Sachbuch"Und Sie?"

Die Rückkehr deutscher Juden nach 1945. von Gabrielle von Arnim

Jüdische Flüchtlinge in Großbritannien, 1938

Jüdische Flüchtlinge in Großbritannien, 1938  |  © Hulton Archive/Getty Images

Wie kann man als Jude im Deutschland der Nachnazizeit leben? Die Frage hat den französischen Journalisten Olivier Guez nicht losgelassen. Von 2005 bis 2009 hat er in Berlin gelebt und sich mit deutscher Geschichte befasst. Er hat über den Mauerfall geschrieben und über eine »unmögliche Rückkehr«, wie das neue Buch im Original heißt: Eine Geschichte der Juden in Deutschland nach 1945. Wie ist das Land mit den Überlebenden des Massenmords und ihren Nachkommen umgegangen?

Es ist ein großes, auch peinigendes Thema, politisch wie historisch und psychologisch, das Guez eher pragmatisch als reflexiv anpackt. Und mit kluger Neugier. Er will keine neuen Theorien entwickeln, keine Thesen aufstellen, sondern faktenreich informieren. Und er tut genau das. Er ist durch die Stadt gewandert, hat geschaut, gefragt, Antworten gesucht und Ratlosigkeit zugelassen. Hat in New York, Paris oder Brüssel recherchiert und ist immer wieder in Berlin gelandet. Denn Berlin, schreibt er, sei das Laboratorium, »wo das deutsch-jüdische Sein des beginnenden 21. Jahrhunderts Gestalt annimmt«.

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Er hat Gespräche geführt, mit Henryk M. Broder und Fritz Stern, mit Edgar Hilsenrath und Maxim Biller, mit Beate Klarsfeld, Imre Kertész, Ralph Giordano, Micha Brumlik, Cilly Kugelmann, Michael Wolffsohn und Wladimir Kaminer – um nur einige von sehr vielen zu nennen. Er hat unendlich viel gelesen. Hat Zitate, Lebensläufe, Stimmen und Statistiken gesammelt – und ist tief eingedrungen in die Geschichte der überlebenden Juden und in die Geschichte der Deutschen nach dem Ende des Nationalsozialismus. Denn um zu zeigen, was es bedeutete, nach Deutschland zurückzukehren, musste er beschreiben, wie dieses Deutschland war und wie es sich entwickelte. Wie sich der Wandel der politischen und kulturellen Identität der Deutschen vollzog, wie sie den Weg gingen – und noch gehen – von der sogenannten Vergangenheitsbewältigung (was für ein missglücktes Wort) zur »Vergangenheitsbewahrung«, wie Aleida Assmann es nennt.

Olivier Guez erzählt vom jüdischen Leben in den Displaced-Persons-Camps, vom deutschen Schweigen der Nachkriegszeit, vom Aufbruch der 68er, vom Durchbruch, den die amerikanische Fernsehserie Holocaust schaffte, von der berüchtigten Rede Martin Walsers und der Goldhagen-Debatte. Er schreibt über die neu erwachende Lust der Deutschen auf Deutsches, über den Umgang mit der Vergangenheit in der DDR und auch über die Vereinigung der beiden deutschen Staaten und die darauf folgende unvermutet große Einwanderung russischer Juden, die die jüdischen Gemeinden so belebte wie belastete.

Das sind für deutsche Leser meist nicht wirklich neue Themen. Das Buch wurde ja auch ursprünglich für ein französisches Publikum verfasst. Und doch ist die so akribisch recherchierte wie lebendig geschriebene und ungemein detailreiche Zusammenschau der Entwicklung eine geglückte Geschichtserzählung und eine spannende Lektüre. Sie handelt von dem Land, in dem überlebende Juden nach dem Massenmord blieben – oft aus Schwäche, Verzweiflung, Mutlosigkeit – und in das andere, teils schon Anfang der fünfziger Jahre, zurückkehrten. Obgleich nicht eine der Nachkriegsregierungen die Courage und den Anstand hatte – Guez erwähnt das nicht–, offiziell die in alle Welt verstreuten überlebenden Juden zu bitten und einzuladen, zurückzukehren.

