Arbeitsmarkt : Begehrt und gefürchtet

Von Mai an können 73 Millionen Osteuropäer hierzulande jede Stelle annehmen. Deutsche bangen um ihre Jobs. Viel mehr müssten sich aber die hier lebenden Zuwanderer sorgen.
Polnische Krankenschwestern demonstrieren 2007 in Warschau für höhere Löhne - ab Mai dürfen sie auch in Deutschland arbeiten ©Janek Skarzynski/AFP/Getty Images

Gewerkschafter warnen schon seit Monaten vor dem Datum. Kolonnen von »Lohndrückern« könnten nach Deutschland kommen, fürchtet der DGB. Mehr »Scheinselbstständige« und »Briefkastenfirmen mit polnischen Löhnen« sieht ver.di-Chef Frank Bsirske voraus. Lohndumping werde zunehmen, klagt Franz-Josef Möllenberg, Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, wenn die Regierung dem nicht »energisch einen Riegel vorschiebt«.

Die Angst gilt dem 1. Mai. Ausgerechnet dem Tag der Arbeit. Der scheint in diesem Jahr zu einem Tag der Furcht zu werden. Denn von diesem Datum an hindert Mittel- und Osteuropäer nichts mehr daran, sich hierzulande einen Job zu suchen. Der größte Arbeitsmarkt Europas, der deutsche, öffnet vollständig seine Tore – für Polen, Tschechen, Esten, Letten, Litauer, Ungarn, Slowenen und Slowaken. Sie traten 2004 der EU bei, jetzt fallen die letzten Übergangsregeln unwiderruflich weg. Rund 73 Millionen Menschen verfügen damit über die gleichen Rechte wie jeder andere EU-Bürger. Eigentlich sollte das ein Grund zur Freude sein, ist es doch der Abschluss einer Entwicklung, die mit der Öffnung des Eisernen Vorhangs vor mehr als 20 Jahren begonnen hat.

Doch nicht nur Gewerkschaftsfunktionäre sehen dem Tag mit Bauchgrimmen entgegen. Einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK zufolge glauben fast 75 Prozent der Deutschen, dass hierzulande Menschen ihre Jobs verlieren, wenn die neuen Konkurrenten aus dem Osten kommen.

Dabei ist gar nicht klar, wie viele Polen, Tschechen oder Balten von Mai an tatsächlich ins Land strömen. Schließlich arbeiten viele Mittel- und Osteuropäer längst hier: legal als Selbstständige, Saisonarbeiter, entsandte Kräfte und Au-pairs. Oder illegal als Schwarzarbeiter . Wenn Deutschland seine Türen nun komplett aufsperrt, vermögen auch Wissenschaftler die Folgen nicht sicher vorherzusagen.

Deutschland und Österreich geben als letzte der alten EU-Staaten ihre Arbeitsmärkte völlig frei. Sie haben die siebenjährige Übergangsfrist voll ausgeschöpft. Deshalb suchten viele Mittel- und Osteuropäer in den vergangenen Jahren ihr Glück in Großbritannien und Irland – fast eine Million Menschen wanderte dorthin aus. Vielleicht kehren einige von ihnen demnächst auf den Kontinent zurück. Denn die Wirtschaftslage auf den Inseln ist desolat, und zumindest in Irland leiden die Einwanderer am meisten darunter. Ihre Arbeitslosenquote liegt in Irland bei mehr als 18 Prozent – gegenüber 12 Prozent bei den Einheimischen.

In Polen selbst, dem mit 38 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten der acht Beitrittsländer, interessiert sich vor allem die westliche Landeshälfte für Jobs bei den Nachbarn. »Mehr als 20 Prozent der Arbeitnehmer dort denken einer Umfrage zufolge über einen Umzug nach Deutschland nach«, berichtet Katarzyna Soszka-Ogrodnik von der deutsch-polnischen Handelskammer. Der Hauptgrund seien die Löhne. Ein Klempner verdiene in Polen umgerechnet etwa 600 Euro im Monat, ein Friseur zwischen 380 und 500 Euro. »Der Durchschnittslohn beträgt nur 900 Euro«, sagt Soszka-Ogrodnik. Zwar sind die Löhne in den vergangenen Jahren stark gestiegen, aber der Złoty hat an Wert verloren – dadurch ist das Einkommensgefälle zum Westen groß geblieben.

