Marc Hauser Fehlender Zweifel

Ein Forscher, starke Thesen, viele Affen und endlich ein Beweis

Marc Hauser auf einer Veranstaltung in Sydney 2009

Marc Hauser auf einer Veranstaltung in Sydney 2009

Sein Lieblingsthema ist die Moral. Ist sie das Produkt von Genen und Entwicklung oder von Kultur und Erziehung? Dieser Frage geht der Evolutionspsychologe Marc Hauser seit vielen Jahren an der amerikanischen Harvard University nach. Sein großes Buch zum Thema ist bereits angekündigt und sagt schon im Titel, welche Antwort Hauser geben will: Herrlich böse – warum wir von Natur aus schlecht sind.

Zeit zum Schreiben hat der Forscher gegenwärtig mehr als sonst. Seine Universität hat ihn beurlaubt. Hauser wird in mindestens acht Fällen wissenschaftliches Fehlverhalten vorgeworfen. Mitarbeiter hatten sich bei der Hochschulleitung beschwert, weil der Professor bei seinen Versuchstieren Fähigkeiten sah, die andere Beobachter nicht nachvollziehen konnten. Hauser beharrte jeweils auf seiner Sichtweise. Beweisen konnte er sie im Nachhinein oft nicht. Mal fehlten die Rohdaten seiner Versuche, dann waren – so Hauser – die Videobänder der Experimente gestohlen worden.

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Inzwischen hat Hauser eine Publikation zu seinen Affenversuchen rasch und unauffällig zurückgezogen, eine weitere nachträglich um fehlende Daten ergänzt, fünf Arbeiten sind gar nicht erst erschienen. In dieser Woche veröffentlicht das Magazin Science die Wiederholung eines Experiments, welches das Fundament von Hausers Theoriegebäude untersucht: Welche Affenarten können die Absichten ihres Gegenübers erfassen? Ist Empathie erst bei den höher entwickelten Schimpansen erkennbar, oder zeigen schon die deutlich primitiveren Rhesusaffen so etwas wie Einfühlungsvermögen?

Dazu versteckten Hauser und sein Kollege Justin N. Wood einen Apfel in einem von zwei Eimern, verborgen hinter einem Sichtschutz. War die Sicht wieder frei, machten die Forscher eine verräterische Geste. Würden die Affen darauf reagieren? Das Ergebnis der ursprünglichen Publikation: Rhesusaffen können Gesten interpretieren. Das Problem: Auch hier fehlten die Rohdaten der Beobachtungen. Nun zeigt die Überprüfung: Die Aussage war richtig.

Ist Hauser damit rehabilitiert? Die aktuelle Publikation, betont Science - Herausgeber Bruce Alberts, habe dazu gedient, die Originalbefunde zu replizieren. Über die grundsätzliche Auseinandersetzung zwischen Harvard und Hauser sage sie nichts aus.

Tatsächlich reichen die Vorwürfe deutlich weiter. Marc Hauser hat offenbar mehrfach versucht, Beobachter und Beobachtungen seiner Tests zu manipulieren, das erwünschte Ergebnis quasi herbeizuexperimentieren. Er hat sein wissenschaftliches Weltbild nicht objektiv prüfen wollen, sondern mit subjektivem Blick nach Belegen gesucht. Dass nun ein Puzzlestein seiner Weltsicht an der richtigen Stelle liegt, sagt vielleicht etwas über die Qualität seiner Thesen. Der besondere Blick des Marc Hauser aber ignoriert weiterhin das zentrale Prinzip wissenschaftlichen Arbeitens: den Zweifel.

 
Leser-Kommentare
  1. Je abgründiger die Thesen, desto cooler finden es die Leute...

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    die Thesen dann "cool" sind, sie werden auch besser vergütet. Der Kampf um Forschungsgelder fördert leider auch solch Verhalten wie das von Hauser. Einerseits sicherlich ambitioniert und "fit" in seinem Bereich, andererseits versessen auf finanzkräftige Unterstützung. Je interessanter die Ergebnisse, desto mehr Geld wird der Wissenschaftler auch bekommen. So kommt es dann das wissenschaftliche Ergebnisse auch mal "herbeigeforscht" werden.

    die Thesen dann "cool" sind, sie werden auch besser vergütet. Der Kampf um Forschungsgelder fördert leider auch solch Verhalten wie das von Hauser. Einerseits sicherlich ambitioniert und "fit" in seinem Bereich, andererseits versessen auf finanzkräftige Unterstützung. Je interessanter die Ergebnisse, desto mehr Geld wird der Wissenschaftler auch bekommen. So kommt es dann das wissenschaftliche Ergebnisse auch mal "herbeigeforscht" werden.

  2. die Thesen dann "cool" sind, sie werden auch besser vergütet. Der Kampf um Forschungsgelder fördert leider auch solch Verhalten wie das von Hauser. Einerseits sicherlich ambitioniert und "fit" in seinem Bereich, andererseits versessen auf finanzkräftige Unterstützung. Je interessanter die Ergebnisse, desto mehr Geld wird der Wissenschaftler auch bekommen. So kommt es dann das wissenschaftliche Ergebnisse auch mal "herbeigeforscht" werden.

