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 Einen Bachelor in Jura wird es wohl erst einmal nicht geben

Bei allem Willen zur Gleichwertigkeit gibt es aber immer noch Unterschiede zwischen den Fakultäten, wie das neue Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung belegt. Am besten schneidet die Bucerius Law School mit Sitz in Hamburg ab, an der nur ausgewählte Studenten genommen werden, die hohe Studiengebühren zahlen. Die Distanz zu Fakultäten wie Regensburg ist immens. Professor Löhnig weiß das. Er spürt manchmal den Erfolg der Hamburger im Nacken. »Die Bucerius Law School bringt uns gegenüber unseren Studenten in Rechtfertigungsdruck. Die bringen alle ihre Studenten in das oberste Drittel. Das zeigt: Wenn man eine bessere Betreuung hätte, könnte man den Studenten mehr beibringen.«

In Regensburg liegt die Relation bei 1:90. »Wir machen Massenausbildung«, gibt Löhnig zu und beschreibt Vorlesungen vor 300 Studenten im Allgemeinen Verwaltungsrecht, in denen man schon rein akustisch nur die erste Hälfte des Hörsaals erreiche. Die Regensburger Fakultät zählt 2000 Studenten und erlebt dieses Jahr den doppelten Abiturjahrgang in Bayern. Man sei vorbereitet, sagt Löhnig, das Personal sei aufgestockt worden: »Es ist schon möglich, mit Lehrenden in Kontakt zu kommen.« Man müsse nur Initiative zeigen.

Immerhin sind die Regensburger noch weit von Fakultätsgrößen wie in Köln entfernt, wo die Betreuungsrelation bei 1:200 liegt. Gut betreut fühlen sich – laut Ranking – die Studenten etwa in Halle-Wittenberg mit einer Relation von 1:60. Dort habe man, so Dekan Professor Christian Tietje, schon Ende der Neunziger einen Master in Wirtschaftsrecht (LL.M.oec.) angeboten, der sich vor allem an deutsche Studierende richtete. Heute gibt es Masterstudiengänge in Medizin-Ethik-Recht und Wirtschaftsrecht. »Die Toparbeitgeber verlangen Zusatzqualifikationen«, sagt Tietje, »im Idealfall einen Doktor und einen Master.« Seine Fakultät hat die Studienreform von 2006 genutzt, um ihr Profil zu schärfen. Statt der verbreiteten Schwerpunkte in Zivil- oder Europarecht bietet Halle-Wittenberg nun Forensische Praxis, Transnationales Recht und Kriminalwissenschaften.

Kleine Dinge ändern sich also im deutschen Jurastudium, die großen Dinge bleiben jedoch, wie sie sind. Ein Bachelorstudium im Fach Jura wird es an den deutschen Hochschulen wohl auf absehbare Zeit nicht geben, allerdings gibt es verwandte Studiengänge, die mit dem Bachelor abschließen. In vielen Unternehmen finden beispielsweise Wirtschaftsrechtler oder Rechtsinformatiker eine interessante Position, für die sie kein Staatsexamen brauchen.

Wer dagegen Richter oder Staatsanwalt werden will, wird auch in Zukunft, wie Anna-Maria Pawliczek, an seine Lern- und Leistungsgrenzen gehen müssen. Zwar treffen sich am 18. und 19. Mai die Justizminister der Länder an der Universität Halle-Wittenberg, um über eine etwaige Reform des Jurastudiums zu beraten. Aber nach allem, was man hören kann, steht das Votum der Minister schon so gut wie fest: Die Dinge bleiben, wie sie sind. Ohne Bachelor.

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Leserkommentare
    • JueKie
    • 06. Mai 2011 17:30 Uhr
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    Das ist keine Ausbildung zum Volljuristen (auch nicht der Master), sondern eine der auch im Artikel erwähnten verwandten Ausbildungen. Ist natürlich nicht sehr überraschend, dass nicht besonders deutlich auf diesen Makel hingewiesen wird.

