Soziale Netzwerke Falsche Freunde

Ideen klauen, Mitarbeiter aushorchen – Soziale Netzwerke taugen bestens dazu

Soziale Netzwerke eignen sich gut, um Kontakte zu schließen – und persönliche Informationen einzuholen. Da erscheint es fast logisch, dass diese Netze auch vom zweitältesten Gewerbe der Welt für seine Machenschaften genutzt und missbraucht werden: der Spionage. Wie gerissen die Recherchen mit den Mitteln des Web 2.0 betrieben werden, zeigt ein Fall aus Berlin, der an die erfolgreiche Romeo-Masche von DDR-Spionen gegenüber Bonner Ministerialsekretärinnen erinnert.

Eine Frau hatte nach dem gemeinsamen Hochschulabschluss mit einem Studienkollegen ein Unternehmen gegründet. Die Geschäftsidee war neu, und »die Firma lief richtig gut«, sagt Heike Zitting, Leiterin des Wirtschaftsschutzes beim Berliner Verfassungsschutz. Die Gründerin beschrieb die Dienstleistung auf ihrer Facebook-Seite, auf die im Onlineprofil der Firma verwiesen wurde. Irgendwann meldete sich ein Mann bei ihr, »der erst sehr nett schrieb«, so Zitting, und dadurch einen privaten Kontakt knüpfen konnte.

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Später erzählte ihm die Frau bei mehreren Treffen noch mehr von ihrer Firma. »Sie ist in ihrer Naivität darauf hereingefallen«, lautet die Einschätzung der Verfassungsschützerin. Der Mann überredete sie, sich mit ihm selbstständig zu machen. »Damit tappte sie endgültig in die Falle.« Als der neue Partner die Geschäftsdetails und den Kundenstamm kannte, sei die Gutgläubige aus der Firma ausgebootet worden, berichtet Zitting. Der Inhaber des ursprünglichen Unternehmens musste alles machtlos mit ansehen. Weil er seiner Ex-Kommilitonin vertraut hatte, gab es keine Konkurrenzschutzklausel. Beide Unternehmen existieren noch heute.

Der Fall steht exemplarisch für den Trend. »Ich beobachte das Ausspähen von Profilen durch Konkurrenzfirmen und Nachrichtendienste seit vier Jahren. Heute wird zuerst versucht, über Soziale Netzwerke an die Informationen zu kommen«, sagt die Verfassungsschützerin.

Und das gilt allgemein mit steigender Tendenz. Auch wenn es keine offiziellen Statistiken dazu gibt, sind sich die Fachleute in dieser Frage einig. »Von rund 50 Fällen, die wir pro Jahr bearbeiten, haben sechs mit Sozialen Netzwerken zu tun«, berichtet Michael Hochenrieder, Berater für Informationssicherheit bei HvS Consulting. Das Unternehmen ist auf die Bekämpfung von Industriespionage spezialisiert und zählt die im Dax gelisteten Konzerne und den gehobenen Mittelstand zu seinen Kunden.

Noch höher ist die Quote in der Cyberkriminalität. »Alle gezielten Attacken nutzen heutzutage Soziale Netze«, sagt Costin Raiu, Direktor für Forschung und Analyse beim Virenschutzanbieter Kaspersky. Zum schnellen und effektiven Auskundschaften schreiben die Kriminellen sogar Programme, die automatisch die Profile durchforsten und analysieren, erklärt Sicherheitsforscher Stefan Tanase von Kaspersky.

Wer die Hintermänner dieser Aktionen und der darauf beruhenden Spionageangriffe sind, lässt sich oft nur schwer ausmachen. »Geheimdienste und Konkurrenzfirmen gehen nach dem gleichen Muster vor«, sagt Zitting.

Leser-Kommentare
  1. Vielleicht sollte man solche Netzwerke grundsätzlich verbieten? Oder Mitarbeitern das aktive Teilhaben an einem solchen Netzwerk verbieten?

    -> Wenn jemand fahrlässig Akten aus einem Unternehmen mitnimmt und diese verliert ist dies Person ihren Job los - ich hoffe es wird bei diesen Netzwerken ähnlich verfahren.
    (+ eine Klage auf Schadensersatz in Richtung des Mitarbeiter)

    Noch einfacher wäre es solche auf finanziellen Profit ausgerichteten Netzwerke grundsätzlich in ganz Deutschland (oder Europa) zu verbieten - oder vielleicht mit einer Warnung versehen - "Sie riskieren mit dieser Seite ihre Zukunft" und einem "weiter-Knopf" für jene die das Risiko eingehen wollen.

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    Ist das wieder so ein übersarkastischer Bluthilde-Satiretext oder meinen Sie das ernst? :)

    Ist das wieder so ein übersarkastischer Bluthilde-Satiretext oder meinen Sie das ernst? :)

  2. ist jedoch, dass direkt unter dem artikel eine werbung für wer-kennt-wen zu finden ist.

  3. eignen sich natürlich auch hervorragend, um falsche Personen-Angaben samt Foto zu machen und um Fehlmeldungen zu lancieren. Jeder der einen Internetzugang hat und eine Mail-Adresse hat, kann dies tun. Die ganz grosse Masse allerdings gibt persönliche Daten preis, die eigentlich nicht für jedermann bestimmt sind. Dass diverse Dienste die Daten der sozialen Netzwerke auswerten, sollte langsam jedem Nutzer bewusst werden.