Die, die kamen, fühlten sich natürlich oft nicht wohl. Sie lebten abgeschottet von der deutschen Umwelt, mit nagendem Argwohn. Der Satz von den gepackten Koffern, auf denen die Juden Jahrzehnte saßen in diesem Land, sagt viel aus über ihre Gefühle und Ängste, die sie übertrugen auf ihre Kinder. Sie hofften, jene würden stellvertretend tun, was sie nicht geschafft hatten – wegzugehen aus dem Land der Mörder.

Leserkommentare
    • AWWWWA
    • 12. Mai 2011 10:00 Uhr

    Es sollte vielmehr heissen:Wie kann man als Deutscher juedischer Glaubensrichtung im Deutschland der Nachnazizeit leben?

  1. Nein, AWWWWA, das sollte es explizit nicht heißen! Die Glaubensrichtung hat nichts mit der ethnischen Herkunft zu tun. So war der in dem Artikel erwähnte Fritz Stern z.B. Protestant. Viele Deutsche sind ja erst durch die Rassengesetze zu Juden gemacht worden. Religion hat für Hitler selbst nie eine Rolle gespielt.

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    • AWWWWA
    • 13. Mai 2011 14:42 Uhr

    "Viele Deutsche sind ja erst durch die Rassengesetze zu Juden gemacht worden. "

    Das stimmt. Insofern sollte man von Deutschen reden, denn sonst wird diese
    Kategorisierung sprachlich und gedanlkich fortgesetzt.

  2. Zitat: "Endlich schienen die Jahre der Adenauer-Restauration mit den Globkes und Oberländers in der Regierung endgültig zu Ende. Doch dann kam der Schock, kam der Rückfall der radikalen Linken in alte Schablonen."

    In welche alten Schablonen fielen die radikalen Linken zurück und wer waren die radikalen Linken? Ich kann mich jedenfalls nicht an Antisemitismus der "Linken" erinnern. Oder setzt der Autor Kritik an Israel automatisch mit Antisemitismus gleich?

    Zitat: "Ganz gleich, welcher Generation die Juden angehören, die hier leben, ob sie die Deutschen hassen, das Land verachten ....."

    [...]

    Gekürzt. Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er

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    1. Linker Antisemitismus
    Es gibt - leider - eine linke Variante des Antisemitismus, dh eine Variante, die sich etwa an den angeblichen jüdischen Kapitalisten ergeht, etc... und nach den 60er Jahren hat es in Deutschland und in anderen Ländern einen bedenklichen linken Antisemitismus gegeben, der sich etwa in dem nachfolgenden Projekt zeigte:
    http://buecher.hagalil.co...
    Auch bestimmte Formen der Kapiatismuskritik sind nur vor dem Hintergrund des Antisemitismus zu verstehen. Und - ja - bestimmte Formen der Israelkritik sind nichts anderes als Antisemitismus.

    2. Juden in D.land nach 1945
    Ich finde es ehrlich gesagt ein starkes Stück, dass Sie es hier schaffen, das Wort "Sippenhaft" in den Mund zu nehmen. Machen Sie sich doch mal klar, was es für einen Juden bedeuten muss, in Deutschland zu leben nach 1945. Und natürlich kann es so etwas wie Zerrissenheit geben, dass man auf der einen Seite ein Land zu schätzen weiß, auf der anderen Seite es einen aber auch gruselt. Denken Sie mal an Reich-Ranicki, dessen Eltern und Bruder ermordet wurden. Wie war das wohl, ab den 50er Jahren in Deutschland zu leben? Wie war es wohl, als Joachim Fest ihm Albert Speer vorstellen wollte?

    Fazit: ich denke, es wäre etwas (!) mehr Sensibilität mit den Opfern deutscher Politik angebracht. So viel Anstand sollte doch möglich sein....

  3. 1. Linker Antisemitismus
    Es gibt - leider - eine linke Variante des Antisemitismus, dh eine Variante, die sich etwa an den angeblichen jüdischen Kapitalisten ergeht, etc... und nach den 60er Jahren hat es in Deutschland und in anderen Ländern einen bedenklichen linken Antisemitismus gegeben, der sich etwa in dem nachfolgenden Projekt zeigte:
    http://buecher.hagalil.co...
    Auch bestimmte Formen der Kapiatismuskritik sind nur vor dem Hintergrund des Antisemitismus zu verstehen. Und - ja - bestimmte Formen der Israelkritik sind nichts anderes als Antisemitismus.