Herbert Brücker, einer der renommiertesten Migrationsforscher in Deutschland, erwartet zwischen 100.000 bis 130.000 Einwanderer pro Jahr. Das entspräche jedes Mal einer zusätzlichen Großstadt wie Würzburg oder Schwerin. Die Zahl der hier lebenden Bürger aus den Beitrittsländern würde sich in wenigen Jahren verdreifachen, auf rund 1,5 Millionen. »Das ist spürbar, das wird man merken«, meint der Bamberger Professor. Nach Modellrechnungen des Ökonomen kann der Arbeitsmarkt eine solche Zuwanderung insgesamt gut verkraften. Die Arbeitslosenquote stiege durch die Öffnung maximal um 0,2 Prozentpunkte, die Löhne fielen 0,4 Prozent niedriger aus, das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf wüchse dagegen um zusätzliche 0,2 Prozent – so spuckt es jedenfalls das mathematische Modell aus, das der Volkswirt benutzt.

Das sind keine dramatischen Zahlen, und ihnen zufolge wären die Sorgen der Gewerkschaften völlig übertrieben. Allerdings basieren sie eben nur auf »Szenarien«, wie Brücker sagt. Eine echte Prognose sei seriös nicht möglich. Außerdem handelt es sich nur um Durchschnittswerte für die Gesamtwirtschaft. Die Ostöffnung wird jedoch Gewinner und Verlierer produzieren. Das verraten die Gesamtzahlen nicht.

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Kommentare

177 Kommentare Seite 1 von 17 Kommentieren

Es ist witzig....

....wie wenig ernst wir es immer mit der Solidarität sehen. Aber wieso ist einem Hamburger ein Allgäuer denn näher als dem Frankfurt Oder Deutschen dem Polen? Warum sind wir so eigentümlich, wenn es darum geht die Armen der Welt arm zu belassen, wenn es doch hier bedeuten würde, dass Staatsverschuldung und Inflation gebremst und vielen Mitbürgern den Zugang zu Sozialleistungen ermöglichen würde, von denen sie nun nur träumen dürfen. Warum darf der Staat seine Alten so benachteiligen indem er diese wertvollen Arbeitnehmer ausschließt oder künstlich verteuert?

Der Punkt ist doch der:

In einigen Ländern östlich von Deutschland sind die Lebenserhaltungskosten wesentlich niedriger. Dort reichen dann zB 2 Euro zum guten Überleben aus, hier in Deutschland eben nicht.

Nun kommen die Leute aus diesen Ländern hierher, arbeiten für 3€ und eine mickrige Unterkunft, weil sie davon dann zuhause gut leben können, wenn sie wieder zurückkehren.

Für das Gleiche in Deutschland müsste man aber mindestens 15€ kassieren - trotz exakt gleicher Arbeit.

Das haut einfach nicht hin.

Sicherlich müssen auch andere Länder aufgebaut werden, aber nicht auf diese Weise, zumal die Lohneinsparungen einfach nur in den Gewinnen landen.

Die Armen werden aber so nicht reicher

Im Gegenteil, sie werden zu fast gleichen Löhnen wie in den eigenen Ländern bezahlt.
Die Folgen kann man sich denken; Die Versorgung ist dennoch besser und so werden wir bald hier ein Problem für die einheimischen Einwanderer haben oder diejenigen, die im Niedriglohnbereich arbeiten. Das schädigt uns.

Dafür aber werden die auch nicht reicher, dafür verlieren diese Länder ihre eigenen Arbeitskräfte was sie schädigt.

