GeldanlageHauptsache, anfassen

Staatsschulden und die Angst vor Inflation treiben den Preis für Gold. Langfristig kann das Edelmetall die Geldentwertung nur ausgleichen. von 

Eine Frau betrachtet die Auslagen eines Goldgeschäfts in Hongkong.

Eine Frau betrachtet die Auslagen eines Goldgeschäfts in Hongkong.  |  © Mike Clarke/AFP/Getty Images

Schließfach 311 ist so groß wie ein Lastwagen. Der Schlüssel öffnet eine zweiflügelige Tür, dahinter erhebt sich ein Tresor. Hinter dessen Tür noch einmal dickes Panzerglas und dann Türme aus Ein-Kilo-Barren reinen Golds, Fünf-Kilo-Barren Silber, Wiener-Philharmoniker-Münzen, die berühmten Krügerrand-Goldmünzen mit ihrem speziellen, rötlichen Glanz. Alles ordentlich aufgeschichtet. Etliche Millionen Euro dürften das sein. Zum Greifen nah.

Schließfach 311 ist das Allerheiligste der Firma Pro Aurum in München. Die Zentrale des Edelmetallhändlers fällt in dem architektonischen Einerlei des neuen Stadtteils auf. Das Äußere ist einem Goldbarren nachempfunden und mit einer goldschimmernden Metallhaut überzogen. »Dafür wurde natürlich kein echtes Gold verwendet, sondern recycelte Münzen aus der DM-Zeit«, erläutert David Reymann, der bei Pro Aurum für den Vertrieb zuständig ist.

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Gold

Gold ist nicht gleich Gold. Zugelassen zum weltweiten Handel sind nur Scheide- und Prägeanstalten, welche die Qualitätsanforderungen des London Good Delivery Standard erfüllen. Gold dieser Güte hat eine Reinheit von mindestens 995,0 Promille, ist also fast reines Edelmetall. Der Preis einer Goldmünze oder eines Goldbarrens berechnet sich nach Unzen (abgekürzt: oz). Eine Unze entspricht 31,1035 Gramm

Reymanns Kunden, die nur selten nach München kommen und sich kein Schließfach zulegen wollen, können per Mausklick via Internet Gold ordern und direkt im Depot einlagern lassen. »Hier ist das Gold absolut sicher, zudem auch noch bankunabhängig«, versichert der Händler.

Reymann hat einen gewaltigen Mitspieler: die Angst seiner Kunden. Je besorgter sie sind, desto besser läuft sein Geschäft . Und die Deutschen, das weiß Reymann, treibt die Angst vor Inflation . Vor einem Zusammenbruch des Bankensystems. Vor der Pleite ganzer Staaten. Die Angst, alles zu verlieren, was man sich im Leben erarbeitet oder auch nur geerbt hat. Lange Zeit kannte man diese Angst nur von älteren Menschen, die noch die Hyperinflationen des vergangenen Jahrhunderts miterlebt hatten. Doch seit der Finanzkrise ist auch jüngeren Menschen mulmig zumute, wenn die Inflation wie zuletzt auf 2,6 Prozent steigt. »Am größten war der Ansturm im Zuge der Griechenlandkrise«, erinnert sich Reymann. »Die Kunden haben unsere Schalter regelrecht gestürmt.« Der Internethandel musste sogar einen Tag lang geschlossen werden.

Anlagen in Gold und anderen Edelmetallen waren selten so gefragt wie heute. Schon vor der Finanzkrise kannte die Kurve nur eine Richtung – nach oben. Die Krise beschleunigte den Aufwärtstrend dann noch. Innerhalb von zehn Jahren stiegen die Notierungen, bezogen auf den Dollarkurs, um mehr als das Fünffache. Nach einem vorübergehenden Einbruch Anfang dieses Jahres legte Gold wieder rund 10 Prozent zu und notiert aktuell um rund 25 Prozent höher als zur gleichen Zeit des Vorjahres.

