China und USASchachpartie auf dem Meer

Das große Kräftemessen unserer Zeit findet in Asien statt: Amerika und China streiten um die Vorherrschaft im Pazifik. von 

USS Kitty Hawk

Der amerikanische Flugzeugträger USS Kitty Hawk im April 2008 vor Hongkong, der erste Besuch eines US-Kriegsschiffes seit der Übergabe der Stadt an Peking  |  © MN Chan/Getty Images

Washington/Tokyo - Anfang dieses Jahres empfing Chinas Staatspräsident Hu Jintao in Peking den amerikanischen Verteidigungsminister Robert Gates . Drei Jahre lang hatte Gates einen Bogen um China gemacht. Jetzt sollten die militärischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern wieder verbessert werden. Eine Woche später würde US-Präsident Barack Obama in Washington mit seinem chinesischen Amtskollegen zusammentreffen.

Hu möchte, dass der Gipfel ein Erfolg wird. Aber wollen seine Generale das auch? Nur Stunden, bevor sich Gates und Hu in Peking die Hand geben, steigt von einem Luftwaffenstützpunkt im zentralchinesischen Chengdu unter Höllenlärm ein geheimnisumwitterter Militärjet in den Himmel. Chinas neuer Tarnkappenbomber J-20, dem amerikanischen Stealth-Flieger F-22 Raptor nachempfunden, unternimmt seinen ersten Testflug.

Anzeige

Gates fühlt sich düpiert. Warum diese Demonstration militärischer Macht ausgerechnet während seines Besuches? Hu Jintao scheint selbst überrascht. Er habe, sagt er seinem Besucher, von dem bevorstehenden Testflug nichts gewusst.

Strategische Rivalen
Klicken Sie bitte auf das Bild, um die Grafik zu öffnen

Klicken Sie bitte auf das Bild, um die Grafik zu öffnen  |  © DIE ZEIT Grafik

Ist das glaubhaft? Weiß der oberste Befehlshaber der chinesischen Streitkräfte nicht, was seine Armee treibt? Das Verhältnis zwischen Hu und dem Militär ist nicht eng, kein KP-Chef hat in der Armee wohl je so wenig Autorität genossen wie er. Und doch: Sollten die Generale ihn wirklich über den Testflug in Unkenntnis gelassen haben, wäre dies ein beängstigender Beleg für die These, Chinas Militärs nähmen sich immer größere Freiheiten heraus.

Tatsächlich scheint die Volksbefreiungsarmee ihre eigenen außenpolitischen Vorstellungen zu haben. »Das Militär hat eine größere Autonomie«, sagt der frühere amerikanische Sicherheitsberater Brent Scowcroft. Und weil in der Armee die Zahl der Falken groß ist, im Außenministerium dagegen die Zahl der Tauben, wird in Peking hinter den Kulissen heftiger gestritten, als man dies von einer Einparteienherrschaft erwarten könnte. Eines aber ist klar: Die beiden vergangenen Jahre gehörten den Falken.

Im westlichen Pazifik hat ein neues strategisches Ringen begonnen. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt stehen einander in unverhüllter Rivalität gegenüber. Zwischen China und Amerika wird über die Vorherrschaft in der Region entschieden und damit auch über die Frage, wer die Welt des 21. Jahrhunderts prägen wird – mit seiner Macht, mit seinem Geld und mit seinen Werten.

Als Barack Obama im vergangenen Herbst auf seiner Asienreise demonstrativ China umrundete und in Indien, Indonesien, Südkorea und Japan Station machte, sprach der aus Indien stammende amerikanische Publizist Fareed Zakaria von »Amerikas Eröffnungszug in einem neuen Großmachtspiel, das sich gerade in Asien entfaltet«.

Neben den beiden Giganten sind auch die anderen Mächte der Region an diesem strategischen Ringen beteiligt. Russland, Japan, Südkorea, Australien, Indien oder die südostasiatischen Länder sind dabei alles andere als Komparsen. Sie reden bei der Zukunft der dynamischsten Wachstumsregion der Welt ein gewichtiges Wort mit. Nur die Europäer bleiben außen vor. Auch für sie steht wirtschaftlich viel auf dem Spiel; strategisch aber spielen sie keine Rolle.

