Social Media Facebook als Spaltpilz
Die Wissenschaftler sind sich uneins, ob Soziale Medien gesellschaftliche Differenzen eher befördern oder nivellieren.
© Mandel Ngan/AFP/Getty Images

Mark Zuckerberg, Chef des Sozialen Netzwerks Facebook, lächelt bei der Rede von Barack Obama. Die beiden trafen am 20. April 2011 aufeinander
So also brechen in der politischen Kommunikation neue Zeitalter an. Barack Obama hat Facebook besucht. Und die Facebook-Nutzer konnten Obama besuchen. Auf www.facebook.com/barackobama stand am vergangenen Mittwoch, dass der amerikanische Präsident um 16.45 Uhr Ostküstenzeit »Ihre Fragen in einer Town-Hall-Versammlung im Hauptquartier von Facebook« beantworten werde. Darunter stand: 14.042 Leute mögen das.
Wenig später konnte man auf ein Video dieser Veranstaltung klicken. 16.417 Leute mögen das. Das Video läuft eine gute Stunde lang. Der souverän lächelnde US-Präsident (49) macht ein paar Witzchen über den verklemmt auf seinem Stühlchen hockenden Facebook-Chef Mark Zuckerberg (26), der üblicherweise nicht in Hemd und Krawatte zu sehen ist, heute aber schon. Dann reden die zwei miteinander. Beziehungsweise: Mark Zuckerberg liest gelegentlich eine Frage vor, und Barack Obama gibt lange Politikerantworten. Im Hintergrund: junge Leute.
Der Auftritt hat seinen Charme, mit der neuen Debattenkultur in Sozialen Netzwerken à la Facebook, Twitter, Xing oder Wer-kennt-wen aber reichlich wenig zu tun. Der Präsident hat auch früher schon solche »Town-Hall-Versammlungen« einberufen. Das war noch nicht auf Einladung von Facebook, aber auf der Website des Weißen Hauses wurden sie auch schon übertragen.
Den richtigen Eindruck von der neuen Debattenkultur des Internetzeitalters kriegt man auch dann nicht, wenn man sich die Mühe macht, auf der Facebook-Seite unterhalb des Videos nach den Kommentaren anderer Facebook-Besucher zu suchen. Da standen zum Redaktionsschluss zwar 5.127 Bemerkungen drunter, aber irgendwie schienen etwa 90 Prozent davon wahllos hinterlassene Pro-Regierungs-Stellungnahmen aus Syrien zu sein (»bashar al assad 4ever«).
Dazwischen gingen hilfreiche Hinweise zur Sache unter, etwa die Äußerung von Joe Andrade aus Atlanta, dem zufolge »alle leute, die obama folgen, eine große lüge leben!!!!!... sie sind dumme... dies ist eine große nation!!... obama aber nicht ... GOTT SEGNE AMERIKA.«
Nein, die Revolution in der politischen Diskussionskultur findet anderswo statt. Die große Veränderung, die Websites wie Facebook in die Debattenkultur des Netzes gebracht haben, liegt in der Auswahl der Gruppe, mit der man überhaupt debattiert.
Auf Facebook beispielsweise läuft das so, dass man nach und nach 50, 100 oder 1.000 sogenannte »Freunde« sammelt, deren Meinungsäußerungen zur Politik, zum Wetter, zur königlichen Hochzeit oder zur heimlichen Liebe des Chefs man auf der eigenen Facebook-Seite angezeigt bekommt. Wenn ein solcher »Freund« nervt, kann man seine Kommentare fortan ausblenden. Wenn man hingegen auf die Bemerkungen eines »Freundes« interessiert klickt und selbst etwas dazu schreibt, zeigt Facebook künftig öfter an, was dieser schreibt. So bleibt der Kommunikationsfluss überschaubar. Keiner will 5.127 Bemerkungen lesen!
Für manche Kritiker der modernen Debattenkultur ist allerdings gerade das der Horror. In Amerika geht schon seit etwa 30 Jahren die Klage, dass Rechts und Links sich nicht mehr verstünden. Dass zu Reizthemen wie der Reform des Gesundheitssystems, zu Steuererhöhungen, zur Waffenkontrolle oder zur globalen Klimaerwärmung überhaupt keine Argumente mehr ausgetauscht würden, sondern nur noch Meinungen, Spott und Vorwürfe.
Überflüssig zu sagen: Auch darüber gibt es eine erregte Debatte, und alle möglichen Beteiligten weisen sich gegenseitig die Schuld zu. Der republikanische Kolumnist Stanley Kurtz machte kürzlich Obama dafür verantwortlich (»Radical-in-Chief«), die Demokratin und Online-Kolumnistin Susie Hoeller hingegen die rechte Populistin Sarah Palin (»Demagogin im Rock«). Medien beschimpfen Politiker, und Politiker beschimpfen Medien. Zeitungs- und Fernsehjournalisten verteufeln die verlotterten Diskussionssitten in Internet, Internetkommentatoren beklagen die Zuspitzung und Meinungsmache der Medien.
