Ein Prinz heiratet seine Prinzessin in einer Stadt , von der das Weltpublikum träumt. Ein Diktatorensohn legt seine Millionen in einer Finanzkapitale an, in der niemand unbequeme Fragen stellt. Und ein Kult-Regisseur dreht an einem Ort, an dem die Gegensätze an jeder Straßenecke aufeinanderprallen. Prince William, Saif al-Gaddafi und Woody Allen haben sich für London entschieden: weil hier Träume wahr werden und Albträume auch. In London kann man reich werden. Untertauchen. Der Welt begegnen. Die Grenzen von Klasse, Rasse und Nationalität überschreiten, einfach nur, indem man die vier Stationen von Brixton nach Victoria fährt.

7,6 Millionen Menschen leben in dieser Stadt, in den nächsten zwanzig Jahren wird sie voraussichtlich um 1,25 Millionen Einwohner wachsen. Schon jetzt ist der Alltag ein ständiges Manöver an der Grenze des Erträglichen. Was macht diese 2000 Jahre alte Stadt, die auf einer Insel liegt und sich selbst nicht zu Europa zählt, so faszinierend?

Am Freitag werden Tausende Fernsehkameras London im herrschaftlichen Glanz abbilden und daran erinnern, dass dies einmal die Hauptstadt des größten und mächtigsten Imperiums der Welt war. Jetzt ist London zwar immer noch groß, aber das dazugehörige Land ist verkümmert. Es scheint, als lebten das britische Machtstreben, die Großartigkeit in London fort, dem Zufluchtsort der internationalen Aristokratie von heute, von Madonna bis zu Julian Assange. Dem Hauptquartier der internationalen Wirtschafts- und Finanzelite, die von hier und New York aus die Globalisierung gestaltet, mitsamt ihren Risiken und Profiten.

"Die globalen Städte sind die Kommandozentralen der Weltwirtschaft", schrieb die Soziologin Saskia Sassen 1991, fast zwei Jahrzehnte vor der Finanzkrise, die von der City und der Wall Street über die Welt hereinbrach. Die USA und Großbritannien leiden nun unter den Folgen – in den globalen Städten aber wächst die Wirtschaft wieder. "Es gibt", schrieb sie weiter, "eine grundlegende Diskontinuität zwischen London und dem Rest des Landes."

London ist daher weniger Hauptstadt von England als eine Hauptstadt der Globalisierung. Und vielleicht auch ein Modell für die Zukunft, denn bis 2050 werden laut UN drei Viertel der Weltbevölkerung in großen Städten leben. Die Frage ist, wie es sich in dieser globalen Stadt lebt. Und ob wir wirklich so leben wollen.

In einem Pub in der City stoßen Männer in rosa Hemden und dunklen Anzügen auf den Donnerstagabend an und erzählen heiter, wie gut es ihnen gehe, drei Jahre nach der Finanzkrise. Man darf allerdings weder ihren Namen noch den ihrer Bank aufschreiben, denn die Banker fürchten den schlechten Ruf, den sie in der Öffentlichkeit haben. "Seit der Finanzkrise werden wir ständig gefragt, welche Funktion Banken in einer Gesellschaft spielen sollen", sagt ein irischer Abteilungsleiter und schwenkt sein Weißweinglas. Er schwärmt von den Neunzigern, als noch das Prinzip galt: "Gier ist gut."

Sein Kollege, ein Deutscher, verkündet, dass er heute mehr verdiene als vor der Finanzkrise. Er wurde im Herbst 2008 herausgeworfen und ein halbes Jahr später woanders eingestellt – mit niedrigerem Bonus und höherem Fixgehalt. "Ich kann die Wut der Menschen auf die Banker und Spekulanten verstehen", sagt er. Dann erklärt er seine Weltsicht: Man müsse sich die Gesellschaft vorstellen wie eine Pyramide. Und wer sitzt ganz oben? Die Banker. Weil sie innovativ seien, Risiken eingingen und Reichtum anhäuften.