Studienfinanzierung : "Nachteile abbauen"

Der Hochschulforscher Ulrich Teichler über die Vereinbarkeit von Studium und Nebenjobs.
Oktoberfest: Kellnern ist immer noch ein klassischer Studentenjob © Andreas Gebert/dpa

DIE ZEIT: Dem Deutschen Studentenwerk zufolge arbeitet heutzutage jeder vierte deutsche Student nebenher so viel, dass er nicht mehr als Vollzeitstudent gelten kann. Der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft hat deshalb mehr Teilzeitangebote gefordert. Was halten Sie davon?

Ulrich Teichler: Nebenjobs sind kein Argument für wesentlich mehr Teilzeitstudiengänge. Seit Langem arbeiten Studenten nebenher, studieren mehr oder weniger in Teilzeit. Aber nur jeder siebte arbeitet während des Semesters mehr als sechzehn Stunden pro Woche. Das führt meist dazu, dass sich das Studium um ein Jahr bis zwei Jahre verlängert. Kaum jemand hat dadurch aber schlechtere berufliche Chancen oder verdient weniger. Studenten, die nebenbei jobben, sammeln ja Arbeitserfahrung. Ich bin nicht sicher, ob wir noch mehr zum Teilzeitstudium ermutigen sollten. Das ist nicht die dringlichste Aufgabe, die sich den Hochschulen stellt.

DIE ZEIT: Wenn jemand bis zu zwanzig Stunden in der Woche arbeitet – leidet darunter nicht sein Studium?

Teichler: Man muss sich entscheiden, was man will. Einerseits haben wir die Tradition des Studenten, der zumindest formal in Vollzeit studiert. Andererseits wird verlangt, dass man nebenher viele Erfahrungen in Jobs und Praktika sammelt. Hier muss jeder seine persönliche Balance finden.

DIE ZEIT: Viele klagen, dass es in Bachelor- und Masterstudiengängen kaum noch möglich sei, nebenher zu arbeiten, ohne das Studium zu gefährden.

Teichler: Bei der Reform hat man das Thema Nebenjob erst einmal übersehen, aber hier kann man nachbessern. Mit der Bologna-Reform wurden Studiengänge in Module eingeteilt. Wer ein Modul besteht, bekommt Punkte; um ein Studium abzuschließen, muss man eine bestimmte Zahl an Punkten erreichen. Warum geht das nicht in einer beliebigen Zeit? Zusätzlich müsste das Bafög reformiert werden, das sich vor allem an der Standard-Studiendauer orientiert. Die Regelungen für Studiengebühren müssten ebenfalls flexibler werden: Wer weniger Punkte im Semester machen will, zahlt weniger.

DIE ZEIT: Wer braucht dann überhaupt »echte« Teilzeitstudiengänge?

Teichler: Für die Minderheit der Teilzeitstudenten, die voll im Beruf stehen und zusätzlich studieren wollen, braucht man andere Angebote, die es ihnen ermöglichen, nur am Abend oder am Wochenende Kurse zu besuchen. Hier sind separate Teilzeitstudiengänge gefragt. Der Bedarf würde am besten gedeckt werden, wenn ganze Fachbereiche oder Hochschulen sich darauf spezialisierten. Denn für solche Angebote muss man anderes Personal rekrutieren: Professoren, Mitarbeiter und Lehrbeauftragte, die am Wochenende oder abends lehren wollen und können.

DIE ZEIT: Sie schlagen also flexiblere Studien- und Prüfungsordnungen vor und für eine Minderheit spezielle Teilzeit-Hochschulen.

Teichler: Ja, zum Teil gibt es solche Angebote auch schon. Bevor wir die stärker ausbauen, müssen wir uns aber fragen: Ist es sinnvoll, dass Teilzeitstudierende unter sich sind? Sollten sie nicht auch in Kontakt mit »Vollzeitstudenten« kommen? Hier geht es nicht nur um organisatorische Fragen, man muss sich auch entscheiden, welche Milieus man schaffen will.

DIE ZEIT: Sollte also lieber doch alles bleiben wie bisher?

