Reformbedarf Doktor-Prüfung
Der Fall zu Guttenberg zeigt: Eine Refom der Promotion ist nötig
Die Universität Bayreuth ist sich sicher: »Nach eingehender Würdigung der gegen seine Dissertationsschrift erhobenen Vorwürfe stellt die Kommission fest, dass Herr Freiherr zu Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat.«
Ist mit der Veröffentlichung des vollständigen Kommissionsberichts am Mittwoch der Fall erledigt? Das System hat den Sünder überführt und bestraft. Hat es damit bewiesen, dass es selbst ohne Fehler ist? Viele Hochschulrektoren zeigen öffentlich ihr Entsetzen über die Affäre. Manch einer hat sich klammheimlich bei seinen Professoren erkundigt, ob auch der eigenen Uni Skandale drohen. Nachhaltige Konsequenzen aus dem Fall aber hat bisher keine Universität gezogen.
Dabei haben nicht nur Guttenberg selbst, sein Doktorvater oder dessen Fakultät versagt. Beispielhaft zeigt der Fall, dass sich das System der Promotion in Deutschland überlebt hat und reformbedürftig ist.
So vergibt Deutschland als eines von wenigen Ländern Noten für Doktorarbeiten. Dass mehr als die Hälfte der Dissertationen mit »ausgezeichnet« oder »sehr gut« bewertet werden, sagt mehr über die Nähe von Doktorvater und Doktorand als über die Leistung des Promovenden.
Externe Doktoranden sind oft nicht eng genug in den wissenschaftlichen Betrieb eingebunden. Aber nur dann lernen sie wissenschaftliche Standards in der Praxis kennen und können ihre Erkenntnisse in intensiven Debatten auf die Probe stellen.
Vor allem aber sollten jene Doktorarbeiten, die nicht zum Erkenntnisfortschritt beitragen, sondern höchstens einen Türschildtitel rechtfertigen, von echten Doktorarbeiten unterschieden werden. Der Wissenschaftsrat hat für die Medizinerausbildung schon vor Jahren einen entsprechenden Vorschlag gemacht. Es ist höchste Zeit, ihn umzusetzen.
- Datum 11.05.2011 - 14:28 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.5.2011 Nr. 20
- Kommentare 38
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"Vor allem aber sollten jene Doktorarbeiten, die nicht zum Erkenntnisfortschritt beitragen, sondern höchstens einen Türschildtitel rechtfertigen, von echten Doktorarbeiten unterschieden werden."
Eine naive Vorstellung, die vielleicht bei den Medizinern klappen kann, ansonsten aber am Problem vorbeigeht. Der Doktortitel strahlt deshalb eine positive Wirkung aus, weil hinter ihm echter wissenschaftlicher Fortschritt vermutet wird. Teilt man nun in Doktortitel 1. und 2. Klasse, verliert Doktortitel 2. Klasse seine Außenwirkung und gleichzeitig wird es jede Menge Leute geben, die versuchen werden ohne echten Erkenntnisfortschritt trotzdem einen Doktor 1. Klasse zu bekommen, weil eben nur dieser die gewünschte Ausstrahlung besitzt.
Exakt. Der inflationäre Zunahme der Doktoren in Deutschland ist schliesslich nicht dem Drang nach wissenschaftlicher Erkenntnis geschuldet, sondern der schlichten Tatsache, dass der "Dr." als Schwellenqualifikation und soziales Distinktionskriterium einen überaus hochwertigen Karrieredünger darstellt. Insofern würde die Einführung des Dr. light allenfalls einen verstärkten Run auf den "echten" Titel einsetzen lassen. Von billig zusammenkopierten Guttenbergereien oder "hinterhergeworfenen" Doktortiteln a la Helmut Kohl wird die akademische Welt aber auch dann nicht verschont bleiben.
Immerhin muss man aber Helmut K. - dessen Arbeit so jämmerlich ist, dass man davon ausgehen kann, dass er sie wirklich selbst verfasst hat - zugestehen, dass er der bislang einzige Doktorand ist, der es geschafft hat, mit einer Facharbeit zu promovieren.
