Studienreform"Bologna ist prima"
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 Die Studenten wurden miteinbezogen

Als die Hildesheimer Studenten während der Bildungsproteste den Hörsaal der Uni besetzten, ging der Bologna-Koordinator Toni Tholen einfach hinein. Er fragte die Studenten, was genau sie blöd fänden. Daraufhin richtete er einen sogenannten Bologna-Tag ein. Die Studenten konnten kommen und in Workshops besprechen, was ihnen nicht passte. Den Studenten gefiel das.

Mittlerweile heißt der Bologna-Tag in Hildesheim »Dies academicus« und ist zum festen Bestandteil des Studienjahrs geworden. Er soll den Austausch zwischen Lehrenden und Studenten weiter vorantreiben. Im Fokus steht die Frage: Wie kann man das Studium verbessern? In welchen Fachbereichen gibt es wo genau noch Probleme? Und: Wie sind sie zu beheben?

Das Ergebnis: Die Module sind in Hildesheim flexibler geworden, Credit Points wurden dem Aufwand angeglichen, die Prüfungsbelastung ist durch die Verringerung von Modulen reduziert worden. Der von Bachelorstudenten oft angeprangerte »Prüfungsmarathon« wurde durch weiter gefasste Prüfzeiträume entzerrt. In einigen Studiengängen wurden die Module geöffnet, um den Studenten individuelle Wahlmöglichkeiten zu geben. Für dieses Engagement hat die Hochschulrektorenkonferenz Hildesheim auf die Liste der »Good Practice«-Beispiele gesetzt.

Die Uni Hildesheim hat sich mit ihrer Reformbereitschaft vom Hannoverschen Stiefkind zum bundesweiten Musterschüler gemausert. Allem Studenten-Widerstand zum Trotz beweist die Provinz-Uni gerade, dass Bildungskrisen auch Chancen bergen. Und dass es nicht nur eine Sache der Größe und des Geldes ist, sondern vor allem auch eine Frage der Einstellung. Selbst der Asta-Referent der Uni spricht sich inzwischen öffentlich für die Bachelor- und Masterstudiengänge aus. Und die Studenten fühlen sich von der Universitätsleitung in ihren Anliegen ernst genommen.

»Sie haben da ja nur zwei Möglichkeiten«, sagt Friedrich, »entweder Sie stecken den Kopf in den Sand, oder Sie schauen, wie man es besser machen kann.«

»Was in Hildesheim geht, geht auch woanders«

Wolfgang-Uwe Friedrich, Werner Greve und Toni Tholen haben sich entschlossen, den Kopf oben zu halten. Sie sind die Antreiber auf den Campus. Greves Meinung nach ist Hildesheim auf dem aufsteigenden Ast. Manchmal mischt sich schon etwas Größenwahn in seine Worte. Das klingt dann so: »Auch Cambridge war mal ein rotes Backsteingebäude in der Nähe von London

Hildesheim ist die kleinste Großstadt des Landes Niedersachsen, mit gerade einnmal knapp über 100.000 Einwohnern. Es gibt Reste einer mittelalterlichen Stadtmauer und den ältesten Rosenstock der Welt. In Hildesheim studieren 5000 Studenten von bundesweit rund 2,2 Millionen.

Trotzdem findet Greve, dass die deutsche Hochschullandschaft auf Hildesheim blicken sollte. »Ich glaube, dass das, was in Hildesheim geht, woanders ganz bestimmt auch geht«, ruft er zum Abschluss seiner Abendrede ins Foyer und breitet die Arme aus: »If we can make it here, we can make it everywhere!«

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Leserkommentare
  1. Dieses Semester 7 Klausuren an 6 Tagen, aber evtl. wird es ja die nächsten besser. Hab aber wie die meisten schon aufgehört zu hoffen das es besser wird.

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    • Afa81
    • 17. Mai 2011 15:59 Uhr

    ...in meinem Dipl. Studiengang auch...

    • Afa81
    • 17. Mai 2011 15:59 Uhr

    ...in meinem Dipl. Studiengang auch...

    Antwort auf "Wär schön, aber"
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    • hurt
    • 17. Mai 2011 23:18 Uhr

    Bei Diplomstudiengängen sind jedoch in vielen Fächern die Noten vollkommen egal. Zusätzlich kommen zu den 5-10 Klausuren am Ende vom Semester nochmal mindestens eben so viele Leistungen (Kurzklausuren, Praktika, Arbeiten, ...) während des Semesters, deren Noten ebenfalls zur Abschlussnote zählen. Das ist dann wieder Relevant, falls man noch einen Master machen möchte.

    Ich habe beispielsweise dieses Semester insgesamt 21 Prüfungsleistungen, weil ich mir erlaubt habe, nach vier Semestern mal in einer Klausur durchzufallen, sonst wären es "nur" 20... Schaffen sollte man davon dann möglichst alles, weil man sonst schnell Gefahr läuft, eine Hürde ins Nächste Semester nicht zu schaffen und dann zwei Semester eine Ehrenrunde zu drehen, in denen man dann effektiv nichts zu tun hat (außer Studiengebühren zu zahlen), weil man keinerlei Prüfungen und vor allem Praktika aus höheren Semestern absolvieren darf.