Im Endeffekt ändert das nichts an der Ungleichverteilung der Welt und da liegt das Problem; Diese wird nur weiter verschoben und im Endeffekt ist es für alle schädlich bis auf die kapitalistische Elite die diese Maßnahmen eingeführt hat.

Warum sind wir so eigentümlich...

"Warum sind wir so eigentümlich..."
DER Witz ist wirklich gut ... ausgerechnet SIE als Streiter für soziale Gerechtigkeit und gegen Armut.

Tatsächlich bedeutet die Öffnung des Arbeitsmarkes natürlich nicht ansatzweise das, wie Sie der Lobbypolitik der Industrie als teuer Vasall folgend, behaupten. Der Zuzug wird keine Lücken in Deutschland schließen, keine Steuerentlastung für den Durchschnittsverdiener bringen und er wird auch nicht Polen als Land mit seinen dort lebenden und arbeitenden Menschen helfen. Wie IMMER bei solchen versprechen wird es nur einen einzigen Profiteur geben: die Industrie selbst, ihre Großaktionäre, Manager und Eigentümer - also einige Wenige, denen bereits jetzt das Meiste in diesem Land gehört ... und ebenso wie immer werden den Preis jene zahlen, die täglich ihrer Arbeit nachgehen, die sich um ihre Jobs sorgen müssen, die von der Willkür der Konzerne abhängig sind - die Durchschnittsbürger.
Die zuwandernden Arbeitskräfte werden keine Ergänzung sein, keine Hilfe - sie werden als Lohndrücker missbraucht, für ein paar Jahre dazu dienen, deutsche Arbeitnehmer in Gehalt, Forderungen und Sicherheit zu drücken und am Ende als nicht mehr benötigte Arbeitslose von eben jenen versorgt werden, deren Einkommen sie zuvor weiter minimiert haben.

Warum sind wir so eigentümlich...

Dabei sollte wir diesen Menschen nicht die Schuld dafür geben - sie sind nur ein Spielball eben jenes antidemokratischen, asozialen Systems, welches von der Industrie des Westens beherrscht wird.

Dabei ist diese Entwicklung unausweichlich wie vorhersehbar und hat sich schon tausendfach zuvor zugetragen. Durch die erzwungene Öffnung von Märkten werden etablierte, funktionierende Strukturen zerschlagen, die Gewinne herausgezogen und die Menschen dann ausgeplündert ihrem Schicksal überlassen. Seit die ersten Frühkapitalisten in den Kolonien damit begannen, wird dieses Geschäftsmodell fortgeführt und hinterlässt zerstörte Landstriche, Millionen Verhungernde und etwa eine Milliarde Notleidende und Arme. Ob es sich um Rohstoffmärkte, Waren- oder Arbeitsmärkte handelt - es ist IMMER das Gleiche. Und das ganze bezahlen wir auch noch mit unseren Steuern als Subventionen.

Erzählen Sie doch bitte....

....keinen Quatsch. Wenn Sie in Polen einkaufen, sind die Preise wie hier. Die leben doch auch in der EU. So sind lediglich Non-Tradables weniger teuer. Davon sind die zwei wichtigsten Arbeit und Wohnen. Wenn Sie aber wohnen wollen wie hier, zahlen Sie auch fast das gleiche. Der Unterschied ist, dass die Menschen dort mit weniger auskommen, weil sie weniger verdienen. Warum also wollen Sie sie daran hindern mehr zu verdienen? Was berechtigt Sie die Lebensqualität sehr vieler pflegebedürftiger Deutscher durch ein schlecht begründetes Gefühl des eigenen Interesses auf ein jämmerliches Niveau zu begrenzen?

Das ist finde ich ziemlich unsolidarisch und grenzt an Unmenschlichkeit.

Hochgradig perfide

Was Sie machen, ist schlichtweg unanständig. Sie spielen eine Gruppe gegen eine andere aus. In diesem Fall die deutsche Pflegekraft - die schlechter gestellt wird - gegenüber dem deutschen Patienten, dem es durch die Zuwanderung osteuropäischer Kräfte besser gehen soll.