Der Doktorandenwildwuchs an den deutschen Universitäten ist mittlerweile zu dicht als dass man ihn mit einer einzigen simplen Massnahme lichten könnte. Im Falle der Politikerpromotion könnte - aufgrund der relativ überschaubaren Zahl der Fälle - eine konsequente Überprüfung der einzelnen Arbeiten aber durchaus Abhilfe schaffen, bzw. dürfte diese Massnahme angetan sein, die schlimmsten Fälle von Ghostwriterpfusch und copy&paste in Zukunft zu vermeiden.
Wenn Sie so wollen, gibt es den Dr. erster Klasse schon, nämlich die Habilitation. Das Interessante ist nun, dass der Dr.habil. eigentlich nur in der scientific community wahrgenommen wird - als Qualifikation für eine Professur.
Zusätzliches Prestige verleiht er kaum, denn in der community zählen Inhalte, nicht "Titel".
Meine Schlussfolgerung: Den "Dr." als im Ausweis eingetragenen Namenszusatz abschaffen, dann gibt es keine "Türschildtitel" mehr und die Promotion wird für entsprechende Leute uninteressant.
Exakt. Der inflationäre Zunahme der Doktoren in Deutschland ist schliesslich nicht dem Drang nach wissenschaftlicher Erkenntnis geschuldet, sondern der schlichten Tatsache, dass der "Dr." als Schwellenqualifikation und soziales Distinktionskriterium einen überaus hochwertigen Karrieredünger darstellt. Insofern würde die Einführung des Dr. light allenfalls einen verstärkten Run auf den "echten" Titel einsetzen lassen. Von billig zusammenkopierten Guttenbergereien oder "hinterhergeworfenen" Doktortiteln a la Helmut Kohl wird die akademische Welt aber auch dann nicht verschont bleiben.
Immerhin muss man aber Helmut K. - dessen Arbeit so jämmerlich ist, dass man davon ausgehen kann, dass er sie wirklich selbst verfasst hat - zugestehen, dass er der bislang einzige Doktorand ist, der es geschafft hat, mit einer Facharbeit zu promovieren.
Der Doktorandenwildwuchs an den deutschen Universitäten ist mittlerweile zu dicht als dass man ihn mit einer einzigen simplen Massnahme lichten könnte. Im Falle der Politikerpromotion könnte - aufgrund der relativ überschaubaren Zahl der Fälle - eine konsequente Überprüfung der einzelnen Arbeiten aber durchaus Abhilfe schaffen, bzw. dürfte diese Massnahme angetan sein, die schlimmsten Fälle von Ghostwriterpfusch und copy&paste in Zukunft zu vermeiden.
Wenn Sie so wollen, gibt es den Dr. erster Klasse schon, nämlich die Habilitation. Das Interessante ist nun, dass der Dr.habil. eigentlich nur in der scientific community wahrgenommen wird - als Qualifikation für eine Professur.
Zusätzliches Prestige verleiht er kaum, denn in der community zählen Inhalte, nicht "Titel".
Meine Schlussfolgerung: Den "Dr." als im Ausweis eingetragenen Namenszusatz abschaffen, dann gibt es keine "Türschildtitel" mehr und die Promotion wird für entsprechende Leute uninteressant.
"Externe Doktoranden sind oft nicht eng genug in den wissenschaftlichen Betrieb eingebunden."
Externe Promotionen sollten nicht mehr möglich sein, damit wirklich wieder ein engerer Kontakt des Doktorvaters zum Doktoranden vorhanden ist (Assistenzpronotion). Außerdem sollten Doktoranden im Rahmen ihrer Arbeiten die wesentlichen Teile vorab veröffentlichen müssen.
Der "Doktor" muss wieder ein wissenschaftlicher Titel werden. Die Poltiker können sich ja einen eigenen Titel erfinden.
In vielen Bereichen sind externe Promotionen besser, als das was an den Unis geleistet wird. An außeruniversitärern Einrichtungen wird in Deutschland echte Spitzenforschung betrieben, während es allseits bekannt ist, dass man an der Uni in der Lehre verheizt wird.
