Das Hausmädchen – ist sehr schön und möchte schauen, was geschehen ist. Ein paar Stunden später, die Nacht ist fast vorbei, die Schicht zu Ende, stehen die beiden Freundinnen nachdenklich vor den mit Kreide gezeichneten Umrissen der Selbstmörderin.

Welch ein seltsam beklemmender und prophetischer Filmbeginn: Eine Handkamera streift durch eine belebte koreanische Großstadtstraße. Immer wieder springt die Perspektive zu einer jungen Frau, die hoch oben am Geländer eines Hauses steht – und schließlich springt. Man hört den Aufprall. Kurze Stille. Sirenen. Dann sehen wir zwei Freundinnen, die in einer Garküche arbeiten. Die eine, Eun-yi, die Heldin des koreanischen Films

Danach vollzieht der Regisseur Im Sang-soo einen abrupten Stilwechsel. Die Bilder werden strenger, die Kamera gibt sich statischer. Wo zuvor buntes Gewusel war, herrschen nun Ordnung und Geometrie. In einem Café führt eine ältere Haushälterin namens Byung-sik ein Gespräch mit der jungen Eun-yi. Die junge Frau wird von einer reichen Familie eingestellt. Sie soll sich um die kleine Tochter des Hauses kümmern, soll der mit Zwillingen schwangeren Ehefrau zur Seite stehen und das Essen zubereiten. Dieses Haus ist ein neureicher Palast aus glänzendem Marmor, ausgestattet mit den Insignien des Reichtums: Schwimmbad, Sauna, Luxusküche, riesiger Kamin, ein Flügel, auf dem der gut aussehende Hausherr Hoon Beethoven spielt. Das Ambiente ist hochelegant und gleichzeitig steril und abweisend. Eun-yi fühlt sich wohl und erledigt ihre Arbeit mit Leichtigkeit. Doch der Hausherr beginnt, das Hausmädchen zu begehren. Eine Affäre nimmt ihren Lauf, die der alten Haushälterin nicht entgeht.


Wie könnte man diesen virtuos komponierten, mit dem Sog eines Horrorfilms erzählten Film beschreiben? Als eine Mischung aus Sozialdrama und Psychothriller? Als koreanisches Gesellschaftsdrama der extremen Art? Jedenfalls nimmt eine so streng wie elegant erzählte Geschichte ihren Lauf, nach und nach offenbaren die Mitglieder der reichen Familie eine fratzenhafte Bösartigkeit.

Sang-soos subtil verstörender Film ist das Remake eines Klassikers der koreanischen Filmgeschichte (Yeo-jong Yun, die Darstellerin der alten Haushälterin, spielte im Original übrigens die junge Heldin). Mit fast satirischer Gnadenlosigkeit zeigt der Regisseur die Macht eines Geldadels, der über dem Gesetz zu stehen scheint, zeichnet die junge Haushälterin jedoch keineswegs als hilflos naives Opfer der Oberschicht. Seine Heldin hat sich ihre Geschichte selbst gesucht; aus Neugier darauf, wie es ist, mit einem reichen Mann zu schlafen, und in der seltsam verträumten Vorstellung, durch diese Affäre zur Familie zu gehören.

Irgendwann begreift Eun-yi, dass sie in den Augen ihrer Herrschaft kein Mensch ist. Ihre Rache wird so klug wie fürchterlich ausfallen.