Nach einer Untersuchung der Pew-Stiftung bezogen aber im vergangenen Jahr schon 54 Prozent aller erwachsenen Amerikaner politische Informationen übers Netz, beteiligten sich dort an Diskussionen oder schlugen politische Fakten nach. Werden dabei Soziale Netzwerke wichtiger, so fürchten Medien- und Gesellschaftsforscher, tauschen die Leute künftig mehr Informationen mit Menschen ähnlicher Auffassung aus. Dann bestärken sie sich gegenseitig und finden kaum noch Veranlassung dazu, eigene Standpunkte infrage zu stellen. Der Harvard-Jurist und Obama-Mitarbeiter Cass R. Sunstein warnte schon vor »Kaskaden fehlerhafter Informationen«.
Andere Sozialforscher sind da nicht so sicher. Eine Untersuchung von Microsoft Research über das Soziale Netzwerk Twitter zum Beispiel kam zu dem Schluss, dass »die Leute mit einer größeren Zahl von Sichtweisen konfrontiert werden als zuvor, dass aber die Möglichkeiten zur Teilnahme an einer sinnvollen Diskussion eingeschränkt sind«. Und das kann man wohl sagen bei einem Medium, das jeden Beitrag auf 140 Anschläge begrenzt.
Trotzdem gab es nach dem Facebook-Auftritt auch bei Twitter eine Debatte über Obama. Man muss sagen: Sie hatten recht bei Microsoft. Ein Großteil der Beiträge drehte sich um die Frage, ob Obama in Amerika geboren sei. Dazwischen gelegentliche politische Aufschreie wie die von »Bikerbd«: »Benzinpreis schon 34 Tage hintereinander gestiegen. Warum geben offizielle Medien Obama keine Schuld? Ich tue das!«
Facebook muss man immerhin lassen: Dort sind pro Kommentar 420 Anschläge erlaubt.
- Datum 28.04.2011 - 10:47 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.4.2011 Nr. 18
- Kommentare 7
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Wenn ich mich daran erinnere, wie primitiv die STASI vor über 20 Jahren die persönlichen Daten der DDR- und anderer Bürger ausspionierte und diese Bürger dann für ihr Recht auf Unversehrtheit ihrer Persönlichkeit auf die Straße gingen und heute noch Hunderte von "Stasi-Aufarbeitern" für unser sauer verdientes Steuergeld damit beschäftigt sind, die angebliche "Wahrheit zu finden, dann wundert es mich schon, dass heute genau die Leute, die damals so gegen die STASI und ihre Geheimdienstmethoden waren, ihre intimsten Geheimnisse im Internet zur Schau stellen.
Die heutigen Geheimdienste müssen sich ja richtig ins "Fäustchen" lachen, wenn sie die Profilbilder von jedem Bundesbürger gratis im Internet geliefert bekommen.
Wäre die DDR damals schon so weltweit vernetzt gewesen, dann hätten wir auch im Sozialismus die Arbeitslosigkeit unser "Volkseigentum" nennen können, weil wir dann keine "Spitzel" und weniger hauptamtliche STASI-MA gebraucht hätten!
"Wäre die DDR damals schon so weltweit vernetzt gewesen, dann hätten wir auch im Sozialismus die Arbeitslosigkeit unser "Volkseigentum" nennen können, weil wir dann keine "Spitzel" und weniger hauptamtliche STASI-MA gebraucht hätten!"
So passiert' s ja gerade in China. Da tippen Milliarden brav alles ins Netz, in die chinesische Konkurenz von Facebook.
Es steht jedem frei seine Daten in welcher Form auch immer zu veröffentlichen. Wo ist da der Zusammenhang zur Stasi? Die Stasi hat die Daten der eingezäunten Bürger durch Drohungen, Folter & Spitzel gesammelt – das ist schon ein Unterschied.
Glauben Sie allen Ernstes, dass Geheimdienste wirklich auf veröffentlichte Daten von Laien angewiesen sind? Das wäre schon mehr als naiv – da gibt es viel bessere Methoden, von denen Sie gar nichts mitbekommen würden, falls Sie doch einmal wider Erwarten in deren Raster geraten würden.
Schon lustig, da benutzt heutzutage jeder exzessiv das www (die Meisten können gar nicht mehr ohne) und beschweren sich gleichzeitig über die Verwendung ihrer ach so geheimen und privaten Daten. Dabei interessiert es nicht die Bohne wer wen wann wo besucht hat, wo sie wohnen oder ob neulich Ihr Furz vom Winde verweht wurde – das glaubt nur jeder von sich, weil ja jeder sooo individuell und sooo wichtig ist. Leute nehmt Euch nicht so ernst und behaltet Eure Passwörter und wirklich schützenswerte Daten für Euch – dann klappt das schon.
“Keine Sau interessiert sich für mich“
ps: kein Facebook, Twitter etc. user
"Wäre die DDR damals schon so weltweit vernetzt gewesen, dann hätten wir auch im Sozialismus die Arbeitslosigkeit unser "Volkseigentum" nennen können, weil wir dann keine "Spitzel" und weniger hauptamtliche STASI-MA gebraucht hätten!"