Ihre Argumentation ist wirklich bemerkenswert, etwas Neues, das ich so noch nicht kannte. Ich bin wirklich verblüfft. Bislang kannte man nur die Abstraktion ohne nähere Beschreibung, also die Rechtfertigung sozialer Kahlschläge mit dem Argument, es gäbe dazu "keine Alternative" oder es wäre "gut für die Wirtschaft".
Sie gehen noch einen Schritt weiter, wobei Ihnen aber zugestanden werden muss, dass Sie ehrlicher sind, weil Sie den Blick in die Realität nicht scheuen.
Trotzdem ist ihr Argument logisch nicht stichhaltig. Das wäre es, wenn es im Zuge der Arbeitsmigration MEHR Pflegekräfte geben würde - was aber nicht der Fall ist! Wie Sie wissen, gibt es in der Pflege ein Schlüsselsystem, wonach die Personalstärke berechnet wird. KEINE EINZIGE (!) Pflegekraft wird ZUSÄTZLICH eingestellt, wenn deutsche Kräfte durch ausländische ersetzt werden. Wo liegt der Vorteil für die Patienten??? Nichts gegen polnische Krankenschwestern, aber das theoretische und praktische Ausbildungsniveau deutscher Pflegekräfte ist in den letzten Jahrzehnten ganz enorm gestiegen. Nicht zu vergessen das Beherrschen der Sprache, die im Umgang mit Patienten wichtig ist, um sein körperliches UND psychisches Wohlbefinden einzuschätzen.

Es ist immer recht schwer....

....mit Ihnen zu diskutieren, weil Sie die Grundlagen der VWL nicht kennen. So will ich Ihnen nicht erklären, wieso sie in den komplizierteren Zusammenhängen wie Steuern oder Rentenkassen usw vollständig irren. Aber "Der Zuzug wird keine Lücken in Deutschland schließen..." ist so leicht erkennbar falsch, dass Sie es vielleicht begreifen, wenn ich auch nicht erwarten würde, dass Sie das zugäben.

Stellen Sie sich vor, jemand wird schwer krank. Er braucht Pflege und Unterstützung im Haushalt. Solche Fälle kenne ich einige. Sie verstehen, die Person hat nicht richtig viel Geld. Nur 2.500 oder so Euro. Eine Aushilfe und Pfleger ist da nicht erhältlich, da ja die anderen Kosten mehr oder minder weiter laufen. Für 550 Euro wäre aber eine ausgebildete Kraft aus bspw Rumänien bereit ganztags einzuspringen. Das könnte der Kranke zahlen. Sie darf nur nicht. So liegt der Kranke schlecht gepflegt und immobil da. Das habe ich ein paar Male gesehen.
Die Kraft wird nicht eingestellt würde aber die Pflegelücke füllen, wenn sie zuziehen dürfte. Haben Sie nun verstanden? Ihre Behauptung ist falsifiziert. So könnte man auch Ihre allgemeineren Behauptungen erledigen, aber dazu wäre es notwendig allgemeiner zu argumentieren und das wollen Sie dann doch nicht.

Ich glaube, Sie verkennen das Problem...

Und was kommt als nächstes? Irgendwann machts jemand für 400, dann für 300...wo ist da die Grenze? Das hat nichts mit VWL zu tun...

Wenn man sein ganzes Leben in die Sozialkasse eingezahlt hat, dann hat der Staat auch die verdammte Aufgabe, sich darum zu kümmern.

Was Sie hier beschreiben ist schlichtweg Lohndumping. Das der Pflegebedürftige sich nicht mehr leisten kann ist sicherlich traurig, aber die Ursache liegt wo anders.

Vor allem: Dann wird kein Deutscher mehr diesen Beruf erlernen. Wer tut sich die Ausbildung und die psychische wie physische Belastung für 500 Euro im Monat an? Würden Sie für 500 Euro im Monat diesen Job machen?