Vor Guttenberg hieß es immer, die zu große Abhängigkeit des Doktoranden vom Doktorvater führe zu einem Mangel an Qualität. Nicht nur braucht man den Professor für die Finanzierung, sondern auch für den Abschluss, für den man auf so vieles Verzichtet. Viele promovieren so unter unglaublichen Bedingungen.
Vor Guttenberg hieß es auch immer, Teil des Problems sei die "Generation Praktikum" und die Promotion eine institutionalisierte Form eben jener Ausbeutungsmechanismen. Man verdient wenig, leistet aber viel hervorragende Arbeit.
Guttenberg ist und bleibt eine Ausnahme, die meisten haben kein Geld und machen trotzdem eine ehrliche Arbeit. Mein Zorn über das, was er den Doktoranden und der deutschen Forschungslandschaft zusammen mit Merkel angetan hat ist maßlos.
Dafür haben Sie sicher Quellen?
Außeruniversitäre Einrichtungen (z. B. Fraunhofer) sind in der Regel an Universitäten angebunden.
Die Bedingungen, unter denen promoviert wird, sind ein ganz anderes Thema.
In vielen Bereichen sind externe Promotionen besser, als das was an den Unis geleistet wird. An außeruniversitärern Einrichtungen wird in Deutschland echte Spitzenforschung betrieben, während es allseits bekannt ist, dass man an der Uni in der Lehre verheizt wird.
Vor Guttenberg hieß es immer, die zu große Abhängigkeit des Doktoranden vom Doktorvater führe zu einem Mangel an Qualität. Nicht nur braucht man den Professor für die Finanzierung, sondern auch für den Abschluss, für den man auf so vieles Verzichtet. Viele promovieren so unter unglaublichen Bedingungen.
Vor Guttenberg hieß es auch immer, Teil des Problems sei die "Generation Praktikum" und die Promotion eine institutionalisierte Form eben jener Ausbeutungsmechanismen. Man verdient wenig, leistet aber viel hervorragende Arbeit.
Guttenberg ist und bleibt eine Ausnahme, die meisten haben kein Geld und machen trotzdem eine ehrliche Arbeit. Mein Zorn über das, was er den Doktoranden und der deutschen Forschungslandschaft zusammen mit Merkel angetan hat ist maßlos.
Dafür haben Sie sicher Quellen?
Außeruniversitäre Einrichtungen (z. B. Fraunhofer) sind in der Regel an Universitäten angebunden.
Die Bedingungen, unter denen promoviert wird, sind ein ganz anderes Thema.
In vielen Bereichen sind externe Promotionen besser, als das was an den Unis geleistet wird. An außeruniversitärern Einrichtungen wird in Deutschland echte Spitzenforschung betrieben, während es allseits bekannt ist, dass man an der Uni in der Lehre verheizt wird.
Vor Guttenberg hieß es immer, die zu große Abhängigkeit des Doktoranden vom Doktorvater führe zu einem Mangel an Qualität. Nicht nur braucht man den Professor für die Finanzierung, sondern auch für den Abschluss, für den man auf so vieles Verzichtet. Viele promovieren so unter unglaublichen Bedingungen.
Vor Guttenberg hieß es auch immer, Teil des Problems sei die "Generation Praktikum" und die Promotion eine institutionalisierte Form eben jener Ausbeutungsmechanismen. Man verdient wenig, leistet aber viel hervorragende Arbeit.
Guttenberg ist und bleibt eine Ausnahme, die meisten haben kein Geld und machen trotzdem eine ehrliche Arbeit. Mein Zorn über das, was er den Doktoranden und der deutschen Forschungslandschaft zusammen mit Merkel angetan hat ist maßlos.
* Noten abschaffen: eigenstaendige Forschungsleistungen sind nur sehr schwer benotbar, und ein Vergleich ueber Fakultaetsgrenzen hinweg ist ohnehin utopisch -- Pruefer sollten Nachbesserungen (auch substantielle) verlangen koennen, wenn Schwaechen einer Arbeit offensichtlih geworden sind.
* Externe Pruefer muessen zwingend vorgeschrieben sein. Das ist ueberhaupt kein Problem, verhindert Kluengelei und foerdert den Austausch verschiedener Forschergruppen
* Der Doktorvater sollte ueberhaupt nicht pruefen: dadurch wird ein klarer Interessenkonflikt vermieden -- der Doktorvater ist so noch mehr an einer guten Arbeit interessiert und wird besser betreuen.