Teichler: Nicht unbedingt. Es wird viel vom lebenslangen Lernen gesprochen, aber bisher wird wenig für einen anderen Rhythmus von Berufs- und Lernphasen getan. Es geht nicht nur darum, dass Ältere noch mehr lernen, sondern auch dass nicht alle vor dem Berufseinstieg so lange lernen. Wir sollten dazu ermutigen, dass nach Abitur oder Ausbildung einige Jahre Berufstätigkeit folgen und ein späterer Einstieg ins Studium leicht möglich ist – Vollzeit oder Teilzeit. Es sollte keine Probleme geben, wenn jemand erst einige Jahre nach dem Bachelor in den Master einsteigen will. Deshalb müssen wir alle organisatorischen und finanziellen Nachteile für diese Studenten abbauen. Separate Studiengänge für Teilzeitstudenten sollte es nur in Ausnahmefällen geben. Wir müssen Studiengänge so gestalten, dass sie für alle »studierbar« sind: für Jüngere, Ältere, für Vollzeit- und Teilzeitstudenten.

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Kommentare

49 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Nebenher sich ausbeuten

Der Autor lässt eine große Realitätsfremde vermissen, die typisch für scheinbar Nichtbetroffene ist.

"Nebenher" arbeiten - schon der Ausdruck ist unsinnig, als ob man eben mal so eben "nebenher" ein paar Stunden kellnert, dann noch zu nachtschlafender Zeit sich das Skript für die Vorkesung am nächsten Tag betrachtet, die dummerweise nach 50% der Dauer fluchtartig verlassen muss, weil man in der mittagsschicht dringend gebraucht wird, weil sich nicht genügend Dumme für die meist mies bezahlten Jobs finden.

Kinder reicher Eltern haben es da vergleichsweise einfach und scheinbar scheint das Interview auch aus einer solch unbefindlichen Perspektive geschrieben. Die Elite hatte es ja noch nie so mit der prekären Situation unterhalb ihrer Gefilde bzw. missbracuht diese für die eigene "Geiz ist geil"-Mentalität.

Aber das ist ja auch von der asozialen Politik mit Studiengebühren, paren an der Bildung, Excellenzclustern und anderem Pipapo gewollt, welche die verlogene und meist wenig produktive Selektion an den Hochschulen befördern sollen, damit nur die eigenen Kinder Karriere machen und der Rest einem das warme Süppchen in der Mittagspause für 7 Euro Stundenlohn vorsetzt.

In Dänemark

gibt es ein so genanntes "Zwangsbafög" welches in der Studienzeit den Studenten (ähnlich wie das deutsche Bafög, nur [entscheidend] ein höherer Satz im Monat) monatlich gezahlt wird. Dies wird dann in Rahmen von höheren Steuersätzen begrenzt auf drei bzw. fünf Jahre "zurückgefordert". Fazit, man jobbt in den Semesterferien nur für Luxus, Reisen etc... aber man hat während des Semesters und auch in den Semesterferien wenn man ohne Luxus auskommt den Rücken frei.

Mittlerweile kann ich nur fünf Kommilitonen nennen, die nicht gezwungen sind neben dem Studium zu arbeiten. Früher hat man zwar auch gearbeitet, aber nicht "for living", damit man überhaupt studieren kann sondern eben zum Spass oder um sich was "zu gönnen". Auch hatte man früher nicht die anwesenheitspflichtigen Seminare und Vorlesungen, die einem dann die Arbeitsplanung zwangsläufig in den Abend oder in die Nächte legt... Man ist darauf angewiesen, dass der Arbeitgeber mitspielt... Allen die neben dem Studium arbeiten müssen wünsche ich solche Arbeitgeber...

Best E.

Kreditfinanzierung

Etwas ähnliches gibt es bereits von der KfW, völlig unabhängig von den Eltern bis zu 650 Euro im Monat und relativ niedrig verzinst. Das ist zwar nicht optimal, weil es natürlich reichere Menschen dann nach dem Beruf leichter haben einen Kapitalstock aufzubauen, aber es ist ein Weg aus der blöden Situation sich nicht auf das Studium konzetrieren zu können, weil man jeden zweiten Abend kellnert, man deshalb länger studiert, die Noten schlechter sind als sie sein könnten und deswegen der Einstieg in den Arbeitsmarkt schwerer ist.