Kokolores

Sorry, Herr Volksökonom, aber ihr Beispiel (Haushaltshilfe) ist Quatsch:

1. Pflegekräfte aus dem Ausland für den häuslichen Bereich gibt es bereits jede Menge - und legal.

2. Ob es sinnvoll ist, dass es o.a. Haushaltshilfen gibt, ist fraglich. Es hat auch negative Auswirkungen auf den heimischen Pflegemarkt, z.B. mobile Einrichtungen.

3. Wenn man glaubt, dass man diese Haushalts-Pflegekräfte braucht, kann man Gesetze machen, um diesen Teilbereich auszudehnen. Man muss nicht gleich den gesamten Arbeitsmarkt über einen Kamm scheren.

4. Wir reden hier die ganze Zeit nur über "Pflegekräfte" (mea culpa). Dabei ist nicht nur der Pflegebereich betroffen, sondern mit Ausnahme etwa von Polizisten oder Beamten jede Form von Arbeit. Die Pflege wird ständig vorgeschoben, um die Massnahmen schmackhafter zu machen. Eine primitive und heuchlerische Appelation an das Mitgefühl.

5. Ständig werden falsche Behauptungen aufgestellt, die nicht hinterfragt werden. Dazu gehört Rudzois Behauptung, working poor ginge es besser als ohne Arbeit. Wie man beides vermeiden kann, darüber denkt er gar nicht erst nach!
Oder die Behauptung, Zuwanderung sei ein Gewinn für das Gastland. Wer soll hier als Vorbild dienen? Etwa England, das - liest man die Beiträge - nur aus London zu bestehen scheint, in dem paradiesische Zustände herrschen, weil Pakis und Polen Taxi fahren? Oder Frankreich? Oder unsere eigene Zuwanderungsgeschichte? Oder die Hugenotten vor 300 Jahren, als es noch kein Sozialsystem gab???

Die Grundlagen der VWL

"Es ist immer recht schwer mit Ihnen zu diskutieren, weil Sie die Grundlagen der VWL nicht kennen. So will ich Ihnen nicht erklären, wieso sie in den komplizierteren Zusammenhängen wie Steuern oder Rentenkassen usw vollständig irren."
Naja - das kennen wir ja schon. Wer nicht Ihrer Meinung ist, ist dumm, erkennt Zusammenhänge nicht, fehlt das 'nötige' Wissen ... es ist doch nun wirklich schon LANGE Ihr EINZIGES Argument, sich auf angebliches, nie bewiesenes VWL-Wissen zu berufen. Erheiternder Weise folgen nicht etwa Sie den Grundlagen der VWL, sondern wie durch Zauberhand passen sich diese immer Ihren kruden Behauptungen an. Doch selbst wenn das nicht so wäre, ist der Gültigkeitsanspruch der heutigen VWL längst durch die Wirklichkeit ad absurdum überführt (was nicht verwunderlich ist, da sie ohnehin nie bewiesen wurden). Zahllose Berichte in den Medien - oft sogar den Untersuchungen von VWL-Experten selbst folgend - haben mehr als deutlich belegt, dass die heutige VWL im Grunde eine Art Gehirnwäsche der Industrie ist, welche zukünftige Entscheidungsträger auf die antidemokratische, menschenfeindliche Haltung der Industrie trimmt. Mit Wissenschaft und Fakten hat das wenig zu tun ... das Wirken hingegen ist in einer zunehmenden Raubtierkapitalismus-Mentalität allerorts zu beobachten.
So bleibt im Grunde als nur die Frage: Wissen Sie es einfach nicht besser oder leugnen und manipulieren Sie bewusst? Bemerkenswerter Weise sind SIE wirklich der Letzte, der das beantworten könnte.