    Ich hab davor eine Ingenieurwissenschaft auf Diplom an einer an einer angeblich sehr anspruchsvollen Universität studiert, und gegen meinen Bachelor an einer FH war das Diplomstudium der reinste Spaziergang.

    Tatsächlich müsste man wohl an vielen Hochschulen mal genau schauen, wie die Arbeitsbelastung tatsächlich aussieht und ob man da nicht einfach etwas entzerren kann, gerade auch in Hinblick auf die Prüfungszeiträume. Leider ist bei uns diese Bereitschaft nicht vorhanden.

  2. Man hat also die Studienordnungen drei, bzw. vier Mal umgeschrieben?
    Zunächst mal zählt nahezu aussschließlich, was in der Prüfungsordnung steht.
    Weiterhin drängt sich die Frage auf, weshalb man sich nicht beim ersten Mal überlegt hat, ob die Vorgaben gut sind. An vielen Universitäten studiert man mit der Prüfungsordnung bis zum Abschluss, mit der man angefangen hat. Das bedeutet, dass Verbesserungsvorschläge in diesem Fall nur den Nachfolgern nutzen. Im besten Fall hat man bis zur Änderung inadäquate Anforderungen.
    Und es bedeutet, dass wenn man eine Neufassung pro Jahr veranschlagt (das ist optimistisch), hier mindestens vier Jahrgänge unter offensichtlich unzulänglichen Vorgaben gelitten haben. Und es bedeutet zuletzt, dass die Absolventen eines Studiengangs nicht einmal mehr untereinander hinsichtlich ihrer Leistungen vergleichbar sind.
    Mir fällt es sehr schwer, aus diesem Artikel herauszulesen, was genau den Hildesheimern so gut gelungen sein soll.
    Ehrlich gesagt sind mir da die geschmähten großen technischen Universitäten lieber; die bemühen sich immerhin, allen Bachelorabsolventen von vornherein ein Masterstudium zu ermöglichen und den Übergang dazu möglichst nahtlos zu gestalten.

    • hurt
    • 17. Mai 2011 23:18 Uhr

    Bei Diplomstudiengängen sind jedoch in vielen Fächern die Noten vollkommen egal. Zusätzlich kommen zu den 5-10 Klausuren am Ende vom Semester nochmal mindestens eben so viele Leistungen (Kurzklausuren, Praktika, Arbeiten, ...) während des Semesters, deren Noten ebenfalls zur Abschlussnote zählen. Das ist dann wieder Relevant, falls man noch einen Master machen möchte.

    Ich habe beispielsweise dieses Semester insgesamt 21 Prüfungsleistungen, weil ich mir erlaubt habe, nach vier Semestern mal in einer Klausur durchzufallen, sonst wären es "nur" 20... Schaffen sollte man davon dann möglichst alles, weil man sonst schnell Gefahr läuft, eine Hürde ins Nächste Semester nicht zu schaffen und dann zwei Semester eine Ehrenrunde zu drehen, in denen man dann effektiv nichts zu tun hat (außer Studiengebühren zu zahlen), weil man keinerlei Prüfungen und vor allem Praktika aus höheren Semestern absolvieren darf.

    Ich hab davor eine Ingenieurwissenschaft auf Diplom an einer an einer angeblich sehr anspruchsvollen Universität studiert, und gegen meinen Bachelor an einer FH war das Diplomstudium der reinste Spaziergang.

    Tatsächlich müsste man wohl an vielen Hochschulen mal genau schauen, wie die Arbeitsbelastung tatsächlich aussieht und ob man da nicht einfach etwas entzerren kann, gerade auch in Hinblick auf die Prüfungszeiträume. Leider ist bei uns diese Bereitschaft nicht vorhanden.

    Antwort auf "Das hatte ich aber...."
    • SarahA
    • 18. Mai 2011 9:26 Uhr

    Meine Studienordnung wurde so oft geändert, dass selbst das Prüfungsamt überfordert war.
    Und mal ehrlich ist das wirklich fair?
    Bachelor angefangen, durchs Studium gehetzt und am Ende wurde mehr als 1/3 der Leistungsnachweise für die weggekürzt die nach mir kamen. Mein Jahrgang brauchte grundsätzlich 4 Jahre und kämpfte einen Kampf mit dem Bafögamt aus, den wir alle verloren.
    Das gleiche Schauspiel mit dem Master. Kaum bin ich mit allen Leistungsnachweisen durch, wird dem nachfolgendem Jahrgang 1/3 weggekürzt.

    Das Ärgerliche dabei ist, dass die Versuchskaninchen allesamt eben nicht Bachelor und Master in der perfekten Regelstudienzeit schaffen, aber gleichzeitig mit den jüngeren auf den Arbeitsmarkt geworfen werden.
    Wie wäre es, wenn ihr mal darüber berichten würdet? Wäre schön, wenn man die Bevölkerung auch mal über solche Probleme informieren würde.