    Antwort auf "Das ist leider oft so."
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    Gutes Beispiel ist der IPCC. Der anthropogene Klimawandel läßt sich so auch besser belegen. Marc Hauser befindet sich in ´guter´ Gesellschaft.

    Gutes Beispiel ist der IPCC. Der anthropogene Klimawandel läßt sich so auch besser belegen. Marc Hauser befindet sich in ´guter´ Gesellschaft.

  3. Gutes Beispiel ist der IPCC. Der anthropogene Klimawandel läßt sich so auch besser belegen. Marc Hauser befindet sich in ´guter´ Gesellschaft.

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    Antwort auf "Und nicht nur, dass"
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    • riessm
    • 28.04.2011 um 22:12 Uhr

    Die nicht-Existenz des anthropogenen Klimawandels nachzuweisen bringt noch mehr Geld. Zumindest von der Instustrie... Machen Sie sich doch mal die Mühe, den ausführlichen Bericht der Zeit zu diesem Thema durchzulesen. War vor nicht zuuuu langer Zeit. Aber vorsicht: er könnte Ihr Weltbild ruinieren.

    • riessm
    • 28.04.2011 um 22:12 Uhr

    Die nicht-Existenz des anthropogenen Klimawandels nachzuweisen bringt noch mehr Geld. Zumindest von der Instustrie... Machen Sie sich doch mal die Mühe, den ausführlichen Bericht der Zeit zu diesem Thema durchzulesen. War vor nicht zuuuu langer Zeit. Aber vorsicht: er könnte Ihr Weltbild ruinieren.

  4. Viel Forschung übersteigt die Möglichkeiten der Menschheit, das will nur keiner Zugeben. Forschung am lebenden Objekt, geht es nur um dessen Funktion oder Verhalten ist oft vergebens.
    Wer weiß was die Menschen so bewegt sollte einfach Google fragen, die haben eh mehr Datensätze.
    Wer wissen will was Affen bewegt soll mit ihnen Leben, aber nicht von dieser Forschung.
    Auch Medizinische Studien sind immer in die Richtung zu biegen in die es gehen soll.
    Und das ist meist die Gewinnmaximierung der Geldgebenden Industrie.
    Leider.

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    • riessm
    • 28.04.2011 um 22:12 Uhr

    Die nicht-Existenz des anthropogenen Klimawandels nachzuweisen bringt noch mehr Geld. Zumindest von der Instustrie... Machen Sie sich doch mal die Mühe, den ausführlichen Bericht der Zeit zu diesem Thema durchzulesen. War vor nicht zuuuu langer Zeit. Aber vorsicht: er könnte Ihr Weltbild ruinieren.

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    Antwort auf "@ Winnewupp # 2"
  5. Ich habe von einem Experiment mit Affen gelesen/gehört dass das Gegenteil zum Ergebnis hatte: Altruismus ist uns angeboren.

    mal schnell gegooglet: http://www.sueddeutsche.d...

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  6. gekommen. Ein Großteil besteht aus Lyssenkoismus (Klimawandel) und dem gender Geschwätz. Die noch verbleibenden ernsthaften Forscher gehören einer aussterbenden Spezies. Schade.

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    • Petka
    • 29.04.2011 um 9:05 Uhr

    Vielleicht solltest du ein wenig in anderen Wissenschaften stöbern und dich nicht nur an dem festhalten, was die Presse am meisten beschäftigt. Spannenderweise gibt es jede Menge Nicht-Atmosphärenwissenschaften und sogar Nicht-Sozialwissenschaften.

    • Petka
    • 29.04.2011 um 9:05 Uhr

    Vielleicht solltest du ein wenig in anderen Wissenschaften stöbern und dich nicht nur an dem festhalten, was die Presse am meisten beschäftigt. Spannenderweise gibt es jede Menge Nicht-Atmosphärenwissenschaften und sogar Nicht-Sozialwissenschaften.

    • cmaul
    • 29.04.2011 um 6:45 Uhr

    Der IPCC Report ist im ersten Teil, der den Klimawandel dokumentiert ein sehr konservatives wissenschaftliches Dokument, dem nicht ein Fehler auf tausenden von Seiten nachgewiesen wurde. Herrn Hauser's Thesen, die eines Individuums mit einer wissenschaftlichen Veröffentlichung wie dem IPCC zu vergleichen, die den kleinsten gemeinsamen Nenner aller Wissenschaftler weltweit darstellt ist ziemlich unintelligent.

    Der zweite Teil des IPCC Reports, der sich mit den Konsequenzen, Vorhersagen und der Bewertung beschäftigt, hat allerdings zahlreiche Mängel. Aber der ist ja auch bewusst mehr eine Materialsammlung mit zum Teil geringerer wissenschaftlicher Präzision bzw. Genauigkeit.

    Herrn Hauser's Fall scheint genau umgekehrt zu sein. Er hat die Fakten zurechtgebogen, weil sie nicht in sein Argument passen und nicht Fakten auf eine Art und Weise bewertet, die von den Daten nicht unterstützt wird.

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