Martenstein "Es handelt sich um den letzten echten Männerberuf"

Harald Martenstein über den Traumjob Terrorismusexperte

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Die Welt – ein Werden und Vergehen. Den Beruf des Seifensieders gibt es nicht mehr, so wenig wie den Harzer oder den Haderlump. Mir fallen im Fernsehen aber oft neue Berufe ins Auge, zum Beispiel Terrorexperte. Das ist für junge Leute heutzutage sicher nicht die schlechteste Perspektive. Alle Sender beschäftigen, spätestens seit dem Anschlag auf das World Trade Center, einen eigenen, offiziellen Terrorismusexperten. Der CNN-Experte gilt als führend, er heißt Peter Bergen. Michael Ortmann zieht seine Bahn als Terrorexperte bei RTL. Das ZDF geht mit Elmar Theveßen an den Start. Die ARD leistet sich, wahrscheinlich wegen der föderalen Struktur dieses Senders, sogar zwei Terrorexperten, nämlich Joachim Hagen und Holger Schmidt. Daneben gibt es den Typus des freiberuflichen, senderunabhängigen Terrorismusexperten, zu dem Berndt Georg Thamm zu zählen ist, der nicht unumstrittene Dr. Udo Ulfkotte und der ehemalige ZEIT- Kollege Michael Lüders.

Für die Ausbildung zum Terrorexperten gibt es noch keine Norm, auch kein Studienfach Terrorforschung. Einstweilen darf ein historisches Studium als ideale Voraussetzung gelten, diesen Weg sind unter anderem Theveßen und Hagen gegangen. Thamm ist gelernter Diplom-Sozialpädagoge und hat als Streetworker den Umgang mit unberechenbaren Individuen sozusagen hautnah gelernt. Hagen war Reporter bei der Kieler »Welle Nord«. Den originellsten Einstieg in diesen jungen Beruf hat der Terrorwart des Senders RTL gefunden. Bevor Michael Ortmann sich der Terrorforschung zuwandte, hat er sich als Regisseur künstlerisch mit misslingenden menschlichen Beziehungen befasst, im Jahre 2000 inszenierte er den Film Die frechsten Seitensprünge der Welt . Bergen dagegen hat 1997 ein Interview mit dem damals noch unbekannten Osama bin Laden geführt, das ideale Eintrittsbillett zum Terrorismusexpertentum.

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Der Beruf des Terrorismusexperten ist von einer stark schwankenden Auftragslage gekennzeichnet. Deshalb haben die meisten Experten sich ein zweites oder sogar mehrere weitere Standbeine geschaffen. Thamm ist im Zweitberuf Drogenexperte. Theveßen arbeitet in terrorismusarmen Phasen als Experte für Wirtschaftskriminalität und stellvertretender Chefredakteur des ZDF. Lüders schreibt Romane (zuletzt: Blöder Hund). Der Terrorismusexperte muss, neben einer guten Allgemeinbildung, Fremdsprachenkenntnissen und sicherem Auftreten vor der Kamera, eine gewisse seelische Stabilität mitbringen. Immerhin verdient er sein Brot mit einer sehr unerfreulichen Zeiterscheinung. Diese Eigenschaft teilt er freilich mit den Juristen, den Medizinern und den Bestattern, deren Angehörige ohne Verbrechen, Krankheit und Tod ja ebenfalls arbeitslos wären. Auffällig ist, dass es unter den deutschen Terrorexperten keinen einzigen Bartträger, keine Person mit Migrationshintergrund und auch keine einzige Frau zu geben scheint. Rufe nach einer Frauenquote wurden bisher nicht vernommen, es handelt sich also um den letzten echten Männerberuf.

