Walter Mixa, der ehemalige Bischof von Augsburg, besitzt ein Gespür für Symbolik. Unter all den Tagen des Jahres wählt er das Osterfest für den Beginn seines neuen öffentlichen Schaffens. Ein Jahr nachdem ihm der Papst eine »Zeit des Schweigens, der Sammlung und des Gebets« auferlegt hat, erklärt Mixa seine Auszeit für beendet. Weil ihm die »Neuevangelisierung« ein besonderes Anliegen sei und weil er sich gut vorstellen könne, noch fünf oder sechs Jahre im Dienst des Herrn zu stehen.

Das Comeback des Bischofs ist, wie es sich für einen Polarisierer seiner Couleur gehört, aber kein gewöhnliches. Denn der Mann, der in der realen Welt an dem Muff der räumlichen Enge, an der physischen Gewalt, die er Kindern angetan haben soll, gescheitert ist, will in die virtuellen, körperlosen Weiten des World Wide Web entschwinden. Inszeniert ist seine Rückkehr wie eine große PR-Aktion. Sie begann mit einem Zeitungsinterview, in dem er verkündete, bald auf einer Website  sowie auf Facebook vertreten zu sein. Wie ein »Wanderprediger im Mittelalter« möchte er dort für den Glauben werben. Besonders bei Jugendlichen. Bis zum 25. April müssen sich seine Anhänger allerdings noch gedulden. Dann, am Ostermontag, wird die Website freigeschaltet.

Seine Amtsbrüder aus der Bischofskonferenz hat Mixa mit den virtuellen Volten überrumpelt. Die Aktion sei Mixas Privatsache, sagte ein Sprecher. Mixa steht jedenfalls an der Spitze des katholischen Internetfortschritts. Die Bischofskonferenz besitzt zwar einen offiziellen Medienbischof. Auf Facebook hat sich bislang aber noch keins ihrer Mitglieder getraut.

Anmerkung der Redaktion (kh): Ob die Webseite (www.bischof-mixa.de) tatsächlich Ostermontag frei geschaltet wird, scheint offen. Am Samstag war dort lediglich dieser Text zu lesen: "Die Reaktionen auf die geplante Freischaltung dieser Internetpräsenz waren dergestalt, dass zum jetzigen Zeitpunkt eine Freigabe für das Anliegen der Glaubensverkündung wenig hilfreich zu sein scheint."