Ausstellung zur NS-Zeit Braune Dramen

Machtergreifung an der Semperoper: Eine Ausstellung räumt mit der Legende auf, Dresden sei in der NS-Zeit eine unschuldige Kulturstadt gewesen.

Die Semperoper in Dresden – um das Jahr 1930

Die Semperoper in Dresden – um das Jahr 1930

Die Dresdner haben es nach Hitlers Machtübernahme besonders eilig. Schon fünf Wochen später, am 7. März 1933, brennen Fahnen und Bücher in einem Feuer vor der Volksbuchhandlung beim Schloss. Am selben Tag stürmt der Schauspieler und NS-Sympathisant Alexis Posse mit 60 Gleichgesinnten die Rigoletto-Probe in der Semperoper und erklärt den Dirigenten Fritz Busch für abgesetzt. Dessen Vergehen: »Verkehr mit Juden« und die Beschäftigung »jüdischer und ausländischer Sänger«. Am Abend beweist sich, dass dies alles kein Spuk war. Bis hoch in den 4. Rang sitzt Hitlers SA. Nicht aus Liebe zu Verdi haben ihre Mitglieder die Karten gekauft, sondern um die Reihen mit Braunhemden zu füllen.

Seit 1922 hat Fritz Busch in Dresden mit spektakulären Uraufführungen von sich reden gemacht. Unter seiner Leitung katapultiert sich die Semperoper an die Spitze der Musikmoderne. An diesem 7. März 1933 aber schreien ihn die Dresdner nieder. Busch blickt seine Musiker lange an, die aber schweigen. Ohne den Taktstock erhoben zu haben, verlässt der Westfale die Bühne. »Aus!!!«, vermerkt er in seinem Kalender über sein Ende, aus Protest verlässt Busch nicht nur Dresden, er geht aus Deutschland weg. Mit dem Dirigenten wird sein ganzes Leitungsteam beurlaubt, vom Generalintendanten bis zum Spielleiter der Oper. Es ist ein Signal. Ausnahmslos alle jüdischen Ensemblemitglieder in Dresden müssen gehen, viele verstummen für immer. Die Sängerin Therese Elb und der Musikdirektor Arthur Chitz werden nach Riga deportiert und dort ermordet; die Schauspielerin Jenny Schaffer stirbt in Auschwitz.

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»Diese öffentliche Vertreibung«, sagt Hannes Heer, »war ein einmaliger Vorfall. Es waren ja keine SA-Leute von außerhalb, die mit einem Putsch die Staatstheater übernommen haben, wie immer behauptet wird. Die Machtergreifung hat von innen heraus stattgefunden. Die eigenen Leute haben die Kollegen verjagt, kühl und kalkuliert.« Der Hamburger Historiker arbeitet seit dem Jahr 2006 an dem Forschungs- und Ausstellungsprojekt Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der Juden aus der Oper 1933 bis 1945 . Er widmet sich einem kaum untersuchten Kapitel des deutschen Kulturlebens zwischen den beiden Weltkriegen: der systematischen »Säuberung« der deutschen Opern- und Schauspielhäuser von »jüdischen« und »politisch untragbaren« Ensemblemitgliedern.

Heer hat darüber bereits an den Staatsopern in Hamburg, Berlin, Stuttgart und Darmstadt geforscht; die Ergebnisse in Dresden aber empfindet er als besonders bedrückend. »Es war ja nicht Alexis Posse als Gaukunstwart allein, der den künstlerischen Exodus in Dresden ermöglicht hat. Es waren die ultrakonservativen Bildungsbürger, die in den 1920er Jahren Stücke wie das Kriegsheimkehrer-Drama Hinkemann von der Bühne gefetzt und mit der Judenhetze begonnen haben.« Der von Heer neu recherchierte Teil der Wanderausstellung zeigt deutlich, dass dieser 7. März 1933 Ergebnis einer rassistischen Kulturpolitik war, die als Kampf gegen den »Musikbolschewismus« und die »entartete Kunst« schon lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten propagiert und von großen Teilen des Bürgertums mitgetragen wurde.