Der Boom ist auch in der Unterhaltungskunst nicht unbemerkt geblieben, so hat es die Figur »Terrorexperte Marcus Heuser« in der Fernsehserie GSG9 zu einem gewissen Ruhm gebracht, und im Internet tritt gelegentlich, als Parodie, der »Terror- und Kunstexperte Dr. Illmar Ernesto von den Wicken« auf. Darüber, wie sich ein Terrorismusexperte am Feierabend entspannt, hat bisher allein Joachim Hagen, ARD, Auskunft gegeben. Nachdem er den Menschen an den Bildschirmen den Terror erklärt hat, hört er zu Hause Opern.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • Mejan
    • 12.05.2011 um 15:59 Uhr

    einfach nur herrlich. Nicht zu vergessen sind allerdings die Hunderte und Tausende Experten die Morgens um 4:30Uhr, getaucht in das Blatt mit vier Buchstaben sich ihre Meinung Bilden, und zu den Wahren Experten für alle weltliche und zivilisatorische Probleme werden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bitte... diese Leute stehen wenigstens um 4.30Uhr auf. Und Qualitätsunterschiede zwischen BILD, Zeit und ARD? Also ganz ehrlich, was ich hier auf der Zeit finde, gibt es auch in der Bild und umgekehrt, zuletzt Let's dance!
    So gibt es nicht minder viele Lehrer, Beamte und Juristen, die uns die Welt der Arbeit erklären, wie Bauarbeiter gibt, die Schumachers Pole in der Bild feiern.

    Die Lösung der weltlichen und zivilisatorischen Probleme scheitern nicht am dumpfen Arbeiterpöbel, die haben sowieso kein Stimmrecht, sondern die Probleme bauen sich an den selbsternannten Geiste(r)selite, die Rotwein trinkt und Jazz hört und meint so etwas wie Multikulti, Grünwählen und Brunnenbau ist ein göttliches Mandat - ohne auch nur jemals damit physisch in Kontakt zukommen, gar einen Selbstschusszaun um das Vorstadtschloss zu ziehen...

    Martenstein sollte nicht die Schimpansen in der Glotze bepöbeln, er sollte die Desinformation der gleichgeschalteten Presse anprangern und ihre Schergenwächter mit "Journalismusausbildung" (klippklasse).

    Bitte... diese Leute stehen wenigstens um 4.30Uhr auf. Und Qualitätsunterschiede zwischen BILD, Zeit und ARD? Also ganz ehrlich, was ich hier auf der Zeit finde, gibt es auch in der Bild und umgekehrt, zuletzt Let's dance!
    So gibt es nicht minder viele Lehrer, Beamte und Juristen, die uns die Welt der Arbeit erklären, wie Bauarbeiter gibt, die Schumachers Pole in der Bild feiern.

    Die Lösung der weltlichen und zivilisatorischen Probleme scheitern nicht am dumpfen Arbeiterpöbel, die haben sowieso kein Stimmrecht, sondern die Probleme bauen sich an den selbsternannten Geiste(r)selite, die Rotwein trinkt und Jazz hört und meint so etwas wie Multikulti, Grünwählen und Brunnenbau ist ein göttliches Mandat - ohne auch nur jemals damit physisch in Kontakt zukommen, gar einen Selbstschusszaun um das Vorstadtschloss zu ziehen...

    Martenstein sollte nicht die Schimpansen in der Glotze bepöbeln, er sollte die Desinformation der gleichgeschalteten Presse anprangern und ihre Schergenwächter mit "Journalismusausbildung" (klippklasse).

  1. Was in dieser köstlichen, semi-wissenschaftlichen Abhandlung allerdings noch fehlt, ist der Seitenblick auf eine zweite, wichtige Berufsgruppe in den Medien, der Societyexperte, respektive die Societyexpertin, denn das ist Frauendomäne (Schwule zählen nicht ;-)). Nicht zu verwechseln mit der schon länger existierenden Berufsgruppe des Royalexperten, da gibt es auch diverse Männer.

    Betrachtet man diese drei Berufsbilder unter Gendergesichtspunkt und würde das Ganze unter einen wissenschaftlichen Kontext stellen, dann ließen sich wunderbar alle brennenden Themen dieser Zeit vereinen. Eigentlich ein ideales Thema für eine Doktorarbeit.