Wer hat am Pazifik künftig das Sagen? Die Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 hat den Machtanspruch der Vereinigten Staaten erschüttert. China dagegen ist aus der Krise gestärkt hervorgegangen. Entsprechend selbstbewusst – manche sagen: anmaßend – tritt es auf.

Leserkommentare
  1. Um sich in China besser hineinversetzen zu können, hilft vielleicht ein Vergleich:

    Dass das China vorgelagerte Taiwan dem chinesischen Mittelland entzogen und zum Westen gehört, ist für die Chinesen vielleicht eine ähnliche Kränkung wie für die USA, dass Cuba, das vor der amerikanischen Haustür liegt, zum kommunistishen Machtbereich gehörte: Eine Kränkung, die die USA wohl erst heute so langsam überwinden.

  2. Ein regional expansives China ist eine existentielle Bedrohung fuer Taiwan, Korea, vielleicht auch Japan und die Philipinen, aber ganz gewiss noch nicht fuer Deutschland.

    Anders ist schon das globale Machtstreben der Chinesen zu bewerten. Mit Flotten von Flugzeugtraegern duerfte das Reich der Mitte schon bald versuchen militaerisch seine Rohstoffversorgung abzusichern. Beim Kampf gegen Piraten haben wir noch die gleichen Interessen. Bei der Konkurrenz um Rohstoffe, insbesondere Oel, schon nicht mehr und dort koennte China der EU schon bald haushoch ueberlegen sein.

    Ein Grund mehr, die Energiewende in Deutschland schleunigst herbeizufuehren. Die Anstrengungen unserer Bundesregierung sollten strategisch darauf hinzielen autarke Energieversorgung zu erreichen und Elektro-, Hybrid-, Gas- und Wasserstoff betriebenen Verkehrsmitteln zum Standard zu machen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 25. April 2011 13:22 Uhr

    ....der mit R2P eingeleiteten Reformen der UNO. Es ist eines von vielen Beispielen, die uns zeigen, dass eine multipolare Welt wenig wünschenswert ist und ist lediglich ein Einzelfall von vielen, die wir beobachten werden, bis ein Großer Krieg ausbricht, sollten wir an der Internalisierung der Sicherheit auf Supranationaler Ebene scheitern.

    Re.Chinas Expansionskurs beruehrt auch Deutschlands Interessen

    Bitte nicht schon wieder Deutschland wird nicht nur am Hindukusch verteidigt sondern auch an der chinesischen Mauer.
    Solange es eine verbrecherische Militärmaschinerie gibt wie die amerikanische, ist jedes Mittel zur Selbstverteidigung gerechtfertigt.
    M.f.G

  3. der Währungsreform in den USA ausbrechen. Der starke schwer beweaffnete kleine Mann kann dem Großen, verhältnismäßig Unbewaffneten, der ihm sein Spielzeug wegnimt, nur dann etwas entgegensetzen, wenn er seine Schulden bei diesem los ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 25. April 2011 13:37 Uhr

    ....dass die relative Verschiebung des Wohlstands zu ausgeglicheneren militärischen Stärke führt. Dennoch ist wohl anzunehmen, dass die USA auf zwei Jahrzehnte unangreifbar bleibt.

    Sie wird allerdings die internationale Sicherheit von der wir leben nicht so lange alleine aufrecht erhalten können. Die Nische solcher Sicherheit wird verschwinden und die Kosten internationalen Handels wesentlich anheben. Es werden Konfrontationen zwischen Nationalstaaten und Koalitionen derer zunehmen. Die Dynamik des so beschaffenen "Spiels" ist grauenhaft in ihrer Konsequenz, führt sie doch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einem Weltkrieg in diesem Jahrhundert.

    Das hatten die Amis bis Mitte der 1990er Jahre dlJ begriffen. Daher auch ihre Anstrengungen die UNO zum Garanten robuster und allgemeiner Sicherheit auszubauen. Dem galt auch Annans Bemühungen und die Einführung der neuen Rechtsnorm des Schutzes des Individuum statt alleine des Nationalstaats.