* Die Erklaerung der Eigenstaendigkeit sollte immer eides-stattlich sein , um den Ernst der Sache klar zu machen.
* Eine elektronische Version sollte immer mit abgegeben werden und sie sollte immer durch eine Plagiatssoftware geschickt werden: das ist zwar kein perfekter Schutz, aber schadet nicht, und macht das plagiieren schwieriger.
Alles einfach zu implementieren und wohl ziemlich wirksam. Punkte 1-3 funktionieren uebrigends an der Universitaet Cambridge schon seit Jahren reibungslos.
Punkte 1-3 funktionieren uebrigens nicht nur an der Uni Cambridge, sondern auch an anderen Hochschulen in Grossbritannien ohne Probleme.
Punkte 1-3 funktionieren uebrigens nicht nur an der Uni Cambridge, sondern auch an anderen Hochschulen in Grossbritannien ohne Probleme.
Man sollte den "Doktor" als Namensteil abschaffen und die erfolgreich bestandene Dissertation zu dem machen, was sie eigentlich ist: eine berufliche Qualifikation im akademischen Betrieb, die lediglich im Lebenslauf Niederschlag finden kann.
Wenn es den Namen "Herr Dr. XY" bzw. "Frau Dr. XY" nicht mehr gibt und diese auch nach erfolgreicher Dissertation weiterhin Herr bzw. Frau XY bleiben und die Dissertation nur im Lebenslauf auftritt, werden wir sehr schnell die unsäglichen Typ-II-Doktoren los.
In Oesterreich und Deutschland schmuecken sich Doktoren noch mit dieser Namensaergenzung in Ausweissen und bei Fernsehauftritten. Offensichlicht ist das eine gewisse Art von Heimweh, nach den Zeiten des Adels und den zugehoerigen Titeln. Anderswo macht man diese Bloedheit nicht mehr. In USA macht niemand einen PhD um sich damit in der oeffentlichkeit zu schmuecken. Den PhD braucht man dort in der Forschung und Entwicklung. Mit PhD in Silicon Valley verdient man besser. Aber nicht wegen dem Titel, sondern weil die Themen so anspruchsvoll sind und daher staendig wissenschaftliche Top Perfromance verlangt wird.
In Frankreich bring Dr. ebenfalls nichts. Im Gegenteil: es ist fuer Top Karrieren sogar ein Knock-Out, da es zeigt, dass man von einer Uni kommt und eben nicht von einer Grand-Ecole.
Ich persönlich halte eine akademischen Titel an sich nicht für ein Problem.
Immerhin arbeiten viele Menschen jahrelang gewissenhaft (!) an ihrer akademischen Karriere und dürfen dafür gerne mit einem entsprechenden Titel belohnt werden.
Die Kernprobleme liegen meiner Meinung nach wo anders.
Ich halte die "Titelbesessenheit" in Deutschland für extrem.
Ohne Titel hat man in der (Natur-)Wissenschaft leider geringere Chancen. Hat man einen Titel gibt es einen Job hat man keinen gibt es eine Doktorandenstelle. Was bleibt einem da (auch dank des Hochschulrahmengesetzes) anderes übrig, wenn man z.B. in der Forschung arbeiten will?
Daneben genießt der Titel seltsam hohes gesellschaftliches Ansehen. Selbst beim Bäcker: Herr oder Frau Doktor? "Na die müssen wichtig sein."
Ich finde, Titel egal aus welchen Fachbereich werden gerne gleich (über)bewertet, selbst wenn die Maßgaben zur Erlangung völlig unterschiedlich sind (z.B. Dr med. vs. Dr. rer. nat.).
Ich würde mir wünschen, dass der Doktortitel als das anerkannt wird, was er ist. Nämlich ein Kennzeichen von zusätzlicher Qualifikation in einem (!) ganz bestimmten Fachgebiet der zuvor erlangte Qualifikationen nicht ab sondern aufwertet.
