Konferenzen : Das Zitat... und Ihr Gewinn

Eine Konferenz ist eine Sitzung, bei der viele hineingehen und wenig herauskommt (Werner Finck)

Der natürliche Lebensraum des Vorgesetzten ist der Sitzungssaal. Dort schart er sich mehrmals täglich mit Artgenossen um einen Tisch. Dabei kommt es zu Rangkämpfen, wie man sie von Hirschen kennt; wer dem anderen ins Gehege kommt, muss mit heftigen Attacken rechnen. Solche Kämpfe werden von Gleichrangigen ausgefochten, um dem ranghöchsten Tier zu imponieren.

Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"

So – oder so ähnlich – könnte ein Eintrag im Tierlexikon über die Gattung Vorgesetzter und ihr Biotop beginnen. Aber sind Sitzungen nicht wichtig, damit Probleme gelöst werden können? Wie der Kabarettist Werner Finck sagt: Nein. Die einzige Fähigkeit, die erwiesenermaßen zunimmt, wenn man in großer Runde über Probleme redet, ist die Fähigkeit, in großer Runde über Probleme zu reden.

Eine Umfrage unter 800 Führungskräften im deutschsprachigen Raum ergab: Sieben von zehn Teilnehmern halten Meetings für schlecht vorbereitet. Sechs von zehn sagen, Meetings verzögerten Arbeitsabläufe. Und jeder Zweite sieht Verantwortlichkeiten nur unzureichend geklärt.

Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher. In seinem aktuellen Ratgeber Sei einzig, nicht artig! fordert er den Leser auf, nichts mehr nur für andere zu tun, sondern alles für sich selbst.

Direkt nach der Umfrage, befürchte ich, sind die Chefs ins nächste Meeting gehüpft ; ein Drittel gab an, jeden Tag drei bis vier Stunden zu konferieren. Macht, aufs Berufsleben hochgerechnet: schlappe 20 Jahre Meetings!

Woran kranken Meetings? Erstens: Es gibt zu viele davon! Wie wäre es, den Dialog auch außerhalb des Sitzungsraums zu pflegen? Alltägliches lässt sich im Alltag klären, es muss nicht in eine Sitzung ausgelagert werden. Wer öfter mal im Büro seiner Kollegen vorbeischaut und sich abstimmt, findet unkomplizierte Lösungen.

Je weniger Meetings nötig sind, desto besser ist die Organisation!

Zweitens geht es bei Meetings oft nicht um die Sache, sondern nur um die Macht. Eine Abteilung marschiert gegen die andere auf, ein Teilnehmer profiliert sich auf Kosten des nächsten. Wer vor dem Meeting ein Sachproblem hatte, ist danach einen Schritt weiter – er hat zusätzlich ein Beziehungsproblem!

Und drittens: Wenn schon Meetings, dann bitte auch mit denjenigen am Tisch, die von der Sache am meisten verstehen. Wenn Manager über ein neues Einkaufssystem debattieren, ohne dass ein Einkäufer dabei ist, verkommt der Meetingraum zur Insel der Ahnungslosen. Das führt zu Fehlentscheidungen.

Und das macht Mitarbeiter zu Trotzköpfen: Sie torpedieren diesen Beschluss im Alltag, bis er gescheitert ist. Womit ein neues Problem entstanden ist. Zeit fürs nächste Meeting!

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Bla bla bla.

Hm, leider mal wieder 3 Minuten in das Lesen eines Artikels investiert, dessen Inhalt mehr als zweifelhaft ist. Ein Coach, der derartig herumpolemisiert und null-informations Tips versprüht (ach, es sollten Menschen in Meetings sein, die etwas von den Inhalten verstehen? Oh.) sollte vielleicht lieber Comedian werden. Das ist zwar alles nicht lustig, aber das sind die meisten Comedians auch nicht.

Meetings, Herr Wehrle, sind genau dann effektiv, wenn sie gut vorbereitet sind (Agenda), sauber geleitet werden und in einem Ergebnisprotokoll enden, welches To Dos und Verantwortlichkeiten dokumentiert. Diese Ziele dann im Idealfall "S.M.A.R.T." definiert - Specific, Measurable Achievable, Realistic and Time-based.

EIn bisschen Substanz würde Ihrer Kolumne nicht schaden.