Die Grundlagen der VWL

Kommen wir also zu Ihrem kleinen Beispiel. Da gibt es also einen Pflegepatienten, dem das Geld für eine Hilfskraft fehlt. Diese Fälle gibt es wirklich, auch wenn Sie natürlich solche Menschen nicht kennen. Doch welches Problem offenbart sich? Tatsächlich das der fehlenden Hilfskraft, die sich der Patient leisten kann? Nein - es ist die Frage, WARUM sich der Patient keine Hilfskraft leisten kann. Und die Frage ist durchaus beantwortbar. Seit etwa 20 Jahren drücken die Konzerne in Deutschland massiv die Löhne, während sie immer mehr Gewinne einstecken. Den Menschen geht es immer schlechter, ihre Lohnentwicklung ist rückläufig, das Armutsrisiko steigt kontinuierlich, die soziale Schere öffnet sich jedes Jahr weiter und eine Chancengleichheit beim Aufstieg gibt es nirgendwo weniger als in Deutschland (und bitte ersparen Sie allen Lesern, das Gegenteil zu behaupten und auf das momentan etwas günstigere Binnenkonsumklima zu verweisen. Es mag etwas höher sein als in den letzten Jahren, ist aber im Vergleich zur Entwicklung der vergangenen 20 Jahre derart lächerlich niedrig, das es nicht einmal der Erwähnung lohnt. Außerdem folgen wir auch hier dem amerikanischen Vorbild der Überschuldung und der zurückgehenden Eigenvorsorge im Bereich Alterssicherung)

Theoretisierei

Dann erkläre ich Ihnen einmal eine Rechnung:
Würde man z.B. Pflegekräfte vernünftig bezahlen und auch die 20% der prekären Arbeitnehmer dann hätte man die hiesige Refinanzierungsproblematik der Gesundheitskasse nicht. Würde man menschenwürdige Arbeitsbedingungen wieder einführen dann würde es kein Pflegeproblem geben weil dann nicht mehr beide Arbeitnehmer arbeiten müssten um sich selbst zu versorgen.

Denn das ist die traurige Wahrheit hinter der ganzen Problematik. Arbeitnehmer verlangt mehr Stunden für weniger Lohn, dafür ist die Familienplanung hinten angestellt.

Das aber ist wiederum schlecht für die sogenannte demographische Entwicklung.
Und jeder Geringverdiener liegt dem Staat auf der Tasche, das darf man nicht vergessen. Er zahlt kaum in die Kassen ein und belastet die Systeme zusätzlich.

Aber anstatt dass man nun die Gelegenheit beim Schopfe packt und entgültig vernünftige Löhne und Arbeitsbedingungen einführt schreien die Unternehmen nur nach "Fachkräftemangel!" (In Wahrheit sind es lediglich Fachkräfte die sich nicht übers Ohr hauen lassen und als Tagelöhner arbeiten wollen!)

Und da der Staat ja so ein lieber hilfsbedürftiger netter naiver Junge ist macht er bei dem ganzen Zirkus ja mit.

Die Grundlagen der VWL

Die mit aller Macht betriebene Lohndrückerei betreibt die Wirtschaft schließlich schon eine Weile. Zu was würde also Ihr kleines Beispiel führen? Vielleicht findet sich eine Hilfskraft für Rumänien für 550 Euro. Und sie wird nicht die Einzige sein, die sich findet. In der Folge werden erst die Pflegeeinrichtungen und dann alle Branchen folgend deutsche Kräfte entlassen und durch Rumänen ersetzen. Von sozialer Not und dem Druck des Arbeitsamtes folgend werden die deutschen Arbeitskräfte dann ebenfalls zu ähnlichen Löhnen arbeiten müssen und die nächste Rentnergeneration wird sich dann nicht nur manchmal keine Pflegekraft leisten können, sondern ganz gewiss nicht.
Aber - für Sie zur Beruhigung - die Managereinkommen und die Unternehmensgewinne werden selbstverständlich weiter steigen.

Die Gewinne der Konzerne

Und die allein profitieren ja von der EU - können noch immer in Irland /Luxemburg /Liechtenstein ganz billig versteuert werden. Das ist ja die Kruz dieser Geldschieberei - extteme Ausnutzung des Preis-/Steuergefälles zu Lasten aller, vor allem zu Lasten der Hochpreisländer wie Deutschland.