So passiert' s ja gerade in China. Da tippen Milliarden brav alles ins Netz, in die chinesische Konkurenz von Facebook.
Es steht jedem frei seine Daten in welcher Form auch immer zu veröffentlichen. Wo ist da der Zusammenhang zur Stasi? Die Stasi hat die Daten der eingezäunten Bürger durch Drohungen, Folter & Spitzel gesammelt – das ist schon ein Unterschied.
Glauben Sie allen Ernstes, dass Geheimdienste wirklich auf veröffentlichte Daten von Laien angewiesen sind? Das wäre schon mehr als naiv – da gibt es viel bessere Methoden, von denen Sie gar nichts mitbekommen würden, falls Sie doch einmal wider Erwarten in deren Raster geraten würden.
Schon lustig, da benutzt heutzutage jeder exzessiv das www (die Meisten können gar nicht mehr ohne) und beschweren sich gleichzeitig über die Verwendung ihrer ach so geheimen und privaten Daten. Dabei interessiert es nicht die Bohne wer wen wann wo besucht hat, wo sie wohnen oder ob neulich Ihr Furz vom Winde verweht wurde – das glaubt nur jeder von sich, weil ja jeder sooo individuell und sooo wichtig ist. Leute nehmt Euch nicht so ernst und behaltet Eure Passwörter und wirklich schützenswerte Daten für Euch – dann klappt das schon.
“Keine Sau interessiert sich für mich“
ps: kein Facebook, Twitter etc. user
Also ich kann bei Facebook KOmmentare so lang machen, wie ich möchte.
Fischermann sollte nicht über etwas schreiben, von dem er keine Ahnung hat, das ist peinlich.
@Rueckersdorfer: Mit "Kommentar" ist im letzten Absatz ein Status-Update auf Facebook gemeint. Die Updates dürfen nicht länger als 420 Zeichen sein. Bei den Kommentaren unterhalb der Updates mag sich das anders verhalten.
Beste Grüße
Sebastian Horn
@Rueckersdorfer: Mit "Kommentar" ist im letzten Absatz ein Status-Update auf Facebook gemeint. Die Updates dürfen nicht länger als 420 Zeichen sein. Bei den Kommentaren unterhalb der Updates mag sich das anders verhalten.
Beste Grüße
Sebastian Horn
"Wäre die DDR damals schon so weltweit vernetzt gewesen, dann hätten wir auch im Sozialismus die Arbeitslosigkeit unser "Volkseigentum" nennen können, weil wir dann keine "Spitzel" und weniger hauptamtliche STASI-MA gebraucht hätten!"
So passiert' s ja gerade in China. Da tippen Milliarden brav alles ins Netz, in die chinesische Konkurenz von Facebook.
weltweit das Passwort und sowohl die Bankverbindung als auch Kreditkarten
und beim "Handy" die Telephonnummern
mitlesen können, macht das Brett zum
Diskutieren bei Facebook ungeeignet,
seine Privatsphäre publik zu machen.
Wenige Wissenschaftler werden einig
sein, wenn es um solche Fragen geht.
Es steht jedem frei seine Daten in welcher Form auch immer zu veröffentlichen. Wo ist da der Zusammenhang zur Stasi? Die Stasi hat die Daten der eingezäunten Bürger durch Drohungen, Folter & Spitzel gesammelt – das ist schon ein Unterschied.
Glauben Sie allen Ernstes, dass Geheimdienste wirklich auf veröffentlichte Daten von Laien angewiesen sind? Das wäre schon mehr als naiv – da gibt es viel bessere Methoden, von denen Sie gar nichts mitbekommen würden, falls Sie doch einmal wider Erwarten in deren Raster geraten würden.
Schon lustig, da benutzt heutzutage jeder exzessiv das www (die Meisten können gar nicht mehr ohne) und beschweren sich gleichzeitig über die Verwendung ihrer ach so geheimen und privaten Daten. Dabei interessiert es nicht die Bohne wer wen wann wo besucht hat, wo sie wohnen oder ob neulich Ihr Furz vom Winde verweht wurde – das glaubt nur jeder von sich, weil ja jeder sooo individuell und sooo wichtig ist. Leute nehmt Euch nicht so ernst und behaltet Eure Passwörter und wirklich schützenswerte Daten für Euch – dann klappt das schon.
“Keine Sau interessiert sich für mich“
ps: kein Facebook, Twitter etc. user
@Rueckersdorfer: Mit "Kommentar" ist im letzten Absatz ein Status-Update auf Facebook gemeint. Die Updates dürfen nicht länger als 420 Zeichen sein. Bei den Kommentaren unterhalb der Updates mag sich das anders verhalten.
Beste Grüße
Sebastian Horn
und ähm... Merkel wurde in Ostdeutschland geboren und führt die Welt in den Sozialismus!
Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er
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