Wenn es keine so starken gesellschaftlichen oder gesetzlichen "Zwang" zum Titel gäbe würden es sich viele sicherlich zwei mal überlegen, ob sie die Zeit und Mühe in eine Dissertation investieren wollen.
Auch wenn man es immer wieder liest, der Doktorgrad (sic!) ist weder ein a, Titel noch b, ein Namensbestandteil. Wäre er ein Namensbestandteil, würde Frau Müller, wenn sie bei der Heirat mit Herrn Dr. Schmidt dessen Namen annimmt, zu einer Frau Dr. Schmidt und auch die gemeinsamen Kinder müssten dann mit Familiennamen Dr. Schmidt heißen.
Dem ist aber ganz offensichtlich nicht so. Dass der Doktorgrad in den Personalausweis eingetragen wird, hat damit überhaupt nichts zu tun, und dass man Herrn Dr. Schmidt ebenso anredet, ist allenfalls eine Frage der guten Manieren. Einen Rechtsanspruch auf diese Anrede hat er aber nicht.
In Oesterreich und Deutschland schmuecken sich Doktoren noch mit dieser Namensaergenzung in Ausweissen und bei Fernsehauftritten. Offensichlicht ist das eine gewisse Art von Heimweh, nach den Zeiten des Adels und den zugehoerigen Titeln. Anderswo macht man diese Bloedheit nicht mehr. In USA macht niemand einen PhD um sich damit in der oeffentlichkeit zu schmuecken. Den PhD braucht man dort in der Forschung und Entwicklung. Mit PhD in Silicon Valley verdient man besser. Aber nicht wegen dem Titel, sondern weil die Themen so anspruchsvoll sind und daher staendig wissenschaftliche Top Perfromance verlangt wird.
In Frankreich bring Dr. ebenfalls nichts. Im Gegenteil: es ist fuer Top Karrieren sogar ein Knock-Out, da es zeigt, dass man von einer Uni kommt und eben nicht von einer Grand-Ecole.
Ich persönlich halte eine akademischen Titel an sich nicht für ein Problem.
Immerhin arbeiten viele Menschen jahrelang gewissenhaft (!) an ihrer akademischen Karriere und dürfen dafür gerne mit einem entsprechenden Titel belohnt werden.
Die Kernprobleme liegen meiner Meinung nach wo anders.
Ich halte die "Titelbesessenheit" in Deutschland für extrem.
Ohne Titel hat man in der (Natur-)Wissenschaft leider geringere Chancen. Hat man einen Titel gibt es einen Job hat man keinen gibt es eine Doktorandenstelle. Was bleibt einem da (auch dank des Hochschulrahmengesetzes) anderes übrig, wenn man z.B. in der Forschung arbeiten will?
Daneben genießt der Titel seltsam hohes gesellschaftliches Ansehen. Selbst beim Bäcker: Herr oder Frau Doktor? "Na die müssen wichtig sein."
Ich finde, Titel egal aus welchen Fachbereich werden gerne gleich (über)bewertet, selbst wenn die Maßgaben zur Erlangung völlig unterschiedlich sind (z.B. Dr med. vs. Dr. rer. nat.).
Ich würde mir wünschen, dass der Doktortitel als das anerkannt wird, was er ist. Nämlich ein Kennzeichen von zusätzlicher Qualifikation in einem (!) ganz bestimmten Fachgebiet der zuvor erlangte Qualifikationen nicht ab sondern aufwertet.
Wenn es keine so starken gesellschaftlichen oder gesetzlichen "Zwang" zum Titel gäbe würden es sich viele sicherlich zwei mal überlegen, ob sie die Zeit und Mühe in eine Dissertation investieren wollen.
Auch wenn man es immer wieder liest, der Doktorgrad (sic!) ist weder ein a, Titel noch b, ein Namensbestandteil. Wäre er ein Namensbestandteil, würde Frau Müller, wenn sie bei der Heirat mit Herrn Dr. Schmidt dessen Namen annimmt, zu einer Frau Dr. Schmidt und auch die gemeinsamen Kinder müssten dann mit Familiennamen Dr. Schmidt heißen.