    ... einen Jura-Bachelor zu machen, um dann groß im Unternehmen einzusteigen. Unternehmensjuristen ist in der Realität immer Volljuristen mit zwei Staatsexamen und(!) ein paar Jahren forensischer Erfahrung. Nur wer eben als Rechtsanwalt das Schicksal von Verträgen im Gerichtssaal erlebt hat, kann selbst sinnvolle Vertragsentwürfe machen. Der Bachelor wird immer besserer Sachbearbeiter bleiben, sofern er überhaupt einen Job findet.

  1. Das ist keine Ausbildung zum Volljuristen (auch nicht der Master), sondern eine der auch im Artikel erwähnten verwandten Ausbildungen. Ist natürlich nicht sehr überraschend, dass nicht besonders deutlich auf diesen Makel hingewiesen wird.

    Antwort auf "Kein Jura-Bachelor?"
  2. Da ist es also das humboldsche Bildungsideal. Nur für sein Fachgebiet büffeln und nicht nach links und rechts schauen. Einen Sinn für Recht und Gerechtigkeit kann man auch nicht entwickeln, denn dafür hat man keine Zeit neben dem Auswendiglernen (und nichts anderes ist das Jurastudium).

    Die große Anzahl der Studienanfänger macht jede Qualität zunichte. Deswegen kommt es zu so hohen Abbrecherquoten. Ich kenne unzählige Juristen, die das BGB, StGb, SGB I, II bis X und sämtliche Entscheidungen des BVerfG rezitieren können, doch verstehen tun sie es nicht. Als Anwälte sind sie dann abgehoben und arrogant (man ist ja schließlich nach Abschluss des Studiums etwas besseres), und/oder sie ruhen sich auf ihren Richterpösten aus (man hat ja schließlich schon genug während des Studiums gearbeitet).

    Wirklich gute Anwälte gibt es zwar auch, aber diese stellen die absolute Minderheit. Dann kommt noch hinzu, dass dieser Beruf in Deutschland extrem geschützt ist und viele Rechtsfragen und Rechtsinstitute nur mit Anwalt zu lösen sind (Warum brauche ich bei einer Scheidung einen Anwalt?).

    Naja es ist eben noch eine der letzten Bastionen des Deutschen Hochschulwesens. In Zeiten, in denen nur der Adel und das reiche Bürgertum studiert hat mag das System ja funktioniert haben, doch in Zeiten, in denen der Jedermann studieren gehen können sollte funktioniert es nichtmehr.

    3 Leserempfehlungen
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    ...das Humboldt´sche Bildungsideal nicht verstanden. Die Bildungsreform, die in Preußen durch Humboldt initiiert wurde, und 1810 mit der Gründung der Humboldt Uni in Berlin begann, war dazu gedacht, eben eine umfassende Bildung gemäß dem humanistischen Bildungsideal, welches in dieser Zeit Hochkonjunktur in der öffentlichen Meinung hatte, zu gewährleisten, und eben keine Fachidioten auszubilden.
    Anlass gab dazu die Niederlage Preußens in der Schlacht von Jena und Auerstedt, wodurch Preußen im Tilsiter Frieden große Verluste hinnehmen musste, und man sich daraufhin Gedanken machte, wie man das "rückständige Land" reformieren könnte.
    Entschuldigung für den kleinen Geschichtsexkurs, aber bitte solche Tatsachen richtig darstellen, und die eigene Argumentation auf historisch richtigen Fakten aufbauen.

    Ich nehme an, Sie studieren nicht selbst Jura bzw haben es studiert? Wenn doch, dann wüssten Sie, dass Sie mit Auswendiglernen alleine keinen Blumentopf gewinnen in diesem Fach (vielleicht mal vom Strafrecht abgesehen)^^

    • Thees
    • 07. Mai 2011 20:17 Uhr

    Ihr Artikel ist übertrieben. Sozialrecht ist höchstens Schwerpunktstoff. Ein normaler Student wird sich niemals eingehend mit dem SGB beschäftigen können.