    Man könnte diese doch KTG antragen als Bewährungsauflage nach seiner Verurteilung und als Chance, wenigstens gegenüber seiner Familie und den Nachbarn wieder richtig dastehen zu können. Eine solche Arbeit könnte in dem Fall schon therapeutische, gar philosophische Ausmaße annehmen, tangiert sie doch ganz elementare Fragen:

    Schein und Sein; Anspruch und Wirklichkeit; Die Medien und das Ich; ...

    • HLWT
    • 13.05.2011 um 8:02 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/cs

  2. > Experte, von lateinisch expertus ‚erprobt‘, (auch Fachmann/Fachfrau, Pl. Fachleute , Fach- oder Sachkundiger, Spezialist) ist ein Schlagwort und bezeichnet als solches eine Person, die über überdurchschnittlich umfangreiches Wissen auf einem oder mehreren bestimmten Sacherschließungen oder über spezielle Fähigkeiten verfügt, oder der diese Eigenschaften zugeschrieben werden. <

    Das dem letzten "oder" folgende ist genau das was meiner Meinung nach den größten Teil unserer "Experten" ausmacht.

    Auffallend ist immer wieder, dass sie erst dann klar ihr "Wissen" verbreiten wenn etwas schon geschehen ist. Voraussagen, wie im Falle der Finanzkrise, gibt es ganz selten. Hinterher haben sie aber ganz genaue Kenntnisse warum es dazu gekommen ist.

  3. war 3 bis 10 Tage vor dem 11.September 2001 im Presseclub und hat einen verheerenden Anschlag angekündigt.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. das man meint, diese Leute haben früher selbst Granaten und Bomben entschärft und sind im Straßenkampf geschult, zumindest als Kämpfer für das Gute, Wahre und Schöne, also uns. Nach der Ankündigung dieser durch alle Feuer gegangenen, dass sie gleich ihre wichtigen Statements abgeben, erscheinen aber immer mehr oder weniger kleine Jungs, die allerhöchstens mal im Sandkasten Krieg gespielt haben, falls Mutti es nicht verboten hatte. Saubere Herren in Schlips und feinem Anzug, gewähltester Aussprache und allerbestem Benehmen. Ev. ist diese Art von Dasein selbst eine Art Terror (des Guten) - aber von dem schmutzigen und gefahrvollen Geschäft des Normalterroristen sind die meilenweit entfernt. Die Show must aber go on, den Eindruck zu ewrwecken, dass man wichtige und tiefe Meinungen von sich gibt. Wer dran glaubt, was diese Herren und Damen so von sich geben, wird ev. selig. Ist doch auch was.

  5. ...launiger Artikel! :-)

    Ich jedenfalls genieße die Auftritte der diversen Terrorexperten im TV *lol*

  6. 8. Na .

    Bitte... diese Leute stehen wenigstens um 4.30Uhr auf. Und Qualitätsunterschiede zwischen BILD, Zeit und ARD? Also ganz ehrlich, was ich hier auf der Zeit finde, gibt es auch in der Bild und umgekehrt, zuletzt Let's dance!
    So gibt es nicht minder viele Lehrer, Beamte und Juristen, die uns die Welt der Arbeit erklären, wie Bauarbeiter gibt, die Schumachers Pole in der Bild feiern.

    Die Lösung der weltlichen und zivilisatorischen Probleme scheitern nicht am dumpfen Arbeiterpöbel, die haben sowieso kein Stimmrecht, sondern die Probleme bauen sich an den selbsternannten Geiste(r)selite, die Rotwein trinkt und Jazz hört und meint so etwas wie Multikulti, Grünwählen und Brunnenbau ist ein göttliches Mandat - ohne auch nur jemals damit physisch in Kontakt zukommen, gar einen Selbstschusszaun um das Vorstadtschloss zu ziehen...

    Martenstein sollte nicht die Schimpansen in der Glotze bepöbeln, er sollte die Desinformation der gleichgeschalteten Presse anprangern und ihre Schergenwächter mit "Journalismusausbildung" (klippklasse).

    Antwort auf "Herrlich"

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