    2. Juden in D.land nach 1945
    Ich finde es ehrlich gesagt ein starkes Stück, dass Sie es hier schaffen, das Wort "Sippenhaft" in den Mund zu nehmen. Machen Sie sich doch mal klar, was es für einen Juden bedeuten muss, in Deutschland zu leben nach 1945. Und natürlich kann es so etwas wie Zerrissenheit geben, dass man auf der einen Seite ein Land zu schätzen weiß, auf der anderen Seite es einen aber auch gruselt. Denken Sie mal an Reich-Ranicki, dessen Eltern und Bruder ermordet wurden. Wie war das wohl, ab den 50er Jahren in Deutschland zu leben? Wie war es wohl, als Joachim Fest ihm Albert Speer vorstellen wollte?

    Fazit: ich denke, es wäre etwas (!) mehr Sensibilität mit den Opfern deutscher Politik angebracht. So viel Anstand sollte doch möglich sein....

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Fern der Realität!"
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    • C4
    • 12. Mai 2011 13:26 Uhr

    "Auch bestimmte Formen der Kapiatismuskritik sind nur vor dem Hintergrund des Antisemitismus zu verstehen."

    Können Sie etwas genauer ausführen, was Sie damit meinen?

    Zum Thema "Sippenhaft": In diesem Zusammenhang sicher ein geschmacklos gewählter Begriff, wenngleich die Sippenhaft im Naziregime ja eher als Vorgehensweise gegen Widerstandskämpfer und politische Gegner Anwendung fand. Dennoch eine unnötige Provokation.

    Ob es in Deutschland viele Juden gibt, die die Deutschen hassen weiß ich nicht. Was ist Ihre Meinung? Falls es so sein sollte, wäre es nicht weniger unwürdig, mich dafür zu hassen, daß ich Deutscher bin, als wenn ich jemanden dafür haßte, daß er Jude ist. Ein gewisses, auch unreflektiertes, Mißtrauen "allem deutschen gegenüber" muß ich allerdings auch unter jüngeren Generationen den Juden in Deutschland geschichtsbedingt zugestehen. Schade natürlich, aber wohl nur durch die Zeit zu überwinden.

    1. Vielen Dank für den Link. Aber was soll er sagen? Dass es unter tausenden junger Leute, die sich gegen die Untätigkeit der Justiz gegenüber Naziverbrechern wandten, auch einen Rabehl, Mahler und Kunzelmann gab, die antisemitisch eingestellt waren. Aus der Existenz dieser 3 Personen "die linken Antisemiten" abzuleiten ist abenteuerlich.

    Ihre übrigen Ausführungen zu diesem Punkt sind zu diffus um darauf eingehen zu können. Was sind "bestimmte Formen der Kapitalismuskritik" und "bestimmte Formen der Israelkritik" in Ihrem Sinne.

    2. Juden in D.land nach 1945.
    Nach 1945 war der Zwang gegenüber Juden in Deutschland vorbei. Wer überlebt hatte und Deutschland verlassen wollte, konnte es tun. Zu bleiben und gleichzeitig "die Deutschen hassen" und "das Land verachten" ist in meinen Augen nicht normal. Ich zumindest möchte nicht in einem Land leben das ich verachte und dessen Bevölkerungsmehrheit ich hasse.

    Auf die 90% der Deutschen, die nach 1945 geboren wurden gehen Sie leider gar nicht ein. Die werden moralisch in "Sippenhaft" genommen, in dem man ihnen Taten zuschreibt, die sie nicht begangen haben.

    Wir sollten nicht die Schlachten der Vergangenheit schlagen, sondern uns lieber für ein normales Zusammenleben aller in Deutschland lebenden Menschen einsetzen - auch mit unseren jüdischen Mitbürgern.

  4. Vielen Dank für diese Besprechung!

    Hier aber ein Wort der Kritik: Der Artikel schreibt, "Vergangenheitsbewältigung (was für ein missglücktes Wort)..." und schlägt stattdessen "Vergangenheitsbewahrung" vor.