    Übrigens: Warum nicht mal das Problem bei der Wurzel anpacken und bessere Gesetze machen?

  3. ...das Humboldt´sche Bildungsideal nicht verstanden. Die Bildungsreform, die in Preußen durch Humboldt initiiert wurde, und 1810 mit der Gründung der Humboldt Uni in Berlin begann, war dazu gedacht, eben eine umfassende Bildung gemäß dem humanistischen Bildungsideal, welches in dieser Zeit Hochkonjunktur in der öffentlichen Meinung hatte, zu gewährleisten, und eben keine Fachidioten auszubilden.
    Anlass gab dazu die Niederlage Preußens in der Schlacht von Jena und Auerstedt, wodurch Preußen im Tilsiter Frieden große Verluste hinnehmen musste, und man sich daraufhin Gedanken machte, wie man das "rückständige Land" reformieren könnte.
    Entschuldigung für den kleinen Geschichtsexkurs, aber bitte solche Tatsachen richtig darstellen, und die eigene Argumentation auf historisch richtigen Fakten aufbauen.

    Eine Leserempfehlung
    • Tomss
    • 06. Mai 2011 22:07 Uhr

    Am treffendsten gibt das Zitat im Artikel die Sache wieder:

    "Aber nur diese Beharrlichkeit, sagen die Professoren, erhalte die Qualität der Ausbildung." - Nicht weil es stimmen würde, das weiß zu gut, wer selbst Jura studiert hat, sondern weil es stets als eherne Wahrheit wiederholt wird. Sobald jemand den Sinn der bestehenden Juraausbildung in Frage stellt. Das ist wie ein Reflex. Alle notwendige Veränderung scheitert an dieser - meist von Professoren oder den Anwaltsvereinen zitierten - Hypothese. So als wäre in anderen Ländern die Qualität nicht da. Wenn man sich ansieht, wie engstirnig und letztlich auch berufsuntauglich man als Absolvent die juristische Fakultät verlässt (das galt vielleicht ja auch für mich), ist nicht recht zu verstehen, warum DAS nicht mal irgendwer hinterfragt: Ob diese "Qualität der Ausbildung" wirklich besteht und ob das, was die Noten im Studium bestimmt, wirklich so ein guter Gradmesser für die Fähigkeiten einer Person ist. Das jemand - wie hier im Artikel erwähnt - mit 9 Punkten doch zufrieden sein könne, finde ich ärgerlich. Gerade diese Stauchung führt dazu, dass gute Absolventen nicht bekommen was ihnen zusteht und die etwas weniger erfolgreichen, aber vielleicht in der Praxis durchaus talentierten Charaktere in den Sammelbereich der untersten 4 Punkte geschwemmt werden. Denn das Nichtausschöpfen der Notenskala hat zu einer geringen Differenzierung geführt.

    3 Leserempfehlungen
  4. 6. Autsch

    Ich nehme an, Sie studieren nicht selbst Jura bzw haben es studiert? Wenn doch, dann wüssten Sie, dass Sie mit Auswendiglernen alleine keinen Blumentopf gewinnen in diesem Fach (vielleicht mal vom Strafrecht abgesehen)^^

  5. Zitat:
    "...Wer dagegen Richter oder Staatsanwalt werden will, wird auch in Zukunft, wie Anna-Maria Pawliczek, an seine Lern- und Leistungsgrenzen gehen müssen...."

    Das klingt so, als ob man Bachelor-/Masterabschlüsse geschenkt bekommt ^^

    • Thees
    • 07. Mai 2011 20:17 Uhr

    Ihr Artikel ist übertrieben. Sozialrecht ist höchstens Schwerpunktstoff. Ein normaler Student wird sich niemals eingehend mit dem SGB beschäftigen können.

    Übrigens: Warum nicht mal das Problem bei der Wurzel anpacken und bessere Gesetze machen?

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