Belgien ist ein schwermütiges Land. Es regnet viel, der Himmel ist meist grau und hängt so tief über dem flachen Boden, dass man fürchten muss, er falle einem gleich auf den Kopf.

Unsere Mission ist Heiterkeit. Wir beherrschen da ein paar Tricks
Peter Wirtz

Der Landschaftsgestalter Peter Wirtz hat das Ziel, die Schwermut seines Landes zu überwinden. »Unsere Mission ist Heiterkeit. Wir beherrschen da ein paar Tricks«, sagt er. Wirtz ist ein hoch aufgeschossener Mann mit blauen Augen und rötlich blondem Haar, das in übermütigen Wirbeln vom Kopf absteht. Anfang des Jahres fünfzig geworden, wirkt er mit seinen schlaksigen Bewegungen wie ein großer Junge. Gemeinsam mit seinem Bruder Martin führt er die Firma, die Vater Jacques vor vielen Jahren gegründet und zu großem Ruhm geführt hat.

Jacques Wirtz gilt als einer der stilbildenden Gartenarchitekten Europas, überall auf der Welt hat der heute 87-Jährige mit seinen zwei Söhnen private und öffentliche Gärten gestaltet. François Mitterrand beauftragte die Firma Wirtz, die Gärten rund um den Élysée-Palast und den Park für das Carrousel du Louvre neu anzulegen. Für den Modeschöpfer Valentino haben die Belgier den Park seines Schlosses unweit von Paris angelegt und in London den Jubilee Park des Wirtschaftszentrums Canary Wharf. Auch private Villengärten werden von Wirtz geplant – und selbst Kleingärtnern gibt Peter Wirtz bereitwillig Ratschläge, doch dazu später.

Architekten und Landschaftsplaner preisen vor allem das besondere Gespür der Familie für Proportionen und die Harmonie des Raumes – doch wie genau funktioniert ein Garten, der Heiterkeit erzeugen soll? Worin liegt sein Geheimnis?

Besucht man die Wirtzens auf ihrem Familiengelände in Schoten, einer Kleinstadt unweit von Antwerpen, stößt man als Erstes auf Wasser. Zwei nebeneinander angelegte rechteckige Teiche trennen die Bürogebäude von einer kleinen Baumschule. Auf dem Wasser schwimmen Seerosen, die Luft riecht nach Pferdemist, in den Bäumen zwitschern Vögel.

Es wirkt, als habe jemand mit den Bäumen Figurenwerfen gespielt und sie in ihren eigenwilligen Positionen erstarren lassen.

Hinter einer dichten Buchenhecke lugen Eiben und Buchsbäume in unterschiedlichen Formen hervor: Quader, Kegel, Spiralen, Kugeln. Es wirkt, als habe jemand mit den Bäumen Figurenwerfen gespielt und sie in ihren eigenwilligen Positionen erstarren lassen. Ein Baum ähnelt einem Stopfei, ein anderer einem Eis am Stil, ein dritter scheint gleich abzuheben, so spitz wie eine Rakete ragt er in die Luft. Ein bisschen fühlt man sich inmitten dieser lustigen Gestalten wie in der Requisitenkammer eines Theaters. Auf dem Spielplan steht eine Komödie.

Man kennt die beschnittenen Bäume aus europäischen Adelsgärten der Barock- und Renaissancezeit, an deren Tradition Wirtz anknüpft. »In Belgien haben sich in der Vergangenheit alle möglichen Strömungen und Einflüsse gekreuzt, kein Stil hat jemals dominiert. Wir haben aus diesem Mix unseren eigenen Stil destilliert«, sagt Peter Wirtz. »In Deutschland werde ich oft danach gefragt, welcher Schule wir uns zuordnen lassen. Man hat dort Schwierigkeiten mit unseren Entwürfen. Mal gelten wir als zu versponnen, mal als zu autoritär, weil wir mit starken Sichtachsen arbeiten. In den Wettbewerbsjurys herrscht oft ein schablonenhaftes Denken.«