Auch wenn Dresden als Vorreiter des Expressionismus gilt – die Stadt war ebenso ein Zentrum des Widerstandes gegen die verhasste Moderne. 1920 gründet sich hier die völkische Organisation Deutsche Kunstgesellschaft. Sie bekämpft mit einem kostenfrei verschickten Nachrichtendienst zeitkritisches Musiktheater oder unliebsame Künstler. Besonders die völkische, verdeckt antisemitische Besucherorganisation Bühnenvolksbund greift diese Vorstöße auf: Vehement zieht sie gegen die an den Musik- und Sprechtheatern betriebene »Entsittlichung, Entgöttlichung und Entnationalisierung« zu Felde. Vor allem das Bildungsbürgertum in Dresden erkennt sich in derartigen Schmähungen wieder. Der Schauspieler Alexis Posse wird nun aktiv. Er gründet Ende 1930 eine »Theaterfachgruppe der NSDAP« – gemeinsam mit Kollegen, Tänzern und Musikern.

Wenn man mit Heer über die neue Ausstellung spricht, wird sein Ton sehr bestimmt: »Diese Nazizelle an den Staatstheatern war deutschlandweit einzigartig. Die haben Klartext gesprochen: ›Wir sind keine braune Gewerkschaft, sondern eine Kampftruppe der Partei‹«, sagt Hannes Heer: »Die konnten sich bei der Durchführung ihrer regelmäßigen ›Kunstabende‹ auf ihre Kollegen verlassen. Das macht die Geschichte so schwierig, so schmerzhaft.« Für Jens Hommel, der gemeinsam mit Heer die Ausstellung konzipiert hat, passen die Recherche-Ergebnisse nicht so recht ins Selbstbild seiner Stadt: »Noch immer finde ich viel zu oft das schwarz-weiße Faschismusbild aus DDR-Zeiten in den Köpfen vor: Hier die braunen Horden als ›Helfershelfer des Monopolkapitals‹ – da die Bürger vom Stadtteil Weißer Hirsch, die aufgrund ihrer kulturellen Affinitäten immer immun blieben für totalitäre Ideologien«, sagt der gebürtige Dresdner. »Die Erzählungen über Barbarei in der Stadt beginnen oft erst mit 1945. Das stößt mir inzwischen bitter auf.«

Kurator Hannes Heer, der vor Jahren mit der Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht bekannt wurde, erinnert sich, seine Recherchen in Dresden seien kompliziert gewesen. Anfangs hätten die Archivare immer gleich erklärt: Es gibt nichts mehr, weder Akten der Verwaltung, noch Personalpapiere. Alles verbrannt. Doch gegen Ende der Arbeit entdeckte Heers Team, dass von den Ensemblemitgliedern, die 1945 wieder am Theater beschäftigt wurden, die alten Personalakten doch noch existierten: »Sie waren einfach – gesäubert und frisiert – in die neuen mit eingearbeitet worden. So konnten viele, ähnlich wie in Westdeutschland, ihre Nazivergangenheit abschütteln und erneut Karriere machen.«

Heer berichtet, und die Aufregung ist ihm noch anzumerken, von einem weiteren Fund: einem 1918 begonnenen handschriftlichen Verzeichnis mit 850 Namen von Arbeitern der Semperoper. Von 1941 an sind in dem Personaljournal auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter verzeichnet, ohne die der Theaterbetrieb wohl zum Erliegen gekommen wäre. Hunderte. Damit sei ein Thema aufgetaucht, sagt Heer, das er bei früheren Recherchen nie zu fassen bekommen habe. »Es gab Gerüchte, aber ich konnte bisher nie etwas beweisen. Und dann steht das hier Schwarz auf Weiß.«

So fügt die Arbeit der Historiker dem Geschichtsbild Dresdens einige neue Facetten hinzu. Die Stadt, sagt Staatsschauspiel-Intendant Wilfried Schulz, sei oft vergangenheitssehnsüchtig – unter Aussparung aller Schmerzpunkte. Ähnlich hat er das auch schon zum Gedenktag 13. Februar gesagt, an dem seit Jahren Tausende Neonazis in der Stadt aufmarschierten. Anstatt das alles nur zu beklagen, macht Schulz sich das Thema zu eigen. Theater, sagt er, müsse sich doch als Spiel- und Erinnerungsort produktiv mit seiner Geschichte beschäftigen; erst recht, wenn sie hoch unmoralisch sei.