Ein gewisses Risiko ist natürlich dabei das Studium dann trotzdem nicht zu schaffen und den Kredit trotzdem bedienen zu müssen. Aber mal ehrlich: erstens motiviert eine solche Verpflichtung ungemein sich anzustrengen und zweitens überlegt man sich genau, ob das erstens der richtige Studiengang ist und zweitens ob man damit auch die beruflichen Perspektiven hat um den Kredit zurückzuzahlen.

Deswegen würde ich jedem raten den mut zu haben sich das Studium nicht durch die Arbeit zu versauen, sondern lieber eine Investition in den eigenen Kopf zu tätigen.

KfW-Kredit

Wenn man denn bereit ist, für den Versuch zu studieren, mehrere zehntausend Euro Schulden aufzunehmen, ist das vielleicht ok, aber ich finde das nicht richtig. Die Rückzahlung von dem KfW-Kredit ist schon für Leute Problematisch, die fertig studiert haben, aber vielleicht nicht gerade Maschinenbau als Studienfach zu wählen.

Dann zahlt man vielleicht als Sozialarbeiter oder Geisteswissenschaftler nach dem Studium 25 Jahre lang monatlich 235 Euro, weil mit Zinsen aus den 38.000 ausgezahlten Euro für Bachelor und Master in 10 Semestern plötzlich 71.000 Euro geworden sind. Und für derartige Berufsgruppen sind 235 Euro im Monat _sehr_ viel Geld, und der Kredit ist erst abbezahlt, wenn man zwischen 50 und 60 Jahre alt ist. Herzlichen Glückwunsch.

Wenn den gleichen Betrag versucht, innerhalb von 10 Jahren abzubezahlen, zahlt man knapp 450 Euro pro Monat ab. Das können sich manche Berufsgruppen gar nicht leisten.

Studienwahl

Ausschlaggebend für die Studien- und Berufswahl soll jedoch nicht wirtschaftlicher Druck sein, sondern persönliche Neigung.

Abgesehen davon schließt Ihre Theorie nicht nur einzelne Studienfächer sondern ganze Themenbereiche für Menschen mit schwächerem finanziellen Hintergrund aus. Konsequent weitergedacht bedeutet dies, dass es nur Menschen mit dem entsprechenden Kleingeld möglich ist, das zu studieren, was den eigenen Interessen entspricht. Der Rest soll sich dann entsprechend durch ein ungeeignetes Studium Quälen und einen Beruf ergreifen, der dann mangels Interesse lediglich dem Broterwerb dient. Das bedeutet, dass dies eine Einschränkung der Berufsfreiheit darstellt, was einigen Regelwerken zur Grundordnung unserer Gesellschaft widerspricht, inklusive Art. 12 GG.

Ich wüsste mal gerne,

welches Studienfach Ihres Erachtens wirklich "Zukunft" hat.

Selbst die so hoch gepriesenen Ingenieure bekommen nur noch Hungerlöhne als Einstiegsgehalt, dazu muss man nur mal in die Stellenangebote schauen.

Auf Lehramt studieren? Bringt auch nicht mehr viel, wenn neue Lehrer inzwischen in etlichen Bundesländern nur noch vom Ende der Sommerferien bis zum Beginn der nächsten Sommerferien eingestellt werden. Die befinden sich dann jahrelang in einer Mühle, in der sie hoffen können, irgendwann einmal eine Festanstellung und eine Chance auf den Beamtenstatus zu bekommen.

MINT-Absolventen? Informatiker werden ebenfalls mit Hungerlöhnen abgespeist und müssen nach ihrem Studium noch Scheine machen für verschiedenste Hardware- und Software-Systeme, die im Bachelor-/Masterstudium nicht behandelt werden können. Mathematiker, Physiker etc. haben noch Chancen, wenn sie als Dozenten eingestellt werden, als Lehrer haben sie wohl eine höhere Chance auf den Beamtenstatus als andere Fachrichtungen.

Da bleibt nicht mehr viel. Rechtswissenschaften, Medizin? Da gibt es jede Menge Absolventen, die hier ebenfalls kaum noch Chancen haben. In der ZEIT Campus berichtete ein Jura-Absolvent, er könne mit 1000 € brutto zufrieden sein...

Da blieben nur noch relativ neue Studienrichtungen wie "Gender Studies" oder futuristisch anmutende Neuschöpfungen an Studiengängen.

