Pia Lanze wollte Gerechtigkeit, wie sie sagt. Die 53-Jährige, die in Wirklichkeit anders heißt, hatte etwas an der Ratenzahlung für ihre Berufsunfähigkeitsversicherung und ihre Altersvorsorge auszusetzen. Sie hält den Aufschlag, den sie dafür zahlt, dass sie ihre Jahresprämie monatlich abstottert, für zu hoch. Und forderte Geld von ihrer Versicherung zurück.

Mittlerweile weiß sie, dass die meisten Versicherungen ihre Prämien auf Jahresbasis kalkuliert haben. Doch die meisten Kunden zahlen "unterjährig", also monatlich, vierteljährlich oder halbjährlich. Wird die Jahresprämie gestückelt, heißt das Teilzahlung. Und dafür erheben die Versicherungen einen Aufschlag. Pia Lanze ging lange Zeit davon aus, dass sie für ihre monatliche Zahlungsweise fünf Prozent mehr aufbringen muss. Dass es tatsächlich ein effektiver Jahreszins von 11,35 Prozent war, schwante ihr erst Anfang 2010. Damals erfuhr sie von einem langen Rechtsstreit zwischen Versicherern und Verbraucherschützern.

Pia Lanze schrieb ihrer Versicherung. Diese zögerte und verweigerte dann, so wie viele andere auch, eine Rückzahlung des Differenzbetrags. Erst als Lanze einen Anwalt einschaltete, kam Bewegung ins Spiel. Im Juni 2010 erhielt sie einen dreistelligen Betrag – bei Weitem nicht so viel, wie sie erwartet hatte. Und reine Kulanz, wie die Assekuranz betonte, "ohne Anerkennung einer Rechtspflicht".

Es ist ein Drahtseilakt. Für Versicherungsnehmer wie Pia Lanze und für die Assekuranzen. Denn geklärt ist die knifflige Sache noch lange nicht. Insgesamt geht es womöglich um Millionen Verträge. Die Verbraucherzentrale Hamburg sprach einmal von 15 Milliarden Euro, die die Branche vielleicht zahlen müsse. Das war aus heutiger Sicht etwas hoch gegriffen. Brisant aber bleibt der Streit.

Es geht um Riesterverträge und Lebensversicherungen, aber auch um Kfz-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen. Laut der Verbraucherzentrale Hamburg sind lediglich Verträge unter 200 Euro Jahresprämie und Krankenversicherungen ausgenommen. Da wundert es nicht, dass die Unternehmen verunsichert waren und zunächst mauerten. Inzwischen sind sie etwas entspannter, auch weil die Verbraucherschützer sich auf Urteile stützen, die lediglich Einzelfallcharakter haben.

Bei dem Streit geht es um einen kleinen, aber gewichtigen Unterschied – den von Ratenzuschlag und effektivem Jahreszins. Den Unterschied zwischen einem in Verträgen ausgewiesenen Zuschlag für die Stückelung der Jahresprämie und einem tatsächlich zu berappenden Preis. Höhere Finanzmathematik ist das. Der Ratenzuschlag für die unterjährige Zahlung wird – wenn überhaupt – in Prozent des Jahresbeitrags angegeben. Im Fall der monatlichen Zahlung von Pia Lanze war es ein Zuschlag von fünf Prozent. Die Referenz bei der Berechnung dieses Zuschlags ist stets die volle Jahresprämie – auch wenn die Prämie Monat für Monat abgestottert wurde und Lanzes "Schulden" somit jeden Monat etwas kleiner wurden.

Aussagekräftiger ist deshalb der Effektivzins. Er ist verbraucherfreundlicher, benennt den "echten Preis", mit ihm kann man beispielsweise auch bestimmen, ob ein Darlehen teuer oder günstig ist. Für den Effektivzins gibt es komplizierte Berechnungsformeln. Im Fall Pia Lanze beträgt der Effektivzins 11,35 Prozent. Das räumte auch ihr Versicherer ein. Verbraucher hoffen nun, dass sie, wenn der effektive Jahreszins nicht angegeben wurde, rückwirkend nur den gesetzlichen Effektivzins von vier Prozent zahlen müssen, der dann fällig wird, wenn wichtige Angaben zum Zins im Vertrag fehlen.