In diesem Jahr prangte am 13. Februar weithin sichtbar ein Banner an der Semperoper. Darauf stand: »Es ist noch wichtiger, sich anständig zu benehmen, als gute Musik zu machen«. Ein Zitat des Dirigenten Fritz Busch. Das hoch gehängte Statement stieß bei einigen in der Stadt auf Unverständnis. Und auch ein paar Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle sahen es nicht besonders gern: Als Musiker, so lautete der Einwand, sei man schließlich unpolitisch.

Ulrike Hessler, die Intendantin der Semperoper, teilt diese Ansicht nicht. Das Banner war eine Idee des Personalrates gewesen. Eine Idee, die Hessler, ohne zu zögern, aufgriff. »Was mich besonders schockiert, ist die Aktualität dieses Themas«, sagt sie über die NS-Geschichte ihres Hauses: »50 Ensemblemitglieder mussten gehen, viele auch, weil sie politisch nicht genehm waren.« Wenn sie im Jahr 2011 nach Ungarn schaue und sehe, dass an der Budapester Staatsoper der Chefregisseur und der Generalmusikdirektor entlassen wurden, weil sie der Regierung aus ähnlichen Gründen nicht passen, »dann erinnert mich das sehr an den 7. März 1933«.

Die Ausstellung »Verstummte Stimmen« ist vom 16. Mai bis 13. Juli in den Foyers von Semperoper und Staatsschauspiel Dresden zu sehen; Eintritt frei. 

 
Leser-Kommentare
  1. Entfernt äußern Sie sich konstruktiv zu den Inhalten des Artikels. Die Redaktion/sh

  2. Was hat das mit Nestbeschmutzung zu tun. Es ist schlicht und ergreifend historische Wahrheit und solange jedes Jahr Rechtsradikale das Gedenken an die Opfer für ihre wirren politischen Forderungen benutzen, ist diese historische Aufklärung mehr als Notwendig.

    Das sind die Leute, die Dresden beschmutzen. Regen Sie sich lieber über die auf.

  3. 3. [...]

    Abgesehen von der Tatsache, dass wir unsere deutsche Geschichte sicherlich nie vergessen dürfen, stellt sich mir wieder die Frage des Zwecks dieses Artikels. Inzwischen sollten wir alle gelernt haben, dass die Auswirkungen der Nazi-Herrschaft von 33 bis 45 in allen Gesellschaftsschichten angekommen sind.

    Ich glaube aber, jeder muss sich auch die Frage stellen, wie er selbst reagiert hätte. Es ist immer bequem, aus dem Wohnzimmer des warmen Abstands von 70 Jahren etwas zu verteufeln oder zu sagen "Warum habt ihr nichts getan?". Nur der, der erlebt hat, kann dazu klare Aussagen machen.

    Gekürzt wegen unangemessener Vergleiche. Die Redaktion/sh

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Nestbeschmutzer? Regelmäßige Nazikolumne?

    Zu ersterem fällt mir ein, dass der Begriff des Nestbeschmutzers auch schon in der Nazizeit gern benutzt wurde, um jene zu diffamieren die es wagten Kritik am Nazistaat zu äußern. Im Begriff hallt also eine gewisse Aggressivität nach, denn jemand der schmutzig ist, kann nicht kultiviert sein und in diesem Zusammenhang war der "Unkultivierte" weniger wert als der "Kultivierte". Denken Sie also mal über ihre verwendeten Begrifflichkeiten nach!

    Die "regelmäßige Nazi-Kolumne" langweilt, ja stört Sie gar, weil Sie alles schon wissen? Interessant! Warum haben Sie dann dem Herrn Heer nicht geholfen bei seinen Nachforschungen?

