Es war unerhört, was sich im Februar 1978 im Theater von Lippstadt abspielte: Aenne Burda, die erfolgreiche Mode-Verlegerin, saß im Publikum, während Models wie Jerry Hall und Pat Cleveland auf der mehrstöckigen Bühne Kleider von Gianni Versace vorführten. Es war die erste Schau des noch wenig bekannten italienischen Designers. Und das nicht in Mailand, sondern in der westfälischen Provinz.

Der Mann, der damals die große Mode in die kleine Stadt brachte, heißt Albert Eickhoff. Vor 50 Jahren hatte er dort mit seiner Frau einen Modesalon eröffnet. Später verlegte er sein Hauptgeschäft in die Düsseldorfer Königsallee, heute wird es von seiner Tochter Susanne Asbrand-Eickhoff und deren Mann Stefan geleitet. Es führt über 120 Luxusmarken und macht – gemessen an seiner Größe – erstaunliche 25 Millionen Euro Umsatz.

Albert Eickhoff, mittlerweile 75, außerhalb der Branche vielen unbekannt, ist einer der einflussreichsten Deutschen in der Mode. Er war schon immer viel mehr als ein Händler: Sein Gefühl setzt nach wie vor Standards. Wer wissen will, was die Designer der Kundin in der nächsten Saison verkaufen möchten, kann das in Zeitschriften sehen. Wen interessiert, was die Kundin in der nächsten Saison kaufen wird, muss in Eickhoffs Orderlisten schauen. Welchen Designer er aufnimmt oder auslistet, hat Signalwirkung für den Handel. Denn Eickhoff verdankt seinen Erfolg nicht nur der Tatsache, dass er der Erste war, der Marken wie Armani und Roberto Cavalli in Deutschland anbot – er hat einen ganz besonderen Blick dafür, wie Frauen sich kleiden wollen. Eickhoff hat gelernt, mit den Augen der Kundin zu sehen und auch ihre Unsicherheiten zu verstehen. Bei den Schauen in Mailand und Paris trifft man ihn nie bei den prächtigen Mode-Defilees, sondern stets vor den Kleiderbügeln in den Showrooms: »Mich interessieren nur Bügelstücke«, sagt Eickhoff. Am Bügel sieht später auch seine Kundin das Kleid.

Eickhoff spricht die Sprache der Designer und die der Konsumentinnen. Große Worte macht er nicht. Bald nachdem er sein Geschäft eröffnet hatte, kamen Konzernvorstände mit ihren Frauen zum Einkauf. Eickhoff lud sie zum Lunch ein – ging aber selbst nicht mit. »Ich war ein kleiner Verkäufer, was sollte ich mit Vorständen reden?« Noch heute, als erfolgreicher Geschäftsmann, schickt er seine Kunden allein zum Essen: »Wenn man mit der Gattin die Einkäufe besprechen will, ist es günstiger, wenn der Verkäufer nicht dabei ist.«