Ausbildung Dageblieben!
Der ehemalige Unternehmensberater Fred Swaniker hat eine Elite-Akademie für Afrika gegründet. Hier bildet er die künftigen Entscheider des Kontinents aus.
© African Leadership Academy

Studierende in einer Vorlesung an der African Leadership Academy
Es gibt wohl nur wenige Unternehmensberater, die von ihrem Schreibtisch aus in die Zukunft des eigenen Kontinents schauen können. Wenn Fred Swaniker aus dem Fenster blickt, sieht er seine Schüler über den Campus zum Unterricht eilen. Er sieht Spencer, der später als Ingenieur für Boeing arbeiten will. Er sieht Lovetta, die bereits jetzt Schmuck für Prominente entwirft und den Gewinn spendet. Der Südafrikaner und das Mädchen aus Liberia sind Schüler an der African Leadership Academy – dem Internat, das Fred Swaniker gegründet hat, um dort eine neue Elite für Afrika zu erziehen.
»Der nächste Nelson Mandela wird bei uns ausgebildet«, sagt Swaniker, »oder die nächste Wangari Maathai.« Beide sind Nobelpreisträger – begrenzter Ehrgeiz verträgt sich nicht mit dem Image, das die Akademie sich gibt. In Honeydew, am Stadtrand von Johannesburg, geht es um nichts Geringeres, als Afrika zu retten. Die 15- bis 18-Järigen aus 54 afrikanischen Staaten, die hier unterrichtet werden, sollen später die Aufgaben bewältigen, an denen sämtliche internationale Bemühungen bisher gescheitert sind: Sie sollen Armut und Krankheiten bekämpfen, Korruption und Kriege verhindern, Demokratie und Aufschwung fördern. »Hätte Afrika 6000 gut ausgebildete Experten, die statt für sich selbst vor allem fürs Gemeinwohl sorgten, hätten wir viel weniger Probleme«, doziert Swaniker. »Diese 6000 Leute werden in den nächsten 50 Jahren aus unserer Schule kommen.« So wie er das sagt, klingt es nicht nach einem Plan. Es hört sich an wie ein Befehl.
»Warum bilden wir unseren Nachwuchs nicht hier aus?«
Das Image von Unternehmensberatern ist denkbar schlecht. Arrogante Schnösel, Arbeitsplatzvernichter, weltfremde Akademiker – wo die Damen und Herren in den dunklen Anzügen auftauchen, macht sich oft Misstrauen breit. Swaniker war Teil dieser elitären Gruppe. Der Ghanaer hat nach seinem Betriebswirtschaftsstudium in den USA für McKinsey in Nigeria gearbeitet – für das Unternehmen, das fast jedem deutschen Dax-Konzern schon mal erklärt hat, wie er schlanker und profitabler werden kann. Weil er seinen Job so gut machte, finanzierte ihm McKinsey ein weiteres Studium an der Stanford Business School. Swaniker könnte heute sonntags auf dem Golfplatz stehen und sein gutes Gehalt ausgeben. Er könnte durch die Welt jetten und die Hände von Managern schütteln, die er für viel Geld berät. Doch ihm steht nicht der Sinn danach.
Fred Swaniker, 34, ist der Sohn eines Richters und einer Lehrerin, die selbst eine Schule in Botswana gegründet hat. Der soziale Ruf ereilte ihn während eines Praktikums in Nigeria, das er während des Zweitstudiums bei einer Bank machte. Dort sah der Unternehmensberater Kollegen, die ihre Kinder für sehr viel Geld auf Schulen ins Ausland schickten. »Warum bilden wir unseren Nachwuchs nicht hier aus?«, habe er sich damals gefragt. Plötzlich stand Swaniker vor der Herausforderung, die er brauchte. Er kündigte und verschuldete sich, um McKinsey die 125.000 Dollar für das Studium zurückzuzahlen. Er sammelte 14 Millionen Dollar Spenden, fand den Campus, das Gelände einer ehemaligen Druckerei, und stellte 35 Lehrer aus der ganzen Welt ein. Im September 2008 empfing die African Leadership Academy ihre ersten Schüler, Talente aus dem ganzen Kontinent, die sonst nicht die Mittel gehabt hätten, zu lernen.
Swaniker sieht eigentlich immer noch aus wie jemand aus der Businessclass: Pullover, eng anliegendes Hemd, ein dynamischer Mann mit einem breiten Lächeln, einer glänzenden Glatze. Der Witz sei, sagt er, dass er ja wirklich noch immer ein Businessmensch sei, »nur eben mit einem ganz anderen Businessplan«. Auch Unternehmensberatungen betreuen bisweilen Non-Profit-Unternehmen, wenden ihre Strategien auf die Organisation eines Zoos oder einer Kirche an. Swaniker kommt seine Erfahrung als Berater jetzt zugute. Die Schule wird vor allem von Firmen aus dem Silicon Valley unterstützt, von denen er viele beraten hat. Kontakte sind alles, das weiß er. Und er weiß auch, dass er seine Vision nur mit kühlem Kalkül umsetzen kann. Nächstenliebe und Moral sind für das Projekt keine dauerhafte Stütze – er muss mit der Akademie Gewinn machen.