Seltsam

Sie schreiben...

wenn das Meeting gut vorbereitet ist und gut moderiert wird. Alles ok. Nur was kommt den letztendlich am Ende dabei heraus? Ich behaupte mal, es wird nirgendwo soviel gelogen wie in solchen Meetings. Die Kunst besteht darin sich nicht sofort erwischen zu lassen! Denn Papier ist bekanntlich geduldig. Ich erinnere, Meetings die eigentlich alle Bedingungen die erwähnt wurden, erfüllten. Wenn man da rausging waren alle zufrieden, nur deshalb sind dann doch zB. bei Lieferverzögerungen, die Mio. an Pönale gekostet haben, bezahlt worden. Warum, weil in diesen Meetings gelogen wurde was das Zeug hielt und warum? Weil man nicht an den Pranger wollte! Beim nächsten Meeting wurden dann die "vermeidlich" Schuldigen vor versammelter Mannschaft nieder gemacht. Das waren dann die Momente die sehr erhebend waren. Übrigens hießen diese Montagsmeetings : Münchausens Versammlung!

Insignien der Macht

Herr Wehrle hat den Nagel auf den Kopf getroffen und dabei wichtige Argumente genannt (keine Spur von blabla zu erkennen..)

Die Effizienz / Produktivität von Meetings kann natürlich gesteigert werden - nur dann wird die Häufigkeit eben folgerichtig abnehmen.. In anderen Ländern wird viel beim Lunch und anderen inoffiziellen Gelegenheiten abgeklärt und ganz unprätentiös...

Das Machtmotiv ist tatsächlich sehr oft im Vordergrund. Ähnliche Meta-Botschaften von oben:
- >Bei uns wird nicht nur topdown delegiert, sondern auch miteinander geredet<... Fraglich dann: gibt es auch eine paritätische Kommunikationskultur?
- >Die Geschäftsleitung holt sich Fachinfos um gute Entscheidungen zu treffen<... Fraglich, ob es sich nicht wiederum lediglich um ein Reporting-Ritual handelt.
- >Abteilungen stimmen ihre Prozesse ab<... Oder nutzen die Bühne vor allem für Graben- und Hierarchiekämpfe und Sebstdarstellung..

Warum könnte das ein typisch Deutsches Phänomen sein? Weil wir Deutschen im Businessbereich schon immer sehr an den Insignien der Macht hängen. Das geht vom teuren Anzug über die Büroausstattung bis zum Glaspalast.

Toll! Schon der erste Kommentar

beeindruckt mich durch die kenntnisreiche Demonstration des inhaltsleeren Pidgin-Geschwätzes, das die "smarten" BWL-Absolventen und sonstigen Wichtigtuer der Nation gierig von den Lippen der selbstgewählten Kolonialherren aufsaugen.

Ich gehe mal davon aus, mein guter (vielleicht gar Dr.?) Seltsam, dass der Autor gerade Sie schmunzelnd als Vorbild im Visier hatte.

Effizienz von Meetings

Wichtig ist auch die Effizienz von Meetings. Die Gestaltung von Meetings kann vieles bewirken. Aus meiner eigenen Erfahrung sind Meetings mit wenigen Teilnehmern (3-6 Personen), wo es um die Lösung eines Problems geht am produktivsten.

Meetings in einem großen Kreis sind dagegen häufig sehr quälend, da man bei vielen Themen nichts beizutragen hat, und es schnell zu Langeweile kommt. Problematisch wird es vor allem dann, wenn sich das Meeting in Details verstrickt. Das schlimmste Beispiel habe ich erlebt, wo in meiner ehemaligen Firma dann auch noch über die Formulierung im Protokoll diskutiert wurde.

Verantwortung teilen

Häufig dienen Meetings nicht der Organisation und Verteilung von Arbeitsaufträgen sondern schlicht dem Teilen von Verantwortung.

Wenn in einer ghroßen Firma oder Behörde (die Unterschiede sind heute oft marginal) ein Mitarbeiter mit einem Problem konfrontiert wird, bemüht er sich nicht um eine Lösung und setzt diese um sondern ruft ein Meeting ein um die Konsequenzen möglicher Entscheidungen auf möglichst vielen Schultern zu verteilen.

Das wuirde als Vollkasko-Mentalität bereits beschrieben. Wenn man mit diesen großen Firmen oder Behörde zu tun hat kann diese Einstellung äußerst lästig sein.