Vollständige Kreditfinanzierung

Ihr Beispiel setzt doch voraus, dass das gesamte Studium nur durch einen solchen Kredit finanziert wird. Das ist aber für die meisten Studenten gar nicht der Fall und schon gar nicht während des ganzen Studiums.

Man braucht den vollen Satz ja nur wenn man a) gar kein Bafög bekommt, b) die Eltern einen überhaupt nicht finanzieren, man c) gar keine Rücklagen hat und d) nicht die Möglichkeit hat 400 Euro im Monat dazuzuverdienen. Ich würde sagen, dass diese vier Bedingungen auf nicht viele potentielle Studierende zutrifft. Solche Fälle sind sehr, sehr selten. Meistens gibt es eine Finanzierungslücke von 100-200 Euro pro Monat oder die letzte ein bis zwei Jahre des Studiums, die eine Überbrückungsfinanzierung brauchen. Dann reden wir über 10.000-15.000 Euro und die kann man gut in 10 Jahren abbezahlen, auch wenn man, wie ich, kein Maschinenbauer ist.

Schon wieder der Durchschnitt

Der Hauptteil der Studienfinanzierung kommt im Durchschnitt von den Eltern und aus eigenem Verdienst.

Aber bei Chancengleichheit geht es eben nicht um die Meisten oder den Durchschnitt, sondern darum, jedem (der das möchte) einen Zugang zur Hochschule und eine freie Studienwahl zu ermöglichen. Abgesehen davon bin ich einer von denen, auf den die Punkte a,b und c zutreffen, und kann daher aus eigener Erfahrung sagen, dass diese Menschen durch Äußerungen wie "bei den meisten klappt es ja" relativ schnell zu Verärgerung führen. Ich habe aus finanziellen Gründen ein Studium abbrechen müssen um zu Arbeiten und erhalte deswegen jetzt kein Bafög mehr, das ist dann wohl einfach blöd gelaufen, oder?

Wegfall von Bafög, Elterlicher Finanzierung und Rücklagen sind in der Regel nicht selbstverschuldet sondern einfach nicht vorhanden/möglich.

Um die Meisten muss man sich keine Gedanken machen, sondern um die, bei denen es finanziell eben nicht reicht. Und wenn die sich dann den aus pekuniären Gründen "falschen" Studiengang raussuchen, haben die dann einfach Pech gehabt?

Die Krönung

Es ist interessant, dass bei dieser Reform diejenigen komplett vergessen wurden, die älter sind, die keinen Baföganspruch mehr haben und die wirklich viel nebenbei arbeiten müssen. Das ist naturgemäß nicht die Mehrheit der Studenten, aber auch kein unerheblicher Anteil. Zumal sind es die, die aus bildungsferneren Schichten kommen oder einfach später zum Studium kommen. Also auch die, die keine Unterstützung aus dem Elternhaus haben oder wollen. Es ist ja schon nicht mehr selbstverständlich, dass es Studenten mit über 30 Jahren gibt. So vermissen schon einige Professoren die Älteren. Ja und die haben oft erst mal Sorge ein Studium zu beginnen. Denn natürlich leidet in erheblichen Maße das Studium durch eine Berufstätigkeit die 80Std. im Monat umfasst! Das ist doch eine völlig andere Art zu studieren, als es dann den jüngeren vorbehalten ist. Ich möchte auch hiermit gerne die Zeit anregen einen Artikel über eben diese Gruppe der Studenten zu recherchieren, von denen oft nicht die Rede ist. Und die haben auch als Erste allen Grund die Bachelorreform zu kritisieren. Und vor allem hier zeigt sich auch der verschulte Charakter, die Nachteile desselben. Nur mal so nebenbei. Mein Eindruck ist sowieso, dass es kein doofer Zeitpunkt ist ab 30J. zu studieren! Vielleicht sollte man auch hier alte Vorstellungen überwinden. Die Lehr und Wanderjahre bis 30 erst genommen, kann ein darauf folgendes Studium eine wunderbare Ergänzung sein.

Der Artikel schießt, wie so oft bei solchen Themen, ...