Fred Swaniker redet schnell und viel. Für Unternehmer wie ihn sei der Kontinent »ein wahres Paradies«. Denn nirgendwo anders gebe es noch so viel zu bewegen wie hier in Afrika. Er sagt, dass eine andere Welt möglich sei, wenn jeder Einzelne sie täglich erschaffe. Wegen solcher Sätze wird er zu Talkshows eingeladen oder zu Radiodiskussionen, das passiert ständig, seit die African Leadership Academy eröffnet hat. Wie vorher in Präsentationen über Gewinnzunahmen spricht er nun über Armut und Korruption in Afrika. Er sagt, diese seien ein globales Problem, welche lokale Aktionen verlangten, und hält eine Rede mit erhobenem Zeigefinger, auch wenn seine Hände dabei in den Hosentaschen stecken. Er sagt, dass er das ändern wolle, »darum mache ich das hier«. Und er sagt: »Wir können das ändern, es ist gar nicht so schwer.«
- Datum 07.05.2011 - 08:38 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 5.5.2011 Nr. 19
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ich kann mir nicht vorstellen, dass diese gruppe, allesamt an einer schule ausgebildet eine echte verbesserung der afrikanischen verhältnissse bringt
es fehlt dann einfach die vielfalt, alle sind da einheitlich geprägt, und einheitlichkeit und einheitsdenken hat noch keiner gesellschaft und in keinem bereich sonderlich gut getan
vor allem hat die vergangenheit gezeigt, dass gerade die hochintelligente "elite" zuerst mal an sich selbst denkt, dann lange an nichts und erst dann an das humankapital denkt, welches sie wie am besten ausbeuten kann, verbesserungen hat es für die "normalos" nur dann gegeben, wenn die elite daran verdient hat
weiters stellt sich auch die frage ob ein ingenieur, der bei boeing in seattle arbeitet der afrikanischen gesellschaft was bringt, von einer schmuckdesignerin für promis will ich erst gar nicht reden, da ist ja oberflächlichkeit programm
"Wir können uns nur selbst helfen".
Die Entwicklungshilfe mag für das Gewissen
der ehemaligen Kolonialherren und auch der
sogenannten "Gutmenschen" beruhigend sein.
Für Afrika ist sie ein Gift.
blackmagicwomen
Das Anliegen, das sich mit einer Neuprägung von eingebürgerten Begriffen ("Entwicklungshilfe" und deren folgliche Abhängigkeiten) unterstützen lässt, könnte man vielleicht auch mit dem bekannten "Hilfe zur Selbsthilfe" umschreiben.
Gerade mit der hervorragenden Bildung von jungen Menschen aus unterprivilegierten Verhältnissen innerhalb seines "You'llWinIfYouStayInAfrika"-Konzeptes fördert Herr Swaniker die notwendige Solidarität durch die Generationen???
Im Anspruch zu ehrlichem, sozialen Engagement (nicht in "PseudoSozialPraktika" für 14 Tage im gepflegten Umfeld) sehe ich die Anregung von dauerhaftem Verständnis für ProblemlösungsStrategien, welche dem Zusammenleben dienen, die Gemeinschaft (und den sozialen Ausgleich) fördern und auf attraktive, gemeinsame Vorhaben einstimmen. Diese "Bodenständigkeit" wirkt hoffentlich auch einer Uniformierung und mancher "Weltfremdheit" dieser Aufstrebenden entgegen? Hierin werden wohl die Hauptaufgaben der Wegbereiter für die Nachfolgenden für die Zukuft sein???
Mit Freude würde ich es lesen, wenn die kulturelle Eigenständigkeit dort gefördert würde, wenn der westliche Lebensstil eine Ergänzung des Weltverständnisses dieser begabten Mitmenschen wäre, aber das alltägliche Leben stärker durch die lokalen Vorgaben (Klima, Sprache und Musik, Rythmen, zeitgemäße Rituale, ...) verwurzelt wäre.
http://www.africanleaders...
welche der Elite ("ausgelesen", http://de.wikipedia.org/w...) fehlt???
http://dsc.discovery.com/...
http://www.youtube.com/wa...
http://www.youtube.com/wa...
(Und natürlich bleibt die Frage, wieweit man sich dabei schon im Bereich der touristischen Folklore befindet, allerdings findet sich darin sicher noch mehr eigene Identität als in weltweitem Footballtraining?)
... das ist doch wirklich nicht neu in Afrika.
Und gleiche Ursachen werden immer gleiche Wirkungen haben.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Elite tatsächlich etwas in entscheidendem Maße verändern kann. Dazu hat sie viel zu starke Selektionskriterien, gerade mal 106 Schüler wurden im Jahr 2008 aufgenommen. Sie hat damit eine niedrige Akzeptanzrate als Harvard (wie auf der Website der Academy nachzulesen ist - Was soll dieser Vergleich mit Harvard?). Diese Selbstbeweihräucherung als Elite, als Ort, wo die zukünftigen Leader Afrikas ausgebildet werden, wird wahrscheinlich kaum in der Lage sein, tatsächlich tiefgreifende Probleme in Afrika zu lösen.
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