Popsängerin Zaz"Auf der Straße habe ich gelernt, wie man ein Publikum unterhält"

Die französische Popsängerin Zaz war ein hyperaktives Kind. Sie wollte, dass man ihr Gehör schenkt. Berühmt zu werden war jedoch nicht ihr Traum.

Ich habe immer von Ordnung in meinem Leben geträumt. Schon als Kind war es schwierig für mich, meinen Platz in der Welt zu finden. Das ging in der Schule los, wo ich für viel Unruhe sorgte. In mir wirbelte alles durcheinander, ich war ein hyperaktives Kind, konnte im Unterricht einfach nicht still sitzen und zuhören. Im Gegenteil, ich wollte immer, dass man mir Gehör schenkt. Meine Eltern waren damit überfordert, aber wahrscheinlich hat mein auffälliges Verhalten nur einige ihrer eigenen Probleme widergespiegelt.

Zaz

30, bürgerlich Isabelle Geoffroy, bewegt sich als Sängerin zwischen Swing und Chanson und erobert damit die europäischen Popcharts. In ihrem Heimatland Frankreich landete ihr im Oktober letzten Jahres erschienenes Debütalbum sofort auf Platz 1. Im April und Mai kommt sie für vier Konzerte nach Deutschland.

Ich habe nichts gegen Lehrer, die sollten nur besser geschult werden, auf Kinder einzugehen, die, so wie ich damals, nicht ins System passen. Falsche Schulen machen viele Kinder kaputt. Ich funktionierte nicht und musste oft die Schule wechseln. Wenn nur mein Geist stimuliert werden soll, langweile ich mich schnell. Es sollte im Unterricht nicht nur darum gehen, den Intellekt zu entwickeln, sondern auch das Verständnis für die körperlichen Aspekte des Lebens und für unsere Umwelt. Die Katastrophe von Japan beweist doch, dass die Menschheit auf dem falschen Weg ist. Der Pazifische Ozean heißt auf Französisch Pacifique, und das bedeutet »friedlich«. Nun hat ausgerechnet der Pazifik die Atomanlagen von Fukushima zerstört. Es ist, als habe sich das Meer gegen den Größenwahn der Menschen erhoben.

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Von klein auf konnte ich mich am besten durch Musik ausdrücken. Ich habe gesungen, seit ich vier war, und das half immer. Auch meine Schulzeit überstand ich so ohne größere Schäden. Nachdem ich da raus war, war klar, dass ich nur mit Musik meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Oft werden wilde Märchen über mich geschrieben, dass ich so bettelarm gewesen sei, dass ich obdachlos gewesen sei und mich als Straßenmusikerin durchgeschlagen hätte. Das klingt natürlich spannend, ist aber überwiegend Quatsch. Wahr ist, dass ich eine Weile Musik mit zwei Freunden auf der Straße spielte. Nicht aus Not, sondern weil ich es für eine spannende Erfahrung hielt. Vorher hatte ich ganz ordentlich ein Musikstudium absolviert. Aber auf der Straße habe ich gelernt, wie man ein Publikum unterhält. Und abends unter dem Sternenhimmel aufzutreten ist ein einzigartiges Gefühl.

Ich habe einen Traum
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Berühmt zu werden war nie mein Traum. Ich wollte nur von der Musik leben können. Dass ich dann mit nur einer Platte so unglaublich erfolgreich wurde, fühlt sich immer noch etwas merkwürdig an. Es fällt mir schwer, mich daran zu gewöhnen.

In Frankreich werde ich überall erkannt, und zwar nicht nur an meinem Äußeren, sondern vor allem an meiner rauen Stimme. Das Beste am Ruhm ist, dass man so ein großes Publikum hat. Dass einem auf einmal viele Menschen zuhören, die einen sonst ignorieren würden.

Ich glaube zwar nicht, dass man mit Musik die Meinungen der Menschen ändert, aber ich bin mir ganz sicher, dass alle Kunst einen Prozess in uns anstoßen kann. Ohne meine Musik hätte mich das innere Chaos jedenfalls schon längst verschlungen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leserkommentare
  1. ...aber wie viel Charme hat denn bitte eine Autobahntoilette als Hintergrund?!

  2. 2. .....

    "Mutantenstadl" ist echt gut :-D
    Ich sagte ja, die Musik ist gut, aber vor diesem Hintergrund kann auch wirklich alles glänzen. Und trotzdem würde ich diese Musik lieber nicht mit einer Autobahntoilette assoziieren.
    Obwohl ihre Aversion gegen Mutantenstadl und DSDS Sie natürlich ehrt ;-)

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