    Wenn wir diesen vorgelegten Weg nicht erfolgreich beschreiten, ist die Aussicht für unsere Kinder wenig nachhaltig. Das wird zwar erheblich größere Verantwortung für Länder wie Brasilien oder Deutschland einfordern mit entsprechend häufigeren Einsätzen und höheren Kosten im militärischen Bereich bedeuten, aber das scheint wesentlich billiger als die Alternative.

  4. »Die Chinesen zeigen jetzt ihr wahres Gesicht.« Und dies sei das Gesicht eines egoistischen, kalt den eigenen Vorteil kalkulierenden Landes. Shambaugh: »Sie kümmern sich nicht um die Normen der globalen internationalen Ordnung.«

    Ach, wie froh bin ich doch, dass unsere amerikanischen Verbündeten da so ganz anders sind, sich von der reinen Humanität leiten lassen und Kriegsverbrecher aus den eigenen Reihen bereitwillig nach Den Haag überstellen.

    Möchte uns irgendjemand hier weismachen, dass es irgendeinen Staat gäbe, der anders als "egoistisch, kalt den eigenen Vorteil kalkulierend" sei? Oder, dass irgendein Staat sich aus anderen Gründen außer aus Vorteilsdenken "um die Normen der globalen internationalen Ordnung" schere?

    Etwas mehr Analyse der chinesischen Langzeitstrategie anstelle von moralinsaurer Entrüstung wäre mir lieb gewesen. WIESO sind gewisse Dinge chinesische "Kerninteressen"? Was ist bekannt über die längeren Pläne Chinas im indopazifischen Raum? Denn solche Pläne MUSS es geben. Die USA investieren in ihr Militär, um die eigenen Rednecks bei Laune zu halten; China - das Land von Sun Tzu - gibt keinen Yuan aus, ohne Vorstellungen von der Rendite zu haben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es macht einen erheblichen Unterschied, welchen Werten eine Gesellschaft verpflichtet ist, welche Rücksichtnahmen im Inland genommen werden müssen und worauf der Machtanspruch beruht.
    Natürlich sind die Gesetze der Macht überall gleich brutal.
    Daraus aber eine Gleichsetzung zu machen negiert die westlichen staatlichen Errungenschaften und ist nur durch eine dumme Wohlstandsarroganz zu erklären, der die Bedeutung der Unterschiede abhanden gekommen ist.
    In China dürfen sie nicht derart opponieren, deren Staatsmacht tolleriert ihre Meinung nicht und somit auch keine Kritik bei falschem Handeln.
    Es gibt gute Gründe Amerika zu kritisieren, das ist bei einer Supermacht auch nicht überraschend. Denn Macht ist auch immer Versuchung.
    Diese Probleme aber mit den möglichen chinesischen Problemen gleichzusetzen, deren nationale imperialistische Kultur noch nicht gebrochen ist, ist nicht besonders überlegt.

    Ich halte es für sehr arrogant, neben der berechtigten Kritk gegenüber amerikanischem Versagen gleich die Amerikaner auf eine Stufe mit China zu stellen.
    Das heisst nur das Kind mit dem Bade ausszuschütten.

    Wir hoffen alle, das der Fortschrittsprozess China in absehbarer Zeit dahin bringt. Doch die großen Spannungen und der nationale Stolz Chinas sind da aber erhebliche Risiken. Gelingt es China diese schwächen zu überwinden, wäre es zu begrüßen, dass es einen Machtblock gibt, der die Amerikaner in ihre Schrsnken weisen könnte. Bis dahin ist es allerdings noch ein sehr weiter Weg.

    • M.R.K
    • 25. April 2011 16:35 Uhr

    Wenn Sie davon ausgehen, dass grundsätzlich alle Staaten egoistisch sind, und kalt nur ihren eigenen Vorteil kalkulieren, dann sprechen sie offensichlich vor allem von Ihrer eigenen Einstellung. Der Mensch geht in der Regel davon aus, dass die anderen Menschen vor allem so funktionieren wie man selbst. D.h. ein egoistischer Mensch kann sich nicht vorstellen, dass es irgendwo puren Uneigennutz gibt. Ein altruistisch eingestellter Mensch, kann sich schwer vorstellen, dass woanders Menschen wirklich nur vom Egoismus geleitet sind.