    Warum es mehr Suchergebnisse für den Suchbegriff "Nazi" gibt als für "RAF"? Vielleicht weil die Nazis 56.000.000 Millionen Todesopfer inklusive industriell betriebene Menschenvernichtung hervorgebracht haben?

    Da sollte sich also jeder mal die Frage selbst stellen, ob man gleich losdonnert, weil man denkt die Vergangenheit sei zu genüge aufgearbeitet!

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    Sicherlich weiß ich (und andere) noch nicht alles über die Nazi-Zeit, aber meine Frage war nach dem Zweck dieses Artikels. Ich schrieb auch, dass sicherlich in allen gesellschaftlichen Bereichen diese Punkte zu finden sind. Ob dies nun Aufarbeitung der Vergangenheit ist, oder nicht, mag ich nicht zu sagen. M.E. geht es hier primär eben nicht um Vergangenheitsaufarbeitung oder -bewältigung, sondern um eine dauernde Dämonisierung aller Bereiche. Es gibt tausende von Ausstellungen, Büchern, Filmen usw. um gegen das notwendige Vergessen vorzugehen und aufzuzeigen, was passieren kann.

    Gekürzt. Bitte beachten Sie, dass in diesem Artikel um Dresden während der NS-Zeit geht. Bleiben Sie also bitte bei diesem Thema und vermeiden Sie Relativierungen. Danke. Die Redaktion/sh

    Sicherlich weiß ich (und andere) noch nicht alles über die Nazi-Zeit, aber meine Frage war nach dem Zweck dieses Artikels. Ich schrieb auch, dass sicherlich in allen gesellschaftlichen Bereichen diese Punkte zu finden sind. Ob dies nun Aufarbeitung der Vergangenheit ist, oder nicht, mag ich nicht zu sagen. M.E. geht es hier primär eben nicht um Vergangenheitsaufarbeitung oder -bewältigung, sondern um eine dauernde Dämonisierung aller Bereiche. Es gibt tausende von Ausstellungen, Büchern, Filmen usw. um gegen das notwendige Vergessen vorzugehen und aufzuzeigen, was passieren kann.

    Gekürzt. Bitte beachten Sie, dass in diesem Artikel um Dresden während der NS-Zeit geht. Bleiben Sie also bitte bei diesem Thema und vermeiden Sie Relativierungen. Danke. Die Redaktion/sh

  5. Sicherlich weiß ich (und andere) noch nicht alles über die Nazi-Zeit, aber meine Frage war nach dem Zweck dieses Artikels. Ich schrieb auch, dass sicherlich in allen gesellschaftlichen Bereichen diese Punkte zu finden sind. Ob dies nun Aufarbeitung der Vergangenheit ist, oder nicht, mag ich nicht zu sagen. M.E. geht es hier primär eben nicht um Vergangenheitsaufarbeitung oder -bewältigung, sondern um eine dauernde Dämonisierung aller Bereiche. Es gibt tausende von Ausstellungen, Büchern, Filmen usw. um gegen das notwendige Vergessen vorzugehen und aufzuzeigen, was passieren kann.

    Gekürzt. Bitte beachten Sie, dass in diesem Artikel um Dresden während der NS-Zeit geht. Bleiben Sie also bitte bei diesem Thema und vermeiden Sie Relativierungen. Danke. Die Redaktion/sh

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    Sicherlich müssen Sie nicht alles über die Nazizeit wissen, ich persönlich fand diesen Artikel allerdings sehr interessant. Sie hätten ihn ja nicht lesen müssen.
    Und ja, es geht mir dabei um Vergangenheitsaufbereitung, da in meinen Augen eine Aspekte dieser Vergangenheit nicht aufgearbeitet wurden. Das lag in der fehlenden Entnazifizierung und an der Tatsache, dass dadurch sehr viele Menschen kein Interesse an einer echten Aufarbeitung hatten.