»Wer jetzt überlegt, in den Edelmetallmarkt einzusteigen, sollte sich bewusst sein, dass es im Tempo der letzten zwei Jahre nicht weitergeht«, glaubt Oliver Schickentanz, Leiter der Investmentstrategie der Commerzbank. Andere sehen das ganz anders. Zum Beispiel Thomas Geissler, Vorstand des Reutlinger Edelmetallhandelsunternehmens Ex oriente lux. Er sagt: »Wir sind noch weit entfernt von einer Goldblase. Wir werden uns alle wundern, wie hoch der Goldpreis noch klettern wird.« Natürlich redet er in eigener Sache. Doch auch unabhängige Experten erwarten wegen der wachsenden Inflationssorge nach den staatlichen Schuldenorgien in Europa, dass der Goldpreis steigt, auf womöglich mehr als 2000 Euro pro Feinunze. Dies wäre doppelt so hoch wie heute.

An diesem Boom wollen die Edelmetallhändler mitverdienen, fallen zwischen dem Ankauf und dem Verkauf von physischem Geld doch teils zweistellige Margen ab. Ex oriente lux etwa betreibt unter dem Label Gold-Supermarkt mehrere Onlineshops. Das Edelmetall kann per Werttransport nach Hause geliefert oder bei einem Dienstleister eingelagert werden.

Im Herbst begann das Handelshaus damit, in Luxushotels, bei Juwelieren und Banken sowie in gehobenen Shoppingcentern seine »Gold-to-go«-Automaten aufzustellen. An den Maschinen, die wie Getränkeautomaten aussehen, kann sich der eilige Kunde en passant und rund um die Uhr mit kleineren Mengen des Edelmetalls eindecken. Die Firma hat damit vor allem die Gelegenheitskäufer im Blick. »Ein Gramm Gold in einer schönen Geschenkbox für die Freundin ist sicher origineller als ein Blumenstrauß«, sagt der Geschäftsmann Geissler. Dabei gilt: Je kleiner die Menge, desto größer die Marge des Händlers.

Leserkommentare
  1. Nun rächt sich unser Leben auf Pump. Das Geiz ist geil denken und handeln. Es macht keinen Sinn, den Menschen ihren gerechten Lohn zuverweigern und die Arbeitszeiten immer weiter in den Abend zu verlängern. Dadurch kann keine Familie besser zurecht kommen, sondern muss immer mehr Abstriche machen. Viele Kinder müssen mittlerweile in Ganztagesstätten und Gnztagsschulen, damit die Aufsicht, Erziehung und Versorgung gewährleistet ist, sie sich ncht selbst überlassen sind.
    Die große Zahl der Schulabbrecher und die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in zwei Klassen, Arm und Reich ( früher: arm, mittelstand, reich) löst sich förmlich wieButter in der Sonne auf.
    Ca. 60 Prozent der gesamtwirtschftlichen Erfolges entfallen auf nur
    eine handvoll Menschen. Der Rest geht an die noch etwas besser dastehenden. Die große Masse der Armen hat garkeinen Anteil daran.
    Das ist sehr beschämen und ungerecht, denn sie wurden um Ihre gerechte Teilhabe bebracht, durch immer neue Steuergeschenke/ Amnestien, Subventionen und ungerechtfertigten Entlastungen reicher Bürgen und Gesellschaften/Konzerne/Unternehmen.
    Die Sozialsysteme werden systematisch ausgeblutet und die Bürger dafür zur Kasse gebeten. Beispiel: Netzendgelte für Stromtrassen
    der Energieversorger! Milarden werden allen Kunden in Rechnung gestellt und die Netzte sind trotzdem in einem schlechten Zustand, weil die Gelder als Gewinne an die Aktionäre ausgeschüttet werden.
    Fürstliche Gehälter, einfach schamlos gierig

  2. Wenn das Geld nicht all die Jahre großzügigst ausgeschüttet, sondern angelegt und in die Netze investiert worden wäre, hätten wir heute
    TOP- Zustände und keine zusätzlichen Preissteigerungsszenarien der Stromriesen und der Politik.