Dem ist aber ganz offensichtlich nicht so. Dass der Doktorgrad in den Personalausweis eingetragen wird, hat damit überhaupt nichts zu tun, und dass man Herrn Dr. Schmidt ebenso anredet, ist allenfalls eine Frage der guten Manieren. Einen Rechtsanspruch auf diese Anrede hat er aber nicht.
Exakt. Der inflationäre Zunahme der Doktoren in Deutschland ist schliesslich nicht dem Drang nach wissenschaftlicher Erkenntnis geschuldet, sondern der schlichten Tatsache, dass der "Dr." als Schwellenqualifikation und soziales Distinktionskriterium einen überaus hochwertigen Karrieredünger darstellt. Insofern würde die Einführung des Dr. light allenfalls einen verstärkten Run auf den "echten" Titel einsetzen lassen. Von billig zusammenkopierten Guttenbergereien oder "hinterhergeworfenen" Doktortiteln a la Helmut Kohl wird die akademische Welt aber auch dann nicht verschont bleiben.
Immerhin muss man aber Helmut K. - dessen Arbeit so jämmerlich ist, dass man davon ausgehen kann, dass er sie wirklich selbst verfasst hat - zugestehen, dass er der bislang einzige Doktorand ist, der es geschafft hat, mit einer Facharbeit zu promovieren.
Der Doktorandenwildwuchs an den deutschen Universitäten ist mittlerweile zu dicht als dass man ihn mit einer einzigen simplen Massnahme lichten könnte. Im Falle der Politikerpromotion könnte - aufgrund der relativ überschaubaren Zahl der Fälle - eine konsequente Überprüfung der einzelnen Arbeiten aber durchaus Abhilfe schaffen, bzw. dürfte diese Massnahme angetan sein, die schlimmsten Fälle von Ghostwriterpfusch und copy&paste in Zukunft zu vermeiden.
"inflationäre Zunahme der Doktoren in Deutschland" - Können Sie diese Behauptung irgendwie belegen?
Würde mich interessieren, ob das stimmt oder ob das wieder nur dem in Foren so beliebten Spielchen, "mein Vorurteil ist aber größer als Deins", geschuldet ist.
Zahlen in Sachen Doktorarbeiten in D. anbei, stand vor nicht allzu langer Zeit hier auf ZEIT-online zu lesen:
http://www.zeit.de/2011/1...
Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Dr. mittlerweile weniger Indiz für die Qualität wissenschaftlichen Arbeitens als vielmehr eine Art sozialen Türöffners darstellt.
"inflationäre Zunahme der Doktoren in Deutschland" - Können Sie diese Behauptung irgendwie belegen?
Würde mich interessieren, ob das stimmt oder ob das wieder nur dem in Foren so beliebten Spielchen, "mein Vorurteil ist aber größer als Deins", geschuldet ist.
Zahlen in Sachen Doktorarbeiten in D. anbei, stand vor nicht allzu langer Zeit hier auf ZEIT-online zu lesen:
http://www.zeit.de/2011/1...
Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Dr. mittlerweile weniger Indiz für die Qualität wissenschaftlichen Arbeitens als vielmehr eine Art sozialen Türöffners darstellt.
Dafür haben Sie sicher Quellen?
Außeruniversitäre Einrichtungen (z. B. Fraunhofer) sind in der Regel an Universitäten angebunden.
Die Bedingungen, unter denen promoviert wird, sind ein ganz anderes Thema.
Viele Institute haben eher eine enge Kooperation, als eine Einbindung. In einigen Fällen wird sehr ungern zusammen gearbeitet, weil man seine persönlichen Pfründe nicht teilen möchte. Da beschränkt sich die "Einbindung" dann auf Promotionskommissionen. Ich persönlich bin an einem CGIAR Institut im fernen Ausland. Wir sind die Spitze der entwicklungsorientierten Agrarforschung, mit Möglichkeiten, die die vieler Universitäten in Deutschland überschreiten.
Es wäre Schade, sollte man mir das Recht zur Promotion absprechen.
Viele Institute haben eher eine enge Kooperation, als eine Einbindung. In einigen Fällen wird sehr ungern zusammen gearbeitet, weil man seine persönlichen Pfründe nicht teilen möchte. Da beschränkt sich die "Einbindung" dann auf Promotionskommissionen. Ich persönlich bin an einem CGIAR Institut im fernen Ausland. Wir sind die Spitze der entwicklungsorientierten Agrarforschung, mit Möglichkeiten, die die vieler Universitäten in Deutschland überschreiten.
