Wir stellen uns die Knochen unseres Körpers ja oft als starres, totes Material vor. Aber das sind sie mitnichten – im Knochen findet ein ständiger Auf- und Abbau von Zellen statt. Zwar verläuft dieser Prozess mit zunehmendem Alter langsamer, aber selbst bei einem sehr alten Menschen bestehen die Knochen aus Material, das nicht älter als 20 Jahre ist. Und so ist auch die Stärke der Knochen variabel:

Ein Knochen, den man stark belastet, wird stärker, und ein unbelasteter Knochen bildet sich zurück – deshalb leiden Astronauten in der Schwerelosigkeit des Weltalls nicht nur unter Muskel-, sondern auch unter Knochenschwund.

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Außerdem werden die Knochen von vielen Blutgefäßen durchzogen. Bricht ein Knochen unter Belastung, dann entsteht an der Bruchstelle zunächst ein großer Bluterguss. Dieses Hämatom ist das Signal für den Körper, mit der Reparaturarbeit zu beginnen. An der Stelle der Fraktur bauen die sogenannten Osteoblasten (so heißen die Zellen, die für die Knochenbildung zuständig sind) neues Material auf.

Während man zum Beispiel den gebrochenen Arm im Gips trägt, wird der Knochen an der Stelle des Bruchs zunächst einmal dicker als vorher, während das alte Knochenmaterial rechts und links davon aufgrund mangelnder Belastung eher schwächer wird. In dieser Reparaturphase könnte man also tatsächlich behaupten, dass der Knochen an der Bruchstelle stärker ist.

Dabei bleibt es aber nicht. Denn Zellen einer anderen Sorte, die sogenannten Osteoklasten, bauen überschüssiges Material wieder ab. Sie bedienen sich dazu einer starken Säure. Das Resultat ihrer Feinarbeit ist ein völlig intakter Knochen, dessen Bruchgeschichte hinterher nur noch ein Fachmann zu erkennen vermag. Die Stelle der Fraktur ist dann nicht schwächer – sie ist aber auch nicht stärker als vor dem Unfall.

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