Gottesdienst für Gottlose und Christentum für Fortgeschrittene: Das ist Ziel eines Projektes sächsischer Pfarrer. »golife« heißt ihre Methode, zu der auch das Kreuzverhör zählt. Der Pfarrer hat nur eine Minute Zeit, um auf Publikumsfragen zu reagieren. Hier antworteten die »golife«-Theologen Andreas Horn, Christoph Wolgemuth und Albrecht Nollau.

Wieso kommen Christen in den Himmel?

Weil es auf jeden Fall noch mal ein Gespräch darüber geben muss, was Gott sich vorgestellt hatte bei der Geburt jedes Einzelnen. Wo soll dieses Gespräch stattfinden, wenn nicht im Himmel?

Kommen nur Christen in den Himmel?

Das ist Gottes eigene Entscheidung, aber es wäre fatal, wenn wir Christen der Meinung wären, nur wir kämen in den Himmel, andere nicht. Was ist überhaupt ein Christ, und was ist kein Christ!

Ja, was ist ein Christ?

Einer, der gemerkt hat, dass das Leben ein sagenhaftes Geheimnis ist. Und der glaubt, dass es einen gibt, der es lüften wird.

Warum sprechen Christen von einem personifizierten Gott?

Weil eine Person das Schönste ist, was es für uns gibt. Deshalb ist auch der schönste Gedanke, den wir denken können, ein persönlicher Gott.

Muss man an die Auferstehung glauben, um im Diesseits glücklich zu sein?

Nein. Es gibt viele glückliche Menschen, die nicht an die Auferstehung glauben. Aber dass Jesus auferstanden ist, bestätigt all das, was er gesagt und getan hat.

Wie hat der gekreuzigte Jesus in der Höhle überlebt?

Gar nicht. Er war tot. Auferstehung ist etwas Neues. So wie eine Himmelsgeburt. Da braucht Gott den alten Körper nicht unbedingt.

Wie viel Prozent der Kirchenmitglieder glauben noch an die Auferstehung?

Schätzungsweise siebzig Prozent. Aber es gibt auch Nichtmitglieder, die daran glauben.

Wie viel Prozent der deutschen Nicht- Kirchenmitglieder sind Christen?

Bestimmt 20 Prozent. Im Osten vielleicht noch mehr. Die im Himmel werden sich wundern.

Was bedeutet »Aufgefahren in den Himmel«? Gefahren, geflogen oder eher gebeamt?

Gebeamt ist gar nicht so schlecht. Beamen bedeutet ja »strahlen«. Strahlen sind oft unsichtbar, aber trotzdem vorhanden. Wie Jesus. Er strahlt.

Warum hat Gott seinen Sohn nicht vor dem Kreuzestod gerettet?

Gott hat lange überlegt, und es kostete ihn unendliche Überwindung, die Kreuzigung nicht zu verhindern. Aber er erkannte auch, dass er dann alles Schlimme auf Erden verhindern müsste. Und dann hätte seine ganze großartige Idee von einem halbwegs freien Menschen nicht funktioniert.

Nimmt Gott wirklich Einfluss auf die Welt?

Ja. Aber er will, dass wir frei sind und frei entscheiden.

Was soll der einzelne Christ tun, um die irdischen Probleme zu lösen?

Bitte übernehmen Sie sich nicht! Es erwartet niemand von Ihnen, dass Sie die Welt retten. Vor allem Gott nicht. Weltverbesserungsrezepte gibt es viele. Aber wenn Sie etwas wissen, was gut ist, dann setzen Sie es – in Gottes Namen! – in die Tat um. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Was ist Allmacht? Kann Gott einen Stein schaffen, den er nicht heben kann?

Nein, kann er nicht. Denn Gott kann nur, was er will. Und einen solchen Stein braucht er nicht. Der ist sinnlos. Gott will Sinn und keine Macht.

Wie funktioniert Erlösung? Und setzt die Vergebung der Sünden wirklich Reue voraus?

Ja, bei uns Menschen ist das wohl so. Gott hat vermutlich noch ein paar mehr Möglichkeiten, zu vergeben. Jesus sagt: Wenn ihr zu mir Vertrauen habt, dann kommt ihr zu Gott. Darüber entscheiden nicht irgendwelche Menschen oder Gesetze, darüber entscheide ich, Jesus. Das heißt: Macht euch nicht so viele Gedanken, wer in den Himmel kommt. Lasst das mal meine Sorge sein.

Wie entscheidet Gott bei Verbrechern über den Eintritt in den Himmel? Gilt da auch die Regel: »Vor Gott sind alle gleich«?

Hoffnung dürfen sie sicher haben. Ein Verbrecher, der mit Jesus gekreuzigt wurde, bat: »Denk an mich, wenn du im Himmel bist.« Und Jesus antwortete: »Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.«

Wo ist Adolf Hitler heute?

Keine Ahnung. Von der für uns erkennbaren Schuld her ist so ein Leben verloren. Aber aus der biblischen Geschichte von den Arbeitern im Weinberg wissen wir, dass Gottes Gerechtigkeit noch andere Maßstäbe kennt. Wir sollten es also getrost ihm überlassen, wie er das schafft: gerecht und barmherzig zugleich sein.

Warum lässt Gott zu, dass Kinder sterben?

Möglicherweise hat er der irdischen Welt ein solches Maß an Freiheit geschenkt, dass auch das Böse überall wirksam bleibt: in Krieg, Hass, Gewalt, Tod. Doch sterbende Kinder drückt Gott besonders an sein Herz. Nur für uns sind sie tot.

Was heißt »Leben nach dem Tod«?

Das ist eine Metapher. Denn wir Menschen können nur über etwas reden und nachdenken, was in unserem Leben vorkommt. Hier geht es aber um etwas, was nicht im Leben vorkommt, sondern zur Wirklichkeit Gottes gehört. Also ist »Leben nach dem Tod« ein Bild für unsere »Begegnung mit Gott«. Aber auch das ist natürlich nur ein Bild.

Gott ist ewig, das Universum auch. Was ist ewiger?

Das Universum ist nicht ewig, auch wenn uns das so erscheint. Gott schuf das Universum. Er umschließt es auch zeitlich.

Wie entstand Gott?

Dazu waren Menschen nötig. Sie erblickten die Erde und riefen: Das kann sich kein Mensch ausgedacht haben! Das ist so schön und hängt alles so zusammen! So kamen sie Gott auf die Spur. Und Gott dachte: Erwischt!