Perfekt wurde dieser Coup mit der Agenda 2010 -> Niedrige Löhne bis hin zu Billigstlöhnen - aber immer steigende Preise

@ 3. Antwort auf- Es ist witzig

Nicht witzig ist, dass diese Millionen armen Menschen hier her kommen um etwas mehr zu verdienen. Es ist verständlich, jeder gönnt es ihnen,
das ist auch Solidarität.
Aber, dass diese Menschen schon mit weniger Lohn glücklich sind
ist auch klar. Aus diesem Grunde werden die Löhne hier massiv durch
Billiglöhne unterwandert. Wem hilft das wirklich?
Die Schuld liegt an der EU, solange keine wirtschaftliche
Gleichheit erreicht ist, darf man solche Marktöffnungen nicht
dulden. Wenn man zur Klasse der großen Arbeitgeber gehört, dann ist das natürlich willkommen. Was die Einzahlungen für Sozial-und Renten-
kassen bringt mit Billiglöhnen kann jeder Grundschüler begreifen.

"Was Sie machen, ist schlichtweg unanständig. Sie spielen ....

.... eine Gruppe gegen eine andere aus. In diesem Fall die deutsche Pflegekraft - die schlechter gestellt wird - gegenüber dem deutschen Patienten, dem es durch die Zuwanderung osteuropäischer Kräfte besser gehen soll."

Ich bin nur der Bote und beschreibe die Wirklichkeit. Wenn Sie meinen, das wäre perfide, so ist kann ich nur sagen, dass ich es als perfide ansehe, die Wirklichkeit selektiv zu betrachten und damit das Leiden einer Ihren Interessen abträglichen Gruppe zu verschweigen, um Ihre Meinung zu propagieren.

Also gut. Ich schildere Ihnen....

....den Fall. Schwiegermutter eines Freundes wird terminal Krank. 6-12 Monate Erwartung. Sie wohnt in einem Haus und kann sich kaum bewegen; braucht normale und medizinische Pflege. Angebot aus Rumänien: Euro 450 +Wohnung +Verpflegung im Monat und das Haus wird sauber gehalten und die Pflege gemacht von einer 50 jährigen Dame mit ärztlicher Promotion. Sprach Deutsch. Das hätte die Patientin bezahlen können.

Verboten.

ersetzt obere zu frühe Eingabe

"Aber anstatt dass man nun die Gelegenheit beim Schopfe packt und entgültig vernünftige Löhne und Arbeitsbedingungen einführt ...."

Da tut sich der Mangel an Analyse auf, der so viele Meinungen in technischen Fragen durchzieht. Man kann keine "endgültig vernünftige Löhne" machen. Das Konzept widerspricht jeder wirtschaftlichen Vernunft, Theorie und Empirie. Dennoch sterben die Forderungen nach der Utopie nicht aus. Das schlimmste ist, dass viele Leute auch noch Leute wählen, die ihnen vormachen, solcher Unsinn wäre möglich in einem real existierenden Sozialstaat.

@ joG # 160

"....Man kann keine "endgültig vernünftige Löhne" machen......"
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Aber man kann eine Untergrenze ´machen´, bei der ein vernünftiger Lohn beginnt; und insbesondere vor Unternehmen schützt, deren einzige wirtschaftliche Überlebensfähigkeit und Gewinn darauf basiert, daß sie Löhne unterhalb der Existenzsicherung zahlen, oder als Zwischenwirte agieren.