    Sie sprechen von einer "dauernde[n] Dämonisierung aller Bereiche." Bei diesem Satz wird mir gleich zweimal schlecht. Zuerst weil man die NS-Zeit nicht zu "dämonisieren" braucht. Deutschland wurde von amoralischen Mördern regiert. Zweitens weil Sie so tun, als habe es irgendwelche Bereiche gegeben, in denen es ja ganz gut lief. Nun war die gesamte Naziherrschaft aber einzig und allein auf die Ziele der NS ausgerichtet und es gab keinen Bereich, der diesen Zielen nicht untergeordnet war, vom Mutterkreuz bis zur Endlösung.

    Warum Sie so getroffen reagieren, ist mir auch nicht ganz klar. Dass die Nazitäter nicht über ihre Taten sprechen wollten, erschließt sich mir, aber inzwischen ist das Jahr 2011 angebrochen und langsam sollte es doch möglich sein, die historischen Tatsachen auf den Tisch zu legen. (Stellen Sie sich einmal vor, es erschiene ein Artikel über Pol Pot und einer würde in Ihrem Duktus eine Dämonisierung seiner ganzen Politik kritisieren). Diese Taten berühren meine Generation historisch, nicht genetisch.

    Sicherlich müssen Sie nicht alles über die Nazizeit wissen, ich persönlich fand diesen Artikel allerdings sehr interessant. Sie hätten ihn ja nicht lesen müssen.
    Und ja, es geht mir dabei um Vergangenheitsaufbereitung, da in meinen Augen eine Aspekte dieser Vergangenheit nicht aufgearbeitet wurden. Das lag in der fehlenden Entnazifizierung und an der Tatsache, dass dadurch sehr viele Menschen kein Interesse an einer echten Aufarbeitung hatten.

    Sie sprechen von einer "dauernde[n] Dämonisierung aller Bereiche." Bei diesem Satz wird mir gleich zweimal schlecht. Zuerst weil man die NS-Zeit nicht zu "dämonisieren" braucht. Deutschland wurde von amoralischen Mördern regiert. Zweitens weil Sie so tun, als habe es irgendwelche Bereiche gegeben, in denen es ja ganz gut lief. Nun war die gesamte Naziherrschaft aber einzig und allein auf die Ziele der NS ausgerichtet und es gab keinen Bereich, der diesen Zielen nicht untergeordnet war, vom Mutterkreuz bis zur Endlösung.

    Warum Sie so getroffen reagieren, ist mir auch nicht ganz klar. Dass die Nazitäter nicht über ihre Taten sprechen wollten, erschließt sich mir, aber inzwischen ist das Jahr 2011 angebrochen und langsam sollte es doch möglich sein, die historischen Tatsachen auf den Tisch zu legen. (Stellen Sie sich einmal vor, es erschiene ein Artikel über Pol Pot und einer würde in Ihrem Duktus eine Dämonisierung seiner ganzen Politik kritisieren). Diese Taten berühren meine Generation historisch, nicht genetisch.

  6. Der Gestus der Aufklärung als Denunziation ist einfach widerlich und ich glaube er funktioniert auch nicht mehr.

    Wir sehen das alles heute sehr viel differenzierter, weil diese Zeit in sich abgeschlossen ist. Heute kann man keinen ehemaligen Wehrmachtssoldaten mehr zur Weissglut bringen, indem man seine Truppe als Mörderbande verunglimpft. Die ganze Provokation durch linksextreme Sozialwissenschaft funktioniert nicht mehr.

    Vielleicht ist das ganz gut so.

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    Es geht hier nicht um Denunziation und schon gar nicht um eine Provokation durch "linksextreme Sozialwissenschaft".

