschutz ist inzwischen eine Organisation zuständig, die bis heute als die wichtigste Autorität auf diesem Feld gilt: die International Commission on Radiological Protection (ICRP) in Ottawa. Traditionell stellen Physiker, Radiologen und Atomforscher die 13 Mitglieder des Gremiums – ein "gewisses Maß an Inzest" sei unvermeidlich, erklärte das britische ICRP-Mitglied John Dunster Ende der fünfziger Jahre. Unnötig, zu erwähnen, dass in der Kommission ausschließlich Männer sitzen. Die von der ICRP verabschiedeten Grenzwerte und Toleranzdosen für Atomarbeiter und die Bevölkerung werden umstandslos von den Regierungen der Welt in nationale Gesetze gegossen.

Die ICRP gibt es seit 1928. Sie hieß zunächst Internationales Komitee zum Schutz vor Röntgenstrahlung und Radium. Schon in der Frühzeit dominierten moderate Empfehlungen, die den Radiologen die Arbeit erleichterten. 1950 nimmt die ICRP ihre Arbeit unter neuem Namen auf und gewinnt schnell an Einfluss. Der aufstrebenden Atomwirtschaft, die ihre ersten Kernkraftwerke baut, spendet sie ihren wissenschaftlichen Segen und versorgt sie mit großzügigen Grenzwerten. Sie hat weder eine demokratische Legitimation, noch ist sie Bestandteil der UN oder anderer Organisationen.

Den Leitwolf gibt über viele Jahre Lauriston Taylor aus Brooklyn, der zunächst Röntgenlabore entwickelt hat. Seine Philosophie als ICRP-Chef: Wissenschaftliche Unsicherheit dürfe aufstrebende Industrien nicht behindern. "Wir akzeptieren, dass es Opfer bedarf, um unsichere Betriebsbedingungen zu erkennen. Das scheint nicht fair, aber es gibt keine Alternative. [...] Ich denke, dass man von einem Nukleararbeiter erwarten darf, dass er seinen Anteil am Risiko akzeptiert."

Auch auf der Berliner Pfaueninsel soll ein AKW entstehen

Auch auf der Berliner Pfaueninsel soll ein AKW entstehen

Natürlich dämmert auch den ICRP-Mitgliedern, dass es keinen ungefährlichen Schwellen- oder Grenzwert für Strahlung gibt, weil jeder noch so kleine Strahlenbeschuss zu Schäden führen kann. Ihr Job ist es, "Grenzwerte und Standards danach auszuwählen, was die Industrie mit vertretbarem Aufwand erreichen kann. Die wissenschaftlichen Beweise für die Gefahren waren gegen die Erfordernisse der jungen Nuklearindustrie abzuwägen", sagt der ICRP-kritische Münsteraner Strahlenbiologe und frühere Chef der Deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz, Wolfgang Köhnlein. Bei strengen Grenzwerten wären der Betrieb von AKWs oder Wiederaufarbeitungsanlagen und vor allem der Uranabbau im Bergwerk unmöglich gewesen. Also werden Atomarbeitern höhere Belastungen zugemutet als der Allgemeinbevölkerung, und für Störfälle gelten Ausnahmeregeln.

Die Kritik an dem allzu lässigen Umgang mit den Risiken nimmt allerdings zu. John Gofman, Karl Morgan, Ernest Sternglass, Irwin Bross, Alice Stewart, allesamt angesehene Fachleute, führen die Riege der Gegner an. Morgans Wort hat besonderes Gewicht, weil er Kernkraftwerke befürwortet und 14 Jahre lang Vorsitzender im ICRP-Ausschuss für inkorporierte Strahlung gewesen ist. Und doch weist man ihre Warnungen ab. Morgan sei "durchgedreht", erklären ICRP-Mitglieder Mitte der siebziger Jahre und verweigern sich seiner Forderung, Grenzwerte und Toleranzdosen zu halbieren. Andere Kritiker werden als "wissenschaftliche Landstreicher", als "Spinner" und "Werkzeuge der Atomgegner" verhöhnt.

Als immer mehr Meiler ans Netz gehen, nimmt die Sicherheitsdebatte eine Wende. Jetzt rückt die Unfallwahrscheinlichkeit in den Mittelpunkt der Diskussion. Schon in den sechziger Jahren geistert der größte anzunehmende Unfall (GAU) durch die Fachgremien. Doch noch bis 1965 glaubt man, dass zumindest eine teilweise Kernschmelze toleriert werden kann. Der GAU war damals eher eine "bürokratische Fiktion", schrieb der Bielefelder Historiker Joachim Radkau 1983, richtig ernst nahm man das nicht. Allerdings: "Großstadtnahe Kernkraftwerke", die will man nun auch wieder nicht. Als in West-Berlin, auf der Pfaueninsel in der Havel, ein Kernkraftwerk gebaut werden soll, lehnt die Bundesregierung dies Anfang 1962 ab.

Die Sicherheitsphilosophie der Industrie aber blieb zumindest nach außen hin weiter der Hybris treu, dass Kernkraftwerke sicher und verantwortbar sind und die Wahrscheinlichkeit von Unfällen gering ist. In den sechziger Jahren wurde in der Bundesrepublik sogar ernsthaft erwogen, beim Bau auf die äußere Schutzhülle für den Reaktorkern zu verzichten. Der Geschäftsführer des bayerischen Kernkraftwerks Gundremmingen erklärte dies 1966 zum "erstrebenswerten Ziel", so "ketzerisch und utopisch" der Gedanke klinge.

Auch mit Berstschutz erteilte die Wirklichkeit den großen Experten vier erschütternde Lektionen: Die GAUs und Super-GAUs in Windscale/Sellafield 1957, Harrisburg 1979, Tschernobyl 1986 und Fukushima verwandelten alle Wahrscheinlichkeitsberechnungen und Risikostudien in Schutt und radioaktive Asche. Doch selbst das wird die Atomgemeinde nicht beeindrucken. Wie sagte der ehemalige Präsident der Wiener Atompropagandaorganisation IAEA, Hans Blix: "Angesichts der Wichtigkeit der Kernenergie könnte die Welt einen Unfall vom Ausmaß Tschernobyl pro Jahr ertragen."

Der Autor ist Journalist und einer der beiden Chefredakteure des Umweltmagazins "zeozwei"