Es wäre Schade, sollte man mir das Recht zur Promotion absprechen.
Wenn Sie so wollen, gibt es den Dr. erster Klasse schon, nämlich die Habilitation. Das Interessante ist nun, dass der Dr.habil. eigentlich nur in der scientific community wahrgenommen wird - als Qualifikation für eine Professur.
Zusätzliches Prestige verleiht er kaum, denn in der community zählen Inhalte, nicht "Titel".
Meine Schlussfolgerung: Den "Dr." als im Ausweis eingetragenen Namenszusatz abschaffen, dann gibt es keine "Türschildtitel" mehr und die Promotion wird für entsprechende Leute uninteressant.
die habil ist die Erheiterung im Ausland schlechthin, denn probieren sie anderen PhD zu erklären, wofür man zwei Doktortitel braucht.
Die ist nur eine Maßnahme um den Influx von ausländischen prof. Lehrkräften in Dland zu beschränken.
Die von ihnen angesprochene community existiert nur in D-land. Hier in Canada muss man sich seine Vollprofessur erarbeiten (meist 5-7 Jahre tenure track), Lehre, Forschung, Mitteleinwerbung, peer review Publikationen und jährliche Evaluationen. Der habil ist da genauso hilfreich wie ein Kropf.
@Thema
Einfach wie hier in Canada vier unabhängige Prüfer (6 Namen müssen eingereicht werden und werden von Grad Department ohne Kenntnis des Doktoranden und Dr-. Vaters ausgewählt), von denen darf keiner der Doktorvater sein, nicht dem Fachbereich oder der Uni des Doktoranden angehört und es dürfen auch keine Kooperationsbeziehungen oder sonstige Abhängigkeiten zum Dr. Vater bestehen. Ich weiß, es ist einfacher weil English zur Zeit die lingua franca weltweit ist, aber man weißhalt nie wer es bekommt.
Zweiter enfach zu realisierender Punkt, alle Doktorarbeiten müssen elektronisch in der public domain verfügbar sein, das hat den Vorteil das auch die Prüfer und der Doktorvater genauer hinschaut.
Drittens Einfügung einer Seite zur Definition des Erkenntnisgewinns aka original contribution to knowledge, was nicht so einfach ist wie es sich anhört. Gute Meinung dazu hier http://nhosen.blogspot.co...
die habil ist die Erheiterung im Ausland schlechthin, denn probieren sie anderen PhD zu erklären, wofür man zwei Doktortitel braucht.
Die ist nur eine Maßnahme um den Influx von ausländischen prof. Lehrkräften in Dland zu beschränken.
Die von ihnen angesprochene community existiert nur in D-land. Hier in Canada muss man sich seine Vollprofessur erarbeiten (meist 5-7 Jahre tenure track), Lehre, Forschung, Mitteleinwerbung, peer review Publikationen und jährliche Evaluationen. Der habil ist da genauso hilfreich wie ein Kropf.
@Thema
Einfach wie hier in Canada vier unabhängige Prüfer (6 Namen müssen eingereicht werden und werden von Grad Department ohne Kenntnis des Doktoranden und Dr-. Vaters ausgewählt), von denen darf keiner der Doktorvater sein, nicht dem Fachbereich oder der Uni des Doktoranden angehört und es dürfen auch keine Kooperationsbeziehungen oder sonstige Abhängigkeiten zum Dr. Vater bestehen. Ich weiß, es ist einfacher weil English zur Zeit die lingua franca weltweit ist, aber man weißhalt nie wer es bekommt.
Zweiter enfach zu realisierender Punkt, alle Doktorarbeiten müssen elektronisch in der public domain verfügbar sein, das hat den Vorteil das auch die Prüfer und der Doktorvater genauer hinschaut.
Drittens Einfügung einer Seite zur Definition des Erkenntnisgewinns aka original contribution to knowledge, was nicht so einfach ist wie es sich anhört. Gute Meinung dazu hier http://nhosen.blogspot.co...
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