  4. Kann über solche Beiträge nur den Kopf schütteln. Wieder mal nur einseitige Panikmache und Negativberichterstattung. Natürlich gibt es Risiken, aber auch Chancen. Von einem sogenannten Qualitätsmedium wie DIE ZEIT erwarte ich anderes: eine ausgewogene Berichterstattung.

    Und zum Thema Firmen verbieten soziale Medien. Vor 25 Jahren wollte man E-Mail verbieten. Danach wollte man das Internet verbieten. Jetzt will man soziale Medien verbieten. Schwachsinn und Ignoranz. Soziale Medien werden in Kürze ein genauso relevantes Kommunikationsmedium sein wie Telefon, Telefax oder E-Mail. Meiner Meinung nach sind sie es schon heute.

    Wie kann man als Redaktion nur so etwas freigeben?

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    Soziale Medien mögen der Unternehmenskommunikation förderlich sein, aber die ist i.d.R. den Spezialisten, bzw. den dafür abgestellten Mitarbeitern vorbehalten. Und das aus gutem Grund. Facebook & Co sind entweder Privatsache (und daher auch als solche zu bewerten) oder unterliegen einem betrieblicher Zweck. Im letzten Fall wäre es unverantwortlich, jedem Mitarbeiter das Agieren auf eigene Faust zu erlauben. Freiberufler oder Einzelkämpfer können das selbstverständlich handhaben, wie sie wollen. Nur bitte erklären Sie nicht jeden zum Rückwärtsgewandten, der sich Gedanken um die Außendarstellung macht. Porzellan ist schnell zerschlagen.

    Soziale Medien mögen der Unternehmenskommunikation förderlich sein, aber die ist i.d.R. den Spezialisten, bzw. den dafür abgestellten Mitarbeitern vorbehalten. Und das aus gutem Grund. Facebook & Co sind entweder Privatsache (und daher auch als solche zu bewerten) oder unterliegen einem betrieblicher Zweck. Im letzten Fall wäre es unverantwortlich, jedem Mitarbeiter das Agieren auf eigene Faust zu erlauben. Freiberufler oder Einzelkämpfer können das selbstverständlich handhaben, wie sie wollen. Nur bitte erklären Sie nicht jeden zum Rückwärtsgewandten, der sich Gedanken um die Außendarstellung macht. Porzellan ist schnell zerschlagen.

  5. Traurig, dass solche Artikel immer noch geschrieben werden. Wer ein Unternehmen ausspionieren will, der kann auch Mails nutzen, Telefon, frustierte Mitarbeiter. Spionage verhindert man nicht in dem man Mitarbeiter durch idiotische Sperren am modernen Leben und ja, auch Arbeiten hindert. Ich nutze soziale Netze auch für die Arbeit Dann müssten die Mitarbeiter konsequenterweise auch ihre Handys und Smartphones abgeben. Oder besser noch, alle persönliche Habe, am besten am Eingang der Firma in eine Firmenkluft schlüpfen, damit ja nix geschmuggelt werden kann. Wer so wenig Vertrauen in seine Mitarbeiter hat, dass er solche Dienste sperrt, sollte sich vielleicht eher Gedanken machen, warum er annimmt, seine Mitarbeiter seien so dumm und/oder unloyal. Schade, normalerweise bin ich von dieser Zeitung bessere Recherche und mehr Nachdenken bei den Artikeln gewöhnt.

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    Ihnen ist aber schon klar, dass Fax, Telefon und Mail an einen bestimmten, ausgesuchten Empfänger gehen, die FB-Kommunikation aber von (quasi) beliebig vielen Empfängern eingesehen werden kann? Daraus folgert, dass diese Botschaften erheblich sensibler sind, ergo auch ein höheres Maß an Vor-, Über- und Weitsicht erfordern.

    Ihnen ist aber schon klar, dass Fax, Telefon und Mail an einen bestimmten, ausgesuchten Empfänger gehen, die FB-Kommunikation aber von (quasi) beliebig vielen Empfängern eingesehen werden kann? Daraus folgert, dass diese Botschaften erheblich sensibler sind, ergo auch ein höheres Maß an Vor-, Über- und Weitsicht erfordern.

  6. Das Netz und soziale Netzwerke sind sicher nicht schuld an der Schwatzhaftigkeit mancher Mitmenschen.

    Problematischer finde ich, dass man auf diesen Plattformen ohne Risiko Intrigen und geschäftsschädigende Gerüchte publizieren und gezielt an Entscheider lancieren kann: eine gefälschte Idendität ist in wenigen Sekunden erstellt und die Spuren sind für "normal sterbliche" Nutzer kaum nachzuvollziehen.

  7. Soziale Medien mögen der Unternehmenskommunikation förderlich sein, aber die ist i.d.R. den Spezialisten, bzw. den dafür abgestellten Mitarbeitern vorbehalten. Und das aus gutem Grund. Facebook & Co sind entweder Privatsache (und daher auch als solche zu bewerten) oder unterliegen einem betrieblicher Zweck. Im letzten Fall wäre es unverantwortlich, jedem Mitarbeiter das Agieren auf eigene Faust zu erlauben. Freiberufler oder Einzelkämpfer können das selbstverständlich handhaben, wie sie wollen. Nur bitte erklären Sie nicht jeden zum Rückwärtsgewandten, der sich Gedanken um die Außendarstellung macht. Porzellan ist schnell zerschlagen.

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    Antwort auf "Wieder mal Panikmache"
  8. ... betriebliche[n] Zweck.

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