    Es geht um die Frage, wie es möglich war, dass das "kulturaffine", aber ultrakonservative Bürgertum es verstand und versteht sich mit jeder Ideologie zu arrangieren. Von Westdeutschland ist bekannt, dass das Beamtentum in der Adenauerära sehr nazifiziert war, in Hessen waren ein Drittel der Landtagsabgeordnete ehemalige NSDAP-Mitglieder (Untersuchungszeitraum bis 1987!). In Ostdeutschland war die Politik offiziell "antifaschistisch", sozialistisch. Doch wie hier beschrieben, konnte auch im Osten das große Akten-Frisieren statt finden, das Bürgertum richtete sich in seinen Villenvierteln ein und besetzte auch in Dresden wieder hohe Ämter in den Institutionen: Professuren, die in Dresden so "bildungsbürgerliche" Universitätsmedizin, die Theater und Oper usw. Mittlerweile ist ja auch genug beschrieben, dass eben diese Milieus nicht zum Sturz des DDR-Regimes beigetragen haben und eher staatstragend waren.

    Der Artikel versucht damit lediglich den ostdeutschen "Sonderfall" um einen Aspekt weiter auszuleuchten: wie es dem Bürgertum gelang sich in einer "unbürgerlichen" Gesellschaftsordnung einzurichten. Und freilich ist der Artikel ein wunderbarer Beitrag zu gesellschaftlichen Debatten in Dresden, die immer über die Kultur ausgetragen werden: seien es die neuen Opernbälle oder Elbbrücken. Aber das verstehen nicht alle Foristen und nur leider nur noch manche Dresdner.

    Nur nebenbei möchte ich anmerken, dass die Unschuld Wehrmacht bzgl. begangener Kriegsverbrechen nicht erst seit gestern durch Historiker bezweifelt wird.

    Schon Remarque hat das in "Zeit zu Leben und Zeit zu Sterben" angezweifelt. Am interessantesten an dem Buch ist aber die Historie zur Publikation.

    Es geht hier nicht um Denunziation und schon gar nicht um eine Provokation durch "linksextreme Sozialwissenschaft".

    Es geht um die Frage, wie es möglich war, dass das "kulturaffine", aber ultrakonservative Bürgertum es verstand und versteht sich mit jeder Ideologie zu arrangieren. Von Westdeutschland ist bekannt, dass das Beamtentum in der Adenauerära sehr nazifiziert war, in Hessen waren ein Drittel der Landtagsabgeordnete ehemalige NSDAP-Mitglieder (Untersuchungszeitraum bis 1987!). In Ostdeutschland war die Politik offiziell "antifaschistisch", sozialistisch. Doch wie hier beschrieben, konnte auch im Osten das große Akten-Frisieren statt finden, das Bürgertum richtete sich in seinen Villenvierteln ein und besetzte auch in Dresden wieder hohe Ämter in den Institutionen: Professuren, die in Dresden so "bildungsbürgerliche" Universitätsmedizin, die Theater und Oper usw. Mittlerweile ist ja auch genug beschrieben, dass eben diese Milieus nicht zum Sturz des DDR-Regimes beigetragen haben und eher staatstragend waren.

    Der Artikel versucht damit lediglich den ostdeutschen "Sonderfall" um einen Aspekt weiter auszuleuchten: wie es dem Bürgertum gelang sich in einer "unbürgerlichen" Gesellschaftsordnung einzurichten. Und freilich ist der Artikel ein wunderbarer Beitrag zu gesellschaftlichen Debatten in Dresden, die immer über die Kultur ausgetragen werden: seien es die neuen Opernbälle oder Elbbrücken. Aber das verstehen nicht alle Foristen und nur leider nur noch manche Dresdner.

    Nur nebenbei möchte ich anmerken, dass die Unschuld Wehrmacht bzgl. begangener Kriegsverbrechen nicht erst seit gestern durch Historiker bezweifelt wird.

    Schon Remarque hat das in "Zeit zu Leben und Zeit zu Sterben" angezweifelt. Am interessantesten an dem Buch ist aber die Historie zur Publikation.

  7. weder braun noch rot noch schwarz noch grün.
    Wenn überhaupt waren/sind es die jeweiligen Einwohner der Städte und das auch nur bestenfalls mehrheitlich.
    Aber wer den Umstand, gegen die "Moderne" zu sein, schon für verdächtig hält, der legt wohl wenig Wert auf solche Unterschiede.

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