    Wie einfach es sich diese Leute immer wieder machen, kaum zu glauben, wie dreißt sie vorgehen.
    Anstatt den Managern mal die Daumenschrauben anzulegen und die Gehälter deutlich zu kürzen, sowie die fetten Aktionäre mal die Dividenden zu begrenzen, damit das alles wieder in Ordnung kommt,
    haben sie natürlich nur den Endkunden im Blick. Klar die arme Wittwe kann sich ja auch schlecht wehren. Wie ehrenwert diese Menschen sind!
    Es hat sich eine dreiste Selbstbedienungsmentalität etabliert, die unsere Gesllschaftliche Ordnung zum Einsturz bringen kann.
    Armut und Verzweiflung, sowie Empörung über schamlose Dreistigkeit und rechtswidriges Verhalten sind ein nicht zu unterschätzender Nährboden für Revolutionen, Bürgerkrieg, oder sogenannte Heilsverkünder. Es ist eine unerhörte Verantwortungslosigkeit, mit der hier zum eigenen Vorteil agiert wird. Die Politiker müssen sich zu Recht fragen lassn, warum sie nicht dagegen angehen, mit starker Gesetzeshand? Die Privatisierung der Wasser und Energiebetriebe führt zu Konzentrationen und Ausrichtung der Geschäftspolitik auf die Aktionäre, nicht auf den Kunden. Ziel müßte es sein, jederzeit, stabile Netze, gute Qualität zu günstigen Preisen auf ökologisch intelligenter Basis anzubieten.

  3. Die Inflation war in Deutschland noch nie so nieder wie seit dem Euro. Das liegt auch daran, dass es in Deutschland nun seit 20 Jahren bei normalen Lohnempfängern nicht mal inflationsausgleichende Lohnzuwächse gibt.

    Das fortgesetzte Lohndumping in Deutschland führt allerdings auch dazu, dass in anderen Eurostaaten die Staatsschulden steigen.

    Das viele Geld, das die letzten 20 Jahre den deutschen Normallohnempfängern vorenthalten wurde, floss in den Finanzmarkt. Der blähte sich auf, und auf der verzweifelten Suche nach Anlagemöglichkeiten wurden massenhaft Hypothekenpapiere aus Amerika gekauft, wurde ein gigantischer Immobilienboom in Spanien und Irland aufgebaut.

    Leider, leider waren die Investments nicht das wert, was sie kurze Zeit lang schienen. Die platzenden Hypo-/Immo-Blasen brachten die Welt an den finanziellen Abgrund. Die Wohlstandträume einiger Staat zerstoben. Die Staatshaushalte weltweit wurden stark belastet.

    Umverteilung destabilisiert. Leider wurden die Banken gerettet und die Aber-Milliarden in den Bankdepots werden die Weltwirtschaft noch mehr destabilisieren.

    Wenn der große Crash kommt und die Ahnungen der Gold-Horter war werden, werden sie merken, dass die für einen Goldbarren noch einen Sack Kartoffeln bekommen. Die Inflation wird gigantisch sein und auch vor Gold nicht halt machen. Und das alles, weil man den Normalverdienern in Deutschland und andern Superexportstaaten ihren Lohn nicht gönnte. Kleine Ursache, große Wirkung.

  4. Moderne Aktionäre mit Herz und Verstand werden meines Erachtens lieber dauerhaft mit geringeren, aber stabilen Dividenden ihr Geld in Deutscland anlegen, dafür aber eine stabile Gesellschaft und Währung ernten. Dann bedarf der Panikkäufe von Goldbarren nicht, denn die kann auch niemand essen und trinken. Sie heizen auch keine Wohnung.

    Und wer will schon seinem Freund und Nachbarn, der ärmer ist und an der Kasse die Ware scannt sagen: Du hast eben Pech gehabt, bist selbst schuld, das du dumm und arm bist. Du bist eben kein schlauer Fuchs und nicht dreißt und frech genug.

    Die Reichen sollten mal genau überlegen, wer eigentlich all ihren Wohlstand bewirkt hat! Das waren in der Summe sie nur zu einem geringen Teil, denn es sind die vielen Hände die Hand in Hand Leistungen erbringen und Produkte herstellen. Eine Person allein vermag garnichts, denn selbst dazu bedarfes Gott und seinen Segen!