...an der Realität vorbei. Zwar sind die Hörsäle und Übungsräume vermehrt voll von Anfangzwanzigern, die es noch nicht einmal geschafft haben, das schulische Denken abzulegen ("Was müssen wir denn nun wissen für die Hausarbeit?"). Aber was ist eben mit den Älteren, mit denen, die seit Jahren an einem Magister- oder Diplomstudiengang hängen? Oft (natürlich nicht immer!) sind es die, welche trotz ihrer Arbeit neben dem Studium (oder eher: Studium neben der Arbeit), dieses System trotz aller Schwierigkeiten (finanziell, organisatorisch) nicht verlassen wollen, weil sie zu und hinter ihrem Fach stehen und dieses eben ganz bewusst abschließen möchten. Wenn jemand mit 30 immer noch dabei ist oder da erst zu studieren beginnt, hat er meistens eine viel stärkere Überzeugung über sein Fach, eine andere Sichtweise darauf, und studiert dann meist aus ganz anderen Beweggründen, als die Oberstufenverlängerer, pardon, ich meinte, Bachelorstudenten. Natürlich gibt es auch unter den letzteren welche, die morgens auf dem Weg zur Arbeit und mit einer Zeitung in der Hand mit wahren Problemen des Lebens konfrontiert werden. Aber die Masse derer? Trotzdem wird aber alles auf sie abgestimmt: Studien-/Prüf.Ordnungen, Finanzielles, Soziales. In der Interaktion mit Lehrenden und Wissenschaftlern oder bei Besetzung von Mentoren- und Tutorenstellen haben sie (selbst in Relation)gegen die letzten "Alten Hasen" dennoch keine Chance. Tja, warum wohl nicht? (Danke an freierepublik für die Denkanstöße...!)

Die Verschulung,

die Sie ansprechen ist meines Erachtens nach ganz klar im Aufbau des Bachelorsystems begründet. Wenn man zu Diplom/Magister-Zeiten mit dem Studium angefangen hat, dann hatte man (meist) zunächst einmal die Qual der Wahl. Es gab mehrere Richtungen, in die man erst einmal hineinschnuppern konnte, bis man etwas gefunden hatte, was einem wirklich lag. Wenn man dabei etwas länger brauchte, war das kein Problem.

Im Gegensatz dazu ist beim Bachelor von vornherein (fast) alles notenrelevant. Man hat keine wirkliche Möglichkeit, sich erst einmal umzusehen. Zudem führt der Aufbau, auch durch das Einfließen der Noten in die Endnote, zu einer Verschulung. Die leichte aber uninteressante Vorlesung wird der schwierigen aber interessanteren Vorlesung vorgezogen, weil am Ende vermutlich eine schlechtere Note herauskommt.

Das Übrige tun natürlich noch diverse Medien, die die neue Überbelastung der Studenten anprangern, obwohl die Semesterwochenstunden eigentlich nicht wirklich zugenommen haben.

Ich möchte hier vielmehr kritisieren, dass man den Studenten nicht mehr eine Möglichkeit zur Orientierung gibt.

merk jemand was?

Ich zitiere mal
"Andererseits wird verlangt, dass man nebenher viele Erfahrungen in Jobs und Praktika sammelt. Hier muss jeder seine persönliche Balance finden."

und die Bildunterschrift:
"Kellnern ist immer noch ein klassischer Studentenjob"

Ich wusste garnicht das die meisten Studenten Kellnern für ihre zukünftigen Berufe als "Berufserfahrung" angerechnet bekommen.