    Das zeigt ein deutliches Unverständnis der Situation. Denn in der Nachkriegs- und Nachnazizeit ging es nicht einfach um Erinnerung, es ging um die Frage, was *tun* mit dem Wissen, dass die Eltern und Großeltern, oder zumindest die Eltern- und Großelterngeneration Schwerverbrecher waren. Wie wird ein Mensch und eine Gesellschaft damit fertig, dass die gleichen Menschen und Institutionen, denen man vertraut, die man teilweise liebt und denen man zwangsweise angehört, abrundtiefe Schuld auf sich geladen haben? Denn ganz annehmen kann man sie nach diesem Wissen nicht mehr, aber einfach umbringen kann man sie auch nicht. Was also tun (oder was nicht tun) angesichts dieser tiefen Wunde in der Seele? Das ist nun erheblich mehr als "Vergangenheitsbewahrung".

    Dieses nicht zu verstehen ist vermutlich einer der Irrtümer der Spätgeborenen, die sich nicht wirklich vorstellen können, was sie nicht selbst erlebt haben.

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    WolfHai, Sie sind einem Missverständnis aufgesessen. Die Autorin schlägt mitnichten die Verwendung des Begriffes “Vergangenheitsbewahrung” anstelle des unschönen “Vergangenheitsbewältigung” vor…

    “[…| wie sie den Weg gingen – und noch gehen – von der sogenannten Vergangenheitsbewältigung (was für ein missglücktes Wort) zur »Vergangenheitsbewahrung«, wie Aleida Assmann es nennt.”

    … sondern beschreibt vielmehr den Wandel des vorherrschenden Gefühls, der vorherrschenden Politik, des vorherrschenden Umgangs mit diesem Thema im Laufe der Jahrzehnte. Denn tatsächlich ist es auch so, daß heutzutage eine wahre Erinnerungskultur — jemand sprach da in einem ähnlichen Zusammenhang wohl auch von der Holocaust-Industrie — gepflegt wird, zum Teil eben auch mit befremdlichen Auswüchsen. Ob diese mehr oder minder von oben und durch die Institutionen dekretierte Erinnerungskultur nicht aber mehr Schaden anrichtet denn Gutes tut, wird erst die Zeit zeigen.

    • C4
    • 12. Mai 2011 13:26 Uhr

    "Auch bestimmte Formen der Kapiatismuskritik sind nur vor dem Hintergrund des Antisemitismus zu verstehen."

    Können Sie etwas genauer ausführen, was Sie damit meinen?

    Zum Thema "Sippenhaft": In diesem Zusammenhang sicher ein geschmacklos gewählter Begriff, wenngleich die Sippenhaft im Naziregime ja eher als Vorgehensweise gegen Widerstandskämpfer und politische Gegner Anwendung fand. Dennoch eine unnötige Provokation.

    Ob es in Deutschland viele Juden gibt, die die Deutschen hassen weiß ich nicht. Was ist Ihre Meinung? Falls es so sein sollte, wäre es nicht weniger unwürdig, mich dafür zu hassen, daß ich Deutscher bin, als wenn ich jemanden dafür haßte, daß er Jude ist. Ein gewisses, auch unreflektiertes, Mißtrauen "allem deutschen gegenüber" muß ich allerdings auch unter jüngeren Generationen den Juden in Deutschland geschichtsbedingt zugestehen. Schade natürlich, aber wohl nur durch die Zeit zu überwinden.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "So nicht richtig"
  5. WolfHai, Sie sind einem Missverständnis aufgesessen. Die Autorin schlägt mitnichten die Verwendung des Begriffes “Vergangenheitsbewahrung” anstelle des unschönen “Vergangenheitsbewältigung” vor…

    “[…| wie sie den Weg gingen – und noch gehen – von der sogenannten Vergangenheitsbewältigung (was für ein missglücktes Wort) zur »Vergangenheitsbewahrung«, wie Aleida Assmann es nennt.”

    … sondern beschreibt vielmehr den Wandel des vorherrschenden Gefühls, der vorherrschenden Politik, des vorherrschenden Umgangs mit diesem Thema im Laufe der Jahrzehnte. Denn tatsächlich ist es auch so, daß heutzutage eine wahre Erinnerungskultur — jemand sprach da in einem ähnlichen Zusammenhang wohl auch von der Holocaust-Industrie — gepflegt wird, zum Teil eben auch mit befremdlichen Auswüchsen. Ob diese mehr oder minder von oben und durch die Institutionen dekretierte Erinnerungskultur nicht aber mehr Schaden anrichtet denn Gutes tut, wird erst die Zeit zeigen.