    Und weil Gott zu uns so großzügig und liebevoll ist, sollen wir nicht geizig und egoistisch sein, sondern das Leben befördern.

    Dazu gehört:

    Mit der Selbstsucht aufhören,
    mit der Gier aufhören,
    mit Lügen aufräumen. Bsp. Ich habe all das ganz alleine erschaffen.
    mit meinem Nächsten solidarisch sein und ihm helfen.
    bei jeder Entscheidung darüber nachdenken, ob ich damit jemanden absichtlich schädige oder schlecht stelle.
    miteinander fair und respektvoll nach einer Lösung suchen,die die Gesellschaft beflügelt,motiviert,inspiert und neues Vertrauen in die Stärke der Gesellschaft schafft.

    • yarx
    • 24. April 2011 11:46 Uhr
    5. [...]

    Doppelposting entfernt. Die Redaktion/wg

    • yarx
    • 24. April 2011 11:46 Uhr

    Da liest man hier man aber reichlich linkes Weltbild ohne Ahnung vom Finanzsystem als solches.
    Edelmetalle und andere reale Werte überleben eine Inflation in aller Regel ohne große Verluste. Man kann ja das aus den vergangenen Währungsreformen in diversen Ländern lernen.
    Diejenigen, die wissen wie man den Crash sauber überlebt, sind meist auch die, die massgebend an seiner Auslösung beteiligt sein werden.

    Steht zu hoffen, daß möglichst viele Menschen das rechtzeitig kapieren, um zu verhindern, daß das nächste Finanzsystem wieder auf dem gleichen Sand gebaut wird wie dieses. Aber ich befürchte, es wird sich nicht viel ändern. Es werden sich wieder die Gleichen beste Ausgangspositionen sichern, und das böse Spiel beginnt von vorn...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... und das macht es besonders wertvoll. Der derzeit hohe Goldpreis spiegelt doch lediglich den Vertrauensverlust in die Integritaet der Zentralbanken (FED, EZB, ...) wieder. Wer so lange der Inflation untaetig zugeschaut hat wie diese Banken, ja sogar die Geldpresse auf vollen Touren laufen laesst, darf sich nicht wundern, dass Menschen sichere(re) Haefen anlaufen. Denn anders als Geld, kann man Gold, Diamanten etc. nicht beliebig vermehren. Ihre Raritaet ist unbestechlich, und kein Politiker dieser Welt ist imstande, diese zu beeinflussen.

    in aller Regel ohne große Verluste."

    Nach der Inflation stellen die Edelmetalle tatsächlich wieder einen vergleichbaren Wert da. Während der Inflation werden aber auch für Goldbesitzer die Kleinigkeiten des täglichen Bedarfs sehr teuer.

    Das heißt, dass sich das Gold nach der Inflation keineswegs in den Taschen der Besitzer wiederfinden wird, die es sich beim Herannahen der Inflation vorsorglich angeschafft haben.

    Der Wert des Goldes passt sich natürlich der Marktlage an, wie das der Wert jedes andere Tauschmittel auch tut.

  5. Was diese Goldhändler nie sagen werden: Gold ist wohl das Material, dass absolut nutzlos ist:

    Erstens, es gibt keine Dividende her,

    zweitens, die Aufbewahrung ist teuer (Tresore, usw.),

    drittens, für jede Gold-Anwendungen gibt es ja reichlich und viel billigere andere Materialien, allerdings manchmal mit schlechteren Eigenschaften als Gold.

    Und dieser ganze Kram, was Die Zeit hier schreibt kam ja nur Zustande, weil vor Tausenden von Jahren irgendein Kaiser, König oder desgleichen Gold als was besonderes eingestuft hat, nach Ratschlägen eines gewievten Marketing-Experten von damals !

    Wie sollten doch lieber Gold als Unkraut bezeichnet. Dies würde uns in Zukunft eine Menge Kriege verschonen ...

    Also, wozu in was investieren, dass völlig nutzlos ist?

  6. J.p.morgan

    Dem ist nichts hinzuzufuegen.

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