Deutsche Schokolade, gleich am Eingang. Schogetten, Milka und natürlich die Hausmarke Moser Roth, deutsche Schokoladenkekse, Osterhasen aus Schokolade, auch deutsch, zu erkennen am aufgedruckten Schwarz-Rot-Gold. Was es sonst in New York kaum zu kaufen gibt: Aldi hat es. Ja, Aldi. Der Discounter hat seine erste Filiale in New York eröffnet, im Stadtteil Queens, verkehrsgünstig gelegen zwischen dem Long Island Expressway, dem Queens Boulevard und der U-Bahn zum Kennedy-Flughafen, mitten in einer Mall, sonst bestückt mit Toys ’R’ Us und Kettenläden.

Unschlagbar die Preise: 5 Dollar (3,50 Euro) ein Kilo Kaffee, 2,45 eine Gallone Milch oder große Packung Eis, 50 Cent für Dosensuppen und Katzenfutter, und dann erst die Specials: 2 Dollar für Himbeer- oder Blaubeerranken. »Ich habe keinen Balkon«, sagt Danuta bedauernd. »Und auf der Feuerleiter darf ich nichts anpflanzen.«

Danuta lebt in dem Viertel südlich von Aldi, das Rego Park heißt, sie kommt aus Polen. Kein anderes Stadtviertel in Amerika ist so multikulturell wie Queens, hier leben Menschen aus mehr als 160 Nationen. In Rego Park sind letzthin viele Israelis und usbekische Juden zugezogen. Die Geschäfte führen Matze, russischen Kaviar, geräucherten Fische, Mozartkugeln und lose Nüsse.

Auch Aldi ist multikulturell. Vor dem Kühlregal stehen eine zierliche Chinesin und ihr deutscher Freund; sie packen Eier in den Wagen, 1,25 das Dutzend. Im Mittelgang treffen wir Lia aus Argentinien, deren Kinder mit denen von Danuta auf eine Schule gehen. Sie ist das erste Mal da. Oben auf ihrem Wagen liegt eine riesenradgroße Tiefkühlpizza mit allem. »Es ist wirklich billig hier«, staunt sie. Aldi ist auf die gemischte Kundschaft eingestellt: Im Mittelgang gibt es ein Waffeleisen für Enchiladas, Großpackungen mit Ramen-Instantnudeln, ganze Enten mit Orangensauce und eine Baseballausrüstung – ball and bat .

Verglichen mit den Läden von Trader Joe’s, jener Kette, die Aldi gehört und die schon Manhattan erreicht hat, wirkt der unter dem Aldi-Logo firmierende Laden sehr rustikal. Zwar sind die Wände ostergelb und -grün gestrichen, aber viel Ware lagert in Kartons auf Paletten. Es gibt keine brands, dafür Hausmarken, die in Amerika keiner kennt, und man akzeptiert keine Kreditkarten. Um den New Yorkern das Fremdeln zu nehmen, verspricht Aldi: Bei Nichtgefallen Geld zurück. Bier und Wein gibt es noch nicht, das braucht hier eine Genehmigung, daran werde gearbeitet.

Aldi hat die Filiale recht unauffällig eröffnet, denn in New York sind große Ketten nicht gut angesehen. Wal-Mart, der Branchenführer, versucht seit vielen Jahren, in der Metropole zu landen, bisher vergebens. In den USA gibt es Aldi allerdings schon seit 1976; um die 1.100 Filialen sind es inzwischen laut Pressestelle, allein in diesem Jahr könnten 80 weitere hinzukommen – eine Frucht der Rezession. Die nächste New Yorker Filiale soll in der Bronx eröffnet werden.

Bedroht Aldi denn nicht die alteingesessenen ethnischen Läden? Danuta schüttelt den Kopf. »Aldi nimmt keine Lebensmittelmarken«, sagt sie. »Außerdem verlassen viele Immigranten ihr Ghetto nie.« Neben Haribo-Gummibärchen und schwäbischen Spätzle hat Aldi auch deutsche Tütenphilosophie im Angebot: Der Umwelt zuliebe werden Stofftaschen verkauft, und die Plastiktaschen müssen, anders als sonst in Amerika, selber gepackt werden. Zudem kosten sie elf Cent.

Elf Cent! Der Koreaner, der vor uns an der Kasse steht, mag es kaum glauben. Was denn die Papiertüte koste, fragt er. Die kostet sieben Cent. Ohne mit der Wimper zu zucken, packt er seine Lebensmittel in die Papiertüte um.