    Ich kritisiere nicht die Änderungen der Studiengänge, sondern vielmehr, dass die Dozenten sie bis zum Schluss nicht durchführen wollten und sich über uns lustig machen. Uns nicht beim Kampf mit dem Bafögamt helfen wollten, weil sie sich dann ja eingestehen müssten, dass sie falsch gemacht haben.
    Und das Bafögamt schaut einen dann an und sagt "Pech, sie fallen eben durchs Raster".

    Wohlgemerkt von über 100 Studierenden, hatten eine Handvoll es in der Regelstudienzeit geschafft...

  3. Also ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich mein Studium beenden durfte, bevor der Bolognaprozess eingeführt wurde. Sehr schön finde ich die Aussage zum Aussitzen der Proteste. Diese angebliche Reformbereitschaft war für die meisten Unis ja lediglich ein Lippenbekenntnis und eine Publicitymaßnahme. Wäre ich noch Student, wäre ich wohl schon wieder auf der Straße. Ich weiß auch nicht, ob in Hildesheim wirklich alles so toll ist. Aber die kleineren Hochschulen tuen sich irgendwie etwas leichter mit der Reform als die großen. Ich wette aber, dass auch im Bereich der Modularisierung und der Berufsqualifizierung auch an der Uni Hildesheim noch jede Menge Verbesserungspotential schlummert.

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    in der am 26.05 stattfindenden "Zeit-Tagung" in HILDESHEIM. Sowas nennt sich dann wohl gegenseitige PR.
    Natürlich ist der Artikel völlig an Haaren herbeigezogen, es können sich ja mal alle den Spaß erlauben und die gelobten Studienordnungen online suchen, da wird mensch nur eine von 2006 finden.
    Des weiteren ist es eher befremdlich, wenn Dozenten die ihr Lehrangebot nur aufgrund von privaten Spenden aufrecht erhalten können, wie Herr Greve, die tollen Bedingungen in Hildesheim loben.
    Eigentlich müsste mensch eine Gegendarstellung verlangen, weil der Artikel noch handfestere Lügen enthält, aber vielleicht sollten die Studierenden in Hildesheim einfach die Gelegenheit am 26.05 nutzen um die Wahrheit zu sagen. Übrigens ist da auch der Aktionstag gegen Studiengebühren in Bayern und Niedersachsen, also seit kreativ ;)

    Infos:
    http://asta-hildesheim.de...

  4. in der am 26.05 stattfindenden "Zeit-Tagung" in HILDESHEIM. Sowas nennt sich dann wohl gegenseitige PR.
    Natürlich ist der Artikel völlig an Haaren herbeigezogen, es können sich ja mal alle den Spaß erlauben und die gelobten Studienordnungen online suchen, da wird mensch nur eine von 2006 finden.
    Des weiteren ist es eher befremdlich, wenn Dozenten die ihr Lehrangebot nur aufgrund von privaten Spenden aufrecht erhalten können, wie Herr Greve, die tollen Bedingungen in Hildesheim loben.
    Eigentlich müsste mensch eine Gegendarstellung verlangen, weil der Artikel noch handfestere Lügen enthält, aber vielleicht sollten die Studierenden in Hildesheim einfach die Gelegenheit am 26.05 nutzen um die Wahrheit zu sagen. Übrigens ist da auch der Aktionstag gegen Studiengebühren in Bayern und Niedersachsen, also seit kreativ ;)

    Infos:
    http://asta-hildesheim.de...

    • enji86
    • 18. Mai 2011 17:14 Uhr

    So ein "Wir-fragen-mal-die-Studenten-Tag" ist ja wirklich etwas Gutes, aber ich bezweifle sehr stark, dass es an den größeren Universitäten, wie Berlin, München, Köln, genauso gut funktionieren würde.
    Im Grunde hat man in Hildesheim nur die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge den alten Magister- und Diplomstudiengängen angeglichen. Mehr nicht. Man hat sie gelocker, also "entschult", und die Anzahl der Credit-Points geändert. Worin ich ein weiteres Problem sehe.
    Wenn jede Universität unterschiedliche CP vergibt für das gleiche Fach oder den gleichen Studiengang, dann sind diese nicht mehr Kompatibel und man hat nach seinem Bachelor Probleme an anderen Hochschulen seinen Master zu machen, wenn er an der eigenen Uni nicht angeboten wird.
    Ich finde immernoch, dass die Übernahme der Bachelor- und Masterstudiengänge misslungen ist. Ich weine zwar den alten auch nicht hinterher ( ich bin eine der wneigen Glücklichen, die noch auf Magister studieren können ), aber die neuen halte ich für sehr fragwürdig. Zu mindest so, wie die Studienordnungen im Moment bestehen.

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  • Schlagworte Diplom | Master | Missbildung | Student | Studiengang | Hildesheim
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