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    Sie haben Recht, ich habe mich in meiner Interpretation geirrt. Danke!

  6. 1. Vielen Dank für den Link. Aber was soll er sagen? Dass es unter tausenden junger Leute, die sich gegen die Untätigkeit der Justiz gegenüber Naziverbrechern wandten, auch einen Rabehl, Mahler und Kunzelmann gab, die antisemitisch eingestellt waren. Aus der Existenz dieser 3 Personen "die linken Antisemiten" abzuleiten ist abenteuerlich.

    Ihre übrigen Ausführungen zu diesem Punkt sind zu diffus um darauf eingehen zu können. Was sind "bestimmte Formen der Kapitalismuskritik" und "bestimmte Formen der Israelkritik" in Ihrem Sinne.

    2. Juden in D.land nach 1945.
    Nach 1945 war der Zwang gegenüber Juden in Deutschland vorbei. Wer überlebt hatte und Deutschland verlassen wollte, konnte es tun. Zu bleiben und gleichzeitig "die Deutschen hassen" und "das Land verachten" ist in meinen Augen nicht normal. Ich zumindest möchte nicht in einem Land leben das ich verachte und dessen Bevölkerungsmehrheit ich hasse.

    Auf die 90% der Deutschen, die nach 1945 geboren wurden gehen Sie leider gar nicht ein. Die werden moralisch in "Sippenhaft" genommen, in dem man ihnen Taten zuschreibt, die sie nicht begangen haben.

    Wir sollten nicht die Schlachten der Vergangenheit schlagen, sondern uns lieber für ein normales Zusammenleben aller in Deutschland lebenden Menschen einsetzen - auch mit unseren jüdischen Mitbürgern.

    Antwort auf "So nicht richtig"
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    • C4
    • 12. Mai 2011 14:06 Uhr

    " Zu bleiben und gleichzeitig "die Deutschen hassen" und "das Land verachten" ist in meinen Augen nicht normal."

    Da mögen Sie Recht haben, aber "normal" dürfte keiner der vorrangigen Begriffe sein, die auf die Situation der deutschen Juden in den Jahren nach 1945 anwendbar wären.

    1. Zu den Formen der Kapitalismuskritik: es gibt eine Art der Kapitalismuskritik, die sich antisemitischer Klischees bedient. Das ist "das Geld", das "raffende Kapital" das Gegenteil des braven, schaffendenden "deutschen" Kaufmanns, der sich mit seiner ehrlichen Hände Arbeit sein Brot verdient. Da gibt es eine lange Tradition (siehe etwa: G. Freytag...neben anderen). Und diese Tradition wurde und wird bei Teilen (!) der Linken wiederaufgenommen und mit antisemitischen Tönen untermauert. Wir wissen alle, was gemeint ist, wenn es um "die Ostküste" geht, um - angeblich - "seelenlosen" Kapitalismus.
    2. Israelkritik: Teile (!) dieser Kritik schliessen sich an Klischees an, etwa, wenn im Umfeld der RAF vom "Judenknacks" gefaselt wurde oder wenn man in den Terroristen der PLO (als diese noch terroristisch tätig war) romantische Wilhelm Tells im Kampf gegen den "Weltzionismus" sah. Man müsste scjon sehr blind sein, um hier nicht Kontinuitäten zu sehen.
    3. Zu Juden in D. nach 1945: Ihre Aussagen beweisen mir, wie unsensibel über dieses Thema gesprochen wird. Das zeitlich erste ist doch der Verrat Deutschlands an seinen jüdischen Bürgern. Und wenn Sie jetzt sagen: wem's hier nicht gefällt, sollte gehen: bürgern Sie damit nicht wieder aus?
    Denken Sie doch mal an dieses hier: nicht wenige Juden werden nach 1945 zunächst aus Zufall geblieben sein: etwa, weil sie in einem DP Lager unterkamen, weil sie keine andere Möglichkeite hatten, etc...

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