WirtschaftsprüferSieben Klischees ...

... über den Beruf und was dahintersteckt von Leonie Achtnich

1. Die können nur Bücher kontrollieren

Der Klassiker der Wirtschaftsprüfung ist der gesetzliche Jahresabschlussbericht der Unternehmen. Hier kontrolliert der Prüfer, ob die Zahlen stimmen. Aber der Prüfer kann aufgrund seiner breiten Fachkenntnis auch als Unternehmensberater arbeiten. Bewandert ist er außerdem in der Steuerprüfung. Bei Streitigkeiten kann er Schiedsgutachten anfertigen. »Unsere Mandanten erwarten von uns auch Know-how in den Bereichen Nachhaltigkeit, Risikomanagement oder Innovation« sagt Marius Möller, Personalvorstand von PricewaterhouseCoopers (PwC). Dort beschäftigen sich zum Beispiel 70 Experten deutschlandweit ausschließlich mit der Aufdeckung von Wirtschaftskriminalität.

2. Die tragen Mitschuld an der Krise

Lehman Brothers, Hypo Real Estate – die Abschlussberichte der schwarzen Schafe der Finanzkrise wurden von Wirtschaftsprüfern durchleuchtet. Warum hatten die nichts zu beanstanden? »Die Wirtschaftsprüfung ist keine Rating-Agentur«, sagt Klaus-Peter Naumann, der Vorstandssprecher des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW), »sie gibt kein Urteil über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens ab.« Gleichwohl gehört es zum Tätigkeitsbereich des Abschlussprüfers, bei Verdacht auf Betrug die Prüfungen auszudehnen.

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3. Die können ihre Kunden nicht kritisieren

Prüfen ist eine delikate Angelegenheit, da der Prüfer einerseits im Auftrag des Unternehmens agiert, von diesem gebucht wird, es andererseits aber kritisch prüfen soll. Ohne das Vertrauen des Betriebs kann er nicht an Informationen kommen, er darf aber seine kritische Distanz und Skepsis nicht verlieren. »Die Arbeit erfordert ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis«, sagt Klaus Dyck, Partner bei Ernst & Young. »Der Prüfer muss ein Gefühl dafür entwickeln, wann das Gegenüber die Dinge wahrheitsgetreu darstellt.«

4. Die prüfen, wo sie selbst beraten haben

Das Handelsgesetzbuch regelt die Arbeit von Wirtschaftsprüfern. So darf zum Beispiel ein Bewertungsgutachten nicht von derselben Person geschrieben und geprüft werden. Für die Durchsetzung der Vorgaben tragen Institutionen wie die Wirtschaftsprüferkammer oder die Abschlussprüferaufsichtskommission (APAK) Sorge, zudem gibt es firmeninterne Kontrollsysteme. Dass Prüfungsgesellschaften auch eigene Beratungsarme haben, wird trotzdem oft kritisiert.

5. Die sind Vielverdiener

Kurzfristig verdient ein Hochschulabsolvent auf dem Weg zum Wirtschaftsprüfer nicht mehr als der Kollege in der Industrie. Im Laufe der Ausbildung investiert das Unternehmen in den Kandidaten und fördert dessen Marktwert. Nach drei bis acht Jahren Berufserfahrung tritt er das Examen an. Danach kann das Gehalt in die Höhe schnellen. »Bei uns verdienen junge Wirtschaftsprüfer wie Rechtsanwälte in Topkanzleien« sagt Marius Möller von PwC. Allerdings gilt das Examen mit einer Durchfallquote von 40 bis 60 Prozent als eine der bundesweit schwierigsten Prüfungen.

6. Die steigen nach ein paar Jahren aus

Nicht wenige Wirtschaftsprüfer bleiben tatsächlich nur ein paar Jahre im Job. Einige machen sich danach selbstständig, andere kehren dem Beruf ganz den Rücken – oder wechseln zu ehemaligen Mandanten. Das Durchschnittsalter bei der Bestellung zum Wirtschaftsprüfer liegt laut ihrem Verband übrigens bei 32 Jahren.

7. Die arbeiten nur im Winter

Für viele Unternehmen ist im Dezember der Jahresabschlussbericht fällig. Das heißt Arbeit für die Wirtschaftsprüfer. Sie nennen die Zeit von November bis April deswegen auch busy season. Bei einigen Prüfgesellschaften können die Überstunden im Sommer ausgeglichen werden. Aber auch von April bis November fällt Arbeit an. »Der Fokus liegt dann auf dem Training, der Projektarbeit und der Beratertätigkeit« sagt Klaus Dyck von Ernst & Young.

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Leserkommentare
  1. Da sollte man einmal nachforschen, wieviel Testatsverweigerungen es in Deutschland denn so gibt? Kaum welche. Damit kann man diesen Berufsstand nahezu in die Tonne treten, wenn er denn - lassen wir mal dahingestellt aus welchen Gründen auch immer - seinen Job nicht erledigen kann.

    Zudem ist es ein Witz, dass "unten" einzelne Kleinbuchungen genauestens geprüft und beanstandet werden, während dann der Prüfungsleiter und der Vorstand "oben" anschließend "kreativ" vielstellige Beträge hin und herschieben um das Bilanzergebnis den Erwartungen der Vorstandsetage anzupassen.

    • gruTa
    • 06. Mai 2011 10:40 Uhr

    siehe Überschrift.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... von Peer Review gehört???

  2. ... von Peer Review gehört???

  3. ...kann nur sagen, dass der Beruf sehr anspruchsvoll und teilweise auch sehr anstrengend ist! Weiterhin bietet er gerade für Einsteiger sehr gute Aufstiegsmöglichkeiten, auch ohne ein WP- oder StB-Examen absolviert zu haben! Das leigt daran, dass die Lernkurve einfach extrem hoch ist und man sehr viel verschiedene Unternehmen, Unternehmensmodelle und deren Prozesse sieht und nachvollziehen muss!!! Sehen Sie es doch mal so!

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