Mal anders denken

Ich finde schon auch, dass eine Berufstätigkeit neben dem Studium an sich sehr bereichernd sein könnte. Aber niemals unter den Vorraussetzungen, die zum Teil aktuell umgesetzt wurden.
Und natürlich auch nur dann, wenn die Berufstätigkeit so ungefähr mit dem Studium zutun hätte. Dann würde es sich ergänzen. Aber dann muss man wieder allen Druck und Zwang unterlassen, der mit dem Bachelor so nebenbei eingeführt wurde. Dann muss man auch eine Achtung entwickeln, gegenüber denen die wirklich viel nebenbei arbeiten. Denn wie sollen diese dann noch fristgerecht ständig Protoköllchen, Klausuren und Arbeiten schreiben. Womöglich noch ein Kind haben. Oder Zwei:-)
Das ist absurd. Und dieser Geist herrscht an vielen Hochschulen. Nur das ich höre, dass an diesen, die ältesten Studenten um die 26 Jahre sind. Jetzt ganz andere Studiengänge zu entwickeln für die Berufstätigen, womöglich irgendwelche Online-studiengänge finde ich ebenso fraglich. Ist es nicht gerade bereichernd, wenn alte und junge Studenten zusammen studieren? Will man das völlig abschaffen? Die jungen machen das normale Studium, die Alten kommen am Wochenende? Ich finde das weder modern noch weitblickend. Es ist einfach so, dass bei der Reform die arbeitenden Studenten über 30 nicht bedacht wurden. Die sollte es ja auch nicht mehr zuviel geben. Nur sie völlig auszuschließen ist lebensfremd. Und ist das so schlau? Wie gesagt ein Mensch von 30 Jahren lernt anders und nicht zwingend schlechter!

Jammern auf hohem Niveau

Für Studenten gilt in der Regel, dass sie wenn sie mindestens 60 Monate berufstätig waren, einen von den Eltern unabhängigen Anspruch auf Bafög haben. Mit den aktuellsten Änderungen des Baföggesetzes sind dies für jede(n), der/die elternunabhängig studiert 670 Euro. Des Weiteren wurde die Förderungshöchstgrenze im letzten Änderungsgesetz für MasterstudentInnen auf 35 Jahre hochgesetzt (vorher 30).

Mit einem anrechnungsfrei hinzuverdienbaren Betrag von max. 400 Euro (Minijob) sind das 1070 Euro pro Monat. Wenn man davon ausgeht, dass man (niedrig angesetzt) 7 Euro die Stunde verdient, dann ist das eine Arbeitsbelastung von in etwa 14 Stunden pro Woche.

Zwar muss beachtet werden, dass das Bafög als Teildarlehen zurückgezahlt werden muss, jedoch sind die Rückzahlungsmodalitäten alles andere als stark (!) belastend.

Kurz um: Als Quereinsteiger hat man die Wahl, entweder den Gürtel etwas enger zu schnallen und sich das Leben so einzurichten, dass man mit 670 Euro zurecht kommt (kleines WG-Zimmer oder Wohnheimplatz), oder, wenn man auf großem Fuß Leben will, nebenher arbeiten zu gehen.

Zwischen den Polen a) 670 Euro ohne Nebenjob und b) 1070 Euro mit 14 Stunden Wochenarbeitszeit kann variiert werden um das für sich passende Verhältnis zwischen Lebensstandard und Arbeitszeitaufwand zu finden.

StudentInnen die elternabhängig (nicht) gefördert werden, können von diesen Bedingungen nur träumen!

Quereinsteiger

650 Euro reichen in Städten wie München definitiv nicht aus, um einen Lebensunterhalt zu finanzieren. HIer kostet beispielsweise ein Zimmer in Wohnheimen des Studentenwerks in der Regel 250-300 Euro im Monat (mit mehreren Semestern Wartezeit), WG-Zimmer sind in den meisten fällen teurer. Von den verbleibenden 300 Euro ist der Lebensunterhalt und Luxus wie Bücher und Lehrmaterialien nicht finanzierbar. Dem gegenüber steht ein nicht unerheblicher Katalog von Erwartungen der Hochschulen gegenüber der Ausstattung der Studenten. Dazu zählt Beispielsweise ein Laptop, Druckmöglichkeiten in erheblichem Umfang (z.T. 1000 Seiten/Semester), ggf. Anschaffung von Software ("kostet ja für Studenten nur 80 Euro"), usw... Dann vielleicht noch Krankenkasse (bis 30 Jahre: 65 Euro, danach etwa 150)

Überdies gibt es ja in manchen Bundesländern noch Studiengebühren, die zu einer Mehrbelastung von 100 Euro pro Monat führen. Abschließend kommen da noch Unwägbarkeiten hinzu, vor allem die z.T. 3-Monatige Bearbeitungszeit des Bafög-Antrags, der jedes Semester aufs neue eingereicht werden muss.

670 Euro ist ein Betrag, der gerade einmal ein paar Euro über dem Existenzminimum von 617 Euro liegt, und das ist schon für die Menschen knapp, die nicht zusätzliche Ausgaben durch das Studium haben.