Das schlimmste ist, dass viele Leute auch noch ... wählen

"Das Konzept widerspricht jeder wirtschaftlichen Vernunft, Theorie und Empirie. Dennoch sterben die Forderungen nach der Utopie nicht aus."
Diese Notwendigkeit widerspricht keineswegs der Vernunft - tatsächlich wird es sogar von ihr diktiert - sondern nur IHREN Interessen und Wünschen, die denen jener Wirtschaftsclique folgen, die in zunehmendem Maße versuchen, die Macht an sich zu reißen und die Menschen zur Niedrigstlohnsklaverei herabzuwürdigen. Gerade die Amerikaner als Gegenbeispiel zu benennen, macht Ihre Behauptung gänzlich zu Farce. Deren Wirtschaft ist beständig im Abstieg begriffen, das Land sozial zerrissen, welches sie mit Kriegen und unzähligen Toten zu übertünchen versuchen und inzwischen gibt es Gebiete in den USA, die sich nur mit den Slums und Elendsregionen der Dritten Welt vergleichen lassen.

"Das schlimmste ist, dass viele Leute auch noch Leute wählen, die ihnen vormachen, solcher Unsinn wäre möglich in einem real existierenden Sozialstaat."
Man glaubt Ihnen sofort, dass sie allen, die nicht Ihrer Manchesterkapitalismus-Mentalität folgen wollen, nur zu gern das Wahlrecht aberkennen möchten oder es zumindest als Bedrohung ansehen. Diese Intention folgt genau dem Bestreben der Wirtschaft zur Entdemokratisierung unseres Landes.

Die Träume des Kleinbürgers vom feudalen Leben

Interessant, wie Sie sich in Ihrem elitären Denken selbst entlarven. Sie sorgen sich also um die "arme" pflegebedürftige Person, die "nur" 2.500 Euro (Netto?) im Monat zur Verfügung hat. Einmal abgesehen davon, dass es immer tragisch und traurig ist, wenn jemand pflegebürftig wird - sorgen Sie sich auch um all die anderen, die viel weniger zur Verfügung haben als jene 2.500 Euro? Sagen wir mal 1.500, 1000, noch weniger Euro? Und derer gibt es weitaus mehr.

Was wird wohl Ihre für 550 Euro monatlich ganztags(!) arbeitende bzw. bereit stehen müssende Pflegekraft einmal zur Verfügung haben, wenn sie selbst pflegebedürftig werden sollte? Wird sie dann auch diese 550 Euro monatlich aufbringen können? Mitnichten, würde ich mal sagen. Für sie, die ausgebeutete Pflegekraft, wird es das nicht geben. Sie wird dann wohl in ein Armen-Pflegeheim abgeschoben werden. Es werden wiederum nicht diejenigen profitieren, die sich heute schon um ein paar Euro für andere den Buckel krumm machen müssen.

Ähnlich wird es dann mit Sicherheit auch bei Haushaltshilfen für die halbwegs betuchte Herrschaft aus dem Kleinbürgertum (mitnichten alle pflegebedürftig!) funktionieren: ganztags und für'n Appel und 'n Ei. Und bei einem "Einspringen" wird es dann wohl auch nicht bleiben. Schließlich möchte man auf Dauer die Vorzüge feudalen Lebensstils genießen. Es lebe die Feudalherrschaft!

Mit einer funktionierenden Volkswirtschaft und Teilhabe aller haben Ihre Vorstellungen jedenfalls nichts gemein.

Gruß
Janna

machen wir es den finnen nach..

...was für ein wahnsinn - da gab es mal grade anzeichen dafür, dass arbeitnehmer wieder begehrter wurden. und nun haben die firmen 73millionen billigarbeiter, die für 5 euro die stunde arbeiten werden.
wann ist endlich schluß mit den aufgedrückten vorstellungen einiger weniger!!!

Willkommen im lustigen EU-Migrantenstadl!

Unternehmen freuen sich indes nicht nur auf neue Fachkräfte, sondern vor allem darauf, dass es b i l l i g e Kräfte sind.

Ob die aus dem Osten oder woher auch immer kommen, ist den Profiteuren letztlich egal.

Dritte jedenfalls müssen bei alledem nicht nur um ihren Job bangen, sondern auch mit weiterem weiterem Lohn-Dumping in der Pflege-Branche rechnen.

Globalisierung macht's möglich.