    Artikel angefangen zu lesen. Mich dann über komischen Tonfall gewundert. Nach oben gescrollt, Verdacht bestätigt: Aha, noch ein Artikel von Herrn Naß.

    Dann habe ich auch gar nicht mehr weitergelesen.

  5. bedeutet, dass etwas wahr ist. Ich glaube nichts, was ich nicht selbst gesehen oder nachgeprüft habe. Das gilt insbesondere für Medienberichte. Ich warte ab und lasse mich überraschen, was dann tatsächlich passiert.

    An ihren Taten sollt ihr sie erkennen, ist hier die einzige Wahrheit alles andere kann [sic!] Propaganda sein.

    C

  6. Lasst doch diese wahnwitzigen Machthaber aus Amerika und China und Korea und Iran und Indien und wo sonst noch her einfach mal ihren Streit um die Vorherrschaft im Sandkasten ausspielen.
    .
    Dieses inbfantile Gehabe der Machthaber geht einem langsam aber sicher auf den Wecker!
    .
    Wann gibt es endlich mal eine positive Nachricht? Oder zählt das auch bei der ZEIT nicht (mehr)?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dieses infantile Gehabe der Machthaber geht einem langsam aber sicher auf den Wecker!

    • kai1
    • 16. Juni 2011 8:09 Uhr

    Die Sicht, aus der Sie schreiben, ist so ganz die Sicht des altersabgeklärten "Alten Europa", das aus purer Schwäche keine "infantilen Machtspiele" mehr betreiben kann (wie sich jetzt wieder einmal bei der kläglichen Vorstellung seiner zwei "Mächte" Großbritannien und Frankreich im Libyenkonflikt zeigt). Es ist auch die Sicht eines sich moralisch überlegen wähnenden Kontinents gegenüber den Rabauken USA und VR China (Indien, Iran, Nordkorea und...und...und). Betrachtet man die letzten 100 Jahre europäischer Geschichte mit ihrer (nicht nur aber besonders) durch Deutschland betriebenen hochrisikoreichen Vabanque-Politik, so müsste man Ihnen zustimmen. Dennoch ist Ihr Ansatz (lasst sie doch machen, beschränken wir uns auf uns selbst) hochgefährlich, verlangt er doch, dass sich Europa letztlich mit allen Konsequenzen von der internationalen Bühne verabschiedet, in einer globalen Welt mittel- und langfristig die Anleitung zum Selbstmord. Selbst wenn die energiepolitische Unabhängigkeit durch alternative Energieformen gelänge (was nahezu ausgeschlossen ist), so konnte sich Europa nicht von den globalen Handelsströmen abschotten, ohne seinen Wohlstand aufs Spiel zu setzen. Diese Interessen am globalen Handel zwingen den Kontinent aber dazu, seine Handelsinteressen machtpolitisch (und das heißt - entgegen den Blütenträumen der Friedensdeutschen - auch militärisch) zu unterfüttern und abzusichern. Dabei geht es um Machtpolitik mit Augenmaß, nicht um machtpolitische Abstinenz.

  7. Dieses infantile Gehabe der Machthaber geht einem langsam aber sicher auf den Wecker!

    Antwort auf "Machtspiele"
  8. so wäre dann sind die USA schon lange aggressiv.
    Mit über 700 Militärstützpunkten bedrohen sie jedes Land, das nicht als Vasall funktioniert.
    In den 60ger Jahren als die Sowjetunion in Kuba Raketen aufstellen wollte haben die USA mit einem Krieg gedroht.
    Die USA finden es aber selbstverständlich überall Ihre Raketen zu stationieren.
    Weiterhin zum Thema Aggression. Welches Land ist weltweit nach dem 2. Weltkrieg in jeden Krieg involviert bzw. hat jeden Krieg angeführt?
    Daß das nicht aus Liebe zum Frieden geschah, dafür gibt es genügend Beweise. Politischer Machtanspruch, Bodenschätze oder wirtschaftliche Gründe waren der Anlaß.
    Die Unterstützung von Diktatoren waren legal solange diese in Ihren Interessen handelten. Die Außen- Politik der USA ist das Übel in unserer Zeit.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Barack Obama | China | Robert Gates | USA | Japan | Südkorea
Service