Kinder lachen 400-mal am Tag. Erwachsene nur 15-mal. In den fünfziger Jahren lachten die Leute insgesamt noch täglich 18 Minuten lang. Heute sechs. So lauten die deprimierenden Ergebnisse der Lachforschung.

Die gibt es tatsächlich, sie hat auch einen ernsthaften Namen: Gelotologie von griechisch gélōs, das Lachen. Philosophen haben sich von jeher den Kopf über jenes eigenartige Phänomen zerbrochen, das die Gesichtszüge entgleisen lässt und von Glucks- und Kreischlauten sowie konvulsivischen Zuckungen des ganzen Körpers begleitet wird. Doch heute beschäftigen sich überall auf der Welt auch Psychologen, Neurowissenschaftler, Soziologen und Mediziner mit Sinn, Zweck und möglichem Zusatznutzen des Lachens. Gelotologie wird seit etwa zwei Jahrzehnten als Disziplin ernst genommen.

Die analytische Betrachtung der vielleicht anarchischsten Regung im Verhaltensrepertoire des Menschen führt zwangsläufig zu paradoxen Befunden. Fünf Thesen über das Lachen im Lichte seiner ernsthaften Beforschung.

THESE 1: Die Anzahl der Lachforscher steht in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Dauer des durchschnittlichen Tagesgelächters.

Warum soll man überhaupt noch lachen? Die Zeiten scheinen hart zu sein, die Zukunft zuweilen trostlos, darf da nicht die Laune zur Lage passen? Nein, ruft die Lachforschung: Lachen ist doch gesund! So fand William Fry schon vor 30 Jahren heraus, dass 20 Sekunden Lachen der Leistung entsprechen, die drei Minuten Rudern oder Joggen uns abverlangen. Bei den das Gelächter begleitenden unwillkürlichen Zuckungen würden mehrere Hundert Muskeln bewegt!

Fry ist der Gründer des Instituts für Humorforschung in Palo Alto, Mitbegründer der International Society for Humor Studies und Ehrenvorsitzender von HumorCare Deutschland . Viele sehen in ihm den ersten Gelotologen, einen Witz hat er auch erfunden: Sagt ein Freund zum anderen: »Manchmal frage ich mich, was schlimmer ist: Ignoranz oder Apathie.« Darauf der andere: »Das weiß ich nicht, und es interessiert mich auch nicht.« Fry lacht selber eine Runde, wenn er sich konzentrieren will (er stimuliert sich mit Comics). Die fürs Lachen typische Hechelatmung versorgt das Hirn nämlich üppig mit Sauerstoff.

Die »beste Medizin« ist aber noch lange nicht gründlich genug untersucht. Ein systematisches Problem besteht darin, dass die Untersuchung der Lachvorgänge im Gehirn den Aufenthalt von Probanden in einer Magnetresonanztomografie-Röhre erfordert. In der Röhre muss man stillhalten. Nur, Lachen und Stillhalten schließen einander aus.

Es finden sich aber doch ein paar Studien, etwa zur Stressreduktion nach Lachen und zur entzündungshemmenden Wirkung. Einer der Pioniere der Lachforschung, Paul McGhee, konnte zeigen, dass Lachende unempfindlicher auf Schmerzen reagieren. Im vergangenen Jahr legte ein kalifornisches Forscherteam um den Neuro-Immunologen Lee Berk Ergebnisse einer Diabetikerstudie vor: Die Betroffenen sahen täglich lustige Filme. Das beeinflusste ihren Stoffwechsel positiv. Und – das liegt ja irgendwie nahe – auch Depressionen werden heute lachtherapeutisch behandelt. Erst recht ist das Lachen in der Prävention angekommen: Lachyoga, Lachseminare, Lachschulen gar – davon gibt es Hunderte hierzulande und Tausende weltweit. Die schon erwähnte deutsch-schweizerische Fachgesellschaft der Humortherapeuten, HumorCare, bedauert ernsthaft(!), dass es Lachen auf Krankenschein in Europa noch nicht gibt; in den USA finde man immerhin schon »Humorberater« an den Krankenhäusern und »Gelächterzimmer«.