Fachkräftemangel Jetzt müsst ihr uns was bieten!
Weil die Gesellschaft altert, könnten Mitarbeiter den Firmen bald diktieren, wie ihre Arbeitsstelle ausgestattet sein soll
Bis vor Kurzem suchte Stefan Koop nur Führungskräfte für die erste Reihe. »Executive Search« heißt das im Branchenjargon, und große Beratungsunternehmen wie Amrop Delta, wo Koop als Headhunter arbeitet, machten damit ihr ganzes Geschäft. Headhunting lohne sich nur bei Vorständen, hieß es lange. Die Rasterfahndung nach Talenten ist aufwendig – und die Rechnung, die die Headhunter am Ende präsentieren, ist hoch: ein Drittel des Jahresgehalts des Gesuchten.
Neuerdings wird Koop aber auch gebeten, Führungskräfte für die mittlere Managementebene zu suchen. Das sei sogar schwieriger, sagt er, denn die passenden Leute finde man nicht sofort auf der Internetseite eines Unternehmens, dafür müsse man seine Kontakte bemühen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten sucht Koop schon nach neuen Köpfen, und die Überraschung über die Entwicklung ist dem 54-Jährigen anzumerken, als er in seinem Büro an der Hamburger Rothenbaumchaussee davon erzählt. Selbst der hohe Preis schrecke seine Kunden nicht ab, sagt er. Obwohl der sich weiter an den Gehältern der ersten Reihe orientiere.
Was Stefan Koop in den Gesprächen mit seinen Kunden beobachtet, ist ein Phänomen, das sich in den nächsten Jahren verstärken wird. Unsere Gesellschaft altert, im Jahr 2030 wird es in Deutschland voraussichtlich 7,5 Millionen weniger Menschen im Alter von 20 bis 65 Jahren geben als jetzt, prognostiziert das Statistische Bundesamt. Nach heutigem Verständnis: 15 Prozent weniger Erwerbsfähige. Arbeitskraft wird zur knappen Ressource. Den Unternehmen bringt das Schwierigkeiten. Für Arbeitnehmer aber heißt das: Ihr Wert steigt.
45000 Ingenieure gehen demächst in Rente – und müssen ersetzt werden
Der manikürte Zeigefinger von Inga Dransfeld-Haase fährt übers Papier. Die Personalchefin der Nordzucker AG in Braunschweig hat den demografischen Wandel ihres Unternehmens erfasst und in eine Excel-Tabelle eingetragen. Für jeden ihrer über 4000 Mitarbeiter hat sie einen Balken angelegt. Das sehe jetzt etwas kompliziert aus, sagt die junge Frau mit dem hellblonden Bob. Aber eins könne man doch ganz klar erkennen: Viele Balken enden um das Jahr 2020 herum. Ein Großteil der Mitarbeiter geht dann in Rente. »Da müssen wir vorbereitet sein!«
Während ihr dann vor allem Schlosser und Elektriker für die Zuckerproduktion fehlen werden, hat sie schon heute Probleme, neue Mitarbeiter für die Finanzen und die IT zu finden. 25.000 offene Stellen gibt es derzeit im IT-Bereich, die Zahl ist auch in der Krise kaum gesunken. 60.000 Ingenieure werden gesucht. Die Branchenblätter schreiben vom Fachkräftemangel. Natürlich ist der gerade im Bereich innovativer Entwicklungen auch strukturell bedingt: Wo ständig neue Technologien entstehen, müssen die Experten erst ausgebildet werden. Das erklärt, warum den 25.000 offenen Stellen in der IT-Branche rund 30.000 Arbeitslose gegenüberstehen, die die freien Plätze nicht so einfach einnehmen können, wie es den Zahlen nach scheint. Ein Funktechniker kann nicht von heute auf morgen Soziale Netzwerke programmieren. Künftig wird die Lücke durch den demografischen Wandel noch wachsen. 45.0000 Ingenieure werden innerhalb der nächsten Jahre in Rente gehen.
So früh wie möglich versuchen die Unternehmen daher, vom immer kleiner werdenden Kuchen an Arbeitskräften ein möglichst großes Stück für sich abzubekommen. Mit sogenannten VDIni-Clubs in Kindergärten will der Verein Deutscher Ingenieure mehr Kinder für Technik begeistern. An den Hochschulen prägen Firmen ihre Namen durch Sponsoring in die Köpfe der künftigen Absolventen. Wer seine Statistikvorlesung im easyCredit-Hörsaal der Universität Nürnberg-Erlangen absolviert hat, hat zumindest schon eine Idee davon, wer sein späterer Arbeitgeber sein könnte. Den Verfechtern des Humboldtschen Ideals mag angesichts einer solchen Einflussnahme der Wirtschaft auf die Bildung das kalte Grausen kommen. Der Headhunter Stefan Koop sieht das hingegen ganz pragmatisch. »Die Firmen werden in Zukunft permanent für sich werben müssen«, sagt er.
Die Mittelständler haben es im Wettbewerb um die Besten schwerer als die großen Unternehmen, deren Namen regelmäßig unter den Top Ten der Arbeitgeber genannt werden, bei denen Absolventen am liebsten einsteigen wollen. Inga Dransfeld-Haase versucht daher erst gar nicht, ihren Stand auf einer Hochschulmesse zwischen Porsche und Lufthansa aufzubauen. Die Personalchefin von Nordzucker hält den Kontakt zu einzelnen Lehrstühlen, lässt sich Absolventen von Professoren empfehlen und spricht sie dann gezielt an. Werksleiter einer Zuckerfabrik in Uelzen oder Klein Wanzleben kann sowieso nur ein Ingenieur werden, der nicht in der Großstadt leben will. Um die Konkurrenz in der Region auszustechen, wirft Dransfeld-Haase Argumente von hoher Eigenverantwortung bis zu betrieblicher Altersvorsorge in die Waagschale. Und: jährliche Zuckerpakete lebenslang.
- Datum 02.05.2011 - 15:05 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28.4.2011 Nr. 18
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Komisch, wir müssten ja im reinsten Arbetinehmerparadies leben. Tatsächlich wird es aber jeden Tag schlimmer. Zeitarbeitsfirmen kontrollieren fast den gesamten Arbeitsmarkt, der Druck am Arbeitsplatz wird immer schlimmer.
Chefgehälter steigen in immer absurdere Regionen, Indianer-Gehälter stagnieren schon seit 20 Jahren.
Ja, es ist dumm, wenn man als Firma nicht in Bildung investiert und alles auf den maroden Staat abwälzen will.
Nur die Firmen wissen, was sie an Nachwuchs brauchen und an Fachkräften.
Firmen wie SIEMENS oder VW erkannten das schon zur Zeit, als Deutschland noch durch einen "Führer" regiert wurde.
Ganze Generationen von AN arbeiteten in diesen Firmen, Großväter, Vater und Söhne, sofern sie nicht auf dem Kriegsschauplatz abgeschlachtet wurden.
Kriegsschauplätze hat Deutschland ja wieder genug - was es nicht mehr hat, dass sind in "Betriebstreue und -verbundenheit" engagierte Mitarbeiter!
Im vorigen Jahrhundert (...und auch schon davor) haben pfiffige AG erkannt, dass nur der richtig verdient, der die Belegschaft auch bei "Stange" hält - wie Henry Ford.
Fort ist aber diese kluge Herangehensweise zugunsten immer höherer Renditen für die Aktionäre.
Der virtuelle Geldmarkt hat eine Größe erreicht, die materiell überhaupt nicht mehr gedeckt werden kann - der GAU ist vorprogrammiert.
Die "Alten" werden weichen müssen - in den Führungsetagen gibt es ja schon genug "Pappkameraden", die nicht wissen wie es an der Basis aussieht und wie es brodelt.
Aber noch halten die Leute ihren Mund - wie lange eigentlich noch?
Ein gesundes Unternehmen zieht besser seine Fachkräfte selber nach, um eventuellen "Diktaten" durch die Belegschaft zu entgehen.
"Opa Krause" mit dem Krückstock in der Hand, der wird wohl kaum diktieren - aber der Chinese, wenn wir so weitermachen!
Wenn an dieser Lobbyistenpropaganda auch nur ein Fünkchen Wahrheit dran ist, dann kann ich mir die Häme für die arroganten Deutschen Unternehmen nicht verkneifen, da ihnen nun ihre kurzsichtige und asoziale Personalpolitik hoffentlich so richtig auf die Füsse fällt.
Selbst Schuld sage ich nur, wenn man Hochqualifizierte Deutsche ins Ausland vertrieben hat, da man ihnen keine ordentliche Stelle gegeben hat (ich habe selbst als promomierter Physiker - gesuchtes Fach!? - ein Jahr vergeblich in Deutschland gesucht).
Schön auch, dass diese selbstherrlichen Personaler, die sonst nur Bewerber im Vorstellungsgespräch mit Fangfragen terrorisierten (wie charakterlich verkommen muss man hierzu eigentlich sein?), nun von ihrem hohen Ross herunter kommen müssen. Hoffentlich werden diese Leute nun von Bewerbern so behandelt, wie sie jahrelang Bewerber behandelt haben.
Ach ja, am besten ist es natürlich, den Deutschen Unternehmen eine lange Nase zu zeigen und ins attraktivere Ausland zu gehen (eigenes Beispiel):
Vorher in Deutschland: 66.500 € Jahresbrutto mit 47% Steuern und Abgaben.
Jetzt in der Schweiz: umgerechnet 82.000 € mit 30% Steuern und Abgaben.
Manchmal wird man eben ins Paradies vertrieben.
"ich habe selbst als promomierter Physiker - gesuchtes Fach!? - ein Jahr vergeblich in Deutschland gesucht"
Ich bin auch ein promovierter Physiker, und seit ca. 2 Monaten bundesweit auf Stellensuche.