Förderung funktioniert hier nur für Leute, die gleich nach dem Abi studieren, nicht wechseln, und Eltern haben, die sich eine Unterstützung des Kindes leisten können.

Jammern auf hohem Niveau wäre schön....

Wie der User "hurt" über mir schreibt sind diese 670€ meiner Meinung nach nicht ausreichend. Sie bezahlen ganz schnell für ein WG-Zimmer über 300€ und das in einer relativ kleinen Stadt in BaWü.
Weiterhin ist allein der Rückschritt von vorher Normal-Verdiener auf BaföG-Empfänger nicht so einfach.
Weiterhin kann es einem schnell passieren das man mal 3 Monate kein BaföG erhält, weil die Bearbeitung so lange dauert.
Als Hartz 4 Empfänger bekommt man so ca 340€ aber zuzüglich Miete + Strom und solche Sachen.
Wenn meine Waschmaschiene kaputt geht, darf ich selber eine neue kaufen....

Man sollte das Engegement das man mitbringen muss um mit Ende 20 oder Anfang 30 ein Studium zu beginnen, nicht unterschätzen.

Nicht ganz vollständig

Studiengebühren können - zumindest hier in NRW - zusätzlich zum Bafög von einem Studienbeitragsdarlehen der NRW.Bank getragen werden.

Dazu bieten viele private Kreditinstitute (z. B. Sparkasse) günstige Studienkredite an, die sich durch niedrige Zinsen und kreditnehmerfreundliche Rückzahlungsmodalitäten auszeichnen.

670 Euro sind also nicht zwangsläufig der höchste Betrag, den man ohne Nebenjob erhalten kann.

Freundliche Grüße
augenbllick

Nur wer strebt

Das ist leider alles nicht anwendbar für die Gruppe Studenten von denen ich spreche. Manchmal haben über 30jährige schon ein Studium abgebrochen hinter sich und fangen erst mit 30 wieder an, somit ist eigenes Pech, der Baföganspruch erloschen. Es gibt etliche die definitiv keinen Baföganspruch haben. Es ist ja klar das ich nur von jenen spreche, die ihren gesamten Lebensunterhalt selbst erarbeiten! Wie gesagt, dass ist nicht die Mehrheit, dennoch ein Teil der Studenten und traditionell auch jene aus bildungsferneren Schichten, die einfach aus den verschiedensten und auch guten Gründen später studieren. Und warum wird mit dieser eigensten persönlichen Entscheidung nicht gerechnet. Es leuchtet mir nicht ein, dass eine Entscheidung, die die Berufswahl betrifft, nicht mit 28 noch einmal geändert werden kann und auch das Ziel beinhalten mag Arzt, Lehrer oder Sozialarbeiter zu werden. Ist Lebenserfahrung in den eben genannten Berufen nicht auch Chance. Wir denken eben oft in ausgelutschten Pfaden. Es mag auch ein Interesse geben, eine Tradition sowieso, das ein schnelles Fortkommen, eine frühe Ausbildung, so einzig erstrebenswert wie eine heilige Kuh hoch gehalten wird, durch alle Schichten hinweg. Die Frage ist, ob man da manchen Berufen nicht auch eine Lebendigkeit nimmt, eine Möglichkeit Auszubildende zu haben, die anders motiviert, reifer und überlegter sich ausbilden lassen! Und Master ab 35 ist da nicht der Knüller!

Schulden sind nicht gleich Schulden

"Normale" Privatredite werden gerne mal mit 14% Zinsen berechnet. Der KfW-Studienkredit läuft bei ca. 6,5%, das NRW.Bank-Studienbeitragsdarlehen bei knapp über 4%. Es sollte doch bereits der qualitative Unterschied deutlich werden. Außerdem ist es zumindest beim KfW-Kredit möglich, nach Abschluss des Studiums die Rückzahlung bis zu 23 Monate zu stunden. Der Rückzahlungszeitraum ab dann kann bis auf bis zu 10 Jahre festgesetzt werden.

Die Vermischung mit der später höheren Steuerlast (als "Besserverdiener") halte ich für nicht zulässig. (Achtung Spitze: jeder kann sich dem entziehen, indem er einfach nicht besser verdient.)