Soziale Netzwerke Facebook und die Macht

US-Präsident Barack Obama tritt bei Facebook auf. Als Wahlkampfhelfer wird das Soziale Netzwerk umworben – und als Datensünder verfolgt.

US-Präsident Barack Obama und der Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Sitz von Facebook in Palo Alto in Kalifornien

US-Präsident Barack Obama und der Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Sitz von Facebook in Palo Alto in Kalifornien

Angenommen, der Axel-Springer-Konzern verhandelte mit Angela Merkels ehemaligem Regierungssprecher über einen Job als Chefkommunikator. Zeitgleich entschiede sich die Bundeskanzlerin, bei der nächsten Wahl wieder zu kandidieren. Ihren ersten großen Auftritt hätte sie danach bei Springer, wo der Konzernchef Mathias Döpfner die aus dem Volk eingereichten Fragen stellte. Das Video davon würde im Internet verbreitet.

Aufsehen würde das erregen – und das tut es gerade in einem ganz ähnlichen Fall in den USA. »Ich will nur kurz Ihre Zeit beanspruchen, um Sie zu einer Gemeindeversammlung einzuladen, die ich am 20. April in der Facebook-Zentrale abhalte«, kündigte Präsident Barack Obama lakonisch im Internet an und erschien dann pünktlich in Palo Alto. Doch das war kein gewöhnlicher Termin, ganz im Gegenteil. Er zeigte die Verbindung zwischen Obamas Regierung und dem Sozialmedium Facebook in ihrer ganzen Intensität.

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»Ähm, ich bin irgendwie nervös. Wir haben heute den Präsidenten der Vereinigten Staaten bei uns«, beginnt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg flapsig, bevor er das Gespräch moderiert. Obama beginnt seinerseits damit, dass er erklärt, was er von Facebook hält: »Was Sie hier aufgebaut haben, revolutioniert die Art und Weise, wie Menschen an Informationen kommen, wie sie Informationen verarbeiten, wie sie miteinander in Kontakt treten. Historisch betrachtet, sind Sie Teil dessen, was eine gute Demokratie ausmacht.«

Facebook, sagt der Präsident, stelle sicher, dass »die Menschen informiert sind. Dieses Unternehmen ist ein ideales Medium« – für Obamas Botschaften und für politische Botschaften überall auf der Welt.

Um die Größe von Facebook zu begreifen, hilft ein Vergleich. Derzeit haben ungefähr 1,7 Milliarden Menschen einen Internetzugang. Fast ein Drittel davon ist Mitglied von Facebook. Überträgt man diesen Maßstab auf ein altes Medium, das Telefon, dann würde jeder dritte Mensch auf der Erde, der ein Telefon besitzt, ein und dieselbe Telefongesellschaft benutzen. Facebook ist schon heute eines der populärsten und zugleich in sich geschlossensten Kommunikationsmedien der Welt – und seine Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen.

Der US-Präsident nutzt zwar auch andere Internetseiten. So lässt er beispielsweise Kurznachrichten auf dem Kanal Twitter verschicken. Doch vor allem versammelt er seine Anhänger bei Facebook, dem Unternehmen der Stunde im Silicon Valley. Fast 20 Millionen Obama-Fans haben sich dort registriert, die seine Botschaft weiter ins Land tragen sollen.

Die Town-Hall-Versammlung bei Facebook ist übrigens ein PR-Erfolg gewesen. Der Präsident zeigte sich im Dialog mit jungen Wählern, er beantwortete Fragen, die Facebook-Mitglieder von überall einsandten, und er konnte die Opposition als »radikal« und »nicht gerade mutig« in ihrer Haushaltspolitik bezeichnen.

Doch nicht bloß Barack Obama kämpft um sein Image als Lichtgestalt. Facebook und die Politik, das ist eine Zweierbeziehung zum Nutzen beider Seiten. Denn auch das Internetunternehmen gilt nicht mehr wahlweise als »hot« oder »cool«, es ändert langsam seinen Aggregatzustand.

Jahrelang war es in den Augen der Öffentlichkeit gar kein normales Unternehmen, sondern mehr eine Art Graswurzel-Organisation. Bei der Jugend beliebt, bei den Alten geachtet. Was könnte unschuldiger sein, als Menschen miteinander in Kontakt zu bringen? Was könnte weniger bedrohlich sein als ein pizzaverliebter 26-jähriger Chef in T-Shirt und Jeans?

Leser-Kommentare
  1. alle merken,in was sie bei Facebook für eine Gesellschaft geraten.Wollen die Facebook Nutzer mit "Kriegsverbrechern" auf eine Stufe gestellt werden?

  2. ...wie nützlich Facebook (und Google und Apple etc.) für Geheimdienste sind, die Bürger durchleuchten und überwachen wollen. Die Daten, die kein Geheimdienst in einer Demokratie sammeln dürfte (das wäre dann ein "Polizeistaat"), geben die Benutzer ja freiwillig bei diesen Diensten ein. Genau deshalb wird auch kein Staat wirklich gegen sie vorgehen - sie sind viel zu nützlich, siehe Wikileaks.

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    [...] Kommt ein moderner Rattenfänger in neuen Kleidern daher, schon dackeln sie wieder alle hinterher, ohne dem dumpfen Eiweiß innerhalb des kugelrunden Knochens seine bestimmungsgemäße Leistung abzufordern.

    Teil entfernt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke. Die Redaktion/lv

    [...] Kommt ein moderner Rattenfänger in neuen Kleidern daher, schon dackeln sie wieder alle hinterher, ohne dem dumpfen Eiweiß innerhalb des kugelrunden Knochens seine bestimmungsgemäße Leistung abzufordern.

    Teil entfernt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke. Die Redaktion/lv

  3. die EU zumindest in diesem Bereich pro Nutzerrechte ist, wogegen sie andernorts aktiv Bürgerrechte bekämpft, durch das Diktat der Vorratsdatenspeicherung, Indect und neuerdings auch geplanten Websperren und Blacklists (http://www.heise.de/newst...).
    Wie passt sowas denn zusammen?
    Gut, facebook ist a) amerikanisch und b) kommerziell und nicht staatlich. Trotzdem irgendwie widersprüchlich.

  4. Und das soziale Netzwerk der Stunde ist Facebook, es sammelt fleissig Daten und hat angeblich hunderte von Millionen Nutzer. Nur wer ist denn tatsächlich länger als einen Monat bei Facebok? Man findet ein paar alte Schulfreunde, sieht sich ein paar Tage vielleicht erstaunt die Dinge an, die manche dort Preisgeben und vergisst sein Konto dort dann. Aber irgendwelche seltsame Spiele spielen, irgendwelche Herzen verschicken, I'm 100%hot Geschichten?
    Alles spielkram für kleine Kinder.
    Ich kenne mindestens 20 ehemalige Facebooknutzer, aber nur 2, die da noch manchmal vorbeisehen. Das heisst aus den hunderten von Millionen werden ein paar Dutzend Millionen übrig sein.
    Es gibt bestimmt schon das nächste Netzwerk, vorher gab es myspace, dass bald Facebook ersetzen wird, hoffentlich dann auch mit dem "gefällt mir nicht" Button.

  5. Fans von Obama auf Facebook?

    Eher 20 000 Angehörige der Armee, die Hunderte von Sockenpuppen kontrollieren.

  6. [...] Kommt ein moderner Rattenfänger in neuen Kleidern daher, schon dackeln sie wieder alle hinterher, ohne dem dumpfen Eiweiß innerhalb des kugelrunden Knochens seine bestimmungsgemäße Leistung abzufordern.

    Teil entfernt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke. Die Redaktion/lv

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