In der letzten Woche habe ich drei Einladungen zu Vorstellungsgesprächen bekommen. Morgen ist das erste. Mal schauen, was draus wird...
"ich habe selbst als promomierter Physiker - gesuchtes Fach!? - ein Jahr vergeblich in Deutschland gesucht"
Ich bin auch ein promovierter Physiker, und seit ca. 2 Monaten bundesweit auf Stellensuche.
In der letzten Woche habe ich drei Einladungen zu Vorstellungsgesprächen bekommen. Morgen ist das erste. Mal schauen, was draus wird...
ehemals seriösen Medien zu suchen?
Ich zitiere: "Unsere Gesellschaft altert, im Jahr 2030 wird es in Deutschland voraussichtlich 7,5 Millionen weniger Menschen im Alter von 20 bis 65 Jahren geben als jetzt, prognostiziert das Statistische Bundesamt."
Im Jahr 2030? Und was sollen die vielen arbeitslosen älteren Ingenieure, Techniker, Facharbeiter heute und in naher Zukunft machen?
Und was passiert, wenn die Durchschnittsdeutschen endlich eine Partei, die ihre Interessen vertritt und durchsetzt, gründen? Diese würde innerhalb kürzester Zeit bei den Wahlen die Mehrheit erlangen. Bei der allgegenwärtigen Unzufriedenheit ist dieses Szenario mehr als nur plausibel.
...Fachkräftemangel... blablabla...händeringend gesucht...blabla !
Ich bin gerade auf Jobsuche ! Was einem da vom Gehalt oder Position her angeboten wird,ist geradezu lächerlich! Entweder Zeitarbeit oder Nepp (2.500,-brutto) ! Da setze ich mich doch lieber in den Garten oder gehe spazieren.
Irgendein Muschnik aus Polen oder Rumänien oder sonstwo her wird das schon machen ! Ich mache es nicht !!
Tolle Einstellung! Damit klappts bestimmt bei der nächsten Bewerbung. Ich drücke die Daumen! Ohne Qualifikation wird ihnen auch sicher niemand ein Vorstandsgehalt zahlen...
Tolle Einstellung! Damit klappts bestimmt bei der nächsten Bewerbung. Ich drücke die Daumen! Ohne Qualifikation wird ihnen auch sicher niemand ein Vorstandsgehalt zahlen...
Natürlich gibt es einen Fachkräftemangel und ein Ingenieur ist eben nicht gleich Ingenieur. Da gibt es erhebliche Unterschiede in der Studiendauer, Abschlussnote, Vertiefungsrichtung, Praktika, Berufserfahrung, sozialer Kompetenz, Softwarekenntnisse, Fremdsprachenkenntnisse, Auslandserfahrung, Thema der Abschlussarbeit, Mobilität....
Ich kann zwar nicht jeden einzelnen Fall beurteilen aber mindestens eins dieser Kriterien haben die, welche sich hier beklagen nicht erfüllt und müssen eben weitersuchen! (und vielleicht mal ihr Suchgebiet erweitern)
Wenn die Firmen so wählerisch sind, und nicht einmal den 90%-Bewerber akzeptieren, dann kann man ihnen auch nicht helfen.
Was soll's, in der Schweiz hat man mich gewollt mit allen positiven Konsequenzen für mich, und jetzt kann ich nämlich auf die "tollen" Deutschen Unternehmen mit Häme herabblicken. Wer zuletzt lacht, lacht am besten.
Wenn die Firmen so wählerisch sind, und nicht einmal den 90%-Bewerber akzeptieren, dann kann man ihnen auch nicht helfen.
Was soll's, in der Schweiz hat man mich gewollt mit allen positiven Konsequenzen für mich, und jetzt kann ich nämlich auf die "tollen" Deutschen Unternehmen mit Häme herabblicken. Wer zuletzt lacht, lacht am besten.
Tolle Einstellung! Damit klappts bestimmt bei der nächsten Bewerbung. Ich drücke die Daumen! Ohne Qualifikation wird ihnen auch sicher niemand ein Vorstandsgehalt zahlen...
Wer erzählt denn so etwas ?
Aber ich glaube, sie sind genau der Typ, der jedes Angebot annimmt, um mit seiner Beschäftigung zu prahlen ! Ganz toll !! Solange es Leute wie sie gibt, gibts auch Lohndumping !
Wer erzählt denn so etwas ?
Aber ich glaube, sie sind genau der Typ, der jedes Angebot annimmt, um mit seiner Beschäftigung zu prahlen ! Ganz toll !! Solange es Leute wie sie gibt, gibts auch Lohndumping !
Würdet ihr uns armen Seelen die Kontaktdaten des Herrn Koop mitteilen ? Er braucht nicht mehr zu suchen !!!
Danke !
Das war ernst gemeint !!
Muss ich erst ein paar Beleidigungen reinschreiben , damit man auf mich aufmerksam wird ?
Das war ernst gemeint !!
Muss ich erst ein paar Beleidigungen reinschreiben , damit